Subventionen! Kennste, kennste, kennste?

Mario Barth hat auf seiner Facebook-Seite eine Debatte zum Thema Gerechtigkeit entfacht:

„Ich finde es echt erschreckend, wie viele Kabarettisten und sogenannte intellektuelle Darsteller mit Tiefgang, die den ganzen Tag in unterschiedlichen Printmedien behaupten, wie sozial die sind, auf subventionierten Bühnen spielen. Die „Künstler“ bekommen Festgagen, ob Leute in die Show kommen oder nicht. Die Gagen werden letztendlich auch subventioniert. Doch man sollte sich die Frage stellen, wenn ein Künstler, und ich rede nicht von Jungkünstlern, sondern von alteingesessenen, wenn diese Künstler nicht in der Lage sind, das Publikum zu bewegen, warum muss dann der Steuerzahler das finanzieren? Welcher Handwerker bekommt denn das Geld vom Staat, wenn er so schlecht ist, dass er keine Kunden gewinnt? (Ausgenommen die Planer des BER.) Wir reden hier von hunderten Millionen im Jahr.“ 

Mario Barth ist einer der erfolgreichsten Stand-Up-Comedians der Welt. Am 12. Juli 2008 stellte er den Weltrekord als „Live-Comedian mit den meisten Zuschauern“ auf, indem er vor rund 70.000 Zuschauern im Olympiastadion Berlin auftrat. Mario Barth ist somit einer der beiden einzigen Personen, die als Solisten mit einer Spoken-Word-Performance das Olympiastadion gefüllt haben. Der andere Mann war Adolf Hitler, der 1937 das Stadion füllte, allerdings zusammen mit Joseph Göbbels als Vorprogramm.

(Mike Godwin’s Law: „Im Verlauf einer längerern Diskussion nähert sich mit zunehmender Dauer die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen Nazi-Vergleich einbringt, dem Wert Eins.“ Das ging diesmal schnell!)

Adolf Hitler war hoch subventioniert. Er war wohl die am stärksten subventionierte Einzelperson Deutschlands damals. Mario Barth ist ein unsubventionierter freier Künstler.

Adolf Hitler erfüllte das Stadion mit Hass, selbgerechter Überheblichkeit, Ernsthaftigkeit und einer brutalen selbsterklärten Besserwisserei. Mario Barth jedoch erfüllte das Stadion mit Lachen, Selbstironie und einer profanen Albernheit. Ein klares 0:1 für die Freiheit, möchte ich sagen!

Wie erschüttert muss der Glaube an die menschliche Fähigkeit, Kunst und Kultur zu schaffen, eigentlich sein, um zu glauben, Kunst und Kultur könne nur mit der Gewalt des Staates überleben? Viele Menschen glauben, die Kunst bedarf eines Führers. Adolf Hitler war so ein Führer. Er war bekannt für seine Subventionen der gearteten Kunst.

Ich bin mir sicher, Kunst und Kultur bedarf keiner staatlicher Führung! Wo Menschen zusammen sind, wird auch die Kunst blühen!

Einige werden nun erklären, es ginge um Förderung und nicht um Führung, aber die Grenze zwischen Führung und Förderung liegt ziemlich genau dort, wo jemand staatliche Subventionen bekommt. Der durch Subventionen geführte Mensch, wird eher von Förderung sprechen, da er Teil der Herde ist, die profitiert und somit nicht erkennt, dass sein Blick geführt wird. Nur wer ausserhalb der Herde steht, hat einen klareren Blick auf die Realität und kann seinen Blick über den ganzen Horizont schweifen lassen. Allerdings kann auch in subventionierter Kunst Wahrheit stecken. Der hochsubventionierte Dichter Goethe schrieb einst in seinem Sequel Faust 2:

„Und auf vorgeschriebenen Bahnen
zieht die Menge durch die Flur;
den entrollten Lügenfahnen
folgen alle! – Schafsnatur!“

Ein weiterer Autor, der nicht selten in subventionierten Theatern gespielt wird, ist Bertolt Brecht. Von ihm stammt dieser Kinderreim:

“Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.”

Was denken subventionierte Theatermacher, wenn sie diesen Kinderreim lesen? Wie klar ist ihnen, dass das Geld, das sie als Subventionen bekommen, ein anderes Theater eben nicht bekommt? Wie rechtfertigen sie die Tatsache, dass ihre Eintrittsgelder nur deshalb so gering sein können, weil ihre Theater mit Steuergeldern aufgestockt werden? Theater ohne Subventionen müssen mit diesen Kampfeintrittspreisen konkurrieren. Das Geld müssen sie dann einsparen, nicht selten bei ihren Künstlern! Es gibt nicht wenige Schauspieler, die frei nach Bert Brecht zu manch einem Theaterleiter sagen können: “Wärst Du nicht subventioniert, wär ich nicht so schlecht bezahlt!”

Unter der Überschrift „Papas Staatskino ist tot“ erklärte der Regisseur Klaus Lemke, die deutschen Filme seien wie Grabsteine, brav, banal und begütigend. Er gab dafür in seinem Hamburger Manifest aus dem Jahr 2010 der staatlichen Filmförderung die Schuld:

„Ich fordere Innovation statt Subvention. Ich fordere das Ende jedweder Filmförderung aus Steuermitteln. Der Staat soll seine Griffel aus dem Film endlich wieder rausnehmen. 13 Jahre Staatskino unter Adolf und die letzten 40 Jahre staatlicher Filmförderung haben dazu geführt, dass der deutsche Film in den Siebzigerjahren auf Köassenfahrt in der Toskana hängenblieb; dass aus Regisseuren Soft Skills-Kastraten und aus Produzenten Veredelungsjunkies wurden.“

Die meisten Künstler brauchen keine Parteien, die fragen: „Was können wir Dir geben?“ Wenn die Politik wirklich helfen will, sollte sie es mal mit dieser Frage versuchen: “Womit sollen wir aufhören, um Dich nicht zu behindern?”

Subventionierte Theater bekommen ihr Geld überwiegend von Menschen, die nicht ins Theater gehen, denen das Geld über Steuern abgenommen wurde. Diese Theater interessieren sich nicht für das Publikum, denn sie haben ihr Geld schon, ganz gleich ob Gäste kommen oder nicht. Bevor sich der Vorhang zum ersten Mal öffnet, ist bereits alles bezahlt. Dahinter kann also ruhig Scheiße sein – und ist es meistens auch. Freie Theater jedoch nehmen nur Geld von jenen, die auch wirklich kommen.

Ein guter Freund von mir und Liebhaber der Oper, mit dem ich schon manch eine gute Oper gehört habe, steht meiner Ablehung von Kultursubventionen sehr skeptisch gegenüber. Er findet es wunderbar, dass in Deutschland fast jede Stadt ein eigenes Opernhaus hat und betont, die Opernhausdichte und das Regietheater seien ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal Deutschlands. Ängstlich fragt er mich jedes Mal, wenn ich gegen Kultursubvention polemisiere: „Was ist mit den Philharmonieorchestern und den Opernhäusern?“ Ich kontere dann immer: Was ist mit den gregorianischen Chören und gotischen Kathedralen? Alles hat seine Zeit! Alles ist vergänglich. Andreas Gryphius sagte einst:

„Was itzund prächtig blüht / sol bald zutretten werden.
Was itzt so pocht vnd trotzt ist morgen Asch vnd Bein /
Nichts ist / das ewig sey / kein Ertz / kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück vns an / bald donnern die Beschwerden.“

Auch ich liebe die Oper, ob nun barock, romantisch oder modern; aber ich weiß auch, dass auf jeden Verlust ein Gewinn folgt. Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir sicher bin, dass die Oper auch ohne Geld von deutschen Steuerzahlern überleben wird, es gibt genug private Förderer, habe ich auch genug Vertrauen, dass in einer Welt ohne Oper es andere Kunstwerke geben wird, die wir uns jetzt nicht vorstellen können, die uns aber eben so lieb wären und um die wir ebenso trauern würden, wenn sie verschwänden.

Die Angst vor Verlust darf uns nicht dazu bringen, an bloßen Formen festzuklammern. Kunst muss leben und vergehen. Kunstwerke sind keine Mumien. Mumien liegen in Pyramiden. Pyramiden aber sind Gräber, teuer und vom Pharao hochsubventioniert.

Es ist kein Werte- und Kulturverfall, wenn Pyramiden nicht mehr gebaut und gregoreanische Chöre nicht mehr singen. Alles ist Veränderung, Kreativität! Dem Menschen als Kulturwesen kann vertraut werden! Viele Kunstwerke brauchen eine Kulturförderung, aber Kulturförderung braucht keinen Staat! Kulturförderung braucht Menschen!

Angst und Phantasielosigkeit sind die Leichengräberinnen der Kultur. Im subvenionierten Kulturbetrieb jedoch werden sie zu Königinnen erhoben. Das ist das Problem! Der Autor Ulf Porschardt schreibt in seinem Gedankenexperiment „Fack Ju Subvention“:

„Die Gremien fördern das Epigonale. Das provokative Parfüm von vorgestern, die Empörung der vorletzten Avantgarde. Es wäre kein Problem, Kultursubventionen komplett einzustellen. Folgt man der Hegel’schen Idee der Kultur als Fortschritt im Geiste der Freiheit, dann gibt es kaum etwas, das sinnvollerweise zu fördern wäre. Theater- und Opernsubvention ist Umverteilung von unten nach oben. In Berlin gehört sie zum Stadtmarketing.“

Was unterscheidet Menschen, die in die Oper gehen von Menschen, die zu Mario Barth gehen? Die Bildung? Schön wär’s. Ich war bei beiden Veranstaltungen und kann sagen: Es ist das Geld! Unter dem Facebook-Eintrag von Mario Barth fand ich diesen Kommentar:

„Zum Glück gibt es ja genug Doofe, die Barth lustig finden, während nicht so viele zur klassischen Musik erzogen wurden oder genug in der Birne haben, um Faust, die Räuber oder Jedermann zu kapieren. Die schauen dann Barth. Und der findet erschreckend, dass wir die echte Kunst subventionieren, während Honks wie er das Olympiastadion füllen. Das sagt weniger über unseren Kulturbetrieb aus als über die Anzahl der Dummen, Ungebildeten, Anspruchslosen! Es gibt immer zwei Seiten!“

Dumm! Ungebildet! Anspruchslos! Da bricht der elitäre Ekel geradzu wie ein Quell hervor. Fehlt eingentlich nur noch das Attribut „entartet“. Nur dort, wo eine Elite mit dem Geld der Masse darüber entscheiden kann, welche Kultur gefördert wird, entsteht eine Führung, die darüber entscheidet, welche Kunst derart geartet ist, dass sie es wert ist, vom Gewaltmonopol des Staates profitieren zu dürfen.

Wer diese Gewalt für sich in Anspruch nimmt, kann ganz oppulent inszenieren, aber er ist und bleibt ein „Staatsflittchen“!

Die zerstörerische Kraft staatlicher Subventionen wird am besten durch dieses Bild deutlich: Stellen Sie sich einen Platz vor, an dem es fünf verschiedene Restaurants gibt. Jedes Restaurant hat seinen eigenen, wunderbaren Stil. Es herrscht kulinarische Vielfalt. Was könnte diesem Paradies gefährlich werden? Ganz einfach: Staatliche Subventionen!

