Katholische Vernunft

Ab und zu blättere ich gerne im Katechismus der Katholischen Kirche, weil mir einige Glaubensdogmen so sehr gefallen.

So glaubt der Katholik zum Beispiel an die Unbefleckte Empfängnis Marias, ein Festtag, der am 8. Dezember begangen wird. Damit ist allerdings nicht der Moment gemeint, an dem Jesus gezeugt wurde, schließlich wird sein Geburtstag am 25. Dezember gefeiert, also 17 Tage nach dem 8. Dezember, was nicht ganz die Zeitspanne einer menschlichen Schwangerschaft umfasst, sondern es wird die unbefleckte Empfängnis der Person gefeiert, die am 8. September geboren wurden: Maria! Die Tochter von Anna und Joachim wurde somit laut katholischer Glaubenslehre unbefleckt gezeugt, was jedoch nicht heißt, dass das Sperma und die Eizelle von Joachim und Anna unbefleckt war, sondern in dem Moment wo sich Sperma und Eizelle trafen, also der Moment der Empfängnis unbefleckt war. Anna und Joachim sind somit laut katholischem Glaubensbekenntnis die einzigen Menschen in der Geschichte, die gevögelt haben und dabei eine Tochter gezeugt haben, die unbefleckt empfangen wurde. Nicht mal Maria kann das für sich beanspruchen, denn Maria und der Heilige Geist hatten laut Glaubensdogma im menschlichen Sinne kein Sex. Der Heilige Geist befruchtete nur ihren Schoß, gerüchteweise durch ihr Ohr.

Mein absoluter Favorit in der Katholischen Theologie allerdings ist die Lehre der Transsubstantion (Wandlung). Sie besagt, dass sich im Moment der Eucharistie die Hostie und der Wein in Jesu Fleisch und Blut verwandelt und zwar nicht nur symbolisch, sondern „dem Wesen nach“ und „in seinen Elementen“. So steht es im Katechismus der Katholischen Kirche, bestätigt im Jahre 1992 von Papst Johannes Paul II, dem Stellvertreter des Mannes, über dessen Blut und Fleisch es hier gerade geht.

„Wer leugnet, dass im Sakrament der heiligsten Eucharistie wahrhaft, wirklich und wesentlich der Leib und das Blut zugleich mit der Seele und der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und folglich der ganze Christus enthalten ist, und behauptet, er sei in ihm nur wie im Zeichen, im Bild oder in der Wirksamkeit, der sei ausgeschlossen.“ [Konzil zu Trient, in Neuner-Roos: Der Glaube der Kirche, Nr. 577. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1374]

Wer glaubt, die Hostie sei nur ein Symbol, fliegt raus! Nur wer glaubt, bei der Kommunion das Fleisch eines Juden zu essen, ist ein wahrer Katholik im Sinne des Katechismus der Katholischen Kirche. Da wundert es mich nicht, dass im Mittelalter so viele Christen geglaubt haben, Juden würden ihr Mazzebrot mit christlichem Blut zubereiten. Sie haben nur von sich auf andere geschlossen.

Ich frage ich allerdings, was macht eigentlich ein katholischer Vegetarier? Kann er überhaupt das Heil des Leibes Christie empfangen oder gibt es für ihn einen Tofu-Jesus oder einen Gemüse-Christus geben? Was machen die Katholiken, wenn die Grünen einen Vegetariertag verbindlich machen und ihn auf einen Sonntag legen?

„Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung (Transsubstantion) genannt.“ [Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1376.]

Der ganze Jesus ist also in der Hostie anwesend. Da frage ich mich: mit oder ohne Vorhaut? Jesus war Jude und wurde wie die meisten jüdischen Jungen am achten Tag beschnitten. Die Christen feiern das Ereignis acht Tage nach Weihnachten und nennen das Fest Neujahr. Ist Vorhaut in der Hostie?

Die Frage ist mindestens so berechtigt wie die Frage, ob bei Jesus Auferstehung seine Vorhaut mit auferstanden ist. Jesus ist laut Glaubensdogma an Christi Himmelfahrt schließlich körperlich und vor allen unversehrt auferstanden. Kam die Vorhaut also mit? Und wenn ja, passte sie noch? Wo war die Vorhaut in der Zwischenzeit? Und wie ist es möglich, dass im Mittelalter Papst Leo III beanspruchte, im Besitz der Reliquie der Heiligen Vorhaut gewesen zu sein? Was hat er damit gemacht? Angeschaut? Angebetet? Angefasst?

