Herrennachmittag mit Dame

Heute fand in diesem beschaulichen Restaurant auf einem Golfplatz in der Nähe von St. Augustin bei Bonn ein Vortrag von Irena Wachendorff im Auftrag des Rotary Clubs Bonn-Siegburg unter dem Titel “Rufmord durch Blocks (sic!) im Internet” statt.

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Da auch ich in meinem „Block“ Tapfer im Nirgendwo über Irena Wachendorff berichtet habe, ging ich zu dem besagten Ort, um mir ein Bild von der Veranstaltung zu machen. Ich hatte einfach Grund zu der Annahme, dass auch mir „Rufmord“ unterstellt werden würde. Allerdings sollte ich nicht erfahren, was Irena Wachendorff an diesem Nachmittag von sich gab. Der Präsident des Rotary Clubs Bonn-Siegburg, Volker Kricke, teilte mir nämlich mit: „Da es sich um ein rotarisches Meeting handelt in dem auch clubinterne Dinge besprochen werden, ist es für Gäste leider nicht offen.“

Da saß ich also an der Bar des Restaurants, trank eine Tasse Kaffee und sah durch die Glastüre in den benachbarten Raum, in dem Irena Wachendorff mit ungefähr zwanzig Männern an drei Tischen saß und aß. So wie ich erkennen konnte gab es Klöße, Rotkohl, Sauce und eine Fleischbeilage. Ich ging später zu McDonalds, aber das tut hier jetzt nichts zu Sache. Der Kaffee war lecker. Nach dem Essen stand Irena Wachendorff auf, las mal aufgeregt vom Blatt, mal sprach sie frei. Sie verteilte Fotokopien und gestikulierte. Ich hätte nur zu gern gewusst, was sie da alles von sich gab, konnte aber leider nichts verstehen. Nur sehen konnte ich durch die Glasscheibe. Es sah aus wie ein Herrennachmittag mit gemeinsamen Essen und anschließender Stripperin. Nur entblößte Irena Wachendorff dort nicht ihren Körper sondern offenkundig ihre Seele. Ein Herrennachmittag mit Dame.

Für alle, die Irena Wachendorff nicht kennen: Lange Zeit galt sie als jüdische Lyrikerin, Vorbeterin in der Kölner Reform-Gemeinde Gescher la Massoret, Mitglied der israelischen Armee während des Libanonkrieges und Tochter einer Mutter, die ein Vernichtungslager der Nazis überlebt hat, woran sie immer denken muss, wenn sie ihre alte, pflegebedürftige Mutter wäscht und die tätowierte Nummer auf dem Arm sieht, und eines Vaters, der ein Zadik, also ein ganz besonders frommer Jude gewesen sein soll. Eine spannende Biografie, wie gemacht für einen Herrennachmittag am Rhein, nur leider nicht ganz wahr. Der Journalistin Jennifer Nathalie Pyka ist es zu verdanken, dass einige Details in der Biographie von Irena Wachendorff korrigiert werden mussten:

Der Kölner Reform-Gemeinde Gescher la Massoret ist Frau Wachendorff nicht als Mitglied bekannt sondern nur als Abonnentin des Gemeindeblattes. Von ihrem Engagement als Vorbeterin weiß dort auch niemand etwas, nicht einmal der Rabbiner. In der israelischen Armee hat sie laut Recherchen Pykas auch nie gedient. Das Jüdischste, was Irena Wachendorff somit vorweisen kann, ist ein Abo. Da ist selbst Mel Gibson jüdischer. Bei den Eltern musste die Vita auch ein wenig korrigiert werden. In der Yad Vashen Datenbank, in der vier der sechs Millionen jüdischen Shoah-Opfer gelistet sind, gab es hinsichtlich des Mädchennamens der Mutter, deren gesamte Familie angeblich umkam, keinen einzigen Treffer. Ein Anruf Pykas bei der Mutter brachte dann folgendes Ergebnis. Die Mutter sprach: “Auschwitz? Nein, ich nicht.” Mit dieser mütterlichen Aussage konfrontiert erklärte Irena Wachendorff, dass sie sich nicht wirklich daran erinnern könne, in welchem Vernichtungslager die Mutter war und die Nummer auf dem Arm sähe eigentlich auch nur so aus als könnte es vielleicht etwas sein, dass so ähnlich aussieht wie eine Nummer, mit nur ein ganz klein wenig etwas sehr viel Phantasie. Irena Wachendorffs Vater wiederum war Leiter des Pflanzenschutzamtes der Landwirtschaftskammer Rheinland und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Im Mai 2009 wurde er auf dem nicht-jüdischen Bad Godesberger Burgfriedhof im Rahmen einer Trauerfeier der evangelischen Marienfosterkirche in einer Urne beigesetzt. Für einen angeblichen Zadik, also einen besonders frommen Juden schon eine sehr erstaunliche Angelegenheit, da weder die Verbrennung der sterblichen Überreste noch eine christliche Trauerfeier zum Repertoire einer jüdischen Beerdigung gehören. Jennifer Nathalie Pyka recherchierte weiter und fand heraus, dass Wachendorffs Vater kein Zadik war, sondern ein, wie soll ich es sagen, ähm …, ich sag es einfach frei heraus: Wehrmachtsoffizier. Das ist jetzt zwar nicht wirklich jüdisch, aber was sollen wir uns hier mit Detailfragen aufhalten.

