Antijudaismus – Antisemitismus – Antizionismus

Ein Gastbeitrag der Erwiderung von Nathan Warszawski.

Gerd Buurmann beschreibt auf seinem Blog den Judenhass, den er in drei Komponenten – Antijudaismus, Antisemitismus und Antizionismus aufteilt. Antijudaismus wird definiert als Hass auf das Judentum als Religion. Antisemitismus als Hass auf das Judentum als Rasse und Antizionismus als Hass auf das Judentum als Nation. Wenn die Definitionen realistisch sind, dann ist der Antizionismus lediglich eine an die Zeit und Technik angepasste Fortentwicklung des Antijudaismus und des Antisemitismus.

Der Oberbegriff für Antijudaismus, Antisemitismus und Antizionismus ist „Judenhass“. Die Aufzählung lässt darauf schließen, dass es in Zukunft noch weitere Arten des Judenhasses geben wird, was einsichtig ist, da der Judenhass äußerst anpassungs- und wandlungsfähig erscheint.

Diese Definitionen sagen auch aus, dass Antizionismus eine Folge des Antisemitismus ist, ähnlich dem Zweiten Weltkrieg als Folge des Ersten. Jedoch kann daraus nicht geschlossen werden, dass Antizionismus = Antisemitismus ist. Antijudaismus, Antisemitismus und Antizionismus können auch friedlich nebeneinander koexistieren.

Sind diese Definitionen sinnvoll? Oder härter gefragt: Sind sie richtig?

Um die Fragen zu beantworten, müssen wir das Wesen und die Unterschiede der drei Judenhassrichtungen erfassen.

Antijudaismus besteht seit der Antike bis ins 19. Jahrhundert, wo er vom Antisemitismus verdrängt wird. Antizionismus setzt sich in Deutschland und Europa erst mit dem für Israel siegreichen Sechs-Tage-Krieg 1967 durch. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Antisemitismus zumindest in Westdeutschland verschwiegen und tabuisiert.

Luther ist ein gutes Beispiel für einen Antijudaisten. Mit Hilfe seines aufgeweichten katholischen Christentums erhofft er sich, die Juden von ihrem alten Glauben wegzulocken, was bekannterweise misslingt. Als er dies endlich erkennt, wird Luther zum Judenhasser, weshalb sein 455. Geburtstag in ganz Deutschland nicht nur von Lutheranern feierlich mit Brandopfern begangen wird. Antijudaisten hassen also Juden, die am Judentum kleben. Sobald sie sich vom Judentum abwenden und Christen werden, schwindet der Hass. Konkret werden Juden benachteiligt, verfolgt, vertrieben oder getötet.

Es gibt eine muslimische Variante des Antijudaismus. Der antijudaistische Prophet Mohammed bekämpft nicht nur die Juden, sondern zerstört auch die jüdischen Staaten auf der Arabischen Halbinsel. Im Entstehungsland des Islams leben heute keine Juden mehr. Der islamische Antijudaismus verfügt also neben einer eliminatorischen Komponente, wie etwa in Spanien, zusätzlich über die Fähigkeit, eine staatliche jüdische Gemeinschaft zu zerstören. Letzteres erinnert an Antizionismus. Der europäische Antijudaismus ist nicht „antizionistisch“ gewesen, da es im Herzen Europas keine jüdischen Staaten gegeben hat.

Der Antisemit hasst im Gegensatz zum Antijudaisten auch die Nachkommen von Juden, die sich nicht mehr als Juden empfinden. Für den Antisemiten zählt nicht der Glaube, sondern die Abstammung, weshalb der Antisemitismus zuweilen fälschlicherweise unter der Rubrik „Rassismus“ aufgeführt wird. Fälschlicherweise, da Juden keiner gemeinsamen Rasse angehören. Es gibt einen linken, einen rechten und dazwischen einen demokratischen Antisemitismus. Die meisten Antisemiten begnügen sich damit, Juden zu beschimpfen und zu bedrohen. Einige Antisemiten drängen darauf, dass die Juden aus ihrem Machtbereich verschwinden. Die industrielle Elimination von Juden ist dem deutschen NS-Staat vorbehalten.

