Gedenkbrunnen in Köln geschändet

Am zweiten Wochenende im Juli 2020 demonstrierten in Köln überwiegend junge Menschen unter dem Motto „Tiere bluten für menschliche Gier“. Dabei wurde das Wasser in mehreren Kölner Brunnen mit roter Farbe gefärbt. Betroffen waren unter anderem der Petrusbrunnen vor dem Kölner Dom, die Domfontäne auf dem Roncalliplatz und der Fischweiberbrunnen am historischen Fischmarkt.

Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Bei der Verunreinigung handelt es sich juristisch um Verunreinigung. Neben der juristischen Bewertung dieser Angelegenheit muss aber auch der Anstand in Erwägungen gezogen werden, denn zu den geschändeten Brunnen in Köln gehört auch der Löwenbrunnen.

Der mit dem „Löwen von Juda“ geschmückte Brunnen auf dem Erich-Klibansky–Platz erinnert an 1100 ermordete jüdische Kinder aus Köln und Umgebung, deren Namen auf den das Brunnenbecken einfassenden Bronzeplatten verzeichnet sind.

An dem Löwenbrunnen befindet sich der Lern- und Gedenkort Jawne, an dem man unter anderem etwas über den Mann erfahren kann, nachdem der Platz benannt ist.

Erich Klibansky war Leiter und Lehrer des jüdischen Reformrealgymnasium Jawne in Köln. Ihm gelang es, 130 der ihm anvertrauten Schülerinnen und Schüler zu retten, indem er für sie im Jahr 1938 eine Flucht nach Großbritannien organisierte. Eins der damals entkommenen Kinder, Hermann Gurfinkel, schuf im Jahr 1997 den Löwenbrunnen.

Erich Klibansky und seine gesamte Familie wurden am 20. Juli 1942 deportiert und vier Tage später in einem Waldstück in der Nähe von Minsk an vorbereiteten Gruben erschossen. Das Andenken dieses Mannes, seiner Familie und und das Andenken 1100 ermordeter Kinder wurde im Juli 2020 in Köln geschändet.

In einer „Erklärung zur Schändung der Gedenkstätte Löwenbrunnen am Erich-Klibansky-Platz in Köln“ steht:

„Mitglieder und Vorstand des Arbeitskreises Lern- und Gedenkort Jawne sind schockiert über die Schändung des Brunnens. Wir können uns keine Argumentation vorstellen, die diese Schändung erklärt, und wir wollen es auch nicht. Es ist einfach nur zum Kotzen.“

Nachtrag: Mittlerweile gibt es eine Stellungnahme von Verantwortlichen der Demonstration:

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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