Subventionen! Kennste, kennste, kennste?

Mario Barth hat auf seiner Facebook-Seite eine Debatte zum Thema Gerechtigkeit entfacht:

„Ich finde es echt erschreckend, wie viele Kabarettisten und sogenannte intellektuelle Darsteller mit Tiefgang, die den ganzen Tag in unterschiedlichen Printmedien behaupten, wie sozial die sind, auf subventionierten Bühnen spielen. Die „Künstler“ bekommen Festgagen, ob Leute in die Show kommen oder nicht. Die Gagen werden letztendlich auch subventioniert. Doch man sollte sich die Frage stellen, wenn ein Künstler, und ich rede nicht von Jungkünstlern, sondern von alteingesessenen, wenn diese Künstler nicht in der Lage sind, das Publikum zu bewegen, warum muss dann der Steuerzahler das finanzieren? Welcher Handwerker bekommt denn das Geld vom Staat, wenn er so schlecht ist, dass er keine Kunden gewinnt? (Ausgenommen die Planer des BER.) Wir reden hier von hunderten Millionen im Jahr.“ 

Mario Barth ist einer der erfolgreichsten Stand-Up-Comedians der Welt. Am 12. Juli 2008 stellte er den Weltrekord als „Live-Comedian mit den meisten Zuschauern“ auf, indem er vor rund 70.000 Zuschauern im Olympiastadion Berlin auftrat. Mario Barth ist somit einer der beiden einzigen Personen, die als Solisten mit einer Spoken-Word-Performance das Olympiastadion gefüllt haben. Der andere Mann war Adolf Hitler, der 1937 das Stadion füllte, allerdings zusammen mit Joseph Göbbels als Vorprogramm.

(Mike Godwin’s Law: „Im Verlauf einer längerern Diskussion nähert sich mit zunehmender Dauer die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen Nazi-Vergleich einbringt, dem Wert Eins.“ Das ging diesmal schnell!)

Adolf Hitler war hoch subventioniert. Er war wohl die am stärksten subventionierte Einzelperson Deutschlands damals. Mario Barth ist ein unsubventionierter freier Künstler.

Adolf Hitler erfüllte das Stadion mit Hass, selbgerechter Überheblichkeit, Ernsthaftigkeit und einer brutalen selbsterklärten Besserwisserei. Mario Barth jedoch erfüllte das Stadion mit Lachen, Selbstironie und einer profanen Albernheit. Ein klares 0:1 für die Freiheit, möchte ich sagen!

Wie erschüttert muss der Glaube an die menschliche Fähigkeit, Kunst und Kultur zu schaffen, eigentlich sein, um zu glauben, Kunst und Kultur könne nur mit der Gewalt des Staates überleben? Viele Menschen glauben, die Kunst bedarf eines Führers. Adolf Hitler war so ein Führer. Er war bekannt für seine Subventionen der gearteten Kunst.

Ich bin mir sicher, Kunst und Kultur bedarf keiner staatlicher Führung! Wo Menschen zusammen sind, wird auch die Kunst blühen!

Einige werden nun erklären, es ginge um Förderung und nicht um Führung, aber die Grenze zwischen Führung und Förderung liegt ziemlich genau dort, wo jemand staatliche Subventionen bekommt. Der durch Subventionen geführte Mensch, wird eher von Förderung sprechen, da er Teil der Herde ist, die profitiert und somit nicht erkennt, dass sein Blick geführt wird. Nur wer ausserhalb der Herde steht, hat einen klareren Blick auf die Realität und kann seinen Blick über den ganzen Horizont schweifen lassen. Allerdings kann auch in subventionierter Kunst Wahrheit stecken. Der hochsubventionierte Dichter Goethe schrieb einst in seinem Sequel Faust 2:

„Und auf vorgeschriebenen Bahnen
zieht die Menge durch die Flur;
den entrollten Lügenfahnen
folgen alle! – Schafsnatur!“

Ein weiterer Autor, der nicht selten in subventionierten Theatern gespielt wird, ist Bertolt Brecht. Von ihm stammt dieser Kinderreim:

“Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.”

