Lassen Sie sich nicht entmutigen!

Mich hat ein Leserbrief ereilt, den ich gerne von Israel aus teile:

Sehr geehrter Herr Buurmann,

Ich weiß nicht, wie Sie es fertig bringen, für Ihre wunderbaren Blogbeitrage zu recherchieren, ohne von der Brücke springen zu wollen. Die Hassmails, die meinen Glauben an die Menschheit schwer beschädigen, dieser Hass, diese Unvernunft, dieser allumfassende Wahnsin, Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei …

Unwissenheit scheint allerdings wirklich Stärke zu sein, wenn ich mir Ihren Blog so durchlese; zumindest wird in großem Stil Desinformation getrieben.

Vielen Dank für die Aufklärung. Nur informierte Bürger können Demokraten sein, alles andere ist nur gelenkt. Zu ihrem Wortwitz gesellt sich daher eine gehörige Portion Demokratie, oder Freiheit oder whatever.

Ich wollte Ihnen schon lange schreiben. Ich schreibe nun, nachdem ich die letzte Hassmails von diesem Toitone lesen musste. Ich dachte mir, ein wenig positives Feedback kann nicht schaden.

Sie haben aus mir, einem 08/15 Israelkritiker, wie man ihn an jeder Straßenecke findet, einen überzeugten Zionisten gemacht. Doch war meine frühere Portion nicht Antisemitismus (nicht bewusst zumindest), wenngleich antisemitisch, sondern pure Unwissenheit und Bequemlichkeit. Es ist ja so einfach, einen Sündenbock zu haben. Und wenn man dann noch sich selbst bestätigen kann, dass Israel ja “die heutigen Nazis” sind, dann ist das als Deutscher natürlich besonders bequem.

Heutzutage bin ich in Debatten immer in der Defensive. Es ist, als hörten die Leute nicht zu. Das Einzige, was durchdringt, ist meine Erwiderung auf das typische Argument, dass die Israelis, lies Juden, da unten ja nichts verloren hätten und einfach sich dort breitgemacht haben sollen. Meine Erwiderung lautet immer: “Okay, ich bin anderer Meinung, aber ich nehm‘ gerne den Vorwurf des Antisemitismus zurück, wenn du nun auch sagst, dass die ganzen Türken, Araber, etc wieder zurück müssen. Dann bist du nämlich wenigstens konsequent ein Arsch, nicht nur in Bezug auf Juden.” Vielleicht nicht immer so vulgär, aber so ähnlich.

Anyway. Ich bin Ihnen und Ihrem Blog auf jeden Fall sehr dankbar, und lassen sie sich nicht von ein paar Idioten entmutigen.

Ich grüße Sie,
N. W.

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12 Antworten zu Lassen Sie sich nicht entmutigen!

  1. Eitan Einoch schreibt:

    Ich denke, Antisemitismus ist keine äußere HANDLUNG sondern eine innere HALTUNG. Antisemiten zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie unreflektiert Israel kritisieren – dagegen spricht prinzipiell erst einmal nichts -, sondern durch ihre obsessive Verengung auf dieses Thema. Sobald Juden im Spiel sind, werden bei Antisemiten Energien und Leidenschaften mobilisiert, