Slamt doch einfach!

Am 20. Oktober fand in Berlin ein interreligiöser Poetry Slam statt, bei dem jugendliche verschiedener Religionen auf der Bühne der Urania ihre Texte unter dem Motto: „I-Slam – We,Slam“ performten. Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein sagt dazu:

„Ich sehe das als wunderbare Möglichkeit, im Spiegel der anderen Religionen die Schönheit der eigenen Religion zu entdecken.“

An dem Projekt wirkte unter anderem auch die Initiative I,Slam mit, die jungen, talentierten Muslimen die Möglichkeit gibt, gehört zu werden, wenn sie sich zu gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Themen äußern wollen. I,Slam formuliert es auf der Homepage so:

„Das ist die Grundidee des i,Slam! Es gibt so viele begabte, muslimische Jugendliche, die nicht wissen, wohin mit ihren Texten, ihren Ideen, ihrer Meinung. Wer also Lust hat, ein Teil dieser Bewegung zu werden, dem schenken wir unsere Aufmerksamkeit und bieten ihm inschaAllah die Plattform zur Entfaltung seiner Kreativität.“

Im Vorfeld des Poetry Slams in Berlin am letzten Samstag fand die Code-of-Ethics-Konferenz statt. Sie wurde von einer Initiative junger, gläubiger, aktiver Muslime, Juden, Christen und Bahai geleitet, in der Absicht, einen Wertekodex zu erstellen, mit dessen Hilfe ein friedvolles Zusammenleben aller Religion erreicht werden soll.

Das klingt ja alles schön und gut, aber darf ich Euch jungen, gläubigen Menschen mal einen kleinen, bescheidenen Rat geben, wie ihr wahrlich ein friedvolles Zusammenleben aller Religionen erreichen könnt? Hört einfach auf, Eurer Umwelt ständig Euren Glauben unter die Nase zu reiben!

Seit Jahren schon organisiere ich die Offene Bühne Show Kunst gegen Bares. In der Show feiern wir mal Weihnachten, mal Rosh Hashana, mal Noruz oder was sich manch eine Religion sonst noch so lustiges ausgedacht hat. Ich war zudem schon bei vielen Poetry Slams von „Reim in Flammen“ bis „word up“ zu Gast. Soll ich Euch mal was verraten? Immer und überall waren stets Menschen unterschiedlichsten Glaubens auf der Bühne! Aber wisst Ihr, was der Unterschied ist zwischen all diesen Poetry Slams und Eurem „I-Slam – We,Slam“. Bei uns ist es egal, welcher Religion jemand angehört oder nicht. Wir sind interreligiös, weil wir es ganz einfach sind, weil die Welt so ist. Bei uns kommen nicht gläubige Christen, Muslime, Juden und Bahai zusammen, sondern, egal wie kitschig das jetzt auch immer klingen mag: Menschen. Bei uns muss man nicht mal gläubig sein. Geht auch ohne! Niemand geht bei uns hausieren mit dem Erzoberosterhasen, an den er glaubt oder mit der Art von Fleisch, die er nicht isst. Bei uns herrscht jeden Abend ein friedliches Zusammenleben!

Was mich an dieser dezidiert interreligiösen Veranstaltung in Berlin stört ist die Selbstverständlichkeit, mit der dort Religionen definiert werden. Muss ich etwa gläubig sein, um dort mitmachen zu dürfen. Darf ein gebürtiger Moslem Texte gegen den Propheten dichten oder ein gebürtiger Jude gegen Beschneidung texten? Haben all die offensiv zu ihrer Religion stehenden Zuschauer ein Anrecht auf Beleidigtsein und wenn ja, entscheidet dann dieses Beleidigtsein über das Programm? Wie interreligiös und tolerant ist eigentlich „I-Slam – We,Slam“? Dürfen auch gläubige Scientologen mitmachen oder hört da das We,Slam auf? Oder slamen we also Ihr dann auf die Ungläubigen? Ich hab da mal ne Frage:

Warum slamt Ihr nicht einfach?

Warum fällt es so vielen Menschen nur so unglaublich schwer, einfach nur Christ, Jude oder Moslem zu sein, ohne daraus gleich ein Alleinstellungsmerkmal zu machen, das nach gesonderten Konferenzen, Veranstaltungen und Konzerten schreit?

Slamt doch einfach!

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