Der Niqab und die Hure

An der Pariser Oper wurde eine Zuschauerin aus einer laufenden Vorführung geschickt, weil sie bis auf die Augen verschleiert war. In Frankreich ist das Tragen eines Vollschleiers in der Öffentlichkeit seit 2011 untersagt. In der Pause wurde die Frau aufgefordert, den Niqab abzunehmen oder zu gehen. Sie verlies daraufhin mit ihrem Begleiter das Opernhaus.

Ich könnte jetzt viel über das Für und Wider des Verbots schreiben, was mich jedoch viel mehr interessiert: Warum wollten sich die verschleierte Frau und ihr Begleiter unbedingt ein Stück über eine Edelhure anschauen? Auf der Bühne wurde nämlich Verdis „La Traviata“ gegeben.

Fundamentalistische Moslems verweisen zur Rechtfertigung des Niqabs auf Stellen im Koran und dessen Erklärung aus den „frühen Quellen des Islam“ wie die von Ibn Kathir und At-Tabarī. Dort sehen sie Belege für die Forderungen, den Niqab zu tragen.

„Prophet! Sag deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie austreten) sich etwas von ihrem Gewand (über den Kopf) herunterziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (als ehrbare Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden. Gott aber ist barmherzig und bereit zu vergeben.“ (Sure 33, Vers 59. Übersetzung: Rudi Paret)

Es ist einfach herrlich absurd: Eine Frau, die vollkommen verschleiert ist, vermutlich damit Männer nicht durch den Blick ihrer weiblichen Rundungen dazu „verführt“ werden, sie zu belästigen, geht mit ihrem Mann in ein Stück über das Leben und Sterben einer Edelhure.

Ich finde, das ist ganz große Oper!

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
Dieser Beitrag wurde unter Islam, Kunst, Theater veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Sämtliche Kommentare sind nur ein paar Tage sichtbar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s