GEZ für Broder

Die Radioshow KenFM des öffentlich-rechtlichen Senders RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg), die zehn Jahre lang jeden Sonntag nachmittag auf dem Jugendkanal Fritz in der Moderation von Ken Jebsen ausgestrahlt wurde, ist nun endgültig abgesetzt worden.

Zunächst wurde Jebsen noch von der Sendeanstalt verteidigt. Der RBB hatte sogar eine nicht nur von mir als antisemitisch verstandene Mail Jebsens an einen Hörer als nicht antisemitisch bezeichnet, obwohl dort Sätze zu lesen waren, wie dieser: „Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat.“

Jetzt aber wurde Ken Jebsen doch gefeuert. Die Programmdirektorin Claudia Nothelle sagt: „Der Sender hat Herrn Jebsen gegen den Vorwurf verteidigt, er sei Antisemit und Holocaust-Leugner. Allerdings mussten wir feststellen, dass zahlreiche seiner Beiträge nicht den journalistischen Standards des RBB entsprachen. Daraufhin haben wir mit ihm verbindliche Vereinbarungen über die Gestaltung der Sendung „KenFM“ getroffen. Diese hat er wiederholt nicht eingehalten.“

Tapfer im Nirgendwo bittet seine Leserinnen und Leser an dieser Stelle, die Stellungnahme von Nothelle noch einmal zu lesen.

Und, ist es Ihnen aufgefallen? Da steht tatsächlich: „Allerdings mussten wir feststellen.“ Ja, die Nothelle ist wirklich eine ganz Helle und vor allem Schnelle. Als Programmdirektorin hat sie doch tatsächlch jetzt auch festgestellt, was für einem Maximalspinner Sie jeden Sonntag einen gebührenfinanzierten Sendeplatz in ihrer Anstalt gegeben hat.

Zu einer Glanzstunde Jebsen gehört eine Sendung, in der er behauptet hatte, dass von den 1027 freigelassen palästinensischen Terroristen im Oktober 2011 „wahrscheinlich nur ein bis zwei Leute einen Menschen umgebracht“ hätten. (Ab Minute 2.44) Eine glatte Lüge, wie diese Liste beweist. Wo war die schnelle Not-Helle, als Jebsen zum Terrorismusleugner wurde, wie David Irving ein Holocaustleugner ist?

In einer anderen Sendung wusste Jebsen folgendes über den Diktator Muammar Muhammad Abdassalam Abu Minyar al-Gaddafi zu berichten: „Man vergisst immer, dass Gaddafi ja 40 Jahre lang Libyen geführt hat, also irgendwas muss er ja richtig gemacht haben, um 40 Jahre lang teilweise von seinem Volk gemocht zu werden.“ (Ab Minute 4:27) Ob wohl auch folgender Spruch auf dem RBB möglich gewesen wäre:

„Man vergisst immer, dass Hitler ja 12 Jahre lang Deutschland geführt hat, also irgendwas muss er ja richtig gemacht haben, um 12 Jahre lang teilweise von seinem Volk gemocht zu werden.“

Oder, um es nicht ganz so persönlich zu machen:

„Man vergisst immer, dass Kim Il-Sung ja 46 Jahre lang Nord-Korea geführt hat, also irgendwas muss er ja richtig gemacht haben, um 46 Jahre lang teilweise von seinem Volk gemocht zu werden.“

Jetzt hat auch die Programmdirektorin des RBB von diesen Unsäglichkeiten erfahren. Und warum? Weil irgendein Angestellter der Anstalt selbst das eigene Programm gehört hat? Nein! Es ist Henryk M. Broder zu verdanken, dass Claudia Nothelle endlich mal selbst nachgehört hat, was denn da so alles unter Ihrer Programmdirektion gesendet wird.

Und was bekommt Broder als Dank für seine Leistung, diesem Niedergang des journalistischen Standars Einhalt geboten zu haben? Liebesbriefe von Jebsen-Fans:

„Damit bestätigen Sie die jüdischen Klischees perfekt. Denn dem Juden wurde seit hunderten von Jahren ja nachgesagt, dass er einen hinterlistigen, nur zu seinem Vorteil bedachten Charakter hat, und wenn man nicht aufpasst sticht er einem von hinten das Messer in den Rücken – genau DAS haben Sie mit Ihrer Rufschädigung nun bestätigt – bravo, Sie tun den netten und ehrlichen Juden damit sicherlich keinen Gefallen!!“

„Der hinterlistige Jude, der sich grad die Hände reibt und dabei grinst, so stell ich mir Sie gerade vor.“

Die beste Mail hat Henryk M. Broder heute erhalten. Dort heißt es:

„Wenn Juden über Fernsehsender und über den Rest der Medienwelt in Deutschland herrschen, und bestimmen wer gefeuert wird und wer bleiben darf (Ken Jebsen), dann läuft hier gewaltig etwas schief.

Das ist wirklich traurig, denn genau deswegen wurden Sie vor 60 Jahren in diesem Land ja auch so gehasst! Ich bin vielleicht mit meinen 20 Jahren noch sehr jung, aber ich kann nun ohne Zweifel sagen, dass Hitler Recht hatte! Nicht mit dem Holocaust, dieses unmenschliche und widerwärtige Verbrechen, aber mit seiner Meinung zum Weltjudentum…

Hitler hätte damals man besser alle Juden ausweisen lassen sollen und gut is. Dann hätten doch Amerika oder Frankreich oder was weiß ich wer sie aufnehmen können (genug Geld hatten die Juden ja in Deutschland sowieso schon genug angehäuft…), aber wir Deutschen wären endlich wieder frei gewesen, ohne den Marionettenspieler im Hintergrund…“

Herzlichen Glückwunsch, RBB! Jetzt haben wir den Beweis: Es gibt Menschen, die sagen, dass der Holocaust ein „unmenschliches und widerwärtiges Verbrechen“ war und können dennoch ohne Probleme davon überzeugt sein,dass Hitler Recht hatte.“ Zehn Jahre progressives Jugendradio machen sich bezahlt! 

Eine Bitte habe ich aber noch:

Liebe Frau Nothelle,

da Henryk M. Broder für Ihre Anstalt eine Arbeit geleistet hat, die eigentlich einer Ihrer Mitarbeiter hätte leisten müssen, wäre es da nicht geboten, dass Henryk M. Broder angemessen aus dem Topf der GEZ-Gebühren entlohnt wird? Ich finde, er hat sich eine Bezahlung mehr als verdient. Es wäre doch schade, wenn der einzige Lohn Broders für die Übernahme einer Arbeit, die Sie hätten machen oder organisieren müssen, aus antisemitischen Hassmails bestehen würde. Hätten Sie Ihren Job korrekt gemacht, wäre Jebsen schon viel früher vom Sender genommen worden. In dem Fall hätte Broder sich nicht einmischen müssen und die antisemitischen Mails wären nie geschrieben worden. Ich denke, Sie haben da einiges wieder gut zu machen.

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