#purim

Es ist Purim!

Purim ist ein jüdisches Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung in der persischen Diaspora erinnert. Nach dem Buch Ester versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, alle Juden im Perserreich an einem Tag zu ermorden. Ester, die Frau des Königs und Jüdin legt daraufhin ein Wort bei ihrem Mann und König ein. Als der König erkannte, dass auch seine Frau der Vernichtung aller Juden zum Opfer fallen würde, ließ er Haman hängen. Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Jetzt beginnt erst der für mich wichtige Teil.

Königin Ester bittet den König, den Aufruf Hamans zur Vernichtung der Juden rückgängig zu machen, aber der König sagt ihr, dass das nicht in seiner Macht läge, „denn die Schriften, die in des Königs Namen geschrieben und mit des Königs Ring versiegelt wurden, durfte niemand widerrufen.“ (Ester 8,8) Daraufhin bittet Ester den König, wenn er schon den ausgerufenen Hass rückgängig machen könne, er zumindest das Recht aller Juden ausrufen kann, sich zu verteidigen. „Und es war geschrieben in des Königs Ahasveros Namen und mit des Königs Ring versiegelt. Und er sandte die Briefe durch die reitenden Boten auf jungen Maultieren, darin der König den Juden Macht gab, in welchen Städten sie auch waren, sich zu versammeln und zu stehen für ihr Leben“. (Ester 8, 10-11)

Dies ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Erkenntnisse im Buch Ester: Judenhass, der in die Welt gesetzt wurde, kann nicht einfach so wieder abgeschafft werden, nicht einmal von einem König. Wer Judenhass erst einmal gesät hat, kann dies nicht wieder ungeschehen machen. Es gibt ein schönes Gleichnis, dass den Schaden, der durch Worte des Hasses verursacht werden kann, gut auf den Punkt bringt:

„Ein Mann hatte schlecht über einen anderen gesprochen. Er ging zum Rabbi und fragte ihn, wie er das wieder gut machen könne. Der Rabbi trug ihm auf, ein Federkissen zu besorgen und herzubringen. Das tat der Mann und der Rabbi gab ihm den Auftrag, das Kissen aufzuschneiden und die Federn aus dem Fenster zu schütteln. Als der Mann damit fertig war, stellte sich der Rabbi neben ihn und sah eine Weile zu, wie die Federn vom Wind über die ganze Stadt verteilt wurden. Dann sagte er zu dem Mann: „So, und nun fange damit an alle Federn wieder einzusammeln.“

Nun können Juden nicht darauf hoffen, dass geläuterte Judenhasser alle Federn des Hasses, die sie zerstreut haben auch tatsächlich wieder einsammeln. Daher muss das Recht auf Verteidigung selbstverständlich sein.

Ich muss beim diesjährigen Purim-Fest an Jakob Augstein denken. Natürlich ist Jakob Augstein kein Haman, aber von ihm sind in der letzten Zeit die schlimmsten journalistischen antisemitischen Äusserungen der deutschsprachigen Presse gekommen. Laut Augstein hat Jerusalem die Macht, den Willen in Berlin zu beugen, bekommt Israel alles was es will, ohne dafür zahlen zu müssen, beherrschen Juden die amerikanische Politik und hält Netanjahu die Welt am Gängelband. Jakob Augstein traut Juden in Israel sogar zu, für den Film „The Innocence of Muslims“ verantwortlich zu sein. Mit anderen Worten:

Jakob Augstein propagiert eine jüdische Weltverschwörung!

Was Jakob Augstein mit all seinen Aussagen angerichtet hat, kann nur mit Schrecken erahnt werden. Seine sogenannte „Israelkritik“ hat mehrfach die Grenze zum Antisemitismus überschritten. Es ist somit verständlich, das sich Juden gegen diese Dämonisierung Israels gewehrt haben. Das Simon Wiesenthal Center erklärte Jakob Augsteins Aussagen zu den schlimmsten antisemitischen Verunglimpfungen des Jahres 2012. Nun hätte sich das Feuilleton in Deutschland durch diese Entscheidung natürlich fragen können, ob es mit der sehr einseitig gegen Israel gerichteten Berichterstattung zu weit gegangen ist, aber das Feuilleton in Deutschland handelte nicht wie Ahasveros. Im Gegenteil: Mehrheitlich wurde der Glaube Augsteins an die jüdische Weltverschwörung als nicht antisemitisch bezeichnet.

In einem Land, in dem ein anzüglicher Kommentar an einer Bar eine regelrechte Sexismus-Debatte ausgelöst hat, wurden die Äußerungen von Jakob Augstein aufs schamloseste verharmlost.

Tapfer im Nirgendwo lädt daher alle Leserinnen und Leser ein, von der Kapagne #aufschrei zu lernen. Damit die Mehrheitsgesellschaft einmal ein Gefühl für den vorhandenen und den Alltag durchdringenden Antisemitismus bekommt, lade ich alle Leserinnen und Leser ein, über antisemitische Erlebnisse zu berichten und diese Erlebnisse mit einem Hashtag zu versehen. Ich schlage vor: #purim

Ich warne aber jetzt schon vor dem Ergebnis, denn es kann besonders die linken Israelkritiker verschrecken, schließlich wurde die erste nach 1949 durch einen Deutschen vorgenommene Selektionen von Juden durch einen linken Terroristen vorgenommen: Wilfried Böse. Auch der deutlich größte Teil aller Morde an Juden nach 1949 unter Mithilfe deutscher Terroristen gehen auf das Konto von Linksextremisten. Am 9. November 1969 wurde sogar versucht, die Reichsprogromnacht durch einen Brandanschlag auf ein jüdisches Gemeindehaus zu „feiern“. Auch hier kamen die Täter aus dem linken Spektrum.

Es wird also Zeit, dass sich gerade die linken „Israelkritiker“ einmal die Frage stellen, was sie mit ihren als Kritik getarnten Ressentiments bereits alles angerichtet haben.

Heute ist Purim. Ein guter Tag, sich gegen Antisemitismus zu wehren!