Stellen Sie sich vor, ein Restaurant wird auf einmal gefördert. Vier Restaurants sehen sich plötzlich einem verzerrten Wettbewerb ausgesetzt, da das geförderte Restaurants plötzlich ein Konkurrent ist, bei dem die Kasse bereits klingelt, bevor ein Gast ein Gericht gegessen hat, ja, sogar bevor dort überhaupt etwas bestellt wurde. Dieses Restaurant kann jetzt ohne Probleme an den Preisen drehen, seine Gerichte günstiger anbieten und in bessere Produkte investieren. Die anderen Restaurants müssen weiterhin ausschließlich mit ihrem erwirtschaften Geld auskommen. Besserer Produkte können sie nicht einkaufen, aber dem Preisdruck müssen sie dennoch folgen, besonders jetzt, da das subventionierte Restaurant in der Qualität etwas besser geworden ist. Eingespart wird das geringere Einkommen durch Lohnkürzungen bei den Köchen. Die besten Köche kündigen daraufhin und gehen zu dem subventionierten Restaurant, da dort nicht gespart werden muss. Ersetzt werden sie durch weniger talentierte Köche. Zudem müssen auch die Waren billiger eingekauft werden, um weiterhin konkurrieren zu können. Die Qualität leidet und weniger Gäste kommen. Ein Restaurant wird zu selten besucht und muss schließen. Da sind es nur noch vier.

“Kein Problem”, sagt die Politik, “wir können ja noch ein weiteres Restaurant subventionieren.” Alle Restaurants stellen daraufhin einen Antrag und auf einmal gibt es zwei subventionierte Restaurants am Platz. Da kommt der Sommer. Alle Restaurants stellen ihre Stühle raus. Da denkt sich die Politik: “Momentchen mal, die Konzessionen für die Außengastronomie haben wir auch schon lange nicht mehr geprüft und zwei Restaurants am Platz haben schließlich deutlich mehr Geld als früher, da sollten wir doch schleunigst mal wieder einen Besuch abstatten.” Gedacht, getan! Das Ordnungsamt und die Bauaufsichtsbehörde schicken ihre Leute los. Sie reden was von Sicherheit, sagen, sie dächten nur an die Kunden. Lieber jetzt etwas pingeliger als später das Nachsehen. Ein Restaurant kann sich die neuen und teueren Anforderungen nicht leisten und muss schließen. Da sind es nur noch drei?

“Tja,” sagt die Politik, “wir würden ja gerne helfen, aber wir haben das Geld im Moment leider nicht.” In der Kommune läuft es finanziell irgendwann alles andere als gut. Den subventionierten Restaurants müssen die Gelder gekürzt werden. Daraufhin demonstrieren die zwei subventionierten Restaurants. Einige Köche legen sich vor das Rathaus uns rufen: Die Küche stirbt! Die Presse berichtet: “Ab heute bleibt die Küche sozial kalt!” Die Bevölkerung ist außer sich. Es hilft nichts. Die Subventionen werden gekürzt. Jetzt müssen auch die subventionierten Restaurants einsparen, trauen sich aber nicht, mit den Preisen allzu hoch zu gehen. Stattdessen sparen sie bei den Köchen und bei den Waren. Die Löhne fallen. Die Qualität leidet! Ein Restaurant hat sich so an die Subventionsgelder gewöhnt, dass es verlernt hat, unabhängig zu wirtschaften und plant sich in den Ruin. In einer letzten verzweifelten Protestaktion springen die Köche auf die Tische ihrer Gäste und kacken in die Suppe. Das Restaurant muss schließen. Da sind es nur noch zwei.

Nur noch zwei Restaurants sind vor Ort, eines wird subventioniert, das andere Lokal nicht. An den Stellen, wo einst die anderen Gasthäuser waren, haben sich mittlerweile Schnellimbisse und Frittenbuden eingenistet. Einige sind qualitativ nicht sehr viel schlechter als das Restaurant, das nicht subventioniert wird, aber dafür deutlich billiger. Diesem Druck ist das Restaurant nicht lange gewachsen und muss schließen. Da gibt es nur noch ein Restaurant.

An dem Platz, an dem einst fünf wunderbare Restaurants zu besuchen waren, steht jetzt nur noch ein Restaurant zwischen einigen Imbissbuden. Irgendwann kommt eine Frau an den Platz und stellt die Frage, ob es eigentlich gerecht ist, dass dieses eine Restaurant subventioniert wird.

“Aber liebe Frau,” sagt der Pressesprecher der Stadt, “wie können Sie nur so eine Frage stellen? Sie sehen doch, was hier los ist. Wenn wir jetzt aufhören würden, das eine Restaurant zu fördern, dann gäbe es hier nur noch Imbissstuben und Frittenbuden. Wir garantieren die Qualität! Ohne Subventionen müsste das einzige Restaurant am Platz schließen! Dann gäbe es dort nur noch Dreck zu fressen. Es ist unsere politische Pflicht, das Gute zu unterstützen.”

Die Frau geht nach Hause und bestellt sich eine Pizza. Am nächsten Tag erhöht die Kommune die Steuern.

Dieser Beitrag wurde unter Kunst, Liberalismus, Literatur, Philosophie, Theater veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

125 Antworten zu Subventionen! Kennste, kennste, kennste?

  1. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Morbus ex Gotha : „ – weswegen alle Künstler, die von ihrer Kunst nur schlecht bis gar nicht leben konnten, sich von einem wie GutGes sagen lassen müssen, sie hätten doch einfach einen anderen Beruf wählen können.”

    Welches Deppengeschwätz! Wenn Sie lesen könnten, Herr ex Gotha, wäre Ihnen aufgefallen, dass sich mein Kommentar nicht auf Künstler früherer Zeiten bezieht, „die von ihrer Kunst nur schlecht bis gar nicht leben konnten“, sondern auf heutige Künstler, die ihrer ach so schweren Not jederzeit entgehen können, notfalls als Hartzer.

    Morbus ex Gotha : „Wenn alle Genies diesem Appell gefolgt wären, sähe es auf der Welt so leer und öde aus wie im Kopfe dieses Kommentators.”

    Ein echter Künstler, Herr ex Gotha, folgt keinem Appell, wie unsere gängigen Kulturnutten und ihre strunzdummen Verehrer, sondern ausschließlich seinem Schaffensdrang, sofern dieser ehrlich ist.
    Ein Vincent van Gogh hat nicht darauf gewartet, dass er subventioniert wurde.

    Morbus ex Gotha : „… gibt er mir doch immer wieder Beispiele dafür, wie eng Dummheit und Dreistigkeit miteinander verwandt sind.”

    Und das, obwohl gerade Sie auf fremde Beispiele nicht angewiesen sind. Insofern verstehe ich Ihren hilflosen Zorn.

    Morbus ex Gotha :„Und überhaupt wäre ich lieber ein Staatsflittchen als eines von Springer, Porsche oder Bertelsmann,  …“

    Logisch! Welcher Linke wäre nicht gern ein Staatsflittchen? Ist Ihnen schon jemals der Gedanke gekommen, Herr ex Gotha, überhaupt kein Flittchen sein zu wollen? Würde mich überraschen.

    In Erwartung weiteren Schwachsinns
    Ihr
    G.G.

    • A.S. schreibt:

      Da kommt nix. TexG ist außer zu kapitalismusbemeckernden Schlagworten zu keiner Diskussion bereit.

      • Aristobulus schreibt:

        Ähmdoch. Zur Kritik der Diskussion isser gern bereit.

        • A.S. schreibt:

          Aber nicht zur Diskussion über seine (oft blödsinnige) Kritik.

        • Gutartiges Geschwulst schreibt:

          @A.S.
          @Aristobulus

          Ihr könnt mich treten, Männer, aber ich finde, dass ex Gotha einen enormen Unterhaltungswert hat; speziell auf dem Gebiet der unfreiwilligen Komik.
          Hoffentlich beantragt er keine Fördergelder.

          • Aristobulus schreibt:

            Aber dann würd‘ er sich ja zum Förderflittchen machen und müsste nach Staatsmeinung flittisieren. Also er müsst‘ sich dann von rechten Sozialdemokraten fördern lassen und sie beflittern.
            Ist ihm der Staat jedoch links genug? Weil rechte Sozialdemokraten doch rechts sind.
            Und ist das für einen Flatteur wohl statthaft?

          • A.S. schreibt:

            Das ist richtig. Wobei seine Unfähigkeit zur einfachsten Realitätswahrnehmung fast schon bemitleidenswert ist. Aus irgendwelchen Gründen registrierte er nie was wirklich da steht. Vmtl. könnte man ihm auch eine Gebrauchsanweisung für Spülmittel vorlegen und er würde ausbeuterischen Kapitalismus von rassistischen und homophoben weißen Männern ohne Qualitätsempfinden herauslesen.

          • Gutartiges Geschwulst schreibt:

            @Aristobulus: „Aber dann würd’ er sich ja zum Förderflittchen machen und müsste nach Staatsmeinung flittisieren.“

            Was immerhin im Rahmen seiner Fähigkeiten liegt. Probleme entstünden erst, wenn er nach EIGENER Meinung flittisieren müsste. Eine solche kennt er ja nicht.

    • Thomas ex Gotha schreibt:

      Nur soviel: van Gogh musste sich zu seiner Zeit gewiss auch von schlauen Zeitgenossen anhören, er sei eine „Kulturnutte“.

      • Gutartiges Geschwulst schreibt:

        Sie verlieren gerade Ihren restlichen Verstand, Herr ex Gotha. Welcher Zeitgenosse van Goghs hätte diese Behauptung aufstellen wollen, und mit welcher Begründung?
        So sehr es mich amüsiert, Herr ex Gotha, dass Sie sich hier zum Affen machen, sollten Sie sich doch ein wenig schonen, damit ich auch später noch was zum Lachen habe.

        • Thomas ex Gotha schreibt:

          Vielleicht, weil van Gogh zu Lebzeiten kaum ein Bild verkauft hat? Vielleicht, weil Genies den begrenzten Verstand ihrer Zeitgenossen überfordern, weswegen sie dann die Poschardts dieser Welt als „Staatsflittchen“ beschimpfen?
          Aber fühlen Sie sich bitte nicht persönlich. Ihr Verstand ist alles andere als begrenzt.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            erg. „angesprochen“

          • Gutartiges Geschwulst schreibt:

            Warum oder von wem sollte Vincent van Gogh jemals als “Kulturnutte” bezeichnet worden sein, Herr ex Gotha? Er hat zu keiner Zeit öffentliche Gelder empfangen, um die sich Gerd Buurmanns Artikel dreht.
            Dass Vincent zu Lebzeiten kein Bild verkaufte, liegt nicht zwangsläufig an der Dummheit seiner Zeitgenossen, sondern an der simplen Tatsache, dass die meisten seiner Zeitgenossen ihn einfach nicht kannten.
            Glauben Sie ernsthaft, Herr ex Gotha, es gäbe heutzutage keine unentdeckten Genies?
            Wenn Genies nur deshalb unentdeckt bleiben, weil ihre Zeitgenossen zu dumm sind, dann betrifft diese Dummheit leider auch Sie, Herr ex Gotha!
            Schon gut, auch mich.

