Schöne letzte Frage, Herr Jauch …

… aber hätten Sie nicht noch etwas deutlicher fragen können?

Bei Ihnen war Daniel Barenboim zu Gast. Seit 1992 ist er künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper. Barenboim, der russisch-jüdischer Abstammung ist, hat sowohl den israelischen als auch den palästinensischen Pass. Er ist der einzige Jude, der beide Pässe besitzt. Barenboim setzt sich seit Jahrzehnten für eine Annährung der Konfliktparteien in Nahost ein und gründete 1999 das West-Eastern Divan Orchestra, in dem israelische und palästinensische Musiker gemeinsam spielen.

Sie haben am Ende den Botschafter der Fatah gefragt, ob Barenboim mit seinem Orchester auch mal in arabischen Ländern auftreten könne, denn bisher habe Barenboim mit seinem Orchester noch nie in arabischen Ländern auftreten dürfen, wie Sie sagten. So wie es aussieht, hat das Orchester zwar schon auf palästinensischem Territorium spielen dürfen, zum Beispiel in Ramallah 2005, aber der Botschafter sagte dennoch, dass dies nur schwer möglich sei, da die „psychologische Hürde“ zu hoch sei. Es wäre schön gewesen, wenn Sie, Herr Jauch, irgendwie noch klar gemacht hätten, was die „psychologische Hürde“ ist. Da Sie keine Zeit mehr dazu hatten, möchte ich dies nachholen.

Die „psychologische Hürde“, die es verhindert, dass Daniel Barenboim in einem arabischen Land auftreten kann, ist so simpel wie verstörend: Da sind Juden im Orchester! Viele arabische Staaten verstehen sich nämlich als „judenrein“. Manche Regierungen wie die Hamas wollen zudem noch alle Juden der Welt vernichten. Nicht wenige Politiker im Nahen Osten kritisieren den Holocaust, aber nur weil er es nicht geschafft hat, das Judentum komplett zu vernichten.

Israel ist bleibt bisher das einzige Land im ganzen Nahen Osten, das aller Propaganda zum Trotz kein Apartheidsstaat ist. In Israel ist jeder Bürger und Bürgerin gleichberechtigt vor dem Gesetz, unabhängig von der Herkunft und des Glaubens. Es sind die arabischen Staaten, die Apartheid üben! Gaza hat das geschafft, woran Hitler gescheitert ist: „judenrein“ sein! Daniel Barenboims Unmöglichkeit dort aufzutreten ist nur diesem Judenhass und dieser Apartheid zu verdanken. Ohne Israel hätte Barenboim keinen Ort im ganzen Nahen Osten, wo er Musik machen könnte. Ohne Israel wäre das West-Eastern Divan Orchestra eigentlich nur „judenrein“ denkbar.

Es wäre schön gewesen, Herr Jauch, wenn Sie dies in Ihrer Frage noch etwas deutlicher gemacht hätten. Ansonsten, guter Ansatz.

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