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53 Antworten zu #purim

  1. kleines Südlicht schreibt:

    fast ohne Kommentar:
    http://www.br.de/nachrichten/eu-diplomaten-sanktionen-israel-100.html
    Sorry!
    Wir sollten es den Briten nachtun und drohen, aus der EU auszutreten.
    Leider geht das nicht so schnell.
    Was schnell ginge: ich bin immer noch dafür, wie von Paul vorgeschlagen eine Solidaritätsdemo auf der kölner Domplatte zu organisieren. Jetzt aus aktuellem Anlass erst recht.

    • kleines Südlicht schreibt:

      (Präzisierung: die EU-Austrittsdrohung für die Sanktionsdrohungen gegen Israel von offizieller EU-Seite aus)

  2. Silke schreibt:

    für Gerd
    nicht verpassen, vermutlich nur in Israel in dieser Exzellenz möglich – es ist keine „unusually fine“, es ist die absolut beste dieser Art, der ich je begegnet bin einschließlich Obama’s Versuchen damit.

    http://yaacovlozowick.blogspot.de/2013/02/dr-ruth-kalderons-maiden-speech-in.html

    In the meantime, however, the new MKs have been making their maiden speeches. The one by Dr. Ruth Kalderon, a new MK from Yair Lapid’s Yesh Atid party, stands out above all others. Actually, it stands out above all other speeches given by anyone to the Knesset, for quite a number of years. Its you-tube version has gone viral, and by now, less than two weeks after it was given, I don’t seem to know anyone left who hasn’t seen it; most people agree that it’s an unusually fine speech.

    I“m posting it with English subtitles. It’s about 15 minutes long, and if you’re interested in one of the most exciting cultural phenomena in Israel these days, take the time.

  3. Möbel schreibt:

    Werter Herr Früh,
    diese Art der unangenehmen und beleidigenden Begegnungen, die Sie beschreiben,
    sind meiner Erfahrung nach nun nicht an Ihren Glauben gekoppelt.
    All diese Beispiele die ausnahmlos unter der Gürtellinie liegen, kenne ich persönlich
    (speziell den mit der Haartracht, alledings ein Jahrzent später).
    Ebenso bei diversen Frankreich Aufenthalten, ein hinterhergezischeltes „sale Boche“.
    Auch die fiesen Schulbeispiele, die Sie anführen, benötigen überhaupt keinen
    jüdischen Hintergrund um auf Religions- oder Herkunftsebene attakiert zu werden.
    Und um das Sharon Beispiel aufzugreifen, so werden ja unsere Kanzlerinenbilder
    zur Zeit gerne mit Hitlerbärtchen versehen und durch einige europäische Hauptstädte getragen.
    Berlusconi spricht sogar von der unterschwellig angestrebten Deutschen Vorherrschaft.
    Worauf ich hinaus will?
    Zwar kann man bei all Ihren Beispielen den Begriff `Antisemitismus´ verwenden, der
    wird aber dadurch zum Allerweltsbegriff und dient dann nur noch synonym bei Beleidigungen gegenüber Juden. Falls das schon immer so war, dann liegt der Fehler bei mir,
    da ich diesen Begriff auf der Negativskala weiter oben angesiedelt habe.

    • Aristobulus schreibt:

      Nun, Herr Möö,
      Ihre Erlebnisse in Frankreich erscheinen mir bestens begründet. Ich stamme aus Paris, und Sie, mein Herr, kommen dem Bild des sale boche äußerst nahe.
      So einfach ist das. Verstanden?
      Damit könnte ich es nun bewenden lassen.

      Lassen Sie mich Ihnen jedoch ein letztes und aller-allerletztes Mal erklären, inwiefern und warum das denn so ist, und worin genau Ihre saleté und Ihre bochité bestehen – bevor Sie mich wohl mal wieder als „Pinscher“ bezeichnen werden, oder mir mal wieder schreiben, ich betriebe „Selektionen“, oder mich wieder einmal fragen, ob ich denn „aus der deutschen Geschichte nichts gelernt“ hätte.

      Damit habe ich die Erklärung schon vorweggenommen, weshalb Sie eben dieser sale boche sind: Der Boche ist immer der kleine Uff’z, der Hohenzoller und Reichsoberlehrer spielt, und er macht alles verächtlich und spielt alles herunter, was nicht ihn selbst und seine glänzende Rolle betrifft. Er ist ein Herrenreiter, der immer seinen Platz an der Sonne fordert und ihn nie bekommt. Er will immer eine doppelte Prtion Schlagsahne, und er kann und kann es den Juden nicht verzeihen, dass manche von ihnen Auschwitz überlebt haben und jetzt gar etwas Schlagsahne essen. Die essen sie ihm weg, denn er zahlt ja noch heute Un- und Unsummen an Israel Wenn’s auch nur im Geiste ist. Immer bekommt er was weggenommen.
      Wenn gar von Antisemitismus die Rede ist, verweist er sofort darauf, dass er selber mal in Paris und Bankok und wo sonst noch in einem Bistrot schlecht bedient worden ist, und wie himmelschreiend völkermörderisch man ihn da behandelt hat. So ist er. Mehr ist nicht mit ihm.
      Verstanden?

      Oder wenn jemand Anderer festzustellen wagt, dass man ihn wie den Herrn Früh als Juden in fantasierter Vernichtungsabsicht angehasst hat!, dann unterbricht ihn der sale boche sofort und stellt fest, dass GERADE Deutsche überall in Polen, im Pazifik, von Berlusconi, wegen der Wiedergutmachung und neben der Merkel benachteiligt, bespuckt, verachtet und mit Gas bedroht würden. Der Deutsche, das sei der Jude von heute. So Sie.
      Verstanden?
      Kuzum, der sale boche, also einer wie Sie, redet immerfort das Gleiche, hört so wie Sie niemals zu, und er ist genau wie Sie ebenso notorisch sterbenslangweilig wie dauerhaft unverschämt, oberwichtig, blödsinnig und indolent.

      Nun ja, das weiß man alles, ach das weiß man längst; denn Sie, mein Herr, schreiben sich selber hier seit Monaten in beständig der gleichen Art in Grund und Boden, stilistisch, charakterlich, sinngemäß, und überhaupt.
      Und da haben Sie noch die Stirn, um nun so scheinheilig und größenwichtig zu fragen: „Worauf ich hinaus will?“
      😀 😀 😀
      Das ist äußerst lustig, obschon Sie so überhaupt gar keinen Funken Humor haben.
      Verstanden?