          • Bachatero schreibt:

            Also bei Genies kann ich mitreden und erklären, warum sie so schlecht gesehen werden, denn der Schopi hat’s gefunden: ”Talent trifft ein Ziel, das sonst niemand treffen kann; Genie trifft ein Ziel, das sonst niemand sehen kann.” Wenn die dauernd Ziele treffen, die niemand sonst sieht, dann hält man sie wohl eher für bekloppt und sagt es gibt keine Genies mehr. In diesem Sinne muss der TexGo ein solches sein.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Da V van Gogh kaum eigene Bilder verkaufen konnte, unterstützte ihn sein Bruder Theo, der wiederum in einer Kunsthandlung arbeitete. Es waren also keine öffentlichen, aber doch geschnorrte Gelder, von denen er lebte. Ist das besser?
            Und noch 20 Jahre nach seinem Tod löste der öffentliche Ankauf eines Bildes von ihm in Bremen eine Kontroverse aus, bei der die Ausdrücke „Staatsflittchen“ und „Kulturnutte“ allein aus dem Grunde nicht fielen, weil das Bürgertum damals noch besser erzogen war.

          • Aristobulus schreibt:

            … Stichwort Bürgertum. Ohne das Bürgertum (also einzelne Bürger mit verschiedenen Ansichten, ja?) geht in der Kunst überhaupt nichts.

            Wenn nur das Herrscherhaus / die Kirche / der Verwaltungsstaat Herr übers Budget, über Ausstellungsräume, über Publikationen, Kunst-Zeitungsartikel usf. ist, dann haben Sie sofort sowas wie die Staatskunst unter den Habsburgern, sowas wie die Staatkunst unter Franco, sowas wie die Staatskunst unter den Sowjets. Perverse Staatskunst eben, die mit Kunst und Individualität (-> van Gogh) nichts zu tun hat.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Man kann ja über die Medici und die katholische Kirche in der Renaissance sagen, was man will, aber sie haben doch einiges finanziert, das die Menschheit heute noch erfreut.

            Wenn wir die Sponsoren nach Epochen ordnen, könnte zum Beispiel folgende Ordnung entstehen:
            Antike – Polis und Prinzipat
            Mittelalter – Kirche und Kloster
            Renaissance – Kirche und Adel
            Absolutismus – Adel
            Kapitalismus – Bürgertum (welches aber derzeit die Förderung aller Kunst, die nicht als Geldanlage oder zur Zerstreuung taugt, an die Bürokratie delegiert hat. Das ist eine schlechte Lösung, aber besser als gar keine.)

            (ist noch unausgegoren…Was ist z.B. mit Faschismus, Sozialismus, Postkapitalismus?)

          • Aristobulus schreibt:

            … allesamt Kunst durch den Staat. Diese Aufzählung ergibt wenig Sinn, weil sie das Ganze hierarchisch sieht.

            Was ist mit Dichtern wie Villon, Rabelais, Ronsard?, was mit den Vaganten und Minnesängern des 12. bis 14. Jahrhundert? Keine Rede von „Kirche und Klöster“ als deren Geldgeber.
            Was ist mit dem Heer unabhängiger Geister während des 17. und 18. Jahrhunderts (angefangen mit Caravaggio)?, keine Rede vom „Absolutismus“, der sie bezahlt hätte.
            Diese haben wesentlich mehr bleibende Qualität geschaffen als die offiziell Bezahlten und Ausgehaltenen.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Villon: nun gut, der war unabhängig, hatte aber auch eine veritable halb- bis ganzkriminelle Karriere zu absolvieren – wie übrigens auch Caravaggio.
            Was Ronsard anbelangt, so informieren mich meine Quellen, dass der französischer Hofdichter gewesen ist, Rabelais wurde von Jean du Bellay, einem hohen Kirchenmann, gefördert. Können wir uns darauf einigen, dass man unabhängig bleiben kann, auch wenn man von einem Sponsor abhängig ist?
            Beim Mittelalter hatte ich den Adel vergessen, stimmt.

          • Aristobulus schreibt:

            Ronsard war Grundbesitzer und hatte wohl eine Pfründe, das reichte ihm zum Leben-.

            Ideenproduktion lässt sich nicht aus den gesellschaftlichen Verhältnissen herleiten oder erklären. Es verhält sich ziemlich genau anders herum, nicht? Das Bewusstsein bestimmt das Sein.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Wie erklären Sie sich dann aber die zu bestimmten Zeiten und Epochen zu beobachtende Zusammenballung von Genies? Haben sich Sophokles und Aristophanes die Bedingungen, unter denen Sie schrieben, etwa selbst geschaffen? Haben Marlowe, Shakespeare, Jonson unabhängig voneinander die Geburt des modernen Theaters beschlossen, oder lag es daran, dass im elisabethanischen Zeitalter einige günstige Faktoren zusammenkamen (eine aufgeschlossene Regierung, die sich abzeichnende Entstehung einer neuen Klasse, ein sich rasant steigernder Grad der Bildung…)? Und wäre die Blüte des Romans im 19. Jahrhundert denkbar ohne den Umstand, dass die Frauen des Bürgertums ebenso gebildet wie gelangweilt waren?

  2. ceterum censeo schreibt:

    Es gibt manchmal auch noch den Mittelweg: Man soll antike Kunstwerke bewahren und bewundern und darf sie nicht zerstören, heute aber noch dieselben Statuen zu fertigen, wäre einfach nur Kitsch. Man geht eben neue Wege.
    Es ist so ähnlich wie beim Troll: Ihn zu verteufeln ist zwecklos, ihm zu viel Zeit zu opfern ebenso, ganz ignorieren soll man ihn auch nicht, denn auch er will ja nur leben.
    Also ergreift man die Gelegenheit und erinnert ihn daran, daß er doch eigentlich seine Perlen nicht mehr vor die hiesigen Nazisäue zu werfen versprach.

    • Thomas ex Gotha schreibt:

      Ich will mal meinem Vorsatz, bestimmte Trolle hier nicht mehr zu füttern, untreu werden, und Ihnen, ausnahmsweise, einmal zustimmen: Ihr Selbstporträt im letzten Satz hätte ich auch nicht besser hinbekommen.

      • ceterum censeo schreibt:

        Ach was, Sie hätten sich nur nicht getraut.
        Übrigens finde ich es dufte, daß Sie untreu geworden sind. Mir wird immer ganz warm ums Herz, wenn ich Ihren Nick erspähe. Ich genehmige mir dann erst mal einen guten Drink, eventuell ein Zigärrchen, bevor ich mich dem Lesegenuß und Weisheitsgewinn hingebe.
        Wirklich: gäbe es Sie nicht, man müßte Sie erfinden.
        Sie Kleinbürger. 😉

        • Thomas ex Gotha schreibt:

          Das überrascht mich: Ich dachte, den „guten Drink“ resp. mehrere davon, nähmen Sie immer, bevor Sie sich hier äußern.

      • Gutartiges Geschwulst schreibt:

        @Morbus ex Gotha: „Ihr Selbstporträt im letzten Satz hätte ich auch nicht besser hinbekommen.“

        Gibt es überhaupt etwas, was Sie besser hinbekommen?

  3. Thomas ex Gotha schreibt:

    Buurmann schreibt: „Die Angst vor Verlust darf uns nicht dazu bringen, an bloßen Formen festzuklammern. Kunst muss leben und vergehen. Kunstwerke sind keine Mumien. (…) Es ist kein Werte- und Kulturverfall, wenn Pyramiden nicht mehr gebaut und gregoreanische Chöre nicht mehr singen. Alles ist Veränderung, Kreativität!“ In diesem Sinne ist die Zerstörung antiker Skulpturen durch den IS also weniger barbarisch als vielmehr ein Akt der Kreativität, durch den eine nicht mehr zeitgemäße Kunst entsorgt wird.
    Aber weiter: Buurmann behauptet, er habe „genug Vertrauen, dass in einer Welt ohne Oper es andere Kunstwerke geben wird, die wir uns jetzt nicht vorstellen können, die uns aber eben so lieb wären und um die wir ebenso trauern würden, wenn sie verschwänden.“ Das, was nach der Oper gekommen ist, ist bereits da, es heißt Musical und wenn es verschwände, hielte sich meine Trauer sehr in Grenzen. War die Oper noch eine Kunstform, die sich aus feudalen Anfängen in den beginnenden Kapitalismus gerettet hat, ist das Musical Ausdruck einer kleinbürgerlichen Eventkultur. Niemand wird klüger daraus hervorgehen, aber trotzdem gehen alle, ut aliquid fiat, da hin. Weil die Oper mit diesem affirmativen Unfug nicht mehr konkurrieren konnte, musste sich eben der Staat der Sache annehmen, damit eine hervorragende Infrastruktur halbwegs erhalten werden konnte, wie er ja auch Ende des 19. Jahrhunderts die Eisenbahnen übernahm, als die Gefahr bestand, dass diese nicht mehr fuhren.
    Buurmann meint, es gebe „genug private Förderer“. Wenn das so wäre, hätte sich doch der sparwütige Staat längst aus der Förderung zurückgezogen. Hat er aber nicht, also wird es wohl doch an einer ausreichenden Zahl mangeln. Und überhaupt wäre ich lieber ein Staatsflittchen als eines von Springer, Porsche oder Bertelsmann, mal abgesehen davon, dass Konzerne bereits Kulturveranstaltungen sponsorn und sich die Kosten über die Steuer von der Allgemeinheit zurückholen.

    • Aristobulus schreibt:

      Warum müssen Sie alles kleinmachen und für infantil (oder für kleinbürgerlich) deklarieren, was nicht der ganzlinken Großüberzeugung entspricht?

      Und nein, Ihre Analogie von der Veränderung & vom Aufhören mancher Kunstformen zur Vernichtungslust des IS gilt nicht. Weil ja auch die Analogie von ungelesenen Büchern zur Bücherverbrennung nicht gilt.

      Was Sie über „das Musical“ schreiben, ist übrigens Unsinn, pardon. „Das Musical“ ist garnichts, ist bloß ein untauglicher Begriff, so wie „die Oper“.
      Vergleichen Sie bloß etwa die Qualität von Händels Rinaldo oder Faramondo mit dem Fliegenden Holländer, dann haben Sie’s.

      Und inwiefern sollte etwa Porgy and Bess ähm „kleinbürgerliche Eventkultur“ sein? Bitte?! Weia, Thomas. So viel geht Ihnen am Herzen vorbei? Ist das gesund?

      P.S.
      Sie sind halt gegen „affirmativen Unfug“. Wenn’s schee macht?

      • A.S. schreibt:

        TexG gehört einfach zu den Leuten, die alles was nicht ihrer Meinung entspricht für schlecht halten. Also ein typischer Linker.

      • Thomas ex Gotha schreibt:

        Ob Oper der „ganzlinken Großüberzeugung“ entspricht, möchte ich bezweifeln, ich habe einfach meine Vorlieben und sehe nicht ein, dass ohne Not mir eine davon gestohlen bzw. unbezahlbar gemacht werden soll. Besonders daneben finde ich z.B. das folgende Argument Buurmanns: „Subventionierte Theater bekommen ihr Geld überwiegend von Menschen, die nicht ins Theater gehen, denen das Geld über Steuern abgenommen wurde.“ Ja und? Ein kinder- und führerscheinloser Fußgänger wie ich subventioniert mit seinen Steuern auch Straßen und Schulen. Analphabeten subventionieren Bibliotheken, Menschen ohne Abitur subventionieren Universitäten, nur das Theater hat keinen gesellschaftlichen Nutzen und soll kein Geld mehr vom Staat erhalten?

        Was das Musical anbelangt: Ihnen sollte doch klar sein, dass ich damit nicht die von Ihnen erwähnten Spitzen der Gattung meinte, sondern diesen Pop-und-pyro-quatsch, der in eigens dafür gebauten Hallen dargeboten wird – Hamburg ist in dieser Hinsicht eine sehr gebeutelte Stadt. Die Leute sollen da meinetwegen hingehen, aber es handelt sich eben nicht um die Fortführung einer kulturellen Tradition, sondern um Geldmacherei.

