Rede von Amy Coney Barrett zur Nominierung

Tapfer im Nirgendwo präsentiert die Rede von Amy Coney Barrett zu ihrer Nominierung zum Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten in deutscher Übersetzung.

Vielen Dank, Mr. Präsident.

Ich fühle mich zutiefst geehrt über das Vertrauen, das Sie mir entgegenbringen, und ich bin Ihnen und der First Lady, dem Vizepräsidenten und der Second Lady, sowie so vielen anderen hier für Ihre Freundlichkeit bei diesem überwältigenden Anlass sehr dankbar.

Ich verstehe voll und ganz, dass dies Entscheidung eine wichtige für einen Präsidenten ist und sollte mir der Senat die Ehre gibt, mich zu bestätigen, werde ich mich verpflichten, der Verantwortung für diese Arbeit nach besten Kräften nachzukommen.

Ich liebe die Vereinigten Staaten und ich liebe die Verfassung der Vereinigten Staaten. Ich bin zutiefst demütig über die Aussicht, am Obersten Gerichtshof zu dienen.

Sollte ich bestätigt werden, werde ich mir bewusst sein, wer vor mir kam. Die Flagge der Vereinigten Staaten weht noch immer auf Halbmast in Erinnerung an Justice Ruth Bader Ginsburg, um das Ende eines großen amerikanischen Lebens zu markieren. Justice Ginsburg begann ihre Karriere zu einer Zeit, da Frauen in der Anwaltschaft nicht willkommen waren. Sie aber brach nicht nur gläserne Dächer, sie zerschmetterte sie!

Dafür hat sie die Bewunderung von Frauen im ganzen Land und auf der ganzen Welt gewonnen. Sie war eine Frau von enormem Talent und Durchsetzungsvermögen. Ihr Leben im öffentlichen Dienst ist für uns alle ein Vorbild.

Besonders ergreifend für mich ist ihre lange und tiefe Freundschaft mit Justiz Antonin Scalia, meinem eigenen Mentor. Richter Scalia und Richterin Ginsburg waren in Drucksachen oft erbitterte Gegner, dies aber stets ohne persönlichen Groll. Ihre Fähigkeiten, eine warme und reiche Freundschaft aufrechtzuerhalten, trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten inspirierte sogar eine Oper. Diese beiden großen Amerikaner haben gezeigt, dass Auseinandersetzungen über Themen von großer Bedeutung die persönliche Zuneigung nicht zerstören müssen.

Sowohl in meinen persönlichen als auch in meinen beruflichen Beziehungen bemühe ich mich, diesen Standard zu erfüllen.

Ich hatte das Glück, für Justice Scalia zu arbeiten, er hatte einen unbezahlbaren Einfluss auf mein Leben. Es bewegt mich sehr, hier heute Mitglieder der Scalia-Familie zu sehen, einschließlich seiner lieben Frau Maureen. Ich habe vor mehr als zwanzig Jahren für Justice Scalia gearbeitet, aber die Lektionen, die ich gelernt habe, wirken in mir immer noch nach.

Seine juristische Philosophie ist auch meine. Ein Richter muss das Gesetz, wie es geschrieben ist, anwenden. Richter sind keine politischen Entscheidungsträger. Sie müssen entschlossen sein und etwaige politische Ansichten außer Acht lassen.

Der Präsident hat mich gebeten, die neunte Person am Obersten Gericht zu werden und wie es der Zufall will, bin ich es gewohnt, in einer Neunergruppe zu sein: meine Familie.

Zu unserer Familie gehören ich, mein Ehemann Jesse, Emma, Vivian, Tess, John Peter, Liam, Julia und Benjamin. Vivian und John Peter wurden, wie der Präsident bereits erwähnte, in Haiti geboren und kamen im Abstand von fünf Jahren zu uns, als sie noch sehr jung waren. Die aufschlussreichste Tatsache bei Benjamin, unserem jüngsten, ist, dass seine Brüder und Schwestern ihn vorbehaltlos als Lieblingsgeschwister identifizieren. Unsere Kinder erfüllen unser Leben offensichtlich sehr.