Was denken subventionierte Theatermacher, wenn sie diesen Kinderreim lesen? Wie klar ist ihnen, dass das Geld, das sie als Subventionen bekommen, ein anderes Theater eben nicht bekommt? Wie rechtfertigen sie die Tatsache, dass ihre Eintrittsgelder nur deshalb so gering sein können, weil ihre Theater mit Steuergeldern aufgestockt werden? Theater ohne Subventionen müssen mit diesen Kampfeintrittspreisen konkurrieren. Das Geld müssen sie dann einsparen, nicht selten bei ihren Künstlern! Es gibt nicht wenige Schauspieler, die frei nach Bert Brecht zu manch einem Theaterleiter sagen können: “Wärst Du nicht subventioniert, wär ich nicht so schlecht bezahlt!”

Unter der Überschrift „Papas Staatskino ist tot“ erklärte der Regisseur Klaus Lemke, die deutschen Filme seien wie Grabsteine, brav, banal und begütigend. Er gab dafür in seinem Hamburger Manifest aus dem Jahr 2010 der staatlichen Filmförderung die Schuld:

„Ich fordere Innovation statt Subvention. Ich fordere das Ende jedweder Filmförderung aus Steuermitteln. Der Staat soll seine Griffel aus dem Film endlich wieder rausnehmen. 13 Jahre Staatskino unter Adolf und die letzten 40 Jahre staatlicher Filmförderung haben dazu geführt, dass der deutsche Film in den Siebzigerjahren auf Köassenfahrt in der Toskana hängenblieb; dass aus Regisseuren Soft Skills-Kastraten und aus Produzenten Veredelungsjunkies wurden.“

Die meisten Künstler brauchen keine Parteien, die fragen: „Was können wir Dir geben?“ Wenn die Politik wirklich helfen will, sollte sie es mal mit dieser Frage versuchen: “Womit sollen wir aufhören, um Dich nicht zu behindern?”

Subventionierte Theater bekommen ihr Geld überwiegend von Menschen, die nicht ins Theater gehen, denen das Geld über Steuern abgenommen wurde. Diese Theater interessieren sich nicht für das Publikum, denn sie haben ihr Geld schon, ganz gleich ob Gäste kommen oder nicht. Bevor sich der Vorhang zum ersten Mal öffnet, ist bereits alles bezahlt. Dahinter kann also ruhig Scheiße sein – und ist es meistens auch. Freie Theater jedoch nehmen nur Geld von jenen, die auch wirklich kommen.

Ein guter Freund von mir und Liebhaber der Oper, mit dem ich schon manch eine gute Oper gehört habe, steht meiner Ablehung von Kultursubventionen sehr skeptisch gegenüber. Er findet es wunderbar, dass in Deutschland fast jede Stadt ein eigenes Opernhaus hat und betont, die Opernhausdichte und das Regietheater seien ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal Deutschlands. Ängstlich fragt er mich jedes Mal, wenn ich gegen Kultursubvention polemisiere: „Was ist mit den Philharmonieorchestern und den Opernhäusern?“ Ich kontere dann immer: Was ist mit den gregorianischen Chören und gotischen Kathedralen? Alles hat seine Zeit! Alles ist vergänglich. Andreas Gryphius sagte einst:

„Was itzund prächtig blüht / sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vnd trotzt ist morgen Asch vnd Bein /
Nichts ist / das ewig sey / kein Ertz / kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück vns an / bald donnern die Beschwerden.“

Auch ich liebe die Oper, ob nun barock, romantisch oder modern; aber ich weiß auch, dass auf jeden Verlust ein Gewinn folgt. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir sicher bin, dass die Oper auch ohne Geld von deutschen Steuerzahlern überleben wird, es gibt genug private Förderer, habe ich auch genug Vertrauen, dass in einer Welt ohne Oper es andere Kunstwerke geben wird, die wir uns jetzt nicht vorstellen können, die uns aber eben so lieb wären und um die wir ebenso trauern würden, wenn sie verschwänden.

Die Angst vor Verlust darf uns nicht dazu bringen, an bloßen Formen festzuklammern. Kunst muss leben und vergehen. Kunstwerke sind keine Mumien. Mumien liegen in Pyramiden. Pyramiden aber sind Gräber, teuer und vom Pharao hochsubventioniert.