        Es geht mir darum, dass eben nicht, wie Buurmann schreibt, „auf jeden Verlust ein Gewinn folgt“, sondern es eben auch passieren kann, dass da gar nichts mehr kommt. Resp. „der König der Cats“ oder wie der Mumpitz heißt.

        Kleinbürger, das nur am Rande, sind wir alle hier, ich auch. Das sehe ich auch nicht als problematisch an, es sollte nur keinen Einfluss aufs Denken haben.

        • Gutartiges Geschwulst schreibt:

          @Morbus ex Gotha: „Ein kinder- und führerscheinloser Fußgänger wie ich subventioniert mit seinen Steuern auch Straßen und Schulen.“

          Auch ein führerscheinloser Fußgänger wird im Notfall nicht durch Maulesel versorgt, sondern von automobilen Krankenwagen.

        • A.S. schreibt:

          „Ein kinder- und führerscheinloser Fußgänger wie ich subventioniert mit seinen Steuern auch Straßen und Schulen. Analphabeten subventionieren Bibliotheken, Menschen ohne Abitur subventionieren Universitäten,“

          Mich dünkt, auch ihr Supermarkt des Vertrauens wird per LKW versorgt werden. Mich dünkt weiter, dass eure Hoheit ganz profan mit einem Bus fahren werden, oder mit dem Fahrrad. Und beides über Straßen.
          Mich dünkelt zudem, dass auch kinderlose Menschen aus Gotha eine Rente in Anspruch zu nehmen gedenken, die erschaffen wird von den Kindern, deren Ausbildung auch Kinderlose mitbezahlen.
          Menschen ohne Abitur wollen im Falle des Zahnschmerzes vermutlich auch einen universitär ausgebildeten Zahnarzt besuchen, der über ein, von einem universitär ausgebildeten Menschen entwickeltes, Betäubungsmittel verfügt.
          Und bevor mich jetzt der Bauer düngt der Schluss: Welchen Nutzen hat ein Mensch wie ich vom Theater, außer dass ich darin hervorragend schlafen könnte? Also ein direkter Nutzen, der eine Zwangsfinanzierung rechtfertigt.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Sie fragen: „Welchen Nutzen hat ein Mensch wie ich vom Theater, außer dass ich darin hervorragend schlafen könnte? Also ein direkter Nutzen, der eine Zwangsfinanzierung rechtfertigt.“ Ganz einfach: Es hilft Ihnen bei der Selbsterkenntnis. Sie gehören zu den Menschen, die dort schlafen und, im Gegensatz zu mir, bei, ich übernehme mal Ihre Schreibweise: „Jimmy Hendrix, Metallica oder Rammstein“ nicht einschlafen. Das sollte Ihnen die paar Cent im Jahr wert sein.

        • Aristobulus schreibt:

          „Die Leute sollen da meinetwegen hingehen, aber es handelt sich eben nicht um die Fortführung einer kulturellen Tradition, sondern um Geldmacherei.“

          Diese Musicals (die ich mir selbst niemals antun würde, selbst nicht in der größten Not) geben Scharen von Musikern und Bühnentechnikern Arbeit. Was soll an dieser Art Geldmacherei falsch sein?

          Übrigens sagten etwa strenge britische Anglikaner um 1750 genauestens Ihren Satz, wenn es um Sinn oder Unsinn von Händels Opern ging (Im Haymarket- Theatre), die galten den Kulturfortführungs-Konservativen nämlich als reine Geldmacherei und als gottlose Gegenwart.

          • A.S. schreibt:

            Gibt’s auf. Thomas ist ein Linker, das macht ihn unfähig zum Perspektivenwechsel.
            Thomas muss alles was ihm persönlich nicht gefällt abwerten und alles was er mag als gut, niveauvoll, kulturell hochstehend, sozial, [weitere im linken Spektrum positiv besetzte Vokabeln], ansehen, sonst wankt das Weltbild. Wie soll man sich auch die eigenen Wünsche von anderen finanzieren lassen (und sich dabei als als sozialer Weltverbesserer sehen), wenn man die Wünsche nicht auf eine höhere Ebene projiziert?

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Na, ich nehme mal an, dass die Attacken der Anglikaner eher dem König Georg II, der Händel unterstützte, galten.
            Wenn aber die Oper in diesen Jahren des sich entwickelnden Kapitalismus auch ein Zeichen des sich entwickelnden bürgerlichen Selbstbewusstseins war, ist es um so gruseliger, dass dessen neoliberale Nachfolger es abwickeln wollen.

          • Aristobulus schreibt:

            ?
            Liberale wollen das bürgerliche Selbstbewusstsein abwickeln?, und wie sollten die das tun?

          • Aristobulus schreibt:

            … und Thomas, um mal die Perspektive wegen Geldmacherei oder nicht Geldmacherei zu wechseln, lesen Sie mal die Stellungnahmen der 1750er Leipziger Kirchenoberen (immer tätig mit diesen mitbösend: J.S. Bach) über die Gottlosigkeit und Putzsucht und Geldmacherei usf. der zeitgenössischen Dresdner Oper durch.

            Man könnt‘ meinen, dass die sehr, sehr links gewesen seien, so erzkonservativ in Sachen echter Kultur und unechter Mache waren die. Reine Bewahrer des alleining Guten und die Sünde verdammend. Darum so strikt gegen die Sittenverderbnis und die Liederlichkeit der Oper.

  4. Volker Strübing schreibt:

    Ich weiß nicht, ob das die Diskussion weiterbringt, aber der Papst, der Johannespaul, der hat das Olympiastadion auch mal vollgekriegt. Wie passt das jetzt da rein? (Ich war damals Einlasser und musste alten polnischen Nonnen die Wasserflaschen wegnehmen.)

    • Bachatero schreibt:

      Aber die jungen durften das Wasser behalten?

      • Aristobulus schreibt:

        😀

        (… warum musste den alten polnischen Nonnen die Wasserflaschen weggenommen werden?
        Dieses Rätsel lässt mich seit gestern Nacht nicht los. So bald ich die Augen schließe, sehe ich alte polnische Wasserflaschen mit weggenommenen Nonnen, oder andere Kombinationen. Wird je zu erfahren sein, warum da was und wie geschah?)

        • Bachatero schreibt:

          Kann es sein, das der Paulespapst das Stadion mit Wasser vollgekriegt hat, das er alten polnischen Nonnen hat wegnehmen lassen, von Volker S. und seinen Miteinlassern? Was laesst man ein? Natürlich Wasser, z.B. in die Wanne, oder ins Stadion? Kannst Du jetzt besser schlafen?

  5. jsbielicki schreibt:

    Hat dies auf psychosputnik rebloggt.

  6. Sophist X schreibt:

    Früher, in der Prä-TV-Zeit, gab’s hier auf dem Dorf mal Leute, die ein Theaterstück sehen wollten. Also haben sie eins aufgeführt.

  7. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    @danielanderson1502: „Es ist ein weit verbreiteter Reflex, dass, wenn es um die sogenannte “subventionierte Theaterkunst” geht, plötzlich alles mit dem Maß der Ökonomie gemessen wird, während der BER, STUTTGART 21 oder noch soviele andere Projekte, die von der sogenannten ‘öffentlichen Hand’ leben, immer weitere Milliarden verschlingen und es keine Sau wirklich interessiert.“

    Dummes Geschwafel! Wie können Sie behaupten, dass BER und STUTTGART 21, angesichts der enormen Medienpräsenz, keine Sau interessieren? Abgesehen davon, dass Ihre Argumentation zwangsläufig stinkt, wenn Sie schlechtere Beispiele als Alibi benötigen.

    @danielanderson1502: „Den Wert von Theaterkunst Ich weiß nicht, wie weit sich Mario B. oder auch Du, Gerd, ihr euch also in der (Provinz-)Theaterszene auskennt und tatsächlich wißt, wie sehr viele Kollegen sich dort bis zur Selbstausbeutung schuften.“

    Niemand kann bestreiten, dass Schauspieler Schwerarbeiter sind! Allerdings leben sie ihr Schicksal freiwillig. Sollte ihr Martyrium zu schwer werden, können sie jederzeit vom Kreuz herabsteigen, und sich einen anderen Beruf suchen.
    Übrigens lebt auch Mario Bart von harter Arbeit!

    @danielanderson1502: “ Nur mal so zur Erinnerung, lieber Gerd, ein Seitenmeister oder auch ein Beleuchter an einem Stadttheater gehen am Monatsende mit wesentlich mehr Kohle nach Hause als das durchschnittliche Ensemblemitglied.“

    Womit bewiesen wäre, dass sich Seitenmeister oder auch Beleuchter für eine intelligentere Lebensplanung entschieden haben, als das durchschnittliche Ensemblemitglied, sofern Geld der Maßstab ist.
    Ein echter Künstler ist ein Geber, kein Nehmer! Ihre Aufrechnung ist daher höchst armselig.

    • Thomas ex Gotha schreibt:

      „Ein echter Künstler ist ein Geber, kein Nehmer“ – weswegen alle Künstler, die von ihrer Kunst nur schlecht bis gar nicht leben konnten, sich von einem wie GutGes sagen lassen müssen, sie hätten doch einfach einen anderen Beruf wählen können. Wenn alle Genies diesem Appell gefolgt wären, sähe es auf der Welt so leer und öde aus wie im Kopfe dieses Kommentators.

      P.S.: Aber ein echter Künstler, ein Geber, ist er doch: gibt er mir doch immer wieder Beispiele dafür, wie eng Dummheit und Dreistigkeit miteinander verwandt sind.

      • Aristobulus schreibt:

        Anhänger des Geniekults?
        Aber ich bitte Sie; der ist doch voll neunzehntes Jahrhundert 😉

        • Thomas ex Gotha schreibt:

          So schlecht war das 19. Jahrhundert nicht, es brachte doch einige große Denker (Marx!), Autoren (Balzac! Zola! Bang! Eca de Queiroz! usw.) und Komponisten (Verdi! Offenbach! usw.) hervor. Und so’n mieser kleiner Pendant, welcher ich nicht bin, würde nun monieren, dass der Genie-, also Werthers echter KULT, mehr so achtzehntes Jahrhundert war.
          Aber ich meinte Genie mehr im Sinne von Genie.

          • Aristobulus schreibt:

            Also wenn schon Genies im 19. Jahrhundert, dann bitte Nietzsche, Brahms, Mendelssohn, Victor Hugo.
            Dank für Ihre Nennung von Zola und Balzac (aber Offenbach?, nu, besser als Wagner jedenfalls war er schon).
            Aber Marx?, öhm, Marx hat keinen einzigen klaren Gedanken klar hingekriegt. Hingegen Nietzsche hat die gedankliche Klarheit erfunden 😉

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Offenbach immerhin war der letzte gescheite Musiker, der aus Köln stammt.

            (über Wagner ein anderes Mal, mit dem sollte man nicht so einfach fertig sein…)

  8. Thomas ex Gotha schreibt:

    Kunst, die diesen Namen verdient, ist seit der Antike ohne Förderung nicht denkbar. Der Staat, der diese Förderung übernommen hat, erweist sich als vergleichsweise klug, da er, wozu der reine Kapitalismus eben nicht in der Lage ist, seinen Bürgern verlässlich die Schönheit der Kunst zum Denken und Schauen gibt; außerdem ist es für ein Gemeinwesen hilfreich, wenn es eine ausreichende Zahl von Menschen bereit hält, die singen, spielen oder schreiben können — dass davon übrigens auch die zahlreichen Medien profitieren, sollte klar sein.
    Die Perspektive, die Buurmanns Artikel bietet, ist deprimierend – Mario Barth statt Oper, auf einen besseren Begriff könnte ich die brutale Dummheit des Neoliberalismus auch nicht bringen. Dessen Prophet, Ulf Poschardt, zeichnet sich durch die adäquate Sachkenntnis aus: „Die Autonomie der Kunst ist ohne ökonomische Autonomie eine Lachnummer. Jeder Künstler muss sich entscheiden, ob er ein Staatsflittchen sein oder eben große Kunst produzieren will.“ Aischylos, Sophokles, Vergil, Goethe, Brecht, Hacks – alles Staatsflittchen. Schreibt zudem einer, der bei einem Blatt arbeitet, das ohne die Subvention durch die Dreckschleuder BILD längst schon nicht mehr existierte, einer, dessen literarisches Werk sich, brrrm brrmm, um Sportwagen dreht. Ich wäre an seiner Stelle mit der Wahl meiner Worte etwas vorsichtiger.

    • A.S. schreibt:

      Ja, mal wieder der böse Kapitalismus. Deshalb gibt es in den USA ja auch keine guten Orchester oder Komponisten…..

      • Thomas ex Gotha schreibt:

        Hmmm…Haben Sie eigentlich zur Kenntnis genommen, was ich da geschrieben habe, oder reagieren Sie einfach reflexartig auf Stichworte? Es ging, ich zitiere mal, darum, dass „der reine Kapitalismus eben nicht in der Lage ist, seinen Bürgern verlässlich die Schönheit der Kunst zum Denken und Schauen“ zu bieten, was z.B. in den USA dazu führte, dass die NYCO 2013 ihren Betrieb einstellen musste.
        Man mag von manchen Musiktheatern in Deutschland halten was man will, es geht einzig darum, dass eine bestimmte kulturelle Infrastruktur nicht willkürlich aufgegeben werden sollte, nur weil ein Millionär wie Mario Barth, der das Glück hatte, aus seiner Scheiße Gold machen zu können, ärmeren Kollegen nicht einmal das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt.

        • Gutartiges Geschwulst schreibt:

          @Thomas ex Gotha: „…, nur weil ein Millionär wie Mario Barth, der das Glück hatte, aus seiner Scheiße Gold machen zu können, ärmeren Kollegen nicht einmal das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt.“

          Sie haben insofern meine Zustimmung, dass auch ich Barths Darbietungen für ziemliche Scheiße halte. Dennoch basiert sein Erfolg nicht auf Glück, sondern auf cleverer Planung und harter Arbeit.
          Außerdem ist es purer Unsinn, dass er „ärmeren Kollegen nicht einmal das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt“. Barth sieht lediglich nicht ein, dass er den Lebensunterhalt dieser Kollegen mitfinanzieren muss, die doch schließlich ebenfalls die Möglichkeit hätten aus Scheiße Gold zu machen.

        • A.S. schreibt:

          Ich habe sehr wohl das geschriebene zur Kenntnis genommen und mich reflexhaft gewundert wie Sie beim Thema Kultur plötzlich den Kapitalismus reinbringen können.
          Wenn ein Arbeiter mit der Schaufel für einen Graben 2 Tage braucht, und der Kapitalgeber (=Kapitalist) dem Arbeiter einen Bagger zur Verfügung stellt, so dass er jetzt 10 Gräben in 2 Tagen schafft, ist das Kapitalismus in reinster Form.
          Wo zur Hölle ist da die Verbindung zu Kunst und Kultur, und vor allem: Warum soll diese Effizienzsteigerung, die ja Ressourcen freistellt, sich negativ auf die Kultur auswirken? Reichtum, Überfluss, manchmal Dekadenz waren doch schon immer die besten Voraussetzungen für Kultur.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Also bitte! Schon in dem Barth-Beitrag war die Rede davon, dass Kunst eine Ware ist, deren Subventionierung dieser Herr eben bemängelt. Auch in dem verlinkten Poschardt-Artikel geht es darum, dass er es total ungerecht findet, dass die Theaterregisseure den Kapitalismus kritisieren, obwohl der es doch eigentlich sei, der ihnen ihre Existenz ermögliche (das ist natürlich polemisch und zeigt, dass dieser Herr entgegen seiner protzigen Selbstdarstellung („Ich bin Bildungsbürger (…) Ich gehe ins Theater, die Oper, zu den Philharmonikern, in Museen etc“ ) nur selten seinen Porsche nah einer Oper parkt), da er es wohl für falsch hält, die Hand, die einen füttert, auch noch zu beißen (und nur zu verständlich! Ihm ginge nie ein böses Wort zu Springer über die Lippen!).
            Es ging also von Anfang um das Verhältnis Kapitalismus – Kunst/ Kultur, und selbst wenn: es ist nun einmal das Wirtschaftssystem, in dem wir zu leben haben, und dass es unser Leben prägt, ist ebenso unbestritten wie unausweichlich.

        • A.S. schreibt:

          Und wie bitteschön soll Mario Barth für das willkürliche Aufgeben eine bestimmten kulturelle Infrastruktur verantwortlich sein? Man mag von dem jetzt halten was man will, der hat niemandem etwas weggenommen. Jeder Euro den er hat, hat ein anderer Mensch ihm freiwillig gegeben. Sogar doppelt. Und mit der anderen Hälfte werden Langweiler wie Claus Peymann bezahlt.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Weniger Barth, als, in seinem Gefolge, leider, Buurmann: „Mal ganz abgesehen davon, dass ich mir sicher bin, dass die Oper auch ohne Geld von deutschen Steuerzahlern überleben wird“ schreibt er, die Frage ist eben nur, in welcher Form sie überleben wird.
            Weiter: „es gibt genug private Förderer“ – woher weiß er das? Und warum sollte man sich, ohne Not, in einem reichen Land von denen abhängig machen?
            Ansonsten ziehen Sie sich auf Geschmacksurteile zurück: „Langweiler wie Claus Peymann“ verdienen also ihr Geld zu Unrecht, und das schreibt einer, der von sich behauptet, das Theater zu meiden, also gar nicht weiß, von was er redet. Dass Peymann einen alles andere als langweiligen Autor wie Thomas Bernhard gefördert hat, fällt dann auch der Ignoranz zum Opfer.

          • Gutartiges Geschwulst schreibt:

            A.S.: „Und mit der anderen Hälfte werden Langweiler wie Claus Peymann bezahlt.“

            Immerhin verkraftet der grundehrliche Peymann auch Zuwendungen aus der Automobil-Industrie:
            http://www.presseportal.de/pm/28249/1639707/skoda-ist-partner-des-grimme-online-award
            http://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/claus-peymann-verraet-was-er-im-sack-hat
            Peymanns antikapitalistische Überzeugung ist eben so unerschütterlich stark, dass sie auch mal `nen kleinen Werbevertrag aushält.

          • Aristobulus schreibt:

            Peymanns einzige, kleine Stärke war seine Schwäche für Thomas Bernhard.
            Außerhalb dieser ist er ein Salonlinker so allerreinsten Wassers, dass keiner versteht, warum er denn diese kleine Schwäche ausgerechnet für Thomas Bernhard gehabt hat, der Schwätzer erkannte, instinktiv und bös!, noch ehe die überhaupt angefangen hatten zu schwatzen.

  9. Pingback: Ich brauche das nicht! | Tapfer im Nirgendwo

  10. danielanderson1502 schreibt:

    Es ist ein weit verbreiteter Reflex, dass, wenn es um die sogenannte „subventionierte Theaterkunst“ geht, plötzlich alles mit dem Maß der Ökonomie gemessen wird, während der BER, STUTTGART 21 oder noch soviele andere Projekte, die von der sogenannten ‚öffentlichen Hand‘ leben, immer weitere Milliarden verschlingen und es keine Sau wirklich interessiert. Den Wert von Theaterkunst Ich weiß nicht, wie weit sich Mario B. oder auch Du, Gerd, ihr euch also in der (Provinz-)Theaterszene auskennt und tatsächlich wißt, wie sehr viele Kollegen sich dort bis zur Selbstausbeutung schuften. Nur mal so zur Erinnerung, lieber Gerd, ein Seitenmeister oder auch ein Beleuchter an einem Stadttheater gehen am Monatsende mit wesentlich mehr Kohle nach Hause als das durchschnittliche Ensemblemitglied. Denn wenn wir hier von Subvention reden, dann muss jedem Kritiker bewußt sein, dass mit Theater- und Orchestersubvention hauptsächlich Handwerk subventioniert wird. Aber davon will ich gar nicht reden, obwohl auch das zum Thema gehört. Ich spreche von den Schauspiel- und Musikerkollegen, die neben ihrer ganz normalen Proben- und Vorstellungsarbeit Jugend- oder Seniorentheaterclubs am Leben erhalten, die, ohne einen Euro mehr zu bekommen, Projekte zur schulischen Förderung von Migranten- und lernschwachen Kindern mit ihrer Arbeit außerhalb des Theaters oder Orchesters unterstützen. Ich meine die vielen Schauspieler und Musiker, die wöchentlich auf jedem Nudelbrett der Region spielen und ohne die sehr viele Leute überhaupt nur noch Mario B. im TV genießen könnten.
    Das ganze System ist eben NICHT mit Frittenbuden und Luxusrestaurants zu vergleichen, sorry, tut mir leid, so kreativ der Vergleich auch daherkommen mag, er ist im Ansatz demagogisch.
    Und auch Herrn Porschardt sollte klar sein, dass unbewiesene Behauptungen noch lange nicht dadurch wahr werden, dass man sie in schöne deutsche Hauptsätze gießt. Jede freie Thatergruppe kann, so wie hier in Berlin, sich Projekte fördern, sprich also, subventionieren lassen. Dafür gibt es einen Fond, aus dem auch einige meiner freien Projekte gefördert wurden, die weit davon entfernt waren, epigonal zu sein.
    Mario Bs. Kinofilm wurde übrigens auch vom Steuerzahler über die Filmförderung subventioniert, aber das nur mal ganz am Rande.

  11. A.S. schreibt:

    Das Kreuz mit den Subventionen. Einerseits verstehe ich das, andererseits nicht. Über Theater und Opern kann ich nicht viel sagen, da geht ich nicht rein weil mein Schnarchen die anderen Zuschauer stören würde……
    Aber zwei andere Beispiele will ich bringen. Erstens den Film. Da reicht ein kurzer Vergleich zwischen deutschen Filmen und Hollywood. Ganz offensichtlich ist Hollywood besser, natürlich in der Unterhaltung, aber auch bei „tiefgängigen“ Filmen.
    Das zweite Beispiel ist die Musik. Die hochsubventionierten Philharmonien sind super im polieren von verstaubten Musikleichen. Innovationen kommen da nicht raus. Die findet man im Rock-Pop Bereich, oder (mir näher) im Metall. Wer Lust hat suche mal Lingua Mortis von Rage. Ist ne Kombination von Metall und Klassik die ich leider noch nicht live sehen konnte. Oder Cantus Buranus, ein Nebenprojekt einer anderen Band, die irgendwelche alten Lieder mit Orchester und ihrem Stil kombinieren. Obs gefällt ist persönliche Geschmackssache. Aber es sind hochqualitative musikalische Innovationen, die von zehntausenden Menschen mit totaler Begeisterung aufgenommen wurden bzw. werden. In den von Staatsknete vollgepumpten Konzerthäusern sucht man derartiges vergeblich. Deren größte Innovation sind Herr der Ringe mit Live-Musik und einer Sängerin, die Popartig singen muss.
    In Deutschland wird die klassische Musik vor allem konserviert. Wirklich leben und wachsen tut sie eigentlich nur in Hollywood. Aber das ist wie früher. Die großen Musikstücke waren oft bezahlte Auftragswerke. Heute auch, nur sind das keine Requien mehr sondern Blockbuster…….