Als ich von dieser Geschichte erfuhr, schrieb ich einen Artikel unter dem Titel „Diesen Holocaust hat es nie gegeben“, in dem unter anderem folgendes stand: „Irena Wachendorff hat mehrfach gelogen und sich eine maßgeschneiderte Holocaustlüge angefertigt. Sie hat sogar in Schulen von ihrer erlogenen Geschichte erzählt. Die Schülerinnen und Schüler, die ihr dort zugehört haben, wissen nun, dass dieser Holocaust erfunden ist. Wenn aber dieser Holocaust erfunden ist, so können sich diese junge Menschen nun fragen, warum sollen dann die anderen Holocaustgeschichten nicht auch frei erfunden sein? Vielleicht sogar alle? Irena Wachendorff hat sich wie ein Pfau mit den Federn tatsächlicher Holocaustopfer “geschmückt”, nur damit sie so ihre Lyrik besser verkaufen kann. Bei dieser Instrumentalisierung des Leids Anderer zur Vermarktung der eigenen Persönlichkeit hat sie zudem die Förderung der Holocaustleugnung in Kauf genommen.“

In diesen Worten wird Irena Wachendorff vermutlich auch Rufmord sehen. Deshalb wäre ich nur zu gerne in dem Raum gewesen, um zu erfahren, warum ich mich ihrer Meinung dieser Tat schuldig gemacht habe. In der jüdischen Philosophie wird das Problem des Rufmords übrigens ausgiebig behandelt und gehört zu den wenigen Vergehen, für die es unter Umständen keine Vergebung geben kann, da die Folgen der Rufschädigung irreversible sein können, ähnlich wie beim Mord – daher auch „Rufmord“.

In der jüdischen Philosophie wird allerdings unterschieden zwischen der bewussten Diffamierung einer Person durch die Verbreitung von Lügen und dem Schlechtmachen einer Person in seiner Abwesenheit durch das Verbreiten von Wahrheiten über eine Person, jedoch in der Absicht, der Person dadurch zu Schaden. Das zweite Vergehen wird als לשון הרע (lashon hara, „böse Zunge“) bezeichnet und gilt als besonders schwere Sünde. Das erste Vergehen ist auch eine Sünde, nicht ganz so schlimm, aber dennoch. Es wird als hotzaat shem ra bezeichnet.

Gehen wir also für einen kurzen Moment davon aus, dass es sich bei Irena Wachendorff wirklich um eine Jüdin handelt, die sich im Judentum Dank ihres sehr frommen Vaters sehr gut auskennt, dann hat sie sich heute entweder eine schwere oder einer der schwersten Sünden zu Schulden kommen lassen. Sie hat entweder lashon hara oder hotzaat shem ra betrieben. Oder aber sie ist einfach nur eine Kostümjüdin, die allen Anstand und jede Vernunft verloren hat. Nachdem es mit der Holocaust-Sache nicht so richtig geklappt hat, ist sie jetzt eben ein Opfer von „Blocks im Internet“. Ist ja fast Auschwitz. Warum jedoch ausgerechnet eine solche Frau einen Vortrag über Rufschädigung halten darf, bleibt ein Geheimnis.

Aber wer schon „Block“ schreibt … Offenkundig haben die Verantwortlichen der heutigen Veranstaltung keine Ahnung wie die Blogosphäre funktioniert. Die Herrenrunde hinter der Glasscheibe wirkte auf mich jedenfalls eher wie eine Gruppe von Kopisten, die sich über den Buchdruck echauffieren.

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