De Unterschiede zwischen Antijudaismus und Antisemitismus sind fließend, da die allermeisten „rassischen“ Juden auch „Religionsjuden“ sind. Der qualitativ größte Unterschied besteht in der Vererbung des Judentums. Im Antijudaismus kann sich der Jude aus seiner Gemeinschaft entfernen, im Antisemitismus ist dies dem Juden meist verwehrt.

Wenden wir uns der dritten Judenhassart zu, dem Antizionismus, der beschönigend auch als „Israelkritik“ auftritt. Sowohl der Antizionist, als auch der Israelkritiker sind gegen die Existenz Israels als jüdischen Staat. Der Hass der Antizionisten (Israelkritiker) richtet sich gegen Zionisten, die es auf antijudaistischer oder antisemitischer Weise zu eliminieren gilt. Zionisten sind für den Antizionisten Juden, die in Israel leben und Juden außerhalb Israels, die Israels Existenz unterstützen. Antizionistische Juden, die sich zur Genüge schon für wenig Geld außerhalb Israels mieten lassen, sind zunächst vom Hass der Antizionisten ausgenommen, weil sie diese Juden taktisch als Bündnispartner schätzen. Letztendlich werden sie sich nach erfolgreicher Tat auch gegen antizionistische Juden wenden, da immer die Gefahr besteht, dass aus Juden Zionisten werden. Nicht-jüdische Antizionisten (Christliche Zionisten) werden vom Antizionisten nicht ernst genommen.

Die Zerstörung des Judenstaates soll die Juden erneut abhängig von ihren Wirtsstaaten machen mit den historisch bekannten Ergebnissen. Es geht dem Antizionisten letztendlich um die Eliminierung von Juden über die Zerstörung des Judenstaates. Der Judenstaat hindert die Israelkritiker daran, ihre antijüdischen Vorstellungen in die Realität umzusetzen.

Der Antizionismus verfolgt dieselben Ziele wie der Antisemitismus und der Antijudaismus. Unterschiede zwischen Antijudaismus, Antisemitismus und Antizionismus sind nur in der Handhabung vorhanden, die auf technische Errungenschaften beruhen. Eine Diffenrenzierung der drei Judenhassarten führt zu keinem Erkenntnisgewinn.

Aus diesem Grund wird „Antisemitismus“ mit „Judenhass“ gleichgesetzt und fungiert als Oberbegriff über Antijudaismus und Antizionismus. „Antisemitismus“ wird bevorzugt, da es ein internationaler Begriff ist, der in den meisten Sprachen verstanden wird.

Der Judenhass/Antisemitismus ist eine Weltkonstante, die sich an die technischen Gegebenheiten anpasst. Genauso passen sich die Juden an technischen Gegebenheiten an, um zu überleben. Der sie schützende Dom des Bischofs des Mittelalters ist dem Iron Dome des 21. Jahrhunderts gewichen. Gegen den mittelalterlichen Bischof kursieren antijudaistische Verschwörungstheorien, wie heute antizionistische Verschwörungstheorien über das finanzielle und militärische Vermögen Israels. Die wahre Wandlung des Antisemitismus besteht in dem Einsatz neuer Worte.

Der islamische Judenhass hat eine starke antizionistische Komponente, die seit Anbeginn des Islams vorhanden ist. Als „Semiten“ usurpieren die Muslime den „Antisemitismus“, da weder sie, noch die indigenen europäischen Antisemiten das Wort „Antisemitismus“ begreifen, welches einen biblischen Bezug zu Juden hat. Interessant wird in Zukunft der nächste Antisemitismus werden, der aus der Melange von islamischen mit indigenen europäischen Antisemitismus entstehen wird. Die Differenzen zwischen diesen beiden Antisemitismen werden sich jedoch mit der Zeit, wenn es in Gaza friedlich wird, mit Gewalt entladen und einseitige Unterstützung durch islamistische militante Organisationen erfahren, die immer größere Gebiete der ehemaligen Kaliphate an sich reißen. Der Judenhass als kleinster gemeinsamer Nenner wird nicht ausreichen, um den Kampf zwischen den Anhängern beider Gruppen in Europa zu verhindern. Juden, wie andere passive Zuschauer der Auseinandersetzungen, werden unter Kollateralschäden leiden. Der schutzbedürftige Europäer wird sich autoritäre staatliche Strukturen wünschen, wie sie bereits heute unter Putin in Russland vorhanden sind. Wer und wann die Oberhoheit gewinnt, ist offen.

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