    • ceterum censeo schreibt:

      Höre auch gerne Metall, die „verstaubten Musikleichen“ allerdings bedürfen in der Regel keinerlei sogenannter Innovation. Sie sind oftmals vollkommen, und Menschen unseres Kulturkreises werden sie noch genießen, solange es uns gibt!
      Und das in der Tat auch ohne Subventionen.

      • A.S. schreibt:

        Die „verstaubten Musikleichen“ sind auch oft das beste was die Musik z.Z. zu bieten hat. Jahrhunderte alte Klassiker können i.d.R. nicht verfeinert werden. Aber es beschränkt sich halt aufs konservieren. Neues zu probieren ist auch gut, es können ja auch neue Klassiker entstehen. Aber dann muss man sich dem „Fußgericht“ der Zuschauer stellen. Gut ist nur, was Menschen auch hören wollen.

        • Bachatero schreibt:

          „Gut ist nur, was Menschen auch hören wollen.“ Freßt Scheiße, Millionen Menschen können nicht irren.

          • A.S. schreibt:

            Zeig mir Millionen Menschen die Scheiße fressen ……

          • Bachatero schreibt:

            Bitte verlang‘ das nicht von mir…. 😉 , aber der Aussage nach würde etwas gegutet dadurch, daß viele Menschen es hören wollen. Andere Form von „der Zweck heiligt die Mittel“.

          • A.S. schreibt:

            Masse ist natürlich kein Garant für Qualität, aber umgekehrt schon. Wenn Musik keine Hörer findet, dann ist sie auch nichts. Und da sind wir genau bei dem Problem der Subventionen. Nur diese erlauben es einer bestimmten Klientel Scheiße zu produzieren und das Desinteresse nicht der eigenen Unfähigkeit zuzuschreiben, sondern einem angeblich niveaulosem Publikum. Ein wunderbares Beispiel für diese boden- und grundlose Arroganz hat mal wieder unser Meister im Unsinn, T.ex.G., geliefert:
            “ Der Staat […] erweist sich als vergleichsweise klug, da er […] seinen Bürgern verlässlich die Schönheit der Kunst zum Denken und Schauen gibt“
            Die Bürger sind also zu blöd um die Schönheit der Kunst selber zu erkennen. Das ist einmal gnadenlos überheblich und für einen selbsternannten „Linken“ ein Offenbarungseid. Zweitens ist es ein gewisses Paradox, wenn ein Bürger der Bürgern unterstellt zu blöd zu sein um die Schönheitskompetenz dieses Bürgers zu haben.

          • Bachatero schreibt:

            Ich weiß nicht: „Masse ist natürlich kein Garant für Qualität, aber umgekehrt schon.“ Würde es so viele röhrende Hirsche und Wildecker Herzbuben geben, wenn’s stimmte? Ist der Massengeschmack als Qualitätsdetektor geeignet? Wahrscheinlich könnte der liebe Gerd nur im Kasperle Theater auftreten, sollte es so sein.

          • Aristobulus schreibt:

            … ich hab mir neulich bei einer Busfahrt Auto-Hinterteile angesehen, etwa zwei Stunden lang nur Auto-Hinterteile aus’m Busfenster raus, weil mir übel war und weil ich in der notverordneten freien Zeit endlich mal weniger über Übelkeit und mehr über die Verteilung von Ästhetik und Masse im Kosmos erfahren wollte.

            Und siehe da: Diese Auto-Hinterteile waren alle gleich abartig hässlich. Meinegüte, aber was die wollten!, die wollten alle ganz exklusiv und ganz besonders sein, hochwertig, innovativ usw. usf., die wollten allesamt ANDERS sein als die Anderen, ja das wollten sie. Nu, und was WAREN sie: Allesamt potthässlich und allesamt völlig GLEICH.

            So weit zum Verhältnis zwischen Masse und Geschmack.

          • Bachatero schreibt:

            Bald können wir uns unsere Autos beim Frühstück mit dem 3D Drucker zu Hause selbst gestalten. Im Individualisten Look (mal von C&A seinerzeit), z.B. Da werdnmer ja sehen, was Massen Geschmack ist, der röhrende Hirsch als Auto?

          • Aristobulus schreibt:

            … alle gleich individuell röhrend und alle was ganz Besonderes, viel besonderer und noch viel individuellerererer als das Doofe und Konventionelle da nebenan 😀

          • A.S. schreibt:

            @Bachatero
            Würdest du in einen Film reingehen wenn die alle bisherigen Zuschauer sagen, der sei ziemlich schlecht?
            „Ist der Massengeschmack als Qualitätsdetektor geeignet?“
            Wenn du den Satz “Masse ist natürlich kein Garant für Qualität, aber umgekehrt schon.” verstanden hättest würdest du diese Frage nicht mehr stellen 🙂

          • Bachatero schreibt:

            @A.S.
            „Würdest du in einen Film reingehen wenn die alle bisherigen Zuschauer sagen, der sei ziemlich schlecht?“
            Das hat mit Massenpsychologie, aber nicht mit der Qualität des Films zu tun, um die es ja geht. In welchem Masse ich mich von der „Meinung“ der bisherigen Zuschauer beeinflussen lasse, hängt davon ab, wie ich ihre Qualität einschätze, d..h. ihre Urteilsfähigkeit bezüglich des Films und von meiner eigenen Qualität als Individuum, meiner Abhängigkeit von der „Meinung“ anderer, die ja keine Konstante ist, sondern oft mit der Qualität des Morgenkaffees schwankt, aber nur, wenn sich’s um Filme handelt.
            „Wenn du den Satz “Masse ist natürlich kein Garant für Qualität, aber umgekehrt schon.” verstanden hättest würdest du diese Frage nicht mehr stellen 🙂 “
            Da muß ich Dich bitten, es mir zu erklären, denn ich würde es doch gern verstehen. Interessant genug isses ja.

          • A.S. schreibt:

            Ich meine, dass Qualität auch immer Zuschauer/Zuhörer findet. Und wenn etwas keine Leute findet denen es gefällt, dann ist es mit ziemlicher Sicherheit auch nichts. Und dieses „Fußgericht“ wird mit den Subventionen ausgehebelt.

            Die Massenpsychologie ist für Hypes zuständig, die erklären sowas wie Justin Bieber (von dem ich bisher noch kein Lied gehört habe, dass man von einem Schlafmittel unterscheiden könnte). Diese Hypes sagen nichts aus, hier höchstens, dass pubertierende schwärmende Mädchen einen an der Waffel haben.
            Aber wenn Musiker die Hypes überdauern, dann ist wiederum meistens was dran. Bruce Springsteen, Joe Cocker, Whitney Houston und ähnliche haben über Jahrzehnte ein Publikum gefunden. Daran kann man meist erkennen, dass die Leute schon was können.

          • Bachatero schreibt:

            @A.S. „haben über Jahrzehnte ein Publikum gefunden. Daran kann man meist erkennen, dass die Leute schon was können.“ Ein Publikum finden und über Jahre an sich binden konnten auch Heino und die Wildecker Herzbuben und v.a.m. Vielleicht verwechseln wir da Popularität mit Qualität oder gar populärer Trivialität? Vielleicht verstehe ich Deinen Ansatz einfach nicht?

          • A.S. schreibt:

            Heino kann singen, die Wildecker Kotzbubenkugeln können auch singen (solange man dem Mutantenstadelplayback glauben will). Ich find beide die ja auch furchtbar, aber Qualität geht nun mal in viele verschiedene Richtungen. Auch reine Unterhaltung kann gute Qualität haben. Auch Sachen, die wir beide grausam finden (Zombistadel) können für ihre Klientel sehr gut gemacht sein. Man kann nicht einfach den eigenen Geschmack als ein Maß für „echte“ Qualität nehmen.
            Es gibt keinen metaphysischen Zustand „Qualitätsvoll“, der irgendwie über der Wirklichkeit schwebt. Qualität definiert sich dadurch, dass es in den Köpfen der Zuhörer etwas auslöst. Und da die Menschen verschieden sind gibt es auch viele verschiedene Wege dazu. Man kann nicht einfach das, was für einen selber passt nehmen und als niveauvoll definieren und alles andere als trivial. Das wäre nur arrogant. T.ex.G Niveau.

          • Thomas ex Gotha schreibt:

            Herr A.S.!
            1.) Meine Arroganz ist weder boden- noch grundlos, außerdem bin ich kein „Meister im Unsinn“, sondern Sie schlicht nicht in der Lage, die einfachsten gedanklichen Schritte nachzuvollziehen. Wenn ich schrieb, dass Kunst ohne Förderung selten auskommt und sich hierzulande der Staat dieser Sache angenommen hat, um sie seinen Bürgern zu präsentieren, folgern Sie messerscharf: „Die Bürger sind also zu blöd um die Schönheit der Kunst selber zu erkennen.“ Wie kommen Sie darauf? Darum geht es doch gar nicht. Wenn es aber keine staatlichen Museen, keine staatlichen Theater, keine staatlichen Opernhäuser, wäre es nur schwerer, die Schönheit des „Faust“ oder der „Aida“ überhaupt kennenzulernen.
            Ihre nachfolgenden, na ja: Folgerungen („gnadenlos überheblich (…) für einen selbsternannten “Linken” ein Offenbarungseid. (…) unterstellt zu blöd zu sein um die Schönheitskompetenz (…) zu haben“) hätte ich an Ihrer Stelle dann auch besser unterlassen.

            Mit besten Grüßen
            Thomas ex Gotha

            P.S.: Was ist „Schönheitskompetenz“? Ich habe mir sagen lassen, hiesige Pädagogen sollen den Kindern nichts mehr beibringen, sondern „Kompetenzen vermitteln“. Scheint bei Ihnen ja bereits Wirkung gezeigt zu haben, falls Sie, was ich nicht weiß, in der Branche sein sollten.

          • Aristobulus schreibt:

            … also, Qualität lässt sich immer beweisen. Qualität ist also nicht Geschmackssache, sondern steckt in dem Ding selber drin.

            Qualität ist jedoch eine andere Kategorie als Gefallen. Schön, wenn einem Qualität gefällt. Man darf jedoch auch etwas minder Qualitätvolles nett finden dürfen – hmmm, bis zu ’ner Grenze. Aber wo liegt die?
            Die liegt beim Klischee. Da, wo Klischees breitgetreten werden, feiert der mauvais goût sich selbst, und da ist es jenseits der Grenze. Und da, wo Klischees vermieden oder ironisiert werden, ist es noch diesseits der Grenze.

            Bloß wälzt sich die Mehrheit seit je her halt gern in Klischees.

          • Bachatero schreibt:

            @A.S. „Qualität definiert sich dadurch, dass es in den Köpfen der Zuhörer etwas auslöst. “
            Merkwürdige Definition. Das tut ein Furz ja auch und letztlich jedwede sinnliche Wahrnehmung überhaupt. Ich meine @Ari liegt da mit seiner Definition doch besser am Wind, es sei denn, wir segeln in verschiedene Richtungen.

