Der Ruf der Republikaner

Ich war in den Jahren 2007 und 2008 Teil des Wahkampfteams von Hillary Diane Rodham Clinton. Ich lese aber auch mit sehr viel Vergnügen die Bücher und Artikel von Ann Coulter und Michelle Malkin. Mit anderen Worten: Auch in den USA stehe ich politisch Tapfer im Nirgendwo.

Ich kann sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern eine Menge denkwürdiger Ansätze finden. Daher wundert es mich auch, dass vor allem hier in Deutschland der Ruf der Republikaner so unbeschreiblich schlecht ist. Es geht sogar das Gerücht, die Republikaner seien eine rassistische Partei.

Es genügt jedoch schon ein Blick in die Geschichte Amerikas, um zu erkennen, dass dieses Urteil nicht nur absolut falsch ist, sondern sogar das Gegenteil zutrifft. Keine Partei hat mehr für die Abschaffung des Rassismus geleistet als die Republikaner, während es Demokraten waren, die auf der Seite des Rassismus‘ standen.

Zunächst einmal muss betont werden, dass es die Republikaner unter der Führung von Abraham Lincoln waren, die der Skaverei in Amerika den Kampf angesagt hatten. Gegen den Widerstand der politischen Befürworter der Sklaverei, die im Süden mehrheitlich bei den Demokraten zu Hause waren, die wegen der Ankündigung der Abschaffung der Sklaverei die Teilung der Union provozierten und somit den Bürgerkrieg auslösten, schafften die Republikaner die Sklaverei ab.

Wer behauptet, die Grenze zwischen den Befürwortern und Gegnern der Sklaverei verlief zwischen Norden und Süden, der irrt. Die Grenze verlief zwischen Demokraten und Republikanern.

Wie der Bürgerkrieg verlief, steht heute in den Geschichtsbüchern: Der mehrheitlich von Demokraten geführte Süden unterlag dem von den Republikanern geführten Norden. Die Sklaverei wurde abgeschafft. Damit war der Rassismus innerhalb der Demokratischen Partei jedoch noch lange nicht zu Ende.

Nach der Niederlage im Bürgerkrieg konnten die Demokraten die Macht in den Südstaaten ausbauen, obwohl jetzt auch schwarze Männer wählen durften (Frauen, ob schwarz, ob weiß, erhielten erst 1920 das per Verfassung garantierte Wahlrecht in den USA). Der Grund für die Erfolge bei den Wahlen, liegt unter anderem darin begründet, dass paramilitärische Gruppen der demokratischen Partei Gegner einschüchterten, Schwarze angriffen und verhinderten, dass sie ihre Stimme abgeben konnten. Es gehörte ab den 1880er Jahren zu der Taktik der Demokraten, immer strengere Gesetze der Wahlregistrierung zu verabschieden, mit dem Ziel, immer mehr schwarzen Bürgern (aber auch armen Weißen) das Wählen zu erschweren. Nicht selten kam es bei Gouverneurswahlen zu Ausschreitungen und extremer Gewalt von seiten eines Mobs bestehend aus Demokraten.

Zwischen 1890 und 1910 verabschiedeten zehn der elf ehemaligen konföderierten Staaten, beginnend mit Mississippi, neue Verfassungen oder Änderungen, die effektiv die meisten Schwarzen durch eine Kombination von Kopfsteuern und Tests in Lesen, Schreiben und Verstehen ihre elementaren Bürgerrechte zu nehmen. Als auch weiße Bürger bei den Tests durchfielen, richteten die Demokraten schnell die sogenannte Großvater-Klausel ein, die es weiße Analphabeten erlaubte zu wählen.

Die Demokraten hatten es somit geschafft, dass in Louisiana des Jahres 1900 die Zahl der registrierten schwarzen Wähler auf 5320 reduziert wurde, obwohl sie die Mehrheit des Staates ausmachten. Um 1910 waren nur noch 730 Schwarze registriert, weniger als 0.5 % der schwarzen Bevölkerung. Den Höhepunkt erreichte die Politik der Demokraten in North Carolina, wo es keinen registrierten schwarzen Wähler gab zwischen 1896-1904.