      Bester Herr, man weiß immerfort, worauf Sie notorisch hinaus wollen, denn: Hoch wollen Sie hinaus!, schon bevor Sie den ersten Buchstaben setzen. So hoch bis in die allerhöchsten Höhen der folgenden Höchst-Naseweisheit, die eben solche sales boches wie Sie schon ab 1945 nicht müde werden zu leiern:
      Dass Antisemitismus zum Allerweltsbegriff werde, ja dass man den Begriff abnutze, denn ja den Antisemitismus gebe es fast kaum oder nahezu gar nicht, nur eben als Keule – als Walsersche Antisemitismuskeule gebe es ihn. Nur nicht DA DRIN in dem leeren, ungelüfteten, unerquicklichen Innenleben eines sale boche wie Ihnen, mein Herr.

      Und nun hauen Sie endlich ab. Raus hier, sale boche.
      Verstanden?
      Keiner will Sie lesen, keiner schätzt Sie, das war schon immer so. Es handelt sich um’s ewige Missfallen der etwas Geistvolleren und etwas Feinfühligeren über die ewig Geisttötenden. Von denen man auf die Dauer das kleine Erbrechen kriegt.
      Ekel eben.
      Das könnten Sie verstehen.

    • SilverSurfer schreibt:

      Ist Ihnen zumindest der „Saujudd“ entgangen?
      Dadurch wird Antisemitismus Ihrer Meinung nach zum „Allerweltsbegriff“?
      Fehlt Ihnen da noch das „Vergasen“?

      • Aristobulus schreibt:

        Tja, Silver, da neidet einer den Juden, das Ziel von Antisemitismus zu sein.
        Wie schrieb hier einst Mike Hammer genauestens auf den Punkt: Die Deutungshoheit, was Antisemitismus ist und was er nicht ist, hat gefälligst Sache der Antisemiten zu bleiben! 🙂

        Und hier stand noch zum Thema sehr Passendes von einem gewisen ‚Staatsrech*tler‘, der daraufhin wohl rausflog, nu, was völlig Typisches für mancher Leute Innenleben:
        „Welche Leistung genau berechtigt Sie, so dermaßen arrogant zu sein?
        Oder halten Sie sich wegen Ihrer Volkszugehörigkeit grundsätzlich für etwas Besseres?“

      • Möbel schreibt:

        Nein, werter Surfer, das ist mir nicht entgangen. Fällt aber in die gleiche
        Rubrik wie der `sale boche´, der ebenso hohl und dümmlich benutzt
        wird wie der `Saujudd´ in Herrn Frühs Schulumfeld.
        Frage: (keine blanke Theorie, sondern reales Ereignis)
        Wie würden Sie den Umstand bewerten, wenn ein deutscher Bürger jüdischen
        Glaubens im Frankreichurlaub, ob seines deutschen Akzentes, mit `sale boche´
        bedacht wird?

        • Krokodil schreibt:

          Möbel gibts überall.

        • SilverSurfer schreibt:

          Animosität. Gruseln würde es mir allerdings nicht dabei. Beim „Saujudd“ sehr wohl.

          • Möbel schreibt:

            Werter Surfer,
            worin liegt der Unterschied? Um bei Herrn Frühs Beispiel zu bleiben:
            Gehen Sie davon aus, dass seine Halmaspielenden Schulkollegen
            unterschwellige oder offensichtliche Venichtungsfantasien hatten?

          • SilverSurfer schreibt:

            Verstehe ich Sie richtig: Ein an eine Häuserwand geschmiertes „Scheiß Deutschland“ hat für Sie die gleiche Qualität wie ein Hakenkreuz an einer Synagoge?

          • Aristobulus schreibt:

            Yep.
            Seitdem der hier auftauchte und immer den selben Scheinschluss zog, habe ich überlegt, was das ist.
            ‚Links‘ ist es ja nicht, dieses dauergekränkt Nationale, das von der Lamento-Fantasie von den geknechteten Deutschen nie genug krieg. Es spielt bei den Linken nicht diese Rolle. Einfach bloß konservativ ist es auch nicht. Es ist richtig rechts ;), rechts-narzisstisch, ähnlich wie bei Islamisten, die ja das Weltbeste und Vollendetste für sich gepachtet haben, die aber immer von den Fremden, den Aufgeklärten, den Zionisten, den Juuuden usf. daran gehindert werden.

            Manches, das man nicht wirklich wissen will, lässt sich selbst von diesem Möö lernen: Dass nicht nur Linke so beschränkt selbstbezogen sein können, aber manche Knallerechten um so mehr.
            Das wollte dieser Typ freilich niemanden je lehren :mrgreen:

          • Möbel schreibt:

            Werter Surfer,
            ich verstehe Ihre Gegenfrage anstelle einer Antwort nicht. Meine Antworten und Fragen
            hatten als Grundlage Herrn Frühs Erlebnisse. Lassen Sie uns doch erstmal dabei bleiben.

          • SilverSurfer schreibt:

            Sie schrieben nicht von Vernichtungsphantasien, Sie behaupteten unter anderem, dass der „Saujudd“ nicht an den Glauben gekoppelt wäre.
            Geht es bei Ihnen unter Vernichtung nicht?
            Was darf’s denn sein?
            Ein wenig körperliche Gewalt oder zumindest Hetzjagden?

          • Möbel schreibt:

            Nee, ich schrieb nicht von „Vernichtungsfantasien“, sondern ich fragte Sie
            (wir sind immer noch bei Herrn Frühs Erfahrungen) wie Sie diese Aussage
            einordnen.
            Und das diese Art der Beschimpfung nicht an den Glauben gekoppelt sind
            können Sie ja bestens an der Aussage vom „Pinscherle“ nachvollziehen.
            Übrigens ein schönes Beispiel wenn Wut und Einfallslosigkeit eine Tastatur
            zur Verfügung haben. Alles, von dem man sich Beleidigung oder Degradierung
            verspricht, wird benutzt.
            Nach meinem Dafürhalten deckungsgleich mit ´Frühs` Halmaspielern.
            Ich stimme Ihnen völlig zu, dass der Antisemitismusvorwurf (im Sinne von Judenhass)
            natürlich weit vor dem Ausbrechen von Gewalt festgestellt werden kann.
            Aber alltägliches unflätiges Benehmen, bleibt eben genau das.