          • A.S. schreibt:

            @Ari
            Wie willst du Qualität beweisen? Bzw. woran erkennt man die konkret?
            @Bachatero
            Wie würdest du Qualität definieren?

          • Aristobulus schreibt:

            You know it when you see it 😉

            P.S.
            Bei Musik lässt es sich leicht beweisen, etwa wie oft die Tonart gewechselt wird, oder ob immer die selben Akkorde vorkommen, oder ob das Stück mit Kitsch liebäugelt. In politischen Sachtexten lässt es sich ganz leicht beweisen… auch in fiktionalen Texten: Anhand gebrauchter Metaphern, Klischees usf. Bei Gemälden lässt es sich etwas schwieriger beweisen – but you’ll know it when you see ist.
            Usf.

          • Bachatero schreibt:

            @A.S.
            Kontext ist alles. Damit der Oberlehrer in mir ja nicht aufwacht, oder sogar TexGo aufmerksam wird, nur schnell etwa so: Eine exhaustive Behandlung der Qualität bietet der Kontext des „Total Quality Management“, TQM, nach ISO 9001. Da wird Qualität im prozeßorientierten Sinne abgehandelt, Definition, Messung, Erzielung und Erhaltung, etc. Ein hochgiftiges Zeugs, weil da selbst „der Mensch“ als Quality erscheint, die optimiert werden soll. Im täglichen Leben (Heino) ist Qualität wohl so eine Art Maß (-zahl, -stab), mit der ausgedrückt wird, in welcher Proportion erwartbare Eigenschaften eines Produkts (Substanz, Material, Person, etc.) vorhanden sind, also letztlich ein Soll – Ist Vergleich, wobei das „Soll“ wohl das ganze Geheimnis enthält.

          • Aristobulus schreibt:

            … wobei die Kategorie Mensch im Grund nur über die Kategorie Geschmack qualitativ bestimmbar ist, nicht?, so oder so (ob einer Geschmack hat und wenn ja, worin, und ob jemand Anderer da auf den Geschmack kommt und wenn nicht, warum nicht)

          • A.S. schreibt:

            Also eigentlich sind das zwei Bestätigungen, dass man Qualität (künstlerische) eben nicht objektivieren kann. Nur die Extreme lassen sich deutlich erkennen, aber dann denken eben viele Leute ähnlich.

          • Bachatero schreibt:

            @A.S. Bin schon froh, dass sich die Extreme auf jeden Fall erkennen lassen, bin ja selber Extremist. Neulich trafen sich zwei der zahllosen local Cucarachas auf meiner Terrasse, so gegen Mitternacht im Mondenschein. So konnte ich ihrer leisen Unterhaltung zuhören, während ich mein Einschlaftruenkchen sippelte. Na, wie war die Scheiße? Scheißqualitaet heute, würde ich meine Cucarita nicht zu einladen. Ach, ich seh‘ grad, er trinkt Bier und Rum mit seiner Noni, da wird’s morgen wohl wieder Standard werden. Echt gute Scheiße hatter schon lange nicht mehr gebracht. Jedenfalls bei Scheiße treffen Cucarachas immer ein eindeutiges Qualitätsurteil. Leider koennense nicht singen.

    • Couponschneider schreibt:

      Ich habe auf meinen Lufthansa-Langstrecken-Flug etwas aus dem Album „Aural Colors“ von David Helbock gehört. Die mir bekannten und geliebten Klavierstücke Op. 19 von Arnold Schönberg hat er für Jazz-Stücke adaptiert. Es hörte sich gut an… Jedenfalls das, was ich gehört habe. Im Flugzeug hat man starke Hintergrundgeräusche.

      Wäre er subventioniert, hätte er sich das nie getraut. Wenn man einen Künstler schädigen will, subventioniere ihn, wie z. B. Till Brönner, der nach Big Band beim RIAS heute Lehrstuhlinhaber an einer Musikhochschule ist. Mir wurde mal eine seiner CDs geschenkt. Brönners Musik ist fürchtlich langweilig.

      • A.S. schreibt:

        Aus den Musikhochschulen kommen i.d.R. auch keine Kreativköpfe raus, sondern sehr gute Orchestermusiker. Leute, die bereits bekannte Musik hervorragend reproduzieren können. Ich mein das nicht negativ, das hat alles seine Berechtigung. Man soll sich nur keine Illusionen machen und die Musikhochschulen für Kulturquellen halten.
        Echte Kreativität ist in derartigen Institutionen für die Karriere eher schädlich als nützlich.

        • ceterum censeo schreibt:

          Das Wort „Kreativ“ mag zwar ein sehr originelles sein, paßt aber eher in die Bastelstunde im Kindergarten (Kita) oder in die geschützte Werkstatt, höchstens noch in Bezug auf die Ausschwitzungen „zeitgenössischer“ Künstler.
          Im Zusammenhang mit den großen Künstlern wirst Du es niemals hören.
          (Das soll natürlich nicht heißen, daß Kröatüvitöt schlecht ist, nur ist es heut schon kreativ, wenn Sara Lena den Finger in den Arsch steckt und dran nuckelt.)

          • A.S. schreibt:

            Ich rede von echter Kreativität, nicht diesen Blödsinn der heute gerne dafür gehalten wird. Wenn man im Kindergarten oder Selbstfindungskursen die Wand unkoordiniert mit Fingerfarben beschmiert wird das zwar gerne als Kreativität bezeichnet, ist aber einfach Unsinn.
            Echte Kreativität entsteht aus Wissen und Können, aus dem man etwas völlig Neues schafft, so wie es z.B. Mozart, Beethoven, Chopin, Jimmy Hendrix, Metallica oder Rammstein gemacht haben.

        • Aristobulus schreibt:

          Dieses reine Reproduzieren (mitsamt seinem Ethos, Selbstverständnis usf.) hab ich ohnehin nie verstanden. Obwohl es so weit verbreitet ist, weiter verbreitet als überhaupt was.
          Die weitaus meisten Künstler sind reine Reproduzierer und sehen sich trotzdem als Künstler.
          Diese allgemeine Reproduziererei lebt ohnehin von der allgemeinen Subventioniererei, nicht?

          • A.S. schreibt:

            Ich würde das auch als Kunstform bezeichnen. Auch Restaurateure können gute Künstler sein. Aber eben „nur“ reproduzierende Künstler.

          • Aristobulus schreibt:

            Ein Restaurator ist ein wissenschaftlicher Handwerker. Wehe, wenn er sich als Künstler sieht!, dann gibt’s Anhübschungen und Aufbrezelungen und sowas, also Historismus und keine Restaurierung.

          • A.S. schreibt:

            Auch richtig. Wobei Handwerk und Kunst oft nahe beieinander liegen. Bildende Kunst ohne Handwerk gibt es nicht.

          • Aristobulus schreibt:

            Yep. Selbst in der Schriftstellerei gibt’s Beides (der Handwerker ist der Übersetzer. Wobei es großartige Übersetzer und miese Schriftsteller gibt)

  12. pokemon273 schreibt:

    Oh, oh, Buurmann, Sie bereiten mir Qualen! Nicht nur muss ich jetzt die nächste Fußball-WM boykottieren, jetzt wird auch die einzigartige Opernlandschaft Deutschlands platt gemacht!

    😦

    Bin ich ein verachtenswerter Heuchler, wenn ich für Opern und Philharmonien eine Ausnahme gemacht haben will? Ja, das bin ich. Danke, dass Sie mir diese Selbsterkenntnis beschert haben 😦 😦 😦

    • Gutartiges Geschwulst schreibt:

      @pokemon273: „…, jetzt wird auch die einzigartige Opernlandschaft Deutschlands platt gemacht!“

      Ach woher, lieber pokemon273! Abgesehen davon, dass Opernsänger nicht zwangläufig staatlich subventioniert sein müssen, um schön singen zu können, gibt es ja auch noch private (oder wenigstens scheinprivate) Unterstützer, deren Finanzkraft hoffnungsvolle, junge Stimmen beflügelt:

  13. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Wenn ich könnte, lieber Gerd Buurmann, würde ich Ihren erneut granatenstarken Artikel mit einer Konfetti-Parade belohnen.
    Anstelle dessen: Vielen Dank.

  14. quisa schreibt:

    Mario Barth versteht nicht, dass man Kultur nicht mit Handwerk vergleichen kann. Bei Kultur geht es nicht um wirtschaftlichen quantitativen Erfolg. Kultur gefällt eben manchmal auch nicht direkt, erfüllt aber wichtige Nieschen, die zukünftige Entwicklungen fördern. Es ist eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts, Kultur von marktwirtschafltichem Druck zu befreien und somit eine vielfältige Kulturlandschaft zu garantieren. Die Documenta würde es ohne Subventionen wohl nicht geben. Mario Barths Schenkelklopfer werden immer Massen anziehen, ebenso wie ALDI oder das Musikantenstadl immer Massen anziehen werden…

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Quisa, sie haben geschrieben ohne den Artikel ganz zu lesen, wie ich sehe!

    • Gutartiges Geschwulst schreibt:

      @quisa: „Es ist eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts, Kultur von marktwirtschafltichem Druck zu befreien und somit eine vielfältige Kulturlandschaft zu garantieren.“

      Gab es vor dem 20. Jahrhundert noch keine vielfältige Kultur, und ist Kultur nur dort vielfältig, wo sie staatlicherseits geschmiert wird?

      • Aristobulus schreibt:

        … es gab vor dem 20. Jahrhundert überhaupt keine vielfältige, nein, keine in vielfachem Echo zerfallende linke Kulturproduktion.
        Seit der Subventioniererei gibt es jedoch nur noch diese eine, sich selber echoende, zerfallende linke Kulturproduktion.

        • Couponschneider schreibt:

          Eben. Vor zweihundert Jahren musste es vor allem dem Fürsten gefallen. Das war nicht immer gut, aber immerhin gab es Fürsten (und andere Monarchen), die offen waren.

          Ein Publikum musste dennoch gut unterhalten werden. Teilweise funktionierte die Abkommen zwischen Monarch und Komponist auf Basis des Versprechens, dass der Komponist für ein volles Haus zu sorgen hätte.

          Die Kulturbürokratie von heute aber tickt völlig anders.

          Ich halte auch die Aussage falsch, nur der Staat könne die Startinvestitionen stämmen, die notwendig wären, z. B. den Bau eines Opernhauses. Das ist falsch. Eine Oper ist billiger im Bau und im Unterhalt als eine Eisenbahnstrecke. Die Eisenbahnstrecken konnte der Staat tatsächlich nicht finanzieren. Das war die große Zeit der Aktiengesellschaften; da hat man sich Risikokapital an der Börse besorgt. Auch von Kleinanlegern. Und das in Deutschland.

          Dass die Bahn heute staatlich ist, verdankt man großen Verstaatlichungsmaßnahmen in den 1890er Jahren.

          Übrigens mag ich Mario Barth nicht sonderlich. Sein Humor zündet bei mir genausowenig wie der von Urban Priol. Priol aber wurde/wird staatlich gefördert. Das merkt man. Besondern aufgestoßen ist mir, dass Priol bei den Anti-S21 dabei war. Keine Ahnung haben, aber laut dabei sein und so tun, als würde S21 die Welt kosten und uns nichts einbringen. Walter Sittler war auch ein prominenter S21-Gegner und er spielt auch vorzugsweise in subventionierten Produktionen. Er wollte bei seiner schwäbischen Bimmelbahn bleiben, weil sie ihm genüge. Dass es aber 10000te von nichtsubventionierten Arbeitnehmern gibt, die tagtäglich das heutige Netz in Stuttgart und drumherum nutzen und auch pünktlich sein müssen, ging ihm am Allerwertesten vorbei.