Papst Leo III will die Reliquie der heiligen Vorhaut von Karl dem Großen anlässlich seiner Kaiserkrönung am 25. Dezember 800 geschenkt bekommen haben. Karl der Große wiederum soll die Vorhaut entweder von einem Engel oder von der Kaiserin Irene von Byzanz bekommen haben, die Legende ist da uneins, jedenfalls wurde sie angeblich zusammen mit anderen Reliquien in der Kapelle Sancta Sanctorum im Lateran aufbewahrt. Letztendlich geht das Gerücht, dass die Vorhaut in den Wirren der französischen Revolution verschwunden sein soll.

Ich glaube, dass die Vorhaut zusammen mit Jesus an Christi Himmelfahrt zum Himmel aufgestiegen ist, allerdings separat – aber dafür mit eigenen Flügeln! Erst Jesus und dann acht Minuten später der Schmock mit Flügeln hinterher. Vermutlich sitzt der Schmock jetzt zu rechten Jesus auf seiner Schulter und berät ihn. Oder der Schmock ist ein Engel. Vielleicht sind alle Engel in Wahrheit die Vorhäute früher christlicher Heiliger.

Was mich als Bürger der Europäischen Union zudem noch beschäftigt, ist die Frage nach der Haltbarkeit von Jesu Fleisch und Blut. Die Katholische Kirche haut zweitausend Jahre altes Fleisch raus! Wenn das kein Gammelfleischskandal ist. Jede Dönerbude wird für weniger dicht gemacht! Zudem bietet die katholische Kirche Wein aus dem Jahre 33 a.D. an. Hat sie eigentlich eine Schankgenehmigung?

Bis heute haben Hostien kein Verfallsdatum, und dass obwohl jedes Produkt, das in Europa zum Verzehr ausgehändigt wird, laut Europagesetz ein Verfallsdatum angeben und hygienisch rein verpackt sein muss. Eigentlich müsste jede Hostie in Folie eingepackt und mit einem Verfallsdatum versehen werde. Genau dies fordert jüngst auch die EU-Kommissarin Emma Bonino, aber nachgekommen wurde ihre Forderung nicht.

Die spannendste Frage für mich aber ist: Warum nutz die katholische Kirche nicht die moderne Wissenschaft, um die zweite Ankunft des Herrn zu beschleunigen? Wenn sich doch während der Transsubstantion schon der Wein in Jesus Blut verwandelt und zwar seinem Wesen und seinen Elementen nach, warum entnehmen die Katholiken nicht einfach einen Tropfen, entschlüsseln die DNA und klonen einfach die zweite Ankunft des Herrn? Vielleicht hat Gott die Katholiken nur deshalb mit der Vernunft versehen, damit sie ihre Fähigkeiten nutzen können, um die zweite Ankunft des Herrn zu ermöglichen.

Liebe Katholiken,

nutzt Eure gottgegebene Vernunft und sorgt für die zweite Ankunft des Herrn. Ihr könnt es schaffen! Wenn Euch das wirklich gelingen sollte, dann werde ich sofort an Jesus als meinen Messias glauben. Ihr seht also, meine Seele ist noch nicht verloren. Kämpft um mein Seelenheil! Klont Jesus! Ich bitte Euch drum.

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32 Antworten zu Katholische Vernunft

