Die neuen Propheten

Die Penetranz, mit der viele Klimawandelwarner nach jedem Hurrikane oder nach jeder Flut gleich Schuld zuweisen, hat den Charme vieler Evangelikaler erreicht, die sofort Homosexualität und sexuelle Promiskuität für die Naturkatastrophen verantwortlich machen. Die einen rufen „Das ist die Strafe Gottes für Eure Sünden“ und die anderen nehmen schlicht das Wort Gott aus der Anklage raus: „Das ist die Strafe für Eure Sünden!“

Mit der Warnung vor dem Klimawandel kommt die moderne Wissenschaft so nah an die religiöse Prophetie heran, wie selten zuvor. Viele Menschen, die damals mit den rohen Gewalten der Natur konfrontiert waren, versuchten der beängstigen Sinnlosigkeit der Zerstörung durch die Natur dadurch zu begegnen, dass sie den Sünder Mensch für die Katastrophe verantwortlich machten. Heute machen nicht weniger Menschen die sogenannten Umweltsünden der Menschheit zum Grund für Naturkatastrophen. Dabei wird jedoch geflissentlich ignoriert, dass die Erde schon in anderen Jahrhunderten der Menschheit viel wärmer war als heute, dass es in Europa Zeiten stärkerer Stürme und Fluten gab als heute und dass es Zeiten gab, in denen es weit weniger Eis an den Polen gab als heute. Die Wikinger zum Beispiel lebten in Grönland an Orten, die heute tief unter Eis liegen. Die Klimakatastrophen sind heute nicht brutaler als zu jeder anderen Zeit. Naturkatastrophen gab es schon, bevor der Mensch in Sünde lebte oder CO2 produzierte.

Damals wie heute stehen die Menschen hilflos vor der Macht der Natur und suchen nach Erklärungen für das Unerklärliche. Viele Menschen wollen einfach irgendwie Schuld sein an der Katastrophe. Sie glauben, die Situation so besser ertragen zu können. Sie benehmen sich wie die verlassene Person, die bei der Trennung immer wieder fragt, was sie denn falsch gemacht habe, in der Hoffnung, so die Situation erträglicher zu machen. Daher haben auch die Propheten von heute immer noch genug Ohren, in die sie ihre apokalyptischen Gedanken flüstern können, so wie einst die dunklen Herrschaften des Mittelalters, die auf ihren Kisten in den pestverseuchten Gassen standen und ihren Dogmen brüllten.

Dogmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich jeder Skepsis verweigern. Das Gegenteil zum Dogma ist die Theorie. Die Theorie verweigert sich nicht dem Zweifel, sondern sie fordert ihn. Weil der Mensch nie sicher sein kann, ob er eine Wahrheit gefunden hat, ist es die Aufgabe der Wissenschaft nicht so sehr um den Beweis sondern vielmehr um die Widerlegung von Theorien bemüht zu sein. Beim Versuch zu beweisen, wird nämlich nur betrachtet, was eine Theorie stützt, nicht jedoch, was ihr widerspricht. Dadurch besteht die Gefahr des Dogmatismus, denn Dogmatiker vermeiden, ihre Meinungen der kritischen Prüfung auszusetzen. Sie suchen nur nach Bestätigungen. Alle Ereignisse und Phänomene werden so interpretiert, dass sie in die Theorie passen. Widersprechendes wird ausgeblendet, uminterpretiert oder als irrelevant abgetan. Der Zweifel wird sanktioniert. Die Theorie jedoch fordert den Zweifel. Die norwegische Philosophin Wiki Pedia sagt dazu:

„Der maßgeblich von Karl Popper entwickelte Kritische Rationalismus beinhaltet eine Wissenschaftstheorie, der zufolge sicheres oder rechtfertigbares Wissen nicht möglich ist und daher auch nicht das Ziel der Wissenschaft sein kann. Stattdessen fasst der Kritische Rationalismus Wissenschaft als methodisches Vorgehen durch Versuch und Irrtum auf, bei dem Hypothesen und Theorien sich beständig durch Überprüfung bewähren müssen. Der Forscher versucht seine Hypothesen zu verallgemeinern, zu verfeinern und sie durch Experimente in Frage zu stellen, um ihre Schwächen herauszufinden, so dass sie durch neue, verbesserte Hypothesen ersetzt werden können. Im Unterschied zu positivistischen Richtungen geht der Kritische Rationalismus auch bei nachhaltiger Bewährung einer Theorie nicht davon aus, dass dies ein Argument für die Theorie ist oder die Theorie begründet. Er ist jedoch der Auffassung, dass durch die ständige Fehlerkorrektur eine Annäherung an die Wahrheit möglich ist und die Wahrheit sogar erreicht werden kann, der Forscher jedoch nicht sicherstellen kann, dass das der Fall ist. Trotz dieses Eingeständnisses behält der Kritische Rationalismus den absoluten Wahrheitsbegriff der Korrespondenztheorie bei und distanziert sich vom Relativismus.“

Ich habe die Theorie, dass sich ein hoher CO2-Ausstoß selbstverständlich auf das Klima auswirkt, wie Vulkanausbrüche, die schon seit der Entstehung der Erde das Klima beeinflussen, aber ich zweifele doch sehr stark daran, dass jede Klimakatastrophe gleich ein Resultat eines menschgemachten Klimawandels sein soll. Das Klima hat sich immer schon gewandelt, schon vor der Menschheit und es wird sich auch nach der Menschheit wandeln. Es wird mal wärmer sein und mal kälter. Es wird Eiszeiten geben und Wärmeperioden. Grund genug also, nicht auf jede Panikmache nach jedem Hurrikane hereinzufallen.

Nicht selten ertönt in dem Moment, da eine wissenschaftliche Theorie zum Dogma wird der Chor der Masse: „Alle wichtigen Wissenschaftler sagen das!“ Man muss jedoch kein Einstein sein, um auf eine solche Aussage die passende Antwort zu finden: „Das Richtige braucht nur einen Wissenschaftler!“ Es waren immer die Gelehrten, die Studierten, die Bischöfe, die behaupteten, ihre Studien hätten bewiesen, dass das ungebildete Volk sich ändern müsse, um Schlimmeres zu bewahren. Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenn auch die Herren Verfasser; ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser. Sie schüren die Panik, um damit Politik zu machen!

Es gab schon Fluten bevor der Mensch die Ehe brach und es gab schon Hurrikans bevor der Mensch Auto fuhr.

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