Wuppertal packt die Badehose ein

(Nachtrag: Das ging schnell. Der Veranstalter hat nach dem Erscheinen dieses Textes den Wortlaut auf seiner Homepage geändert. Dieser Bericht bezieht sich auf die ältere Version. Das Zitat stand wahrlich so auf der Homepage, wie dieser Screenshot aus Lizas Welt beweißt.)

Das letzte Mal wurde in Deutschland in einer Villa am Wannsee über die „Endlösung der Judenfrage“ nachgedacht. Jetzt packt auch die Stadt Wuppertal ihre Badehose ein, nimmt ihr kleines Schwesterlein von der Hamas und geht munter auf zum Wannsee. In der Uni-Halle findet am 7. Mai eine Veranstaltung statt, die auf ihrer Homepage mit folgenden Worten wirbt:

„Das Problem der palästinensischen Flüchtlinge (gewaltsam von ihrem eigenen Land, ihren Farmen und Immobilien vertrieben durch ethnische Säuberung im Jahre 1948) ist der Kern der palästinensischen Sache als Ganzes. Lösung des Problems der palästinensischen Flüchtlinge ist ein Schlüsselelement zur Endlösung der Judenfrage.“

In einer deutschen Stadt wird im Jahre 2011 öffentlich über die „Endlösung der Judenfrage“ nachgedacht und niemand macht sich Sorgen. Vielleicht hat sich einfach niemand die Mühe gemacht, die auf englisch verfasste Homepage zu lesen, denn im Original steht dort:

„The issue of Palestinian Refugees (expelled by force and by ethnic cleansing in 1948 from their own lands, farms and properties) is the core of Palestinian cause as a whole. Solving the issue of Palestinian refugees is a key element towards the final solution.“

Nun könnte man anführen, meine Übersetzung von „final solution“ als „Endlösung der Judenfrage“ wäre ein wenig übertrieben, denn der Begriff könne auch nur mit „endgültige Lösung“ übersetzt werden. Wenn man im Deutsch-Englischen Wörterbuch allerdings den Begriff „final solution“ übersetzen lässt, kommt auch hier nur die durch die Nationalsozialisten geprägte Bedeutung heraus.

Der Begriff „final solution“ ist somit auch in der englischen Sprache eindeutig mit dem Wahn der Nazis und ihrer „Endlösung der Judenfrage“ durch die vollkommene Vernichtung aller Juden verbunden. Diesen Begriff nun in Zusammenhang mit einer Diskussion um den Nahen Osten zu gebrauchen, ist gelinge gesagt ein Affront, vor allem wenn man bedenkt, wer alles zu dieser Veranstaltung geladen ist. In der Westdeutschen Zeitung heißt es:

„Zu diesen Gästen sollen nach Informationen der WZ auch hochrangige Hamas-Vertreter gehören. So sei als Redner unter anderem Abd al-Aziz Duwaik angefragt, der ein Funktionär der Hamas ist. Ebenfalls auf der Wunschliste der Redner soll Scheich Ra’ad Salah, Führer der islamischen Bewegung in Nordisrael, stehen, der über „beste Verbindungen zur Hamas“ verfügen soll, wie ein deutsch-israelisches Online-Magazin im Internet schreibt.“

Henryk M. Broder findet zu dieser Veranstaltung wieder mal nur passende Worte: „Wenn auf deutschem Boden die “final solution” beraten wird, darf natürlich eine qualifizierte deutsche Stimme nicht fehlen. In diesem Fall ist es die famose Freizeitmatrosin Inge Höger von SED-PDS-Linkspartei, die als einzige “Bio-Deutsche” zu der Konferenz eingeladen wurde. Wobei man natürlich nicht ausschliessen kann, dass wieder ein nameloser “Fraktionsmitarbeiter” sie ohne ihr Wissen auf die Rednerliste gesetzt hat.“

Erst die Endlösung, dann die Hamas und jetzt auch noch Inge Höger, was muss eigentlich noch geschehen, damit die Uni-Halle endlich diese Veranstaltung abbläst? Muss erst der ehemalige Ehrenbürger der Stadt Wuppertal höchstpersönlich auftauchen?

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Tapfer im Nirgendwo freut sich, auf folgende Protestbewegung aufmerksam machen zu können:

7.5.2011: Protest gegen die Palästina-Konferenz in Wuppertal

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