  1. Cyrano schreibt:

    Abgesehen davon dass das Verspeisen der Hostie als eine Form der zivilisierung des Menschenopfers durch Abstraktion gesehen werden könnte, gehe ich davon aus dass die Praxis der Kommunion deutliche Hinweise darauf gibt, dass Jesus ein Fischwesen war. Warum? Nun, ich habe kurz recherchiert, und festgestellt, dass die Kommunion auch Freitags empfangen werden darf, wo doch Christen Freitags der Konsum von Fleisch verboten ist. Fisch, nach der Christenlogik kein Fleisch (achz nach der Logik einiger besonders lustiger Vegetarier), ist dagegen erlaubt (und in Regionen in denen gilt: alles was im Wasser lebt = Fisch: auch Biber [http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/1875674/index.do]). Freitags einen Menschen zu verspeisen, wäre also nicht drin. Einen Fisch zu verspeisen dagegen schon. Jesus lief auf dem Wasser, wie unter anderem verschiedene Delfine, oder auch Lachse. Ein weiters Indiz. Und was kleben Christen hinten auf ihre Autos (bzw. was war das Geheimzeichen früher christlicher Sekten?) Richtig: [http://de.wikipedia.org/wiki/Fisch_%28Christentum%29]
    Es bliebe auszuschließen, dass Jesus vielleicht ein Inteligenter Biber war. Aber hätte man einen Biber wirklich an ein Holzkreuz schlagen können, ohne dass der zumindest den Versuch unternimmt, sich zu befreien???

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      In dieser Logik kann Jesus auch als Vogel bezeichnet werden.
      Da Vögel am gleichen Tag geformt wurden wie Fische laut 1. Buch Mose, werden Fische und Vögel von vielen Katholiken gleichbehandelt und nicht als Fleisch angesehen. Vogel an Freitag geht somit für viele Christen.

      Ich habe übrigens bewusst geformt geschrieben und nicht geschaffen. Gott hat die Tiere, Vögel und Fische nämlich nicht geschaffen, im Sinne von aus dem Nichts erschaffen. Aus dem Nichts erschaffen hat Gott nur die Welt, die Seeungeheuer und die Seele der Menschen. Auf diesen bedeutsamen Unterschied hat mich Rabbi Engelmayer hingewiesen. Danke dafür.

      • Crusdr schreibt:

        Für Christen geht eine Menge am Freitag, für Katholiken eher nicht. Man sollte nicht den Fehler machen, Katholizismus mit Christentum allgemein gleichzusetzen, auch wenn das vom Papst so gewollt ist. Viele Dinge im Katholizismus stehen im direkten Widerspruch zur Bibel (Heiligenanbetung, Marienverehrung, der Papst). Christ sein hat etwas mit Glauben zu tun, Katholik sein mit Religiösität.

        • Immanuel Scheerer schreibt:

          Hallo Crusdr, in welchem Verhältnis stehen denn für dich Glauben und Religiösität? Gibt es Menschen die einen Glauben haben, aber nicht religiös sind? Oder umgekehrt Menschen, die religiös sind, aber keinen Glauben haben?

          • Crusdr schreibt:

            Ich kenne z.B. mehere konfessionelle Pfarrer bzw. Pastoren, die nicht an Gott glauben (und das teilweise sogar zugeben), sondern ihren Posten eher als normalen „Beruf“ sehen. Ebenso gibt es viele Leute, die zwar Sonntags in die Kirche gehen „weil man das so macht“ oder weil es gesellschaftlich in ihrer Umgebung konform ist und religiöse Handlungen vollziehen, ohne zu glauben. Ich persönlich bin selbst Christ und halte mich an die Bibel, aber ich muß keine religiösen Handlungen vollziehen, die nicht von Gott vorgesehen sind, sondern von irgendwelchen Kirchenfürsten ins Leben gerufen wurden.

  2. Leiba Bronstein schreibt:

    Ganz primitives Atheismus. Damit würden Sie vielleicht imstande ein Artikel für „Gottlose am Werkbank“ http://s45.radikal.ru/i110/1003/f9/5bd1021fff07.jpg schreiben, für die „Grundlagen der wissenschaflichechen Atheismus“ würde es vorne und hinten nicht reichen.
    Ich kann das sagen, da ich im 1983 entsprechende Prüfung mit „Ausgezeichnet“ bestanden hatte. Ich habe, a propos, Abschlus als Dipl. Matehematiker und bin als EDV Consultant nicht schlecht unterwegs.
    Also, wie gesagt, ganz primitives gequatsch auf den Agitprop niveau, aber wenn das Sie unterhaltet – es jukt mich nicht.

    Die Sammlung der Links zum Artwork aus dem „Gottlose am Werkbank“ – findet man hier: http://humus.livejournal.com/1421261.html – schauen Sie zu, vielleicht werden Sie dort noch einige interessante Themen finden.

    Mich insbesondere hat das gefreut:

    es gibts nichts neues in USA Bashing seit 1930.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      @ Bronstein: Ich verstehe Ihren Kommentar nicht. Herzlichen Glückwunsch aber nachträglich zu Ihrer ausgezeichneten Prüfung aus dem Jahre 1983.

      Da sie Mathematiker sind, darf ich bei Ihnen Logik unterstellen. Logik ist auch ein Bereich der Semantik. Es gibt Sätze, die formbar aber inhaltlisch unlogisch sind. Zum Beispiel:

      „Alle Aussagen sind falsch!“ (Wenn alle Sätze falsch sind, dann auch diese Aussage?)

      Ein anderes Beispiel: „Das juckt mich nicht!“ (Sie haben dies geschrieben. Aber, wenn es sie nicht jucken würde, dann hätten sie dies nicht geantwortet. Jemand, dem etwas nicht juckt, schreibt nicht, dass es ihn nicht juckt. Ist leider so. Vielleicht juckt es sie nicht sehr, aber ein wenig dann doch. Zumindest in den Fingern hat es ein wenig gejuckt; Finger, die dann hier etwas geschrieben haben.

      Es freut mich somit, Sie ein wenig gejuckt zu haben, mich unterhält das.

      Ein Atheist bin ich nicht. Atheisten sind mir im Böll’schen Sinne ein wenig unheimlich, weil sie mir zu oft von Gott reden.

  3. x schreibt:

    stellt euch vor die kat.kirche klont den weinkeks-dna und der neugeborene „heiland“ ist

    EVANGELISCH!
    das würden sie nicht ertragen oder?

    (an alle gläubigen katoliken sorry, aber der witz, soll echt nur ein witz sein, bietet sich an, ich möchte hier keinen verletzen. 🙂 )

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Schön, dass Sie sich bei den Katholiken entschuldigt haben. Aber entschuldigen Sie sich dann bitte auch bei den Anhängern der Freien Meinung, die durch die permante Forderung nach einer Entschuldigung beleidigt werden.

      • x schreibt:

        warum soll gerade ich sowas machen. ich bin ein fan d. freien meinung.
        ich finde
        jeder hat das
        recht auf meine
        freie meinung!


        lol
        😉

  4. Gundog schreibt:

    By the way, I’m a lady!

  5. Gundog schreibt:

    Es ist interessant zu sehen, dass beim Glauben (egal, welchem) der „Spaß“ offensichtlich ganz schnell aufhört. Plötzlich wird es zappenduster und sehr, sehr ernst.

    Gott sei Dank glaube ich nicht an Gott 😉

    Ich muss an den „Namen der Rose“ denken, das „Buch der Komödie“ und all die Gefahren, die vom Lachen ausgehen…

  6. x schreibt:

    ….und ich dachte schon jesus wäre ein jüdischer keks mit weinfüllung aus nazaret, sozusagen von „elit“…..

    ach komm Herr BURRMANN lass doch den katoliken ihren glauben, wer weiß was sie machen wenn du sie davon abbringst die konvertiren zum schjismus und dann gute nacht. 🙄

  7. sonst wer schreibt:

    gnade 🙂

  8. john schreibt:

    obwohl ich nichts für die katholische Theologie nichts übrig habe, sollten Sie sich doch etwas mehr anstrengen, wenn sie eine Sache lächerlich machen wollen oder in den Dreck ziehen.
    Die Transsubstantions-Lehre haben Sie offensichtlich nicht im Ansatz verstanden. Wie auch – handelt es sich um eine durchaus komplexe (und absurde) philosophische Überlegung. Aber Sie hat dennoch ihre Gründe und ich frage mich, ob Ihnen diese klar sind. Eher nicht.
    Nur kurz: Was sich da „wandelt“, ist die Substanz, nicht die Akzidentien. Deswegen hat das alles nichts mit Vorhaut usw. zu tun.
    Sie zitieren zwar richtig – „die ganze Substanz Jesu“, nur um das sogleich zu verdrehen „der ganze Jesus“ sei anwesend. Nein eben gerade nicht, sondern nur seine Substanz. Die Akzidentien bleiben die der Hostie. Das ist der Witz bei der Geschichte. Und wenn Sie wissen wollen, warum dieser ganze Unsinn – fragen Sie ruhig nach.

