Wer mit dreißig noch ein Problem mit den Eltern hat, ist selber schuld!

Ich kann es machmal einfach nicht verstehen, wie erwachsene Menschen, die selber Verantwortung für sich und andere Menschen übernehmen sollten, ernsthaft die Schuld für ihre Probleme noch bei ihren Eltern suchen können. Klar, unschuldig sind die Eltern nie, aber mit den Eltern ist es im Grunde wie mit Gott, wenn es ihn gibt, kann ja sein, dass nicht, manchmal kommt ja sogar raus, dass nicht mal der eigene Vater der echte Vater ist: Sie haben uns in diese Welt gebracht, ohne uns zu fragen, haben uns in ihrem Sinne geformt und hatten nicht selten eine komische Art, uns ihre Liebe zu zeigen.

Ich bin echt froh, dass Gott keine Eltern hat, sonst könnte er heute noch seine mehr als bescheidenen Taten der Massenmorde durch Sintfluten und Feuerregen schön auf Mama schieben.

Nein, Gott, wenn es ihn gibt, und unsere Eltern, wenn sie es sind, haben sich für ihre Taten entschieden und sie sind verantwortlich dafür, so wie wir, ihre Kinder, irgendwann für unser Leben Verantwortung übernehmen müssen und schuldig werden können, ohne das wir ständig auf unsere Herkunft verweisen können. Nicht unsere Eltern, nicht die Gesellschaft, nicht das System führt unsere Hand, wir tun es!

Jeder Mensch, der ein Problem mit seinen Eltern hat, versucht es zu lösen und tut dies im Glauben, das Problem aus eigener Kraft und mit Hilfe anderer lösen zu können. Gäbe es diesen Glauben nicht, so bliebe lediglich der Fatalismus und die Hoffnung auf einen Erzoberosterhasen, der es schon irgendwie löst. Für ein unlösbares Problem gibt es nur zwei Alternativen: Akzeptieren oder Verzweifeln. Das Problem der Sterblichkeit zum Beispiel ist genau so unlösbar wie das Problem der Herkunft. Wir sind nun mal die Kinder unserer Eltern! Das wird sich nicht ändern und wenn wir noch so lange zur Therapie gehen. Irgendwann wird sich der Therapeut an uns eine Sauna und ein Pool verdient haben, aber unsere Eltern sind immer noch die Selben!

Man mag mir nur vorwerfen, mein Fokus aus die Verantwortung und die Schuld des Einzelnen sei egozentrisch und überheblich, aber zu glauben, die eigenen Probleme seien so viel schwerer und unlösbarer als die Probleme anderer Menschen, zeugt auch nicht gerade von einem Mangel an Egozentrik und Überheblichkeit. Manchmal ist es gar nicht mal schlecht, etwas überheblich zu sein und an sich zu denken. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“,heißt es doch. Ich kann, ich soll mich also selber lieben. Wunderbar!

Wer glaubt, ein Konflikt mit den eigenen Eltern sei unlösbar, kann sich auch gleich in einen Sarg legen und Schneewittchen spielen, in der Hoffung, ein Prinz möge kommen, der einen wach küsst, um über die böse Schwiegermutter hinwegzukommen. Wer Schneewittchen spielen will, soll sich ein paar Zwerge als Freunde suchen. Ich halte es da lieber mit der Aufklärung und dem Typ aus Königsberg, der einmal gesagt hat:

“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.”

Jetzt kann natürlich gesagt werden: „Aufklärung? Echt? Komm schon! Aufklärung ist sowas von 18. Jahrhundert!“

Ja stimmt, die Aufklärung ist echt schon was her, aber manchmal bin ich halt so richtig schön altmodisch. Muss wohl an meinen Eltern liegen!

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