        • A.S. schreibt:

          Bei Kreativitätsarbeit ist Teamwork meist ein Killer. Je weniger Leute daran beteiligt sind um so besser. Ein guter Komponist und ein Finanzier, der den Komponisten in Ruhe lässt sich ideale Voraussetzungen für gute Musik.
          Ein politisch besetztes Gremium, dass die eigenen Stadt zu einem Kulturzentrum machen will, bei gleichzeitiger persönlicher Karriereplanung und Berücksichtigung von Parteikompromissen, vernichtet jeden wirklich kreativen Prozess.

          • Gutartiges Geschwulst schreibt:

            @A.S.
            Dem kann ich nur zustimmen!

          • Couponschneider schreibt:

            Absolut richtig. Als Software-Entwickler weiß ich auch darum. Da prallen dann völlig unterschiedliche Vorstellungswelten aufeinander, leider auch Kenntnisstände. Ich zähle mich aufgrund meiner Ausbildung (Nicht nur FH, sondern TU.) und aufgrund meines persönlichen Hintergrundes (Programmiert habe ich schon als 12-jähriger, Wissensdurst ist nach wie vor nicht erloschen.) zu den innovativeren Entwicklern in meiner Firma. Leider wird dann viel zerredet und ich bin der Auffassung, dass vieles viel zu ineffizient abläuft, weil nicht klug programmiert. Manchmal sehe ich etwas, was mir nicht gefällt, weil ich Gefahren sehen. Es heißt dann: „Das hat auch schon in anderen Projekten funktioniert.“ – Aber früher trank man auch noch nichthomogenisierte Vollmilch und das funktionierte ja schließlich auch.

            Die Feststellung, dass die bisherige Lösung nicht Anforderungen nicht standhält und schlecht programmiert ist, braucht 3 Minuten. Das Denkend darüber, wie man es besser machen kann, und das Programmieren dieser besseren Lösung veranschlagt 30 bis 40 Minuten. Das Schreiben einer Mail, warum man das gemacht hat (mit guten Begründungen) nochmals 20 Minuten. Die verbalen Auseinandersetzungen mit Kollegen dann aber 2 Stunden, weil sie die Mail nicht sorgfältig gelesen haben. Und das ist zermürbend.

            Menschen sind Gewohnheitstiere und viele sind nicht bereit, die Gewohnheit abzustreifen („Das hat in zwei Projekten vorher auch schon funktioniert.“). Da helfen keine Argumente. Da reicht es nicht aufzuzeigen, dass das neue Konzept einfacher ist (weniger Klammern) und die Kollaboration erleichtert. Mein Beispiel hat sich tatsächlich ereignet und das neue Konzept (mein Konzept) hat sich tatsächlich durchgesetzt. Die Diskussionen hätte ich mir am liebsten gespart. Die Praxis hat gezeigt, dass es tatsächlich besser ist und auch gut für neue Anforderungen anpassbar ist.

            Teamwork finde ich nicht grundsätzlich falsch finde. Teamwork heißt eigentlich, dem Kollegen zu helfen, wenn er mit seiner Aufgabe nicht weiterkommt. Gruppenarbeit ist das Einengende, der Tod für das Kreative. Das Gremium stimmt ab und es kommt nur Unsinn heraus. Vorschläge werden abgelehnt, weil einem die Nase des Vorschlagenden nicht passt. Eine Sache, die sich am Markt bzw. in der Projektpraxis dann tatsächlich bewährt, ist eher immun gegen nachträgliche Entscheidungen des „Gremiums“.

            Vollendete Tatsachen zu ändern, kostet natürlich Geld. Wenn es taktisch klüger ist, das „Gemium“ öfter mal vor vollendete Tatsachen zu stellen, anstatt ordentlich zu diskutieren und fair zu diskutieren, sollte das betreffende Unternehmen wirklich darüber nachdenken, was da nicht stimmt.

          • A.S. schreibt:

            Ich bin nebenbei Hobbymusiker mit gewisser Banderfahrung. Und da war es auch immer ein riesen Problem wenn alle im Proberaum zusammen ein Musikstück schreiben wollten/sollten. Letztlich ging es dann nicht mehr um die Qualität, sondern darum wer sich wie gut durchsetzen kann bzw. wie gut die Ideen der anderen torpedieren kann z.B. durch lustloses Spielen, was dem Endprodukt (vorsichtig gesagt) nicht gerade gut getan hat.
            Heute weigere ich mich an solchen Sachen noch teilzunehmen. Im aktuellen Projekt gibt es die Regel, dass Ideen nur von Einzelpersonen kommen und solange nicht diskutiert werden bis die Person die Idee als umgesetzt betrachtet. Erst dann geht die Diskussion los, und die ist dann meist sehr kurz.

          • ceterum censeo schreibt:

            @AS
            Kennst Du eigentlich EINE Kellerband, die sich nicht ständig zankt, schmollt und auflöst? Musiker scheinen DIE Mimosen vor dem Herrn zu sein! 🙂

          • A.S. schreibt:

            Ich würde jetzt gerne widersprechen, aber das geht irgendwie nicht 🙂

    • quer schreibt:

      Wenn etwas Kunst ist, dann setzt es sich auch durch. Weil von den Menschen als unverzichtbar empfunden. Wirkliche Kunst wird auch in hundert oder zweihundert Jahren als solche empfunden und gewürdigt. Das gilt für alle Bereiche.

      „Kunst“ nach Art der Documenta wird in hundert Jahren im Nebel des peinlichen Vergessens verschwunden sein. Angenagelte Leberwürste, oder auf einem Haufen zusammengeschüttet Steine (behauen, oder unbehauen) sind Müll und werden als solcher behandelt werden. Das könnte dem staunenden Publikum eigentlich egal sein und ist es auch. Ärgerlich wird es, wenn Liebhaber von Kunst den Scheiß auch noch via Steuern bezahlen müssen. Gleiches gilt für so manches Theaterstück, welches dadurch glänzt, daß die Akteure nackt sind und auf die Bühne scheißen, bzw. unflätig lallen.

      Sie können sich jeden Scheiß zu Gemüte führen. Aber bezahlen dürfen Sie das bitte selbst.

      • A.S. schreibt:

        „Wenn etwas Kunst ist, dann setzt es sich auch durch. Weil von den Menschen als unverzichtbar empfunden. Wirkliche Kunst wird auch in hundert oder zweihundert Jahren als solche empfunden und gewürdigt. Das gilt für alle Bereiche. “
        Das sind entscheidende Sätze.

        • A.S. schreibt:

          P.S.
          Daher kommt auch der Mythos von der überlegenen Qualität der alten Musik, sowohl in der Klassik als im Rock-Pop-Bereich. Die großen Klassiker haben einen Jahrzehnte oder Jahrhunderte langen Auswahlprozess hinter sich. Was da übrig bleibt ist i.d.R. gut. Aber die Massen an Schrott, die neben den Klassikern produziert wurden und werden, nimmt man halt nur in der Gegenwart wahr.

          • Couponschneider schreibt:

            Den Schrott gibt es auch heute noch. Klassik-Radio beispielsweise ist eine Darbietungsform, die mich enorm ärgert. Das ist auf Durchhörbarkeit getrimmt. Auch mag ich André Rieu nicht besonders und er ist bei den meisten Liebhabern klassischer Musik eine Persona non grata.

            Was Qualität ist, ist schwer zu beschreiben? Reicht es, wenn es den Leuten gut gefällt? Oder muss es den richtigen Leuten gut gefallen? Pop-Musik an sich ist nichts falsches, nichts schlechtes, nichts per se niveauloses. Sie hat einen Vorteil: Sie ist eingängiger, ist leichter zu verstehen. Sie erreicht auch Menschen, die noch kein trainiertes Gehör haben. Es gibt Stücke aus der Populärmusik, die ich mag. Da gefallen mir die Stücke auf Anhieb oder ich mag sie nicht. Bei Musik aus dem klassischen Fach kann es passieren, dass ich ein Stück mehrfach hören muss, bis ich erkenne, wie raffiniert es ist. (Meine Lieblingsbeispiel Op. 9 und Op. 36 von Arnold Schönberg.)

            Nicht jeder hat die Zeit und die Lust, sich ausgerechnet den anspruchsvolleren Dingen zu widmen. Anstatt den Leuten von oben herab Belehrungen zu erteilen, sollte man ihnen klassische Bildung geschickt unterjubeln. Das passiert bei Zielgruppe Kind ganz gut. Das braucht keine Subventionen. Die wären sogar wieder hinderlich.

          • A.S. schreibt:

            Qualität ist in der Tat kaum zu definieren, va. weil Qualität auch immer vom Zweck der Sache abhängt. Ein Sänger im Mutantenstadel steht einer ganz anderen Herausforderung gegenüber als ein Sänger in der Oper. Gelegentlich gibt es auch Versuche von nur im klassischen Gesang ausgebildeten Sängern Rockmusik zu singen. Das ist dann nur noch lächerlich, weil der klassische Gesang nahezu alle im Rock wichtigen Elemente der Stimme abtrainiert, so wie es umgekehrt auch gerne in die Hose geht.
            Wenn der eine das andere nicht kann hab ich etwas dagegen, wenn man dem einen irgendwie einen höheren Wert zuschreibt. Ein Opernsänger, der behauptet besser zu singen als z.B. das Reibeisen von Motörhead muss eigentlich auch so singen können. Sonst ist es einfach anders. Ein Fußballer kann auch nicht behaupten ein besserer Sportler zu sein als ein Handballer.

          • Bachatero schreibt:

            Mutantenstadel 😉

          • Bachatero schreibt:

            @Coup
            “ sollte man ihnen klassische Bildung geschickt unterjubeln.“
            Diese demokratiedefizitäre Idee hat Dir doch bestimmt jemand geschickt untergejubelt.

      • Gutartiges Geschwulst schreibt:

        @quer: “ „Kunst“ nach Art der Documenta wird in hundert Jahren im Nebel des peinlichen Vergessens verschwunden sein.“

        In hundert Jahren? Warum so pessimistisch, lieber @quer? Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist die Documenta-„Kunst“ schon vergessen bevor ausgedacht.

    • quer schreibt:

      PS: Müßten die Besucher den unsubventionierten realen Preis für die Eintrittskarte zur Dokumenta höchstselbst entrichten, tendierte der Besuch gegen Null. Was entschieden über die Wertschätzung dieser „Kunst“ aussagte.

  15. quer schreibt:

    Schöne Beschreibung des Sozialismus. Hier des Kultur-Sozialismus. Egal. auf welchem Gebiet, Subventionen entfalten überall und in allen Bereichen die gleichen Ergebnisse. In der „Kulturszene“ solcher Art spielt man am Publikum vorbei. Insbesondere seit jener Zeit, als die Regisseure glaubten, ein Stück neu schreiben und neu „interpretieren“ zu müssen. Nicht nur das: Zusätzlich soll auch noch zu bestimmter Haltung „erzogen“ werden. Der Kundige der Klassik wendet sich ab.

    Interessant, daß Schauspiel, Oper, Operette (Musical) und andere Kunst (Film) sich z.B. in den USA völlig ohne Subvention halten können und auch noch Riesengewinne einfahren kann. Mitsamt Traumgagen für die Akteure. Aber das ist ja liberal und völlig antisozial.

Kommentare sind geschlossen.