Darf der das?

Mithat Gedik hat den Vogel abgeschossen! Er ist der Schützenkönig von Sönnern-Pröbsting geworden. Beim Schützenfest am 18. Juli 2014 schoss er den hölzernen Adler von einem Mast herunter. In Sönnern-Pröbsting gilt:

Wer mir den Vogel herunterschießt,
Mit Zepter und Krone belehn ich
Den wackern Mann! Wir blasen Tusch
Und rufen: »Es lebe der König!«

Mithat Gedik schoss den Vogel herunter. Ihm wurde die Königskette umgehängt und alle anwesenden Schützenbrüder feierten ihn. Beim Schützen-Gottesdienst sprach der Pastor von christlichen Werten. Alles war perfekt.

Ein paar Tage später aber meldete sich der Dachverband der St. Georg-Bruderschaft und forderte einen Sturz des Königs von Sönnern-Pröbsting. Als Begründung für den Sturz führte der Dachverband Paragraf 2 der Satzung an:

„Die Schützenbruderschaft St. Georg Sönnern-Pröbsting ist eine Vereinigung von christlichen Menschen, die sich zu den Grundsätzen und Zielen des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Köln e.V. bekennen. Sie ist Mitglied dieses Bundes, dessen Statuten und Rahmensatzungen in ihrer jeweiligen Fassung für sie verbindlich sind. Getreu dem Wahlspruch der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften „Für Glaube, Sitte, Heimat“ stellen die Mitglieder der Schützenbruderschaft St. Georg Sönnern-Pröbsting sich folgende Aufgaben:

Bekenntnis des Glaubens durch aktive religiöse Lebensführung, Ausgleich sozialer und konfessioneller Spannungen im Geiste echter Brüderlichkeit, Erziehung zum Werke christlicher Nächstenliebe;

Schutz der Sitte durch Eintreten für christliche Sitte und Kultur im privaten und öffentlichen Leben, Gestalten echter brüderlicher Geselligkeit, Erziehung zu körperlicher und charakterlicher Selbstbeherrschung durch den Schießsport;

Liebe zur Heimat durch Dienst für das Gemeinwohl aus verantwortungsbewusstem Bürgersinn, tätige Nachbarschaftshilfe, Pflege der geschichtlichen Überlieferung.“

Mithat Gedik Heimat ist zwar Deutscher und er liebt seine Heimat; auch ist er Dank seines Abiturs, das er unter anderem in katholischer Theologie abgeschlossen hat, bestens mit den Sitten und der Kultur des Christentums vertraut, aber er ist Moslem.

Eigentlich sollte man meinen, das sei kein Problem, schließlich war Jesus Jude, warum soll dann nicht ein Schützenkönig Moslem sein dürfen, aber nichts gilt in Deutschland mehr als das Vereinsrecht. In Deutschland gibt es Landesrecht und Bundesrecht. Im Grundgesetz steht: „Bundesrecht bricht Landesrecht“, aber ungeschrieben fest steht: Vereinsrecht sticht alles! Ein deutscher Verein ist der Kreuz Bube unter den NGOs.

Die Satzung des Schützenvereins lässt keine Muslime zu! Nur Christen dürfen Mitglieder der Schützenbruderschaft St. Georg Sönnern-Pröbsting sein. Mit anderen Worten, wenn Jesus kommen würde, um einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen, müsste dieser Antrag abgelehnt werden. Ein Jude kann nicht Mitglied in dem Schützenverein werden und ein Moslem nicht Schützenkönig! Dabei ist die Schlagzeile so großartig:

„Deutsches Dorf macht bewaffneten Moslem zum König“

Das ist doch mal gelungene Integration! Ein Verein ist aber nicht der Integration verpflichtet. Jeder Verein kann diskriminieren wie es ihm gefällt. In den meisten Karnevalsvereinen zum Beispiel darf eine Frau nicht „Prinz Karneval“ werden. In der Sauna des Frauenzentrums Schokoladenfabrik e.V. wiederum dürfen keine Männer schwitzen. Es gibt viele Schützenvereine, in denen Frauen niemals Schützenkönig werden können, selbst wenn sie Christinnen sind. Im Verein ist vieles möglich.

Wenn Mithat Gedik allerdings noch einen drauf setzen möchte, dann schlage ich vor, zieht er nach Bad Dürkheim und lässt sich dort zur Weinkönigin wählen. Ich wäre sofort dabei. Die Schlagzeile gefällt mir noch mehr:

„Muslimischer Mann wird Weinkönigin“

Ich stelle mir auch die Debatte drum herum spannend vor. Muss er Kopftuch tragen?

Mithat Gedik kann natürlich auch zum Christentum konvertieren. Dann darf er sogar Schützenkönig bleiben. Er darf sich aber nicht zur Frau umoperieren lassen. Dann müsste er die Königskette wieder abgeben.

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