          • Aristobulus schreibt:

            Wirr.
            Und Silvers Frage wieder nichgt beantwortet.
            Hauen Sie doch ab, sale boche, außer Hundevergleichen fällt Ihnen nichts ein.

          • Aristobulus schreibt:

            P.S.

            Ich halte den gemöbelten Bericht, er sei in Frankreich so ganz deutschopfergemäß sale boche genannt worden, übrigens für eine schlecht gefinkelte Zwecklüge.
            Gibt’s ja gar nicht. Das hat er irgendwo in einem staubigen Buch von Ernst Jünger gelesen.

            Sale boche nannten viele Franzosen die Deutschen nach dem Krieg von 1870/71 bis zum ersten Weltkrieg, also vor hundert Jahren. Nach 1918 noch immer, aber weniger, Frankreich war ja nun saturiert. Nach 1945 nannten naturgemäß viele Franzosen die Deutschen wieder sale boche, wegen der Besatzungszeit mit all ihren Gräueln. In der Zeit de Gaulles hörte das auf…
            Falls heute, also wirklich HEUTE jemand dort sale boche sagte, wäre das deutsche Pendant dazu etwa „Franzmann“ für den Kleinbürger, „Rothose“ für den Gedienten oder „Syphilitiker“ für den Studierten, also völlig démodé und außerhalb der Welt.
            Ich habe es dort selber nie gehört, über Jahre nicht, obwohl ich mich z.B. in den Siebzigern auf der Straße oft laut auf Deutsch unterhielt.
            Gehört hab ich freilich die Bezeichnung Chleu.
            Kennt die noch einer? 😉 Es ist eine nette Bezeichnung…

            Sale boche ist sehr grob. Chleu ist hingegen ironisch, bezieht sich auf den Klang der deutschen Sprache, schlöh-schlöh, foorßischt!!, schtonck!
            – Und ich habe selbst
            Chleu nie von einem Franzosen gehört. Sondern der Dialog ging so:
            Er: Tu es alsacien ou wallon quoi?
            Ich: Non, j’suis chleu.

        • Aristobulus schreibt:

          Möbel, Sie verdammter Saujudd.
          :mrgreen:

          Sie werden es nie begreifen. Ihr Gleichsetzungsfanatismus und ihre dauerhafte Zwangsvorstellung, 1) es gebe keinen Antisemitismus und 2) seien Sie selber immer am Allerärmsten dran (oder was auch immer), sind zu stark für Ihen schwach entwickelten Verstand.

  4. AMC schreibt:

    #purim Als ich diesen Aufruf las, wollte ich gleich viele Seiten schreiben. Dann wurde mir bewusst, dass ich keine spektakulären Geschichten erzählen kann. Der Antisemitismus umgibt mich eher unterschwellig, wie Kaufhauswerbung, die einen permanent umgibt und immer wirkt.
    Eine Episode jener Art: Beim Mittagessen sagte ein Bekannter unvermittelt, dass Sharon (er war damals noch aktiv) so wie Hitler sei. Ich fragte, ob er auch Gaskammern hat, in denen zu Tausenden Menschen erstickt werden? Die Antwort war ganz einfach: „Er würde es aber gern“. Da hatte ich etwas über Mechanismen mit denen Antisemitismus arbeitet, gelernt.

    • Aristobulus schreibt:

      Ich fand zu Scharons Zeiten einen kleinen Scharon-Avatar für’s Internet. Kaum hatte ich ihn, flog ich deswegen aus einem (ähm, linken) Forum achtkantig raus, dessen Besitzer mich erst inquisitorisch angepöbelt hatte.

      Den gleichen Avatar nahm ich für ein internes Forum mit zwei Kollegen. Sie regten sich sofort beide furchtbar über das kleine Bild auf. „Scharon ist aber ein Mörder und Verbrecher!!“, schrieb einer. Um des lieben Schaloms Willen nahm ich das kleine Bild dann weg.
      Wer hätte gegen ein kleines Chiracbild protestiert – oder es nur auffällig gefunden? Oder gegen ein Bild irgend eines konservativen Oberbriten?

      Es gab und gibt Leute, die mit einem kleinen Arafat (ein wirklicher Massenmörder) quer durch’s Web spazieren. Oder mit Che Geuvara. Kein Problem.

      • caruso schreibt:

        Aber Judenhasser sind sie nicht. Ah neee …. In der Hölle sollen sie braten! Wie ich das genießen würde! :-)))) :-(((
        Ich kann mir schon vorstellen, wie schrecklich Du sein kannst:-)))))))))) Der Gerd ist
        tatsächlich ein Zaddik. Um so mehr, weil er kein Jude ist.
        lg an euch beide
        caruso

  5. mdlang schreibt:

    Damit’s nicht nur traurig ist: Was ist die Definition eines jüdischen Feiertages: „They tried to kill us. We survived. Let’s eat..“

  6. Bon Sneyder schreibt:

    Nadeshda Mandelschtam berichtet an einer Stelle ihrer großartigen Erinnerungen davon, wie Ossip auf ihre Niedergeschlagenheit und auf ihre Klagen über das erbärmliche Leben, das die beiden unter den Kommunisten in Sowjetrussland führen mussten, folgende Bemerkung machte: „Und wieso hast du dir in den Kopf gesetzt, dass du glücklich sein musst?“. Sie schreibt weiter, dass diese ernüchternden Worte ihr häufig geholfen haben, auch Selbstmordgedanken zu überwinden…

