Jesus, ich habe heute leider kein Foto für Dich!

In Bonn laufen katholische und evangelische Christen gegen die Buchhandelkette Thalia Sturm, da sie den christlichen Glauben beleidigt und in den Dreck gezogen haben soll! Eine Sprecherin des Unternehmens versichert zwar, es sei nie die Absicht von Thalia gewesen, das Hochfest der Christen in Frage zu stellen, aber viele Bonner Christen bezweifeln das.

Der katholische Stadtdechant von Bonn Wilfried Schumacher erklärt, Thalias heidnische Aktion sei ein „Zeichen für die zunehmende Ent-Christianisierung des Landes“ und kündigte auf der Internetseite des Bonner Münsters an, er werde Thalia-Buchhandlungen boykottieren. Der Bonner Superintendent Eckart Wüster betont, die Menschen reagierten betroffen und entsetzt und fühlten sich durch Thalias Benehmen in ihrem Glauben verletzt.

Thalia hat mittlerweile reagiert. Die Unternehmenssprecherin Mirjam Berle erklärt:

„Bei Kunden, die sich mit unserer aktuellen Werbung in ihrem christlichen Glauben verletzt fühlen, entschuldigen wir uns selbstverständlich und versichern ihnen, dass wir keinesfalls die Bedeutung dieses christlichen Hochfestes schmälern wollten.“

Sie fragen sich jetzt vermutlich, was Thalia angerichtet haben mag, um diesen Aufstand der Christen zu provozieren. Hat Thalia etwa Toilettenpapier angeboten, auf dem das Neue Testament gedruckt ist? Hat Thalia gar Hostien als Lesezeichen geschändet oder auf einem Plakat Jesus mit einer Bombe auf dem Kopf gezeigt?

Nein, all dies hat Thalia nicht gemacht. Thalia hat das christliche Osterfest in einer Werbekampagne als „Hasenfest“ bezeichnet. Als Hasenfest! Das muss man sich mal vorstellen. Was für eine Frechheit. Hasenfest!

Es sollte uns alle nicht verwundern, wenn bald auf den Straßen von Rom, Rio und Rüeggisberg das Bonner Stadtwappen verbrannt wird, wenn Schallplaten und CDs des Bonner Komponisten Ludwig van Beethoven von allen Christen weltweit boykottiert werden, wenn ein aufgebrachter Christ mit einer Axt in der Hand das Arbeitszimmer des Geschäftsführers von Thalia stürmt, um ihm den Kopf zu spalten, der Verantwortliche für das Hasenfestplakat auf offener Straße hingerichtet wird, ja wenn sich die Christen Bonns gar an frühe christliche Riten erinnern und Thalia samt der Bücher in Brand stecken.

Kann mir mal jemand erklären, warum es wieder in Mode zu kommen scheint, dass sich religiöse Menschen durch die pure Existenz von Menschen beleidigt fühlen, die ihre Riten nicht todernst nehmen? Ostern ist ein „Hasenfest“! Wenn man Kinder fragt, was Ostern geschieht, dann werden sie mit Sicherheit erst einmal auf Hasen und bemalte Eier zu sprechen kommen, genauso wie sie bei Weihnachten zunächst an den Weihnachtsmann denken. Es mag vielen Fans von Jesus nicht gefallen, aber im Wettbewerb gegen den Weihnachtsmann und den Osterhasen hat er verloren und wurde nicht zum Recall eingeladen.

„Tut mir leid, Jesus, aber ich habe heute leider kein Foto für Dich!“

Gäbe es einen Jesus aus Schokolade, dann könnte sich der Heiland vielleicht wieder behaupten, aber so lange es Christus nur als Hostie gibt, werden die Männer und Hasen aus Schokolade die Herzen und vor allem Zungen der Kinder eher erobern.

Jemand beleidigt? Ich vermute mal nicht. Manche Menschen haben eben Humor und andere nicht. Manche Menschen fühlen sich in ihrem Glauben gefestigt, andere nicht.

Es ist nicht rücksichtslos, wenn ein Mensch Ostern als Hasenfest bezeichnet, auch wenn es manchen Christen nicht gefällt.

Es ist nicht rücksichtslos, wenn ein Mensch Mohammed malt, auch wenn es manchen Moslems nicht gefällt.

Es ist nicht rücksichtslos wenn ein Mensch Schweinefleisch an Yom Kippur ißt, auch wenn es manchen Juden nicht gefällt.

Es ist nicht rücksichtslos, wenn ein Mensch Kuhleder trägt, auch wenn es manchen Hindus nicht gefällt.

Es ist aber sehr wohl rücksichtslos, wenn man einen Menschen verfolgt, weil er öffentlich nach Sonnenuntergang an Karfreitag auf Kuhleder Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf gemalt hat.

Es ist rücksichtslos, wenn Menschen gezwungen werden, Rücksicht zu nehmen auf ewig Beleidigte.

Es ist rücksichtslos, einem Menschen seine Meinungsfreiheit und seinen Humor zu verbieten, weil er dadurch die religiösen Gefühle eines anderen verletzt.

Es ist rücksichtslos, wenn ein Staat seinen Bürgern das Tanzen verbietet, weil sich manche religiöse Menschen dadurch gestört fühlen.

Es ist rücksichtslos, wenn beleidigte Fanatiker mehr zählen als aufgeklärte Menschen.

Es ist rücksichtslos, wenn religiöse Menschen sich in ihrem Glauben gestört fühlen, nur weil andere Menschen ihren Glauben und ihre Riten nicht teilen.

Und nun allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Hasenfest.

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