    „BOA! Snap“ wie mein Vorposter finde ich es beispielsweise gar nicht, wenn man eine dieser langweiligen Päderasmus-Anspielungen macht. Gääähn. Gibt’s mal was neues? Abgesehen davon, dass die große Mehrheit der katholischen Priester sicher keine Pädophilen sind, sondern Menschen, die einem „gerechten“ Leben weit näher kommen, als der Großteil der Gesellschaft, und es daher nicht nur langweilig ist, sondern auch dämlich, die immer mit derartigen „geistreichen“ Andeutungen zu bezichtigen.
    Nennen Sie doch lieber mal den Propheten Mohammed einen Kinderfcccer. Das wär mal was neues.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Warum der ganze Unsinn?

      • john schreibt:

        Kurz: Die Leute (Philosophen und Theologen) hatten damals noch (anders als heute) den Anspruch, nicht irgendeinen Scheiss zu glauben, nur weil er da steht, sondern sie wollten zugleich sicher sein, dass das ganze auch rational einholbar ist, d. h. begrifflich begründet. (Vor Absurditäten bewahrt einen sowas natürlich dennoch nicht.)

        Länger: Nun steht da nun mal wörtlich von „mein Fleisch, mein Blut“. Und da kann man nicht dran rütteln. Zum Glück befand man sich im Aristotelischen Denken (gefangen) und konnte es mit etwas Sophistik hinbiegen. Immerhin wusste man damals noch, dass auch noch so heilige Schriften einer Auslegung bedürfen und eigentlich mehr sagen, als geschrieben steht; bzw. sich die Sachen „besser“ verstehen lassen, als es da steht.
        Dass wir einen Keks essen und Wein trinken, nicht Fleisch und Blut, können wir ja deutlich sehen, sagte man sich. Aber die hl. Schrift kann ja nicht lügen. Also muss man es hinbiegen: Zum Glück unterscheidet die Philosophie zwischen Substanz einer Sache und ihren Akzidentien (also zwischen „Träger von Eigenschaften“ und diesen Eigenschaften). Was tatsächlich gewandelt wird, sind nicht die Eigenschaften, sondern nur die Substanz, der diese Eigenschaften anhängen. Also haben wir nach der Wandlung eine Jesus-Substanz mit Hostien- und Wein-Eigenschaften.
        Schöne Zauberei, könnte man sagen. Aber man kann es zumindest als den ernsthaften Versuch verstehen, etwas was da geschrieben steht, sinnvoll und verständlich zu machen. Es als vernünftige Beschreibung aufzuweisen, die man als vernünftiges Wesen glauben kann. Unsere Art des Denkens ist heute weit entfernt von dem des Mittelalters, aber trotzdem: Es ist nicht einfach nur Schwachsinn. Dahinter steht etwas, das man sich heute oft genug wünschen mag: Der Versuch, Glaubensinhalte zu rationalisieren und nicht einfach nur auswendig zu lernen und dafür zu morden.

        • Immanuel Scheerer schreibt:

          Was ist denn unter einer „Jesus-Substanz“ zu verstehen?

          Es mag ja sein, dass im Mittelalter die Lehre der Transsubstantion ein Ausdruck des Versuchs, Glaubensinhalte zu rationalisieren, gewesen sein mag, aber was bedeutet das für heute? Wenn die Rationalisierung von Glaubensinhalten so zeitgebunden ist, kann man schwerlich von einem universalen, zeitlosen Glauben sprechen, was ja eigentlich der katholische, also „allgemein gültige“ Glauben sein sollte. Oder sehe ich das völlig falsch?

          • Cyrano schreibt:

            Es bedeutet zumindest, dass in der christlichen Lehre bis heute ein starkes Bestreben vorhanden ist, allgemeine Wahrheiten herzustellen und zu begründen, die mit der Welt wie sie wahrgenommen wird in Einklang zu bringen sind. Das dabei (auf der Erscheinungsseite) nicht von einem zeitlosen Glauben gesprochen werden kann, ist richtig. Zeitlos ist der Glaube selbst, seine Inhalte (besser vielleicht, Begründungen), können variieren. Das ist in sofern interssant, als das der christliche Glaube so früh keime des aufklärerischen Denkens in sich trug, die (auch) gegen diesen Glauben aktiviert wurden. Das (strategische oder ernstgemeinte) insistieren aufklärerischer Philosophen darauf, dass die eigene Lehre mit dem Konzept Gott in einklang zu bringen sei, legt davon Zeugnis ab. Gerade in der Transsubstitutationslehre, wie oben angemerkt, wird das deutlich, hier wird von Anfang an eine Unterscheidung zwischen Essenz und Erscheinung aufgemacht, die es überhaubt ermöglicht, die inherente Absurdität des Glaubens zu kritisieren, ohne dass der Kritiker einfach mit dem (zugegeben, auch unter Christen verbreiteten) argument der Realität Gottes AUFGRUND seiner Widersprüchlichkeit abgespeist werden kann. Was eine „Jesus-Substanz“ ist, wird deshalb natürlich dennoch kein Theologe ernsthaft beantworten können, ähnlich wie das Kantsche Ding an sich nur negativ definiert wird. Den Treibstoff, den diese sophistischen Legitmiationen des Christentums aber der Kritik der Religion geliefert haben, sollte eine ernstgemeinte Religionskritik tatsächlich nicht übergehen.
            (Wobei ich hier nichts über Kausalitäten sagen möchte… ist das dialektisch angehauchte Moment solch christlicher Lehren eine Reaktion auf Probleme, vor die Kritik die Religion stellte, oder ist sie dem Anspruch, Jesus sei der Erlöser einer andren (der jüdischen) Religion, bereits eingeschrieben, kann ich auf die Schnelle nicht beurteilen)

          • Immanuel Scheerer schreibt:

            Sehr interessante Antwort, danke!

            Manchmal erscheint es mir, als ob das Christentum mehr Philosophie als Spiritualität ist. Insofern gebe ich ihnen Recht, dass es das aufklärerische Denken bereits in sich trug.

            Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, sich jüdisches Know-How in Bezug auf Texte jüdischer Autoren zu nutze zu machen, um nicht bei dem Versuch, diese Texte wie eine griechisch-philosophische Abhandlung zu lesen, in eine Erkenntnis-Sackgasse zu laufen.

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Sehr schöner Vorschlag,

            aber ein Bezug auf jüdische Denkformen würde zwangsläufig zu Erkenntnissen führen, die für manch einen Christen inakzeptabel ist. Schalom ben Chorin zum Beispiel kann nachweisen, dass das Evangelium es durchaus zulässt, dass Jesus verheiratet war, wenn man das Buch nur jüdisch liest. Ein eheloser Jesus ist jedenfalls nicht zwingend.

          • Immanuel Scheerer schreibt:

            Das neue Testament jüdisch zu lesen würde zu für Christen sehr unangenehmen Ergebnissen führen. Deshalb nenne ich das auch das christlich-jüdische Paradoxon.

            Wo kann ich über den von dir genannten Nachweis von Schalom ben Chorin nachlesen? Das interessiert mich!

  9. Gundog schreibt:

    „…aber mit dieser These und somit mit dem Penis des Kindes Jesus sollen sich lieber die katholischen Priester beschäftigen.“ BOA! Snap! 😀

    Vielen Dank für diese humorvolle Auseinandersetzung. Ist schon ein wenig morbide, den armen Mann erst für Jahrtausende hängen zu lassen und ihn dann auch noch unzählige Male zu verspeisen. Als wolle man sichergehen, dass er bloß nie wieder zurückkommt.
    Ja, bitte, klont Jesus! Ich möchte wissen, was der zu der ganzen Schose zu sagen hat.

  10. andreasmain schreibt:

    Die Transubstanti…, nein, die Transsub…, diese Lehre ist nicht leicht zu verstehen – und schon gar nicht leicht zu schreiben. Mir als katholischem Theologen jedenfalls gelingt das nicht. Und Ihnen, verehrter Herr Buurmann, gelingt das auch nicht. Zumindest nicht im dritten Absatz. Jetzt aber bitte nicht diesen kleinen, hübschen Rechtschreibfehler korrigieren! Er ist soooo lustig und sagt noch mehr als 1.000 Worte.

  11. Dohle schreibt:

    Hallo,

    beim Peter Milger ist auch sowas drin:
    http://www.klont-jesus-nicht.de/

Seid gut zueinander!

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