  7. Rainer David W. Früh schreibt:

    Wahrhaft ein brennendes Thema, lieber Gerd Buurmann. Brennend, weil es einem immer wieder in verschiedenen Facetten begegnet, nicht nur bei der Israelberichterstattung deutscher Medien und in der Tat nicht nur bei Augstein. Man könnte, möchte soviel dazu sagen/schreiben. Aber auch mir geht es so ähnlich, wie Paul. Man möchte es gerne berichten, aber gleichzeitig wird es im Innern blockiert: Aus Scham, aus Wut und ja, auch aus Resignation. Und auch, wie Paul sagt, um andere nicht neugierig zu machen. so, wie man einen geschmacklosen „Judenwitz“ nicht empört wiedergibt, weil etliche diesen gerne aufgreifen und erfreut weitertragen. Man hat einfach Ladehemmungen bei diesem Thema, das einen selbst betrifft……
    Ich wüsste auch nicht wirklich, wo ich anfangen soll: Bei dem Deutschen Idioten ,der mir 1965 in Österreich hinterherrief, dass man sowas wie mich 20 Jahre früher vergast hätte (es ging eigentlich nur um etwas längere Haare und so gab ein Wort das andere); den „Kumpels“ in der Jugendfreizeit, die mich als „Saujudd“ bezeichneten, wenn ich sie beim Dame- oder Mühle-Spiel besiegte; meine Englischlehrerin, die mir erklärte, dass es ja die Engländer gewesen seien, die die Konzentrationslager erfunden haben und ich mich nicht so haben soll, denn es sei allerhöchstens eine Million Juden gewesen, die „gestorben“ seien; der linksgrüne Musiklehrer meines ältesten Sohnes, der ihn gefragt hat, ob er „in seiner Judenschule auch so lässig rumsitzt“; die moslemische Meute, die meinen zweitältesten Sohn als „Scheißjuden“ durch die Stadt gehetzt hat und er mir dies aus Scham nicht gesagt hat und ich es erst von einem Freund erfahren habe, nachdem es in der örtlichen Zeitung stand; die Universitätsdozentin und Kollegin meiner Frau, die, nachdem sie davon erzählt hat, dass sie mich, einen Juden, kennengelernt hat, nichts Besseres zu tun hat, als ihr am Tag darauf kommentarlos einen Artikel ins Fach zu legen, das die schlimme Behandlung der Palästinenser durch die Israelis thematisiert; die akademische Dumpfbacke, die in meinem Arbeitszimmer steht, die Bar Mizwa-Bilder meiner beiden großen Söhne sieht und das Jammern über diese grausame Religion beginnt, weil bei dieser Gelegenheit doch den armen Kindern am Glied rumgeschnibbelt wird, dass man ihnen die Schmerzen auf den Bildern aber gar nicht ansieht (!!!); oder der Beitrag eines ZeitGenossen hier, der sich zu Recht „Müllhalde“ nennt…….
    Das könnte jetzt munter weitergehen. Aber man wird irgendwann müde, es zu thematisieren, darüber zu sprechen. Oder, man radikalisiert sich so, wenigstens verbal, dass man sofort an Ort und Stelle das sagt, was nötig ist und gut is…. Mit dem Ergebnis, dass man irgendwann nachgesagt bekommt, man sei ein unversöhnlicher, verbitterter Zeitgenosse, mit dem man nicht sachlich reden könne.
    Da erfreut mich doch dann der Beitrag von Aristobulus, herzlichen Dank dafür!

    • Aristobulus schreibt:

      Hi Rainer,
      Deine Englischlehrerin war ein Astloch ohne Ende, auch dieser widerliche Musiklehrer *schüttel* gilt wohl als ein besonders großes, die moslemische Meute hat die Astlöchigkeit der ganzen Stadt für sich gepachtet (es ist eine Ehre für Deinen zweitältesten Sohn und kein Grund zur Scham!, na ganz im Gegenteil!, und er ist den Pogromlingen entkommen, er war also BESSER als die in mehrfacher Hinsicht), die Kollegin Deiner Frau ist eine versteckte antijüdische Astlochziege, usw., usf.
      Ach.
      So viele Astlöcher.
      Wo soll das noch hinführen?!

    • Spiessbratenbrötchen schreibt:

      Für mich der berührendste Beitrag, den ich in diesem Kreis bisher gelesen habe.

      • Aristobulus schreibt:

        Der von Herrn Früh.
        Ja.

      • Spiessbratenbrötchen schreibt:

        Ja, den meine ich.

        >Wo soll das noch hinführen?!<
        Wenn die Augsteine dieser Welt unbedarft weitermachen können, wie sie wollen, dann leider in keine gute Richtung. Es gibt nur immer noch zuviele davon. Wahrscheinlich wirds sie leider für immer geben.

    • Paul schreibt:

      Ja, lieber Rainer, solche Berichte können, sollen, müssen geschrieben werden. Ich kann sie nicht schreiben, weil ich nie als Betroffener schreiben kann, da ich kein Jude bin.

      Deshalb danke ich Dir, dass Du Deine, für mich nachvollziehbare Scheu überwinden konntest.

      Meine Freundschaft zu Juden kommt aus der Beschäftigung mit den Verbrechen des 3. Reichs.
      Eine Nenntante schenkte mir zu meinem 16. Geburtstag das Buch „Die Blutzeugen des Bistums Berlin“. Seitdem habe ich mich immer wieder mit dem Gräuel des Nationalsozialismus beschäftigt. Von da kam ich zwangsläufig zum Judentum und zu Israel und dem Nahen Osten. Dieser Themenkomplex hat mich das ganze Leben begleitet. Wie konnte es auch anders sein?
      In der Erweiterten Oberschule (das war das „Gymnasium“ in der DDR) hatte ich einen jüdischen Klassenkameraden. Zufällig erfuhr ich, dass er Jude war. Er hatte eine große Scheu dies zu offenbaren. Damals, Mitte der 50er Jahre, habe ich das nicht verstanden. In unserer Klasse gab es dazu keine Veranlassung. Die Klassentreffen der letzten Jahre haben ergeben, auch heute nicht. Das ist mal eine gute Erfahrung.

      Diese beiden Schlüsselerlebnisse haben meine Einstellung zu den Themen Nationalsozialismus und Judentum bestimmt. Mein christlicher Hintergrund hat das Übrige getan. Schon sehr früh war mir bewusst, dass Jesus ein Jude, ein jüdischer Rabbi war und die Juden meine älteren Brüder sind.
      An dieser Grundeinstellung wird sich in meinem Leben, egal was passiert, nichts mehr ändern.

      Unter den judenfeindlichen Äußerungen in meiner Umgebung, bis in meine katholische Gemeinde hinein, leide ich sehr. Gelegentlich schreibe ich auch darüber. Aber Dein Leid und Deine Betroffenheit (im wahrsten Sinne des Wortes) und die Deiner Kinder und Deiner Frau, kann damit nicht verglichen werden.