Es ist kein Werte- und Kulturverfall, wenn Pyramiden nicht mehr gebaut und gregoreanische Chöre nicht mehr singen. Alles ist Veränderung, Kreativität! Dem Menschen als Kulturwesen kann vertraut werden! Viele Kunstwerke brauchen eine Kulturförderung, aber Kulturförderung braucht keinen Staat! Kulturförderung braucht Menschen!

Angst und Phantasielosigkeit sind die Leichengräberinnen der Kultur. Im subvenionierten Kulturbetrieb jedoch werden sie zu Königinnen erhoben. Das ist das Problem! Der Autor Ulf Porschardt schreibt in seinem Gedankenexperiment „Fack Ju Subvention“:

„Die Gremien fördern das Epigonale. Das provokative Parfüm von vorgestern, die Empörung der vorletzten Avantgarde. Es wäre kein Problem, Kultursubventionen komplett einzustellen. Folgt man der Hegel’schen Idee der Kultur als Fortschritt im Geiste der Freiheit, dann gibt es kaum etwas, das sinnvollerweise zu fördern wäre. Theater- und Opernsubvention ist Umverteilung von unten nach oben. In Berlin gehört sie zum Stadtmarketing.“

Was unterscheidet Menschen, die in die Oper gehen von Menschen, die zu Mario Barth gehen? Die Bildung? Schön wär’s. Ich war bei beiden Veranstaltungen und kann sagen: Es ist das Geld! Unter dem Facebook-Eintrag von Mario Barth fand ich diesen Kommentar:

„Zum Glück gibt es ja genug Doofe, die Barth lustig finden, während nicht so viele zur klassischen Musik erzogen wurden oder genug in der Birne haben, um Faust, die Räuber oder Jedermann zu kapieren. Die schauen dann Barth. Und der findet erschreckend, dass wir die echte Kunst subventionieren, während Honks wie er das Olympiastadion füllen. Das sagt weniger über unseren Kulturbetrieb aus als über die Anzahl der Dummen, Ungebildeten, Anspruchslosen! Es gibt immer zwei Seiten!“

Dumm! Ungebildet! Anspruchslos! Da bricht der elitäre Ekel geradzu wie ein Quell hervor. Fehlt eingentlich nur noch das Attribut „entartet“. Nur dort, wo eine Elite mit dem Geld der Masse darüber entscheiden kann, welche Kultur gefördert wird, entsteht eine Führung, die darüber entscheidet, welche Kunst derart geartet ist, dass sie es wert ist, vom Gewaltmonopol des Staates profitieren zu dürfen.

Wer diese Gewalt für sich in Anspruch nimmt, kann ganz oppulent inszenieren, aber er ist und bleibt ein „Staatsflittchen“!

Die zerstörerische Kraft staatlicher Subventionen wird am besten durch dieses Bild deutlich: Stellen Sie sich einen Platz vor, an dem es fünf verschiedene Restaurants gibt. Jedes Restaurant hat seinen eigenen, wunderbaren Stil. Es herrscht kulinarische Vielfalt. Was könnte diesem Paradies gefährlich werden? Ganz einfach: Staatliche Subventionen!

Stellen Sie sich vor, ein Restaurant wird auf einmal gefördert. Vier Restaurants sehen sich plötzlich einem verzerrten Wettbewerb ausgesetzt, da das geförderte Restaurants plötzlich ein Konkurrent ist, bei dem die Kasse bereits klingelt, bevor ein Gast ein Gericht gegessen hat, ja, sogar bevor dort überhaupt etwas bestellt wurde. Dieses Restaurant kann jetzt ohne Probleme an den Preisen drehen, seine Gerichte günstiger anbieten und in bessere Produkte investieren. Die anderen Restaurants müssen weiterhin ausschließlich mit ihrem erwirtschaften Geld auskommen. Besserer Produkte können sie nicht einkaufen, aber dem Preisdruck müssen sie dennoch folgen, besonders jetzt, da das subventionierte Restaurant in der Qualität etwas besser geworden ist. Eingespart wird das geringere Einkommen durch Lohnkürzungen bei den Köchen. Die besten Köche kündigen daraufhin und gehen zu dem subventionierten Restaurant, da dort nicht gespart werden muss. Ersetzt werden sie durch weniger talentierte Köche. Zudem müssen auch die Waren billiger eingekauft werden, um weiterhin konkurrieren zu können. Die Qualität leidet und weniger Gäste kommen. Ein Restaurant wird zu selten besucht und muss schließen. Da sind es nur noch vier.

