Ein Ja zum Gespräch

„Es lohnt sich nicht, mit Dir zu sprechen. Du willst Deine Meinung ja gar nicht ändern.“

Immer wenn ich diesen oder einen ähnlich formulierten Satz höre, frage ich: „Ist das der Grund, warum Du überhaupt mit mir redest? Weil Du mich missionieren möchtest?“

Ein Gespräch ist keine Konversionstherapie!

Ich gehe nicht in ein Gespräch, um zu missionieren. Ich rede mit anderen Menschen, um sie zu verstehen und um mich zu erklären. Es geht mir nicht primär darum, mich zu beweisen oder eine Meinung zu ändern. Ein Gespräch muss kein zwanghafter Austausch sein, bei dem Pro und Contra nur vorgetragen werden, um hinterher zu einer Synthese zu gelangen. Ein Gespräch kann auch einfach nur eine Zusammenkunft von Menschen sein, die sich bedingungslos kennen lernen wollen, ganz ohne Eroberungswillen.

Einem Gespräch sollte immer ein Ja zu der Meinung des Anderen zugrunde liegen. Kein Ja im Sinne, dass die andere Person recht hat, sondern ein Ja, dass ich bereit bin, mir die andere Seite anzuhören, ihr zu folgen, ihr vielleicht zuzustimmen oder sie abzulehnen, sie aber auf jeden Fall zu bedenken und zwar im Willen, die andere Position zu verstehen.

Ein Gespräch muss aber auch immer mit einem Ja zu sich selbst beginnen. Ein Gespräch ist nur dann sinnvoll, wenn man von der eigenen Meinung überzeugt ist. Wenn ich meine eigene Position nicht für wertvoll und richtig halte, warum verschwende ich dann die Zeit meines Gegenübers mit diesen Gedanken?

Schweigen ist ein Geschenk.

Wenn mir jemand Schweigen schenkt, um mir zuzuhören, sollte das, was ich in dieses Schweigen lege, wertvoll sein und die Gabe des Schweigens respektieren.

Es gibt drei Wege, die Meinung meines Gegenübers zu verändern. Überzeugen, Verführen oder Gewalt. Wer anderen zu überzeugen sucht, nutzt Fakten, Vernunft und orientiert sich an der Wahrheit. Wer andere zu verführen sucht, nutzt Bilder, Gefühle und manchmal die Lüge. Beide Strategien jedoch fußen auf dem Wort.

Wer nicht mehr bereit ist zu reden, aber dennoch die Meinung des Anderen verändern möchte, der greift zum dritten Weg: Gewalt!

Es ist völlig in Ordnung, Nein zu einem Gespräch zu sagen. Niemand kann zu einem Austausch gezwungen werden. Wer zu einem Gespräch Nein sagt, ignoriert. Die Freiheit zur Ignoranz hat jeder Mensch. Wer aber Nein sagt zu einem Gespräch und die Meinung der anderen Person dennoch ändern möchte, erklärt damit den Willen, zur Gewalt zu greifen. Ein solches Nein zum Gespräch ist immer ein Ja zur Gewalt.

Oft zeigt sich diese Gewalt im Geschrei. Wer nicht Ja sagen kann zu sich, wer nicht weiß, wo er oder sie steht, wer nicht von dem Wert der eigenen Worte überzeugt ist und zudem nicht Ja sagen kann zu dem Wert der Worte des Anderen, brüllt, schreit, zetert, macht den anderen mundtot und schlägt am Ende vielleicht sogar zu.

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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2 Antworten zu Ein Ja zum Gespräch

  1. lusrumichaela schreibt:

    Ja so etwas aber auch, der Gerd Buurmann offenbart sich wieder mal als wertvoller Gesellschaftsgestalter:
    „wer nicht weiß, wo er oder sie steht, wer nicht von dem Wert der eigenen Worte überzeugt ist und zudem nicht Ja sagen kann zu dem Wert der Worte des Anderen, brüllt, schreit, zetert, macht den anderen mundtot und schlägt am Ende vielleicht sogar zu.“
    (Trumpers?)
    Du, Gerd Buurmann, hast aber auch „zugeschlagen“, heftigst, verbal natürlich: Du hast es hier den ewig Missionierenden derart voll in die Seite gegeben, damit natürlich auch den totalitär denkenden Moralisten, die meinen, sie hätten allein „das Gute“ erkannt und gepachtet,. Damit nicht zuletzt den Krakeelern und Gewaltschubsern, die, falls losgelassen, sogar gern ihr eigenes wärmendes Nest zerdeppern und das zu spät bemerken.
    Bitte Buurmann, wo ist dein Lehrstuhl, deine Akademie der Vernunft, woher hast du das?
    „Haut den Lukas“ (statt hören und reden) ist eine profane Kraftmeierei der Rummelplätze, und es ist verwunderlich, dass der „Lukashauer“ Trump nun „bedient wird von Leuten, die seine Methoden gegen ihn am Leben erhalten möchten, alberner und entblössender auf das Alte wie das Neue und das Gesamte geht es nicht mehr – ob man deine Texte mal dorthin „twittert“?
    Könnte sein, wie „reden“ …
    statt spalten.

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