Die Unmenschlichkeit der Corona-Maßnahmen

„Der Kommunismus an sich ist eine gute Idee, der Mensch ist nur das Problem.“

Wer kennt diesen Satz nicht? Er wird immer zuverlässig formuliert, wenn man einen edlen Träumer darauf hinweist, dass jeder Versuch, den Kommunismus zu realisieren, in Unterdrückung, Internierungen und Massenmord geendet hat.

„Den wahren Kommunismus hat es noch nie gegeben“, wird dann gerne als verzweifelte Rehabilitierung hinterher geschoben, ganz so als sei ein erneuter Ansatz zur Verwirklichung des Kommunismus nach so vielen brutal gescheiterten Versuchen erstrebenswert.

Der Kommunismus übt auf die Seele einen Reiz aus, dem man sich nicht entziehen kann. Was ist gegen ein gemeinsames Streben und Wirken nach sozialer Gerechtigkeit einzuwenden?

„Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet.“

Klingt gut, oder? Wer ist schon ein Freund von Kriegshetze und Hass? Es ist doch gut, wenn all das verboten ist, oder?

Der zitierte Absatz fand sich an fünfter Stelle des sechsten Artikels der Verfassung der DDR. Es war genau dieser Absatz, mit dem Kritikerinnen und Kritiker des Regimes in Knast und Folter gesperrt wurden. Nimm Dich in acht vor selbsternannten Friedensaktivisten, denn sie erklären Dich zum Kriegsaktivisten, sobald Du es auch nur wagst zu widersprechen.

Wir befinden uns wieder in einem Krieg. Diesmal jedoch ist der Feind klein und kann sich in jedem Körper befinden, in dem Körper des Kollegen, der Enkelin, des Freundes, der Verkäuferin und in uns selbst. Durch das Virus werden wir einander zur Gefahr. Als Strategie zur Bekämpfung dieser Gefahr zwingt uns die Regierung in einen Lockdown.

Die Bürgerinnen und Bürger werden zum Wehrdienst gegen das Coronavirus zwangsverpflichtet. Alle müssen mitmachen. Wer sich weigert, die Uniformen der Hygiene anzulegen oder die Befehle zur Distanz zu exekutieren gilt als Deserteur, der die Truppenmoral schwächt und das Wohl und die Gesundheit des Volkes gefährdet.

Auch der Lockdown übt auf die Seele einen ungeheuren Reiz aus. Es geht um die Gesundheit. Wer kann wollen, das Menschen an dem Virus sterben? Wenn alle Menschen zu Hause bleiben, wenn es für eine gewisse Zeit keine Treffen mehr gibt, wenn wir das Leben temporär einstellen, dann kann sich das Virus nicht weiter ausbreiten können und das Überleben ist gesichert. Klingt doch super. Was kann man dagegen haben?

Nun, der Mensch ist das Problem!

Jeder Vorschlag einer Problemlösung, bei dem der Menschen zum Problem erklärt wird, ist unmenschlich. Eine solche Lösung will nicht das Problem beenden, sondern den Menschen. Der Kommunismus war so ein unmenschliches System, nicht aufgrund der Ideale, sondern aufgrund der Methodik.

Der Mensch ist frei und fehlerhaft. Er kann sich für das Gute und für das Böse entscheiden. Er definiert überhaupt erst, was gut und böse ist.

Das Problem des Kommunismus ist, dass er nicht eine Methode ist, die den mit Fehlern belasteten, mit Schwächen geschlagen und mit Interessen versehen Menschen ermächtigen soll, ein gerechtes Leben zu führen, sondern dass er eine Ideologie ist, die den Menschen zwingen will, ein gerechtes Leben zu führen. Was gerecht ist, definieren dabei ein paar wenige Mächtige.

Für einen Kommunisten ist der Mensch ein Problem, weil er frei ist. Auch für jene, die die Bürgerinnen und Bürger in Zeiten von Corona in den Lockdown zwingen, ist der Mensch das eigentliche Problem.