“Kein Problem”, sagt die Politik, “wir können ja noch ein weiteres Restaurant subventionieren.” Alle Restaurants stellen daraufhin einen Antrag und auf einmal gibt es zwei subventionierte Restaurants am Platz. Da kommt der Sommer. Alle Restaurants stellen ihre Stühle raus. Da denkt sich die Politik: “Momentchen mal, die Konzessionen für die Außengastronomie haben wir auch schon lange nicht mehr geprüft und zwei Restaurants am Platz haben schließlich deutlich mehr Geld als früher, da sollten wir doch schleunigst mal wieder einen Besuch abstatten.” Gedacht, getan! Das Ordnungsamt und die Bauaufsichtsbehörde schicken ihre Leute los. Sie reden was von Sicherheit, sagen, sie dächten nur an die Kunden. Lieber jetzt etwas pingeliger als später das Nachsehen. Ein Restaurant kann sich die neuen und teueren Anforderungen nicht leisten und muss schließen. Da sind es nur noch drei?

“Tja,” sagt die Politik, “wir würden ja gerne helfen, aber wir haben das Geld im Moment leider nicht.” In der Kommune läuft es finanziell irgendwann alles andere als gut. Den subventionierten Restaurants müssen die Gelder gekürzt werden. Daraufhin demonstrieren die zwei subventionierten Restaurants. Einige Köche legen sich vor das Rathaus uns rufen: Die Küche stirbt! Die Presse berichtet: “Ab heute bleibt die Küche sozial kalt!” Die Bevölkerung ist außer sich. Es hilft nichts. Die Subventionen werden gekürzt. Jetzt müssen auch die subventionierten Restaurants einsparen, trauen sich aber nicht, mit den Preisen allzu hoch zu gehen. Stattdessen sparen sie bei den Köchen und bei den Waren. Die Löhne fallen. Die Qualität leidet! Ein Restaurant hat sich so an die Subventionsgelder gewöhnt, dass es verlernt hat, unabhängig zu wirtschaften und plant sich in den Ruin. In einer letzten verzweifelten Protestaktion springen die Köche auf die Tische ihrer Gäste und kacken in die Suppe. Das Restaurant muss schließen. Da sind es nur noch zwei.

Nur noch zwei Restaurants sind vor Ort, eines wird subventioniert, das andere Lokal nicht. An den Stellen, wo einst die anderen Gasthäuser waren, haben sich mittlerweile Schnellimbisse und Frittenbuden eingenistet. Einige sind qualitativ nicht sehr viel schlechter als das Restaurant, das nicht subventioniert wird, aber dafür deutlich billiger. Diesem Druck ist das Restaurant nicht lange gewachsen und muss schließen. Da gibt es nur noch ein Restaurant.

An dem Platz, an dem einst fünf wunderbare Restaurants zu besuchen waren, steht jetzt nur noch ein Restaurant zwischen einigen Imbissbuden. Irgendwann kommt eine Frau an den Platz und stellt die Frage, ob es eigentlich gerecht ist, dass dieses eine Restaurant subventioniert wird.

“Aber liebe Frau,” sagt der Pressesprecher der Stadt, “wie können Sie nur so eine Frage stellen? Sie sehen doch, was hier los ist. Wenn wir jetzt aufhören würden, das eine Restaurant zu fördern, dann gäbe es hier nur noch Imbissstuben und Frittenbuden. Wir garantieren die Qualität! Ohne Subventionen müsste das einzige Restaurant am Platz schließen! Dann gäbe es dort nur noch Dreck zu fressen. Es ist unsere politische Pflicht, das Gute zu unterstützen.”

Die Frau geht nach Hause und bestellt sich eine Pizza. Am nächsten Tag erhöht die Kommune die Steuern.

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