Kunst ist doch kein Streichelzoo

Ein lyrisches Lebenszeichen aus dem Teil-Lockdown von Simon Slomma.

Ey jo, ich hocke nur in meiner Wohnung, war Jahrelang auf Ochsentour. Jetzt ist das verboten. Früher jeden Abend live in nem kleinen Laden, während alle anderen gerade ihren Feierabend haben. Ja und das haben wir uns so ausgesucht. Es ist ein schmaler Grad zwischen ausgebuht und ausgebucht.

Zugegeben, nicht jeder mit ner Stagetime muss deshalb ungefragt seine Meinung in die Welt schreien. Und es schwingen sich halt oft jene zu Reden auf, die die Bühne nur missbrauchen für nen funky Lebenslauf, die nebenbei noch tausend Asse in ihrem Ärmel haben, reden von Kultur erhalten. Ihr könnt mich mal gerne haben!

Studier doch einfach weiter deine Lehramts-Scheiße, aber mach hier nicht auf die Leiden des jungen Werthers. Weißte, leg dir ruhig n Banner aufs Profil-Bild, aber halt die Füße bitte mal mit Keep it real still.

Ich hab nie gewusst, was ich von meinem Leben will. Hat man mich gefragt, was willst du werden, wurde ich sehr, sehr still. Dann verirrte ich mich in nen Proberaum und von diesem Tag an hat ich einen großen Traum.

Ich hab nie gewusst, was ich aus meinem Leben mache, nur, dass das egal ist, sollt ichs mal in diese Szene schaffen. Ja, ich weiß, das klingt pathetisch, aber schweigen bleibt vergeblich.

Aber klar, du kommst nicht weit durch Distinktion alleine. Macht ihr einfach eure Scheiße weiter, ja und ich mach meine. Und bei den Leuten mit ner großen Reichweite ist es nun mal größtenteils eher auch bloß Neid, weißte.

Natürlich, man macht es für sich selber, aber das Essen muss den Gästen schmecken und nicht dem Kellner. Tu doch nicht so, als wär das Ausbleiben eines Hypes ein Anzeichen dafür, Du verkaufst keinem deinen Geist, nein, es hat auch niemand n Gebot gemacht.

Ja ja, da sitzen sie mal wieder reich und fett am Logenplatz. Ja, ist bitter, vor allem dann im Nachgeschmack. Lern lieber was Ordentliches. Hör auf, was dein Vater sagt. Es gibt keine verhinderten Genies und jeder kriegt das Publikum, das er und sie verdient. Für fünf Euro monatlich erzähle ich euch Geschichten, aber niemand hat die Absicht, eine Paywall zu errichten.

Ich hab nie gewusst, was ich von meinem Leben will. Hat man mich gefragt, was willst du werden, wurde ich sehr, sehr still. Dann verirrte ich mich in nen Proberaum und von diesem Tag an hat ich einen großen Traum.

Ich hab nie gewusst, was ich aus meinem Leben mache, nur, dass das egal ist, sollt ichs mal in diese Szene schaffen. Ja, ich weiß, das klingt pathetisch, aber schweigen bleibt vergeblich. Ein Leben ohne Kunst, nein, nein, das geht nicht.

Live spielen ist am geilsten. Kein Stream kann das leisten. Es sind und bleiben Geistershows, aber wir wollen auch kein Mitleid; Kunst ist doch kein Streichelzoo.

Hast du gute Leute in deinem Umfeld, dann wär es echt uncool, wenn du darüber den Mund hältst. Bitte erzähl es einfach weiter; du darfst drüber sprechen, ey wir sind hier nicht beim Fight Club.

Und die Großen machen‘s auch nicht besser. Biggie Smalls und 2pac wär‘n heut Soundcloudrapper. Jeder braucht n Shuttle aus‘m Jugendhaus, doch kommst du in mein Atelier, dann zieh bitte die Schuhe aus.

Ich mache Mukke, seit ich eine Stimme habe und ich werd nicht aufhören, bis sie mich aus meinem Zimmer tragen. Will sagen, schön, wenn ihr dabei seid. Ich werd sowieso auf Bühnen gehen, bis dass der Tod uns scheidet.

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(TINSIMS)

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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