Ohne Zesen nichts gewesen!

Kein Mann hat der deutschen Sprache mehr Wörter geschenkt als Philipp von Zesen.

Im 17. Jahrhundert erfand er zahlreiche Verdeutschungen, die Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Heute benutzen alle Menschen, die deutsch sprechen, seine Wortschöpfungen, ohne zu Wissen, dass das copyright, ich meine natürlich das Urheberrecht, bei Phillip von Zesen liegt, zum Beispiel:

Ableitung (für das Fremdwort Derivation),
Abstand (Distanz),
Angelpunkt (Pol),
Anschrift (Adresse),
Augenblick (Moment),
Ausflug
(Exkursion),
Besprechung (Rezension),
Bücherei (Bibliothek),
Emporkömmling
(Parvenü),
Entwurf (Projekt),
Farbgebung (Kolorit),
Freistaat (Republik),
Glaubensbekenntnis
(Credo),
Gotteshaus (Tempel),
Grundstein (Fundament),
Kreislauf
(Zirkulation),
Leidenschaft
(Passion),
Letzter Wille (Testament),
Mundart (Dialekt),
Nachruf (Nekrolog),
Rechtschreibung (Orthographie),
Sterblichkeit (Mortalität),
Verfasser (Autor),
Vollmacht
(Plenipotenz),
Wahlspruch (Devise),
Weltall (Universum).

All diese Wörter sprechen wir nur dank Phillip von Zesen. Allerdings gibt es auch Erfindungen von Zesen, die es nicht in unseren aktiven Wortschatz geschafft haben. Tapfer im Nirgendwo präsentiert, ich meine stellt nun eine kleine Auswahl dieser Wörter vor und lädt alle Leserinnen und Leser ein zu raten, für welches Fremdwort es das deutsche Pendant, ich meine Gegenstück, sein könnte. Einfach auf das Wort klicken, ich meine drücken und schon öffnet sich die Lösung.

Beistrich,
Blitzfeuererregung
,
Blutzeuge,
Dörrleiche,
Entgliederer,
Erzvater,
Gesichtskreis,
Gottestum
,
Jungfernzwinger,
Kirchentisch,
Krautbeschreiber
,
Leuthold,
Lotterbett
,
Lusthöhle
,
Lustkind,
Meuchelpuffer,
Schalksernst,
Spitzgebäude,
Spottnachbildung,
Tageleuchter,
Weiberhof,
Zeugemutter
.

Ich muss gestehen, am meisten gefällt mir das Wort Meuchelpuffer. Ich werde es in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen. Aber auch andere Personen haben die deutsche Sprache mit ihren Verdeutschungen bereichert, zum Beispiel der Schriftsteller und Pädagoge Joachim Heinrich Campe.

Ihm verdanken wir folgende Wörter:

altertümlich (antik),
Erdgeschoss
(Parterre),
Esslust
(Appetit),
Feingefühl
(Takt),
fortschrittlich
(progressiv),
herkömmlich
(konventionell),
Hochschule
(Universität),
Lehrgang
(Kursus),
Randbemerkung
(Glosse),
Stelldichein
(Rendezvous),
Streitgespräch
(Debatte),
tatsächlich
(faktisch),
Voraussage
(Prophezeiung),
Wust
(Chaos)
Zerrbild
(Karikatur).

Campe erfand jedoch auch Wörter, die es nicht in unseren Sprachgebrauch geschafft haben, zum Beispiel diese:

Freigläubiger,
Zwangsgläubiger
,
Heiltümelei
,
Menschenschlachter
.

Die Wörter: Aufmerksamkeit, Bedeutung, Bewußtsein, Grundlage und den in der deutschen Philosophie nicht mehr wegzudenkenden Begriff an sich verdanken wir Philosophen Christan Wolff.

Dem Generalpostdirektor Heinrich von Stephan verdanken wir folgende Wörter:

postlagernd (poste restante)
freimachen (frankieren)
Fernsprecher (Telefon)

Erst jüngst habe ich erfahren, dass der Duden mittlerweile das Wort Rudelgucken für den Begriff public viewing führt. Ich habe keine Ahnung, wer für dieses Wort verantwortlich ist, aber es ist im Grunde keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, dass public viewing in den USA nicht das gemeinsame Anschauen von auf Großbildschirmen übertragenen Veranstaltungen bezeichnet, sondern dort Leichenschau bedeutet.

Rudelgucken klingt auch viel schöner und vor allem lustiger. Ach, ich glaube ich erfinde jetzt einfach mal ein paar Verdeutschungen und lade alle Leserinnen und Leser ein, es mir gleich zu tun. Nutzt einfach die Kommentarspalte und postet, ich meine schreibt, mir Eure Vorschläge für schöne und wenn möglich lustige Verdeutschungen von Fremdwörtern.

Der Erste, der Theodor W. Adorno zitiert, bekommt die Goldene Minima Moralia am Bande verliehen!

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