Der Mensch ist ein Wesen, das sich seiner Sterblichkeit bewusst ist. Menschen sind Tiere mit Moral. Menschen sind Kreaturen, die Welten erdichten und Kunst erschaffen können. Menschen machen Gesetze und werfen Partys. Menschen erleben sich in der Gemeinschaft und messen sich aneinander. Sie lachen, singen, tanzen und grölen. Sie umarmen sich, kuscheln, raufen, ringen und bekriegen sich. Menschen möchten das Leben spüren. Sie möchten raus. Menschen möchten einen Eindruck hinterlassen. Sie möchten sich mal fallen lassen und mal herrschen. Menschen sind frei.

Freiheit ist gefährlich.

So wie der Zwang zum Kommunismus viele Menschen zerstört hat, so zerstört nun auch der Zwang zur Corona-Bekämpfung viele Existenzen und Menschen. Dabei sind die Gründe vollkommen nachvollziehbar. Der Mensch ist halt das Problem.

Der Mensch ist ein Lümmel. Je stärker er zu etwas gezwungen wird, mag es auch noch so richtig und wichtig sein, umso mehr steigt in ihm der Wille zum Widerstand auf, vor allem wenn die Maßnahmen urmenschliche Verhaltensweisen unterdrücken.

Ich liebe die Freiheit. Sie ermöglicht es mir, ein privatisierter Kommunist zu sein, der versucht, ein gerechter Mensch zu sein. Ich freue mich, wenn es mir gelingt und ich ärgere mich, wenn es mir misslingt. Wenn mir im Misslingen aber unverhältnismäßige Strafen auferlegt werden, wenn ich zum Problem erklärt werde, regt sich in mir Widerstand.

Natürlich braucht es Regeln, um eine soziale Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, aber wenn die Regeln unmenschlich werden, wenn der Mensch das Problem wird, bricht entweder alles zusammen oder die Unterdrückung des Menschen nimmt zu.

Es gibt Menschen, die in der Krise ihre Existenz verloren haben, deren Beziehungen im Ausnahmezustand zu Grunde gegangen sind und deren Kinder Depressionen bekommen. Die Krise hinterlässt verzweifelte Personen, die nicht im Home Office Kuchen essen können, weil es schon am Brot mangelt. Es gibt Menschen, für die war das Fußballstadion, das Theater, die Kneipe oder der Club lebensnotwendige Ablenkung und eine soziale Form des Stressabbaus und der Aggressionsbewältigung. All das hat nun zu.

Menschen brauchen Spiele. Wenn man ihnen diese Spiele nimmt, dann machen sie sich Spiele und zwar auf der Straße.

Wenn um ihren Alltag beraubte Menschen das Haus verlassen, weil ihnen die Decke auf den Kopf fällt, wenn sie die Corona-Regeln brechen, weil sie am Ende sind, dann brauchen sie keine Strafen. Sie brauchen auch keine moralischen Zurechtweisungen von Leuten, die sich in der Krise Wein leisten können, während ihnen selbst das Wasser zum Hals steht.

Den Lockdown muss man sich leisten können. Viele können es nicht.

Die momentane Politik der Corona-Bekämpfung ist zutiefst unmenschlich. Mit jedem Aufruhr unzufriedener Lümmel wird diese Unmenschlichkeit deutlicher. Jeder Protest macht das soziale Gefälle deutlicher. Manch ein Stufenplan zur Bekämpfung des Coronavirus ist so wahnsinnig wie ein kommunistischer Fünf-Jahres-Plan.

Verantwortung lässt sich nicht verordnen. Wir müssen auch in der Krise endlich wieder mehr Freiheit wagen.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

https://www.paypal.me/gerdbuurmann

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Liberalismus, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Sämtliche Kommentare sind nur ein paar Tage sichtbar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s