Während ich auch Richterin bin, bin ich zu Hause besser als Schulhelferin, Fahrgemeinschaftsfahrerin und Planerin von Geburtstagsfeiern bekannt. Als die Schulklassen im letzten Frühjahr nicht öffnen durften, probierte ich was neues: Jesse und ich wurden Co-Schulleiter der Barrett E-Learning Academy.

Und ja, die Liste der eingeschriebenen Studentinnen und Studenten war sehr lang. Unsere Kinder sind meine größte Freude, obwohl sie mir eine nicht zu unterschätzende Menge an Schlaf entzogen haben. Ich könnte dieses sehr erfüllte Leben nicht ohne die unerschütterliche Unterstützung meines Mannes Jesse schaffen. Zu Beginn unserer Ehe stellte ich mir vor, wir würden unseren Haushalt als Partner führen und so passierte es auch.

Jesse macht weit mehr als seinen Teil der Arbeit. Zu meinem Leidwesen habe ich kürzlich beim Abendessen erfahren, dass meine Kinder ihn als den besseren Koch betrachten. Seit einundzwanzig Jahren fragt mich Jesse jeden Morgen, was er an diesem Tag für mich tun kann und obwohl ich fast immer „Nichts“ sage, findet er immer noch Möglichkeiten, Dinge von meinen Schultern zu nehmen und das nicht, weil er viel Freizeit hat, im Gegenteil, er hat eine vielbeschäftigte Anwaltskanzlei. Er macht es, weil er ein großartiger und großzügiger Ehemann ist und ich bin sehr gesegnet. Jesse und ich haben ein Leben voller Beziehungen, nicht nur zu unseren Kindern, sondern auch zu unseren Geschwistern, Freunden und furchtlosen Babysittern, von denen eine heute bei uns ist.

Ich bin meinen Eltern Mike und Linda Coney besonders dankbar. Ich habe den größten Teil meines Erwachsenenalters im Mittleren Westen verbracht, aber ich bin in ihrem Haus in New Orleans aufgewachsen. Wie mein Bruder und meine Schwestern bezeugen können, erstreckt sich die Großzügigkeit von Mama und Papa nicht nur auf uns, sondern auf mehr Menschen, als jeder von uns zählen könnte. Sie sind mir eine Inspiration. In einem solchen Moment ist es wichtig, Familie und Freunde zu wertschätzen.

Heute Abend möchte ich auch Sie wertschätzen, meine amerikanischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Der Präsident hat mich zum Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten vorgeschlagen und diese Institution gehört uns allen. Wenn ich bestätigt werde, werde ich diese Position nicht für diejenigen in meinem eigenen Kreis einnehmen und schon gar nicht für mich, ich werde diese Position übernehmen, um Ihnen zu dienen. Ich werde den Amtseid erfüllen, der mich dazu verpflichtet, Gerechtigkeit ohne Rücksicht auf Stand und Ansehen zu üben, den Armen und Reichen das gleiche Recht zu tun und meine Pflichten gemäß der Verfassung der Vereinigten Staaten treu und unparteiisch zu erfüllen.

Ich mache mir keine Illusionen. Der Weg vor mir wird weder kurzfristig, noch auf lange Sicht einfach sein. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich einmal in dieser Position befinden würde, aber jetzt, wo ich es bin, versichere ich Ihnen, dass ich die Herausforderung sowohl mit Demut als auch mit Zuversicht annehmen werde.

Mitglieder des Senats der Vereinigten Staaten, ich freue mich darauf, während des Bestätigungsprozesses mit Ihnen zusammenzuarbeiten, und ich werde mein Bestes geben, um zu zeigen, dass ich Ihrer Unterstützung würdig bin.

Vielen Dank.

***

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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Eine Antwort zu Rede von Amy Coney Barrett zur Nominierung

  1. Roland Giessel schreibt:

    Vielen Dank

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