Solidarität mit Shahin Najafi!

Wenn ein Künstler verfolgt wird, weil er Künstler ist, dann werde auch ich verfolgt! Daher hoffe ich, dass viele Künstlerinnen und Künstler es mir gleich tun werden!

Kennen Sie Shahin Najafi? Ich kannte ihn bisher nicht, obwohl er ein Kollege von mir ist und in Köln lebt. Ich habe es nun einem Artikel von Matthias Küntzel zu verdanken, von Shahin Nadjafi erfahren zu haben.

Shahin Nadjafi ist ein Dichter und Sänger der persischen Sprache und lebt zur Zeit in Köln. Ich weiß nicht wo, da er sich versteckt halten muss. Über Shahin Nadjafi wurde nämlich eine Fatwa gesprochen, ein Todesurteil. Der wunderbare Günter Wallraff hat ihm geholfen, ein sicheres Versteck in Köln zu finden. Was ist geschehen?

Anfang Mai dieses Jahres hatte Shahin Nasjafi ein Lied im Internet veröffentlicht, in dem das lyrische Ich den 10. Imam anbetet, er möge zur Erde zurückkehren, um die Missstände im heutigen Iran beseitigen. Bei den Schiiten gilt der 10. Iman als Heiliger. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung begannen die staatlich kontrollierten Medien Irans einen Tötungsbefehl gegen den Künstler zu verbreiten, da laut dem „Rechtsgutachten“ eines Großayatolla, jede “Schmähung” des 10. Imam als Religionsbeleidigung und als Abfall vom Glauben definiert werden müsse; ein Delikt, auf das im Iran die Todesstrafe steht.

Seitdem wird vom Iran aus eine Menschenjagd organisiert, die an Widerwärtigkeit kaum noch zu überbieten ist. Vom Regime werden Fotos des Sängers ins Netz gestellt, auf denen sein Kopf in einem Fadenkreuz zu sehen ist. Nicht selten weißt sein Kopf sogar Einschusslöcher auf. Gleichzeitig werden Demonstrationen für die Ermordung Shahins organisiert. In Deutschland sollen iranische Stellen das Todesdekret gezielt an hier lebende Iraner weitergeleitet haben. Kölner Islamisten prahlen auf Facebook damit, Shahin in Kürze aufzuspüren und abzustechen.

Lieber Shahin Najafi,

wenn Sie diesen Zeilen lesen, dann erlauben Sie es mir, Ihnen meine ganze Hochachtung vor Ihrer Kunst und meine aufrichtige Solidarität auszusprechen. Sie werden von gewalttätigen Häschern verfolgt und mit dem Tode bedroht, nur weil Sie es wagen, ein Künstler zu sein. Ihr Leben ist in Gefahr, genauso wie das Leben des Schriftstellers Salman Rushdie und das Leben des Zeichners Kurt Westergaard. Sie sind zudem noch mein Nachbar und leben in meiner Stadt. Daher spreche ich Sie persönlich an.

Sie sind ein Künstler und ich bin ein Künstler. Wenn ein Künstler verfolgt wird, weil er Künstler ist, dann werde auch ich verfolgt! Daher hoffe ich, dass viele Künstlerinnen und Künstler es mir gleich tun werden und sich ein Beispiel an Ihnen nehmen und folgendes öffentlich kund tun:

„Lieber 10. Imam, mein Name ist Gerd Buurmann und ich bitte Dich, kehre zur Erde zurück und beende die Missstände im heutigen Iran!“

ای امام دهم عزیز خواهش میکنم لطفا ظهور کن و به نابسامانی های حاکم در ایران امروز پایان ببخش.

Lieber Shahin Najafi, Sie müssen nun im Versteck leben. Unglaublich! In meiner Stadt muss sich ein Künstler verstecken, weil er verfolgt wird. Das geschah hier das letzte Mal in der Zeit der Nationalsozialisten. Damals gab es mich noch nicht. Heute schon!

Wenn Sie wollen, Herr Najafi, dann melden Sie sich einfach bei mir. Ich zeige Ihnen gerne mal meine Lieblingsplätze in dieser Stadt und wenn Sie möchten, dann fühle ich mich sogar geehrt, Sie mal in meiner Show „Kunst gegen Bares“ begrüßen zu dürfen. Das Schöne an der Show ist, dass niemand weiß, wer an einem Abend auftritt und dass es die Show in den Städten Köln, Bonn, Leverkusen, Lübeck, Hamburg, Halle, Essen, Düsseldorf, Mannheim, Heidelberg, Trier, Palma und Stuttgart gibt. Wir können also einen Ort und eine Zeit für einen Überraschungsauftritt verabreden, damit Sie einfach das sein können, was Sie sein wollen: ein freier Künstler.

Alles Liebe,
Gerd Buurmann

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