So hatten sich die Republikaner die Befreiung der Sklaven nicht vorgestellt.

Es waren sogar Demokraten, die die Jim Crow Gesetze in den USA verabschiedeten, Gesetze die von 1876 bis 1965 in Kraft waren. Sie führten die Rassentrennung in allen öffentlichen Einrichtungen ein. Der Präsident, der diese Jim Crow Gesetzte am meisten unterstützte und zur bundesweiten Beachtung verhalf war der Demokrat Thomas Woodrow Wilson. Auf ihn geht folgender Satz zurück: „Gibt es einen Grund, warum weißen Frauen nicht nur neben weiße Frauen an ihren Maschinen stehen sollten?

Es muss den Demokraten natürlich zu Gute gehalten werden, dass es ein demokratischer Präsident war, der 1964 die Segregation mit dem Civil Rights Act und 1956 mit dem Voting Rights Act abschuf, nämlich Lyndon Baines Johnson und das es die Demokraten waren, die den ersten schwarzen Präsidenten stellen, nämlich Barack Hussein Obama II. Es muss aber auch betont werden, dass es ein republikanischer Präsident war, der de facto die Entsegregation vorangetrieben hat, nämlich Richard Milhous Nixon.

Die Geschichte der Republikaner ist somit eine Geschichte voller Beispiele für oft erfolgreiche Versuche, den Rassismus nicht selten im Widerstand zu Demokraten zu bekämpfen.

Eine Verteufelung der Republikaner als rassistische Partei ist somit absolut ahistorisch und unangebracht, so unangebracht wie es wäre, die Demokraten von heute als rassistisch zu bezeichnen, obwohl es historisch leider nicht ganz falsch ist.

***

Zum Schluss möchte ich Andrew Klavan zu Wort kommen lassen, der wie kein anderer den Ruf der Republikaner auf den Punkt bringt: Why Do Blacks Vote for Democrats?

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12 Antworten zu Der Ruf der Republikaner

  1. frisky schreibt:

    noch ein kleiner nebenkommentar an hope mit seinem beitrag vom 09.11.2011:
    ich denke dir ist da eine „kleine“ verwechslung passiert: früher war dem so, dass die rassisten eher demokratisch waren. mit der ganzen geschichte kehrte sich dies jedoch ins gegenteil. heute scheint doch ziemlich klar zu sein, dass die republikaner unterstützung von israel (also juden welche auf waffenlieferungen angewiesen sind!?), grossbanken oder überhaupt „neokapitalistischen“ konzernen erhalten, da der schnöde mammon A) heilig ist und B) nicht regulierte märkte reiche noch reicher macht! (sorry, dass es so trivial formuliert ist). wäre dem nicht so, wären die republikaner ja auch nicht so kategorisch gegen ein neues waffengesetz oder andere sozialverträgliche parteiprogramme.

  2. frisky schreibt:

    ich habe zum thema republikaner und demokraten ein bisschen recherchiert und bin auf einen interessanten artikel gestossen, die viele unklarheiten ausräumen.
    immer ohne gewähr und vorrausgesetzt man kann der quelle trauen.

    was war das klischee von bisher:

    die demokraten sind die lieben
    die republikaner sind die bösen 😉

    die demokraten sind sozial
    die republikaner sind kapital

    die demokraten sind für homosexuelle ehen
    die republikaner sind gegen homosexuelle ehen

    die demokraten sind vorallem in den nordstaaten
    die republikaner sind vorallem in den südstaaten und in den südstaaten herscht rassismus … so!

    aber ist es auch so?
    also habe ich mir die karte noch einmal angeschaut und mich beim ganzen durcheinander plötzlich gefragt ob man z.b. new york, rein geografisch, nicht auch schon zu den südstaaten zählen könnte.
    aber das nur so zur zusätzlichen verwirrung.