  8. yabotinski schreibt:

    es war vor elf jahren … damals fuenf tage nach (!) #purim
    http://4321yabotinski.wordpress.com/2009/09/13/020302/
    (ich hoffe der link funktioniert … ich pflege den blog nicht allzusehr und bin zudem noch ein technischer idiot … aber das mit vergnuegen)
    חג פורם שמח גרד

  9. Aristobulus schreibt:

    König Achaschverosch lässt Haman in seinem Namen einen Aufruf zum Völkermord aufsetzen, unterzeichnen und siegeln. Später setzt er einen widersprechenden Aufruf auf, der die zu Ermordenden aufruft, sich zu verteidigen.
    König Achaschverosch ist besessen von den Accessoires seiner Herrscherrolle. Er trägt die Verantwortung für einen Bürgerkrieg mit zigtausend Toten, weil unter zwei einander widersprechenden Aufrufen sein Name und Siegel stehen. Er streitet diese Verantwortung nicht ab, so wie es ein Moderner sofort tun würde!, sondern er besteht darauf, weil ihm leere Insignien wie Königssiegel, Königsname usf. heiliger sind als das Leben Tausender.
    Schade, dass bisher kein Erzrepublikaner und kein geistvoller Anarchist ein Buch über diesen Typen und seine Art geschrieben haben.

    – Man kann die Estergeschichte von vielen Seiten sehen, das macht sie so spannend und so modern. Dies war die Seite des Königs Achaschwerosch, des Versagers auf dem Thron, und auch immer schade, dass Shakespeare kein Drama über diesen Typen geschrieben hat: Einer, der ein Tölpel und Pantoffelheld ist, der an Siegellack glaubt und der laufend seine Meinung ändert, dessen Handlungen aber ungleich schlimmer sind als die Richards des Dritten.

    Man kann die Estergeschichte auch von Hamans Seite aus sehen. Haman hasst die Juden in Stellvertretung für Mordechai, weil der sich weigert, vor ihm, einem Menschen, zu knieen. Juden knieen nun mal nicht vor Menschen, damals nicht und heute nicht, Juden unterwerfen sich keiner menschlichen Hierarchie, jedenfalls nicht blind!, und also begeht Mordechai durch seine Verweigerung der Unterwerfung ein Staatsverbrechen.
    Haman als Rächer des Staates, der die Staatsfeinde 1) als solche definiert, der 2) bedingungslose Unterwerfung aller Untertanen fordert, und der 3) alle Zuwiderhandelnden ermorden lassen will. Sehr modern, das.
    B.Traven hätte seine Freude daran gehabt. Schade, dass er keinen Haman-Roman geschrieben hat.

    Man kann die Estergeschichte auch von Esters Seite aus sehen ;). Ester ist eine Kryptojüdin, eine Marranin, die bei einem Schönheitswettbewerb inmitten der Gojim mitmacht, und die dann des Königs Frau wird. Wie konnte sie dabei über die Jahre eine so bewusste Jüdin bleiben, die genau weiß, wann sie was machen muss, um ihre Leute vor den Mördern zu retten?
    Schade, dass Rosa Luxemburg kein Buch über Ester geschrieben hat…

    Und man kann die Estergeschichte feministisch sehen :). Vaschti, die andere Frau des Königs, weigert sich, auf seinen Zuruf vor seinen Gästen einen Schleiertanz zu tanzen. Ich denke, sie ist die erste Frau in der Geschichte, von der berichtet wird, dass sie sich weigert, ein Besitzobjekt ihres Mannes zu sein.
    Schade, dass es (noch) kein Buurmannsches Theaterstück über Vaschti gibt!

    • caruso schreibt:

      Danke, lieber Aristobulos! Nun habe ich – ungläubiger Hund – was gelernt.
      Ich liebe euch beide: Dich und den Gerd. Ich hoffe, mit meinen sehr bald
      82 Jahren darf ich sowas sagen. Ihr beide seit a mensch, wie wir Juden es
      sagen.
      lg
      caruso

      • Aristobulus schreibt:

        Liebe(r) Caruso, a dank a grojssn!, aber Vorsicht, ich bin manchmal ein schrecklicher Mensch, wenn ich glaube, das sein zu müssen ;), hingegen der Gerd ist wirklich eine Art Zaddik.

    • Jole schreibt:

      Interessant, wie Du – ich nehme das Du an: Juden wissen nie, in welchem Zustand sie sich einmal begegnen werden – König Achaschverosch siehst: „Leere Insignien wie Königssiegel, Königsname usf. sind [ihm] heiliger als das Leben Tausender.“
      Buurmann schlägt eine andere Deutung vor: „Als der König erkannte, daß auch seine Frau der Vernichtung aller Juden zum Opfer fallen würde, ließ er Haman hängen.“

