Kann nicht sagen, ich sei nun verrückt,

Tapfer im Nirgendwo präsentiert eine Übersetzung von David Serebrjanik eines Gedichtes von Joseph Brodsky aus dem Jahr 1975.

Я не то что схожу с ума, но устал за лето.
За рубашкой в комод полезешь, и день потерян.
Поскорей бы, что ли, пришла зима и занесла всё это —
города, человеков, но для начала зелень.
Стану спать не раздевшись или читать с любого
места чужую книгу, покамест остатки года,
как собака, сбежавшая от слепого,
переходят в положенном месте асфальт. Свобода —
это когда забываешь отчество у тирана,
а слюна во рту слаще халвы Шираза,
и, хотя твой мозг перекручен, как рог барана,
ничего не каплет из голубого глаза.

***

Kann nicht sagen, ich sei nun verrückt, bin nur müde vom Sommer.
Holst dir nur ein Hemd aus dem Schrank und schon ist der Tag dahin.
Komm doch der Winter schon bald, ach komm er
und verschütte dies alles: Städte, Menschen, doch zuerst alles Grün.
Angezogen geh‘ ich dann schlafen oder lese von irgend einer griff-
bereiten Stelle aus fremden Buch, indessen Reste vom Jahr,
wie ein Blindenhund, der seinem Blinden entlief,
den Asphalt nach allen Regeln überqueren. Freisein gar –
wenn des Tyrannen zweiter Name überwunden ist
und der Speichel im Mund süßer ist, als Halva aus Shiraz,
und, obwohl dein Hirn wie ein Schafshorn gewunden ist,
wird dir das blaue Aug‘ nicht nass.

***

(Diese Übersetzung-Nachdichtung widme ich Gerd Buurmann)

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