    wie auch immer:
    es scheint, dass sich die klischees zumindest auf die heutige sichtweise im grossen und ganzen bestätigt.
    man darf also weiterhin auf die republikaner böse sein. (wenn man das braucht – man will ja wissen woher die gefahr kommt ;-))))))
    aber eben, bekanntlich gibt es ja schwarz und weiss nicht.
    historisch gesehen waren die demokraten die bösen rassisten und die republikaner die guten.
    der film (lincoln von spielberg) hat das ja auch klar gezeigt.

    nur was geschah dann?
    alles änderte sich irgendwie in der zeit eines martin luther king und den präsidenten richard nixon und robert kennedy.

    aber liest selbst.
    die geschichte über den sogenannten solid-south:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Solid_South

    der ganze film lincoln ist mit sicherheit auch ein politischer seitenhieb an obama, nur habe ich jetzt gerade nicht herausgefunden ob steven spielberg oder thomy lee jones tatsächlich republikaner sind.

  3. foundnoreligion schreibt:

    Aich ich glaube nicht, dass Republikaner Rassisten sind. Schließlich sind viele Schwarze bei den Republikanern, aber auch italienischstämmige, Asiaten und einige wietere gehören dieser Partei an. Aber die Republikaner werden oft von Rassisten gewählt und um deren Stimmen zu holen, geben sich einige rassistisch. Daher sage ich: Nicht Republikaner sind Rassisten, sondern die Hinterwäldler, die republikanisch wählen.

  4. Pingback: Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev

  5. 6kraska6 schreibt:

    Hm. Wäre es sinnvoll, die SPD nach dem einzuschätzen, was sie im 19. Jahrhundert gemacht hat? Wenn ich mir die Kandidaten der Republikaner heute ansehe – die das Format von Abe Lincoln vielleicht etwas unterschreiten , wird mir eher angst und bange um mein geliebtes Amerika…

  6. aristobulus schreibt:

    … Bitte, Gerd, es muss Lyndon Baines _Johnson_ heißen!, ’s ist falsch geschrieben (war ein großer Präsident, der Johnson, er hat’s verdient, dass Du ihn Johnson schreiben mögest)

  7. 888K schreibt:

    Der Ruf der Demokraten sowie auch der Republikanern in den USA hat schon lange nichts mehr mit deren Parteiprogramm zu tun, sondern basiert lediglich auf das Spektakel, welches die Kandidaten abziehen!

  8. Hope schreibt:

    Amerikanische Demokraten = Rassisten
    Amerikanische Juden wählen mehrheitlich Amerikanische Demokraten

    Ahja!

    • andreh schreibt:

      @Hope(less)

      lesen und verstehen ist nicht ihre stärke?!

      und was nun wieder die (amerikanischen) juden mit dem thema zu tun haben, erschliesst sich mir nicht. sie sollten dringend zu einem therapeuten gehen, am besten gleich nach wien und dort von einem ganzen team betreuen lassen, denn ihr fokus auf juden ist krankhaft (und nebenbei gesagt auch ekelhaft).

      • Hope schreibt:

        Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Ich gratuliere Ihnen dazu. Offenbar hilft es, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten.

        Gleichzeitig hoffe ich, Sie erinnern sich an Ihre Worte wenn Sie mal wieder Themen wie z.B. „Massenmord? Na und?!“ kommentieren und alles in irgendeinen Bezug zum Judentum bringen.

    • quisa schreibt:

      @hope: niemand hat hier geschrieben, Amerikanische Demokraten seien Rassisten.
      Nach der Parteiprogrammatik ist heute keine der amerikanischen Parteien rassistisch. Man kann höchstens sagen, dass man unter Republikanern heutzutage tendenziell mehr rechtskonservative (teils auch rassistische) Anhänger findet als unter den Anhängern der Demokraten.

Seid gut zueinander!

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