      Mir ist gestern in der Synagoge ein Passuk (hier im Deutschen: zwei Sätze) heiß hinuntergelaufen – vielleicht, weil der Rav für diesen einen Passuk (3, 15) die Trauermelodie vom 9. Aw (Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels) gewählt hatte: „Die Läufer gingen fort, zur Eile getrieben durch den Befehl des Königs, und dieses Gesetz wurde in der Hauptstadt Schuschan ausgegeben. Der König und Haman saßen beim Trinkgelage, während die Stadt Schuschan in Bestürzung war.“ (Übers. Prof. Dr. A. Sulzbach, Frankfurt a. M., 1904)
      „Der König und Haman saßen beim Trinkgelage, während die Stadt Schuschan in Bestürzung war.“
      Wie heißt das erste Kapitel in Wolfgang Benz’ Buch „Der Holocaust“ (Verlag C. H. Beck, München 1997)? „Besprechung mit anschließendem Frühstück: Die Wannseekonferenz am 20. Januar 1942“.
      Beide begießen also den Entschluß, das Volk zu vernichten, das „für den König keinen Wert hat (so Hamans Argumentation in 3, 8). Doch nicht jedes Volk ist dem König in gleichem Maße gleichgültig. Plötzlich – pi’om –, als die angegriffenen Juden sich ihrer Haut wehren, macht sich der Mann um seine Leute Sorgen: „Da sprach der König zur Königin Esther: In der Hauptstadt Schuschan haben die Juden fünfhundert Mann samt den zehn Söhnen Hamans erschlagen und umgebracht, was haben sie erst in den anderen Provinzen des Königs getan! Was ist nun deine Bitte?“ (9, 12). Wie François Hollande bei der Wolkensäulen-Operation: „Wieviele Palästinenser gedenkt ihr noch zu töten?“ Dafür werden wir nicht so bald erfahren, wieviele Opfer der Mali-Krieg gekostet hat und noch kostet. Journalisten können auch diskret sein.
      Um auf die Megille zurückzukommen: Da gibt es einen unglaublichen, vielleicht zu wenig beachteten Dialog zwischen Esther und Achaschverosch in Anwesenheit Dritter: „Sie sprach: Wenn es dem Könige gefällt …, so möge geschrieben werden, daß man jene Briefe … zurücknehme.“ (8, 5) Darauf der König: „Seht! Das Haus Hamans habe ich Esther gegeben, ihn hat man an den Galgen gehängt, weil er sich an den Juden vergriffen.“ (8, 7)
      Stark, nicht? Esther bittet, ein Massaker abwenden zu wollen, Achaschverosch antwortet, er habe bereits genug getan. Hat sie Hamans Haus bekommen oder nicht? Na, also! Als hätte Esther ihr Leben riskiert, um sich ein Häuschen unter den Nagel zu reißen. Was für ein Bild hat der Mann von – nun, von den Juden?
      Und da ist noch was: Der König Achaschverosch weiß zwar nichts von der Herkunft seiner Gemahlin, aber er weiß wohl, daß Mordechai, der Richter, der Attentatspläne zur Anzeige gebracht hat, Jude ist. Und zwar sagt er zu Haman ausdrücklich: „So nimm denn schnell das Kleid und das Pferd, wovon du gesprochen, und verfahre also mit dem Juden Mordochai…“ (6, 10). Das heißt also, daß der gute König wissend einen Mann ehrt, der nach seinem Willen 11 Monate später (von Nissan bis Adar) sterben soll. Eine rührende Dankbarkeitsbezeigung!

      Du verstehst: Den König Achaschverosch kann man, wie du es tust, als „Tölpel und Pantoffelheld“ sehen, „der an Siegellack glaubt und laufend seine Meinung ändert“. Man kann ihn aber auch als Antisemiten sehen, der sich hinter Haman bequem verstecken kann. Und von wegen „Pantoffelheld“! Hast du Majestät gefragt, was er mit seiner ersten Gemahlin gemacht hat? Du glaubst wohl nicht, daß er Waschti be-Schulem ins Haus ihres Vaters hat zurückkehren lassen – vielleicht mit Pensionsberechtigung!

      „Als der König erkannte, daß auch seine Frau der Vernichtung aller Juden zum Opfer fallen würde, ließ er Haman hängen“ meint Buurmann.
      Kann es sein, daß Buurmann Esthers Bedeutung in den Augen des Königs überschätzt? Sollte Haman dem König nicht weit wichtiger sein? Derselbe Haman, der sich in Phantasien darüber ergeht, wie der Unbekannte – er selbst, natürlich – belohnt werden soll, „welchen der König geehrt haben will“ (6, 7): königliches Gewand, königliches Pferd, Königskrone auf dem Haupt. Achaschverosch ist nicht Freud, aber er muß gespürt, wenn auch nicht gedacht, haben, daß hier ein Rivale heranwächst – nicht um die Frau, um die Macht. Was würdest Du, Aristobulus, empfinden, wenn ein Bekannter Dir erzählen würde: „Aristo, stell dir vor, was ich heute nacht geträumt habe. Da saß ich in deinem Morgenmantel, an deinem Schreibtisch, mit deiner Lieblingspfeife im Mund.“ Also, ich würde mich von dem Typen fernhalten.

      Kurzum, ich schlage einen Chidusch, eine Neuerung, vor: den Namen Achaschverosch genauso wie den Namen Haman im Krach (Ratsche, Trillerpfeife, Trompete) untergehen zu lassen. Die Kinder werden sich nicht beklagen.

    • Jole schreibt:

      Anmerkung für Aristobulus nach der Antwort an Caruso – Jole

      • Aristobulus schreibt:

        Wau, bin begeistert, Jole!, das werd ich erstmal sacken lassen

        • Elisabeth B-G schreibt:

          Aristobulus, Joel, G.B. vielen Dank für Denkansätze. Klasse gemacht, unglaublich spannend

          • Aristobulus schreibt:

            Jole (Joel?), danke auch von mir nochmal für Deinen Beitrag, da sitzt ja jeder Gedanke genau da, wo er soll und fruchtet.

            Also König Achaschverosch und Wesir Haman als Spießgesellen, die „saßen beim Trinkgelage“ inmitten der Bestürzung, als das von ihnen inszenierte Morden doppelt beginnt. Die Estergeschichte ist ein Ackergrund für Analysen über die Abgründe politischer Gewalt an unsereinem. Vielleicht hat man deshalb bisher synagogenseits den Achaschverosch eher draußen gelassen?, denn er agiert als typischer Herrscher jenseits aller Skrupel. Solchen waren die Juden über viele Jahrhundete in vielen Gegenden unterworfen. Also musste man aufpassen und mit Analysen betreffend die Rollen solcher Herrscher hinter dem Berg halten

        • Jole schreibt:

          An Aristobulus, auf seinen Kommentar vom 27. Februar, 2:13

          Guten Morgen,
          Früher bin ich tatsächlich, besonders auf französischen Seiten, unter dem Namen „Joel“ aufgetreten, doch gibt es dort so viele „Joël“ – mit tréma, „Joelle“, Joëlle, usw., daß ich mich für „Jole“ entschieden habe.
          Du weißt, wie es ist: Man ist kein Besonderer nicht, trotzdem möchte man nicht verwechselt werden.
          Es stellt sich natürlich die Frage, ob bzw. wozu man ein Pseudonym braucht. Ich stehe zu meinen Kommentaren – nicht immer formal, manches könnte glatter, schlichter, ausfallen –, doch immer inhaltlich, auch wenn ich zu einem Thema nicht immer der gestrigen Meinung bin. Hauptsache: Die Begründung hält stand.
          Es hat zunächst einen praktischen Grund: Die jüdische Welt ist relativ klein, ich möchte nicht bei jedem Schritt und Tritt in der Synagoge, in der Bibliothek, in den verschiedenen Gemeindeabteilungen diese und jene Stellungnahme diskutieren, vielleicht will ich nur dawnen oder plaudern.
          Dann hat es natürlich seinen Reiz, auch außerhalb von Purim mit Purim-Maske aufzutreten.
          Wenn Du jetzt sagst, daß „Jole“ künstlich, gespreizt, einfach doof klingt, dann gebe ich Dir recht. Man sollte sich vielleicht einen anderen Namen suchen. Suggestions?

          • Jole schreibt:

            An Aristobulus auf seinen Kommentar vom 27. Februar, 2:13:
            Ist es die Furcht vor dem jeweiligen Herrscher, der Juden über Jahrhunderte dazu bewogen habe, Achaschveroschs Rolle bei Pogromen kleinzureden und Haman nach vorne zu stellen?
            Ich glaube nicht.
            Erstens haben die Juden sich nicht gescheut, den eigentlichen „Zorer ha-Jehudim“, den Hauptverantwortlichen für antisemitische Verbrechen beim Namen zu nennen: Haman bzw. Amalek, das ist Hitler, nicht etwa Himmler; das ist der Hetman Chmelnicki, kein untergeordneter Kosake.
            Zweitens hat die Purim-Geschichte einen symbolischen Hintergrund, den wir nicht sprengen wollen:
            Haman ist ein Nachfahre von Agag, der ein Nachfahre von Amalek, der ein Nachfahre von Esav (Esau), dem Bruder Jaakovs (Jakobs), ist.
            Esther und Mordechai gehören zum Stamm Binjamin und sind Nachfahren von Schaul (Saul), dem ersten König Israels.
            Esther und Mordechai bekommen es mit Haman zu tun, weil ihr Vorfahre, der König Schaul, sich geweigert hatte, den Judenfeind Agag zu töten, der nun in Persien fröhliches Wiedersehen feiert.
            Achaschverosch steht nicht auf dieser alten Rechnung.
            Die Bestimmungskraft der Vergangenheit wird in der Purim-Geschichte bis ins einzelne verfolgt. Warum verbeugt sich Mordechai nicht vor dem größenwahnsinnigen Haman? Weil – erzählt ein Midrasch – Mordechai zum Stamm Binjamin gehört.
            Was wissen wir von Binjamin, dem jüngsten Sohn des Patriarchen Jaakov Avinu? Unter anderem dies: Er war als einziger nicht dabei, als sich seine Brüder vor dem unkenntlich gewordenen Josef in Ägypten verbeugt hatten. Binjamin-Leute verbeugen sich vor nichts und niemandem. So ist es.
            Ich vermute, daß auch Gerd Buurmann, ohne es zu wissen, zum Stamm Binjamin gehört.

            Zu Ihnen, lieber Gerd Buurmann, möchte ich sagen, daß mich Ihre Auffassung von der Purim-Geschichte umgehauen hat. Statt sich auf die Gestalten zu konzentrieren, wie wir es hier tun, haben Sie das Große und Ganze mit einem Blick erfaßt: Mordaufträge in Form von Gerüchten über die Juden lassen sich nicht zurücknehmen. Das hatte ich nicht gesehen. Jetzt sehe ich nur noch das.
            Sie sind ein großer Mann, wissen Sie das?

  10. Zahal schreibt:

    Reblogged this on World-Media-Watch.

  11. Paul schreibt:

    #purim
    Lieber Gerd,
    ich war gerade drauf und dran Deiner Bitte zu entsprechen.

    Aber das was ich schreiben müsste ist so unsagbar (das musst Du jetzt mal wörtlich nehmen), dass ich es hier nicht niederschreiben möchte. Da habe ich eine regelrechte Blockade. Es geht einfach nicht. Grundsätzlich verlinke ich auch keine Blogs mit Hasstiraden.
    Vor einem Jahr habe ich als unbedarfter Neubloger bei Lila mal sowas verlinkt, einfach weil ich mein Entsetzen ausdrücken wollte. Lila hat mich davon überzeugt, dass man dies nicht tun soll, weil man im Ergebnis diesen Schmutz auch noch verbreitet. Das habe ich verinnerlicht. Deshalb meine „Beißhemmungen“.
    Ich hoffe, Du verstehst das.
    Herzlich, Paul

  12. AllwissendeMüllhalde schreibt:

    Puh. Immer die gleichen Gleichnisse. Kein Wunder sind Religionen so boring. Den gleichen Mist hat vor einem halben Jahr A.m0r an mich herangetragen. Ich hab‘ bis heut noch keine Federn gefunden, geschweige denn aufgelesen. Gleichnisse haben ein immanentes Problem: Sie gleichen keiner Realität, nur einer Wunschvorstellung einer ideellen Welt. Wenn die Welt voller Felsbrocken ist – wo soll man da Federn finden? Und wieso verfolgt mich dieser Mist schon wieder? Ist schon wieder Purim? 😉

    • Paul schreibt:

      Lieber Allwissender, manchmal schreibst Du für einen Unwissenden zu unverständlich. Oder bist Du Schizophren?
      Der Eine von Dir schreibt ganz vernünftig und der andere unsagbaren Mist.
      Oder habe ich Dümmerling irgend etwas nicht verstanden?

    • Aristobulus schreibt:

      Mülli, Sie sind einer, der alle Literatur hasst und abwertet, weil da eh nur Ausgedachtes drinsteht, nicht?
      Habe ja selten so eine Dummheit wie die Ihrige gelesen.

      À propos, das Buch Ester ist nicht religiös, G“tt wird keinmal darin genannt, Religion spielt darin keine Rolle. Das Buch Ester ist allein eine poltisch-soziale Geschichte, in der es um Totalitarismus und um die Entscheidungen Einzelner geht, aber nicht um Religion.
      Ja, das wussten Sie nicht!, weil Sie zu voreingenommen sind und zu faul, um nachzulesen, bevor Sie ’ne Meinung äußern.
      Armer Zausel.

Seid gut zueinander!

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