Güteklasse A Opfer


Foto: © Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

In der letzten Sendung der “Funkhausgespräche” auf WDR 5 ging es um Die braune Gefahr – Verharmlost und unterschätzt?” An der Diskussion nahm auch der Sozialwissenschaftler und Rechtsextremismusforscher an der Uni Köln, Prof. Dr. Christoph Butterwegge, teil. Dabei sagte er folgendes:

“So sehr ich das verurteile und verabscheue, was die RAF gemacht hat, mit der ich nie in irgendeiner Form sympathisiert habe, aber einen Hanns-Martin Schleyer in einem gepanzerten Fahrzeug zu ermorden, ist trotzdem etwas anderes als einen wehrlosen Migranten und zwischen Gewalt und Gewalt gibt es gewaltige Unterschiede und man muss zur Kenntnis nehmen, wie sie politisch motiviert ist, und ich finde, zuallererst müsste man sich jetzt mal gegen die Gewalt wenden, die die Schwächsten im Lande betrifft, nämlich die Minderheiten …”

Wie habe ich Prof. Dr. Christoph Butterwegge zu verstehen? Ist das Blut von Minderheiten etwa roter als das Blut anderer Menschen? Sind ermordete Minderheiten vielleicht sogar toter als tot? Was ist überhaupt eine Minderheit und vor allem, wann gehört wer zu einer? Rassisten und Nazis machen Minderheiten zu verfolgten Minderheiten. Sollen jetzt ernsthaft diese Rassisten und Nazis darüber bestimmen, mit welcher Intensität um Mordopfer getrauert wird?

Als Hanns Martin Schleyer ermordet wurde, war er Arbeitgeberpräsident. Und, Herr Prof. Dr. Christoph Butterwegge, wieviele Arbeitgeberpräsidenten gibt es in Deutschland? Ich sag es Ihnen: immer nur einen! Wenn das mal keine Minderheit ist! Oder gibt es sogar eine noch kleinere Minderheit als eine Gruppe, zu der nur ein Mensch gehört?

Und was ist mit Heinz Marcisz († 41), dem Fahrer von Hans Martin Schleyer, der ebenfalls ermordet wurde? Gehört er keiner Minderheit an? Ist sein Blut daher weniger rot als das von anderen Menschen? Und was ist mit den Polizisten Reinhold Brändle († 41), Helmut Ulmer († 24) und Roland Pieler († 20). Welche „gewaltigen Unterschiede der politischen Motivation“ muss ich zur Kenntnis nehmen, um den Mord an Beamten, von denen zwei am Anfang ihres Lebens standen, als etwas anderes zu erachten, als den Mord anderer Menschen? Ihre Waffen? Ist das wirklich eine Kategorie, ihre Ermordung anders zu beurteilen? Und wenn wir schon dabei sind, Kategorien aufzumachen, zählt Alter etwa weniger als Herkunft? Ist Herkunft tatsächlich Trumpf im Opferquartett?

Wie abgefuckt theoretisch muss man eigentlich sein, um ernstlich in der Lage zu sein, Opfer von terroristischen Mordanschlägen in Güteklassen zu unterteilen? Für Herr Prof. Dr. Christoph Butterwegge jedenfalls gibt es offenkundig Güteklasse A Opfer.

Spannend!

Prof. Dr. Christoph Butterwegge, geboren 1951, dürfte mit dieser Selbstverständlichkeit, mit der er Opfergruppen in Güteklassen einteilt, dem 1977 ermordeten und 1915 geborenen Mann Hanns Martin Schleyer näher sein, als ihm lieb ist, zwar nicht als „Güteklasse C – D Opfer“, aber sehr wohl als NS-Funktionär, der Hanns Martin Schleyer während des Nationalsozialismus‘ in Deutschland war; denn wenn es etwas gab, dass die Nazis perfekt verstanden haben, dann die Einteilung von Menschen in Opferklassen.

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