„Haben Sie auch noch ein paar sportliche Fragen in petto?“

Direkt nach dem 4:0 Sieg Bayerns gegen Hoffenheim am 23. Oktober 2021 interviewte der Sky-Reporter Patrick Wasserziehr den Bayern-Spieler Joshua Kimmich am Spielfeldrand. Dabei stellte Wasserziehr keine einzige Frage zu dem Spiel, sondern unterzog den Spieler einem fünf-minütigen Verhör, warum er sich nicht impfen lasse. Er ließ den Spieler deutlich wissen: „Ich bin anderer Meinung als Sie. Das sage ich ganz ehrlich.“

Joshua Kimmich blieb wären des ganzen Interviews sachlich und höflich. Er erklärte, einfach für sich und Langzeitstudien abwarten zu wollen. Er sei sich seiner Verantwortung bewusst, halte sich natürlich an die Hygienemaßnahmen und würde sich mindestens alle drei Tage testen lassen. Er sagte, jeder solle für sich die Entscheidung treffen und wenn sich jemand impfen lassen wolle, man alles tun solle, dass er sich impfen lassen kann. Er fügte hinzu, es sei „ein bisschen schade“, dass die Debatte zu einer Spaltung innerhalb der Gesellschaft geführt habe: „Es gibt nur noch geimpft oder nicht geimpft.“

Joshua Kimmich sprach sich für mehr Respekt in der Debatte aus: „Aber ich glaube auch, es gibt auch ein paar andere Menschen zu Hause, die einfach ein paar Bedenken haben, was auch immer die für Gründe haben. Und ich finde, auch das sollte man respektieren. Vor allem, solange man sich an die Maßnahmen hält.“

Der Reporter ließ nicht locker und bohrte immer tiefer, bis Joshua Kimmich fragte: „Haben Sie auch noch ein paar sportliche Fragen hoffentlich in petto?“

Was ist bloß passiert? Sportreporter fragen nicht mehr, wie es im Spiel war, im Restaurant wird nicht mehr gefragt, was es sein darf und im Theater wird nicht mehr gefragt, ob man hereinspazieren möchte. Überall wird jetzt die immer gleiche erste Frage gestellt: „Sind Sie geimpft?“

Um die Stadien, Gaststätten, Theater, Kneipen und anderen kulturellen Einrichtungen wurden millionenfach Grenzen errichtet. Überall wird gefragt, bevor man eintreten darf: „Kann ich Ihre Papiere sehen? Sind Sie geimpft?“

Der Mensch ist dem Mensch ein Grenzsoldat geworden.

Vielleicht sollten wir in Zukunft, einfach nur, um zu zeigen, dass es nicht gut ist so, wie es gerade ist, die Frage nach dem Impfstatus zunächst einmal mit dieser Gegenfrage beantworten:

„Haben Sie auch noch ein paar sportliche Fragen in petto?“

Auch im Netz und auf den sozialen Netzwerken empfehle ich, diesen Satz immer dann zu posten, wenn wieder eine Debatte über den Impfstatus eines Individuums geführt wird. Einfach nur, um zu zeigen, dass da was falsch läuft in der Debatte. Gerne kann auch dieses Bild massenhaft verwendet und geteilt werden:

Möge die Frage von Joshua Kimmich zum Leitspruch werden für alle, die im Menschen gegenüber nicht nur eine Gefahr für Leib und Leben sehen, sondern einen Mitmenschen, dem man vertrauen kann.

Die Frage soll der Leitspruch werden für alle, die nicht nur überleben wollen, sondern leben.

***

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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Eine Antwort zu „Haben Sie auch noch ein paar sportliche Fragen in petto?“

  1. nouseforislam schreibt:

    Ich bin schon lange nicht mehr entspannt, obwohl ich geimpft bin, vor allem nicht im Netz. Ich warte förmlich darauf, dass mir wieder eine Anzeige ins Haus flattert oder der Staatsschutz eine Ansprache hält (alles schon passiert). Aber der gegenwärtige Zustand dieser Republik kotzt mich so an, dass ich mir Luft machen muss.

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