Mehr Stolz!

„Mehr Stolz, ihr Frauen! Der Stolze kann mißfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.“

An diesen Ausspruch von Hedwig Dohm musste ich denken, als ich folgende Nachricht las:

„Ungewöhnliche Entscheidung einer von Klaus Wowereit offiziell eingeladenen schwul-lesbischen Delegation aus Tel Aviv. Beim Berliner CSD will sie mitmachen, aber weder Davidstern noch die israelische Nationalflagge zeigen. Grund sind Befürchtungen, diese Symbole könnten „Feindseligkeiten“ bei anderen CSD-Teilnehmern auslösen.“

Die Befürchtungen der schwul-lesbischen Delegation aus Tel Aviv sind begründet. In den letzten Monaten wurde nur allzu oft klar, dass sich ein brennender Hass gegen Israel im Herzen der Bundesrepublik festgesetzt hat. Man stelle sich jedoch mal vor, deutsche Polizisten würde Menschen mit der Regenbogenfahne in Gewahrsam nehmen, nur weil sich Nazis von der Existenz der bunten Farben provoziert fühlten. Man stelle sich auch mal vor, deutsche Polizisten würde in eine schwul-lesbische Kneipe eindringen, um dort alles, was schwul und lesbisch ist, für einen Tag zu konfiszieren, mit der Begründung, man wolle die Teilnehmer einer radikal-islamischen Demonstration, die an der Kneipe vorbei führt, nicht unnötig provozieren.

Was Israelis und die Freundinnen und Freunde Israel momentan in Deutschland erleben, erinnert sehr an die Behandlungen, die lange Zeit zum bitteren Alltag für Schwule und Lesben gehörten. Die Parade des Christopher Street Days erinnert genau an diese Erfahrungen. Der CSD findet in Erinnerung an den ersten, bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village statt. Dieser Aufstand geschah am 28. Juni 1969.

Es ist beschämend, dass sich 42 Jahre nach dem mutigen Aufstand der Schwulen und Lesben von New York eine beklemmende Feigheit in Berlin breit macht. Gerade die Geschichte des CSD verpflichtet dazu, sich nicht von der Angst leiten zu lassen, sondern Flagge zu zeigen. Wer den CSD ernst nimmt, der muss auch eintreten für das Recht aller Menschen, mögen sie nun schwul, lesbisch oder nicht sein, die Israelfahne zu schwenken, ohne dabei den Zorn der Gegner oder das Schutzbedürfnis der deutschen Polizei zu fürchten.

Israel ist das einzige Land im ganzen Nahen Osten, in dem Schwule und Lesben ein gleichberechtigtes Leben führen können! Es ist gerade dem Mut und dem Einsatz der israelischen Lesben und Schwulen zu verdanken, dass sich auch in Israel ein buntes, vielfältiges und demokratisches Verständnis durchgesetzt hat. Jene Isralis brauchen nun unsere Hilfe und wir dürfen sie ihnen nicht verweigern!

Es ist einfach die Pflicht aller Schwulen und Lesben, ihre Stimme zu erheben, wenn Israelis in Deutschland so behandelt werden wie Schwule und Lesben einst in New York.

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Israel, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.