Warum nicht Israel kritisieren?

Stellen Sie sich mal vor, Sie sehen einen Mann, der in einem kleinen Haus lebt, das er selbst gebaut hat und in einer Nachbarschaft steht, in der alle Häuser in ähnlichem Umfeld und Kontext errichtet wurden.

Jetzt stellen Sie sich vor, dieser Mann wird von der ganzen Nachbarschaft seit dem Tag der Grundsteinlegung bedroht. Die Nachbarschaft erklärt dem Mann pausenlos, sein Haus zerstören zu wollen und ab und an fliegen sogar Steine und selbstgebastelte Bomben auf das Haus.

Stellen Sie sich jetzt vor, der Mann schreibt schon seit dem Richtfest seines Haus‘ regelmäßig Briefe an die Nachbarschaft, um für ein friedliches Zusammenleben zu werben und hat als Zeichen seines guten Willens sogar seinen Stellplatz und einen Teil seines Gartens an die Nachbarn verschenkt, aber trotzdem wird ihm gedroht und weiterhin fliegen Bomben.

Stellen Sie sich weiterhin vor, obwohl alle Häuser in recht ähnlicher Art und Weise entstanden sind, kämen nur Gerüchte über die Unrechtmäßigkeit der Errichtung des eines Hauses auf.

Jetzt stellen Sie sich vor, irgendwann wird es dem Mann zu viel. Er baut einen Zaun und lässt niemanden mehr rein. Irgendwann wirft auch er mit Steinen und explosivem Material.

Stellen Sie sich vor, irgendwann geht die ganze Nachbarschaft in Flammen auf, aber immer noch erklärt der Mann in irgendeiner Form an Frieden interessiert zu sein, während die Nachbarschaft pausenlos erklärt, erst Ruhe zu geben, wenn sein Haus endgültig zerstört wurde.

Stellen Sie sich vor, der Mann und die Nachbarn sind tot und die Enkel bewohnen jetzt die Häuser, aber immer noch will die ganze Nachbarschaft das eine Haus zerstören. Mittlerweile wohnt eine große Familie in dem Haus und einige davon sind tatsächlich recht unsympathisch.

Kämen Sie auf die Idee, die Familie zu kritisieren?

Ich werde immer mal wieder gefragt, warum ich eigentlich niemals Israel kritisiere. Nun, ich kritisiere auch nicht Thailand, Ecuador und die Elfenbeinküste, warum also werde ich so oft nach Israel gefragt, aber zu Israel habe ich tatsächlich eine spezielle Haltung. Israel ist das einzige Land auf der Welt, das von seinen Nachbarn seit Jahrzehnten mit der Auslöschung bedroht wird. Ich habe daher eine klare Antwort: Ich werde erst dann damit anfangen, die Familie in dem Haus zu kritisieren, wenn gesichert ist, dass sie leben kann. Solange aber die Nachbarschaft nicht aufhört, die Familie in ihrer Existenz zu bedrohen, habe ich ganz andere Prioritäten.

Ich vermute sogar, wenn Russland und alle Russen von ihren Nachbarn mit der Vernichtung bedroht werden würde, ich mich nicht so sehr über das Schicksal der Pussy Riot aufregen würde. Allerdings bin ich mir sicher, das Problem gäbe es in dem Fall nicht, da Russland ganz andere Probleme hätte.

Ich bitte daher alle Israelkritiker, einfach mal kurz inne zu halten und einen kleinen Gedanken daran zu verschwenden, wie es sich anfühlen mag, in einem Gebiet zu leben, wo man täglich mit der mal mehr, mal weniger spürbaren Bedrohung der Vernichtung konfrontiert wird. Unter Israelis und Juden sind eine Menge Arschlöcher, wie unter allen Menschen aller Religionen und Nationalitäten, aber ich werde ganz sicher erst dann mit einer Israelkritik beginnen, wenn Israelis und Juden, ob Arschlöcher oder nicht, in Sicherheit leben können.

Wer also will, dass ich Israel kritisiere, soll erstmal dafür sorgen, dass es in Israel sicher genug ist, damit kritisiert werden kann – oder, um die ganz große Keule zu schwingen: Ich werde selbst das größte Arschloch nicht kritisieren, solange es mit dem Tod bedroht wird.

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