Kölns älteste Religion

Welcher heute noch praktizierte Glaube ist die älteste Religion in Köln?

Das Christentum ist es nicht! Als Köln den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium erhielt, gab es das Christentum mit dem Evangelium schlicht noch nicht. Der Evangelist Lukas schrieb sein Evangelium erst, da war Colonia schon über 30 Jahre alt.

Colonia wurde als Stadt römischen Rechtes unter den römischen Kaiser Claudius gegründet. In Rom waren Jupiter, Mars, Venus und Diana die angebeteten Götter. Die Dämmerung dieser Götter liegt jedoch schon lange zurück. In Köln wird diese Religion jedenfalls nicht mehr praktiziert.

Bevor die Römer den Ort Colonia nannten, lebten dort die Ubier, ein alter Germanenstamm. Sie beteten die Matronen an. Die Matronen waren Muttergottheiten und wurden immer zu dritt dargestellt. Auf vielen Darstellungen halten sie Kinder in ihren Armen oder aber Fruchtkörbe, Schatzkästchen, Brote, Fische oder Schriftrollen. Auch wenn Köln noch heute bekannt ist für seine Matronen von Trude Herr bis Hella von Sinnen, so werden diese Frauen nicht als Göttinnen angebetet. Die Matronenreligion wird in Köln somit auch nicht mehr praktiziert.

Welcher heute noch praktizierte Glaube ist also die älteste Religion in Köln?

Die Religion kam mit den Römern nach Köln und brachte die Geschichten von Adam und Eva, Noah, Abraham, Sarah, Rebecca und Moses an den Rhein.

Es ist das Judentum!

Juden haben die mit Abstand längste Tradition in Köln. Das Judentum prägte die Stadt bereits, als noch keine einzige christliche Kirche in der Stadt stand. Vor dem Kölner Rathaus kann eine Mikwe besichtigt werden, die Kölner Juden bereits nutzten, als das Rathaus selbst noch nicht stand. Das jüdische Ritualbad wurde sogar in einer Zeit gebaut, als noch nicht einmal der Grundstein zum Kölner Dom gelegt worden war. Bei dem Bauwerk dürfte es sich vermutlich um die älteste Mikwe nördlich der Alpen handeln. Das erste Mal wird eine jüdische Gemeinde in Köln urkundlich im Jahr 321 erwähnt. In dem Jahr hatte Köln gerade erst den ersten geschichtlich bezeugten Bischof: Maternus.

In einer Urkunde von 341 ist vermerkt, dass die Synagoge in Köln mit kaiserlichen Privilegien ausgestattet wurde. Die Existenz einer Synagoge lässt davon ausgehen, dass zu dieser Zeit schon eine größere Gemeinde vorhanden war.

Dieser längsten Kölner Tradition soll jetzt endlich an dem Ort der Mikwe ein Jüdisches Museum gewidmet werden. Allerdings regt sich Widerstand in der Kölner Bürgerschaft. Viele Kölner beklagen, dass mit dem Jüdischen Museum der Rathausvorplatz verloren ginge. Diese Kritiker übersehen jedoch, dass der Rathausvorplatz in der Geschichte Kölns niemals als Platz vorgesehen war. Die Existenz der Judengasse und der Portalsgasse zeigen eindeutig, dass der Platz vor dem Rathaus das jüdische Viertel war.

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Die Rathauslaube ist sogar so konzipiert, dass sie ihre Schönheit nur voll und ganz entfalten kann, wenn der Platz bebaut ist, so dass der Betrachter, der durch die engen Gassen der Altstadt geht, erst mit dem Eintritt in die Portalsgasse das bewusst klein gehaltene und dennoch erhabene Portal des Rathauses entdeckt. Die ganze Architektur des Rathaus schreit geradezu nach einer Wiederbebauung des vermeintlichen Rathausvorplatzes.

Jahrhunderte lang hat an der Judengasse in Köln jüdisches Leben stattgefunden. Jüdisches Leben ist die älteste noch praktizierte Religion Kölns. Es ist daher eine Selbstverständlichkeit, dass diesem Umstand ein museales Denkmal an genau der Stelle gesetzt wird, wo Juden bis zu ihrer Verfolgung und Vertreibung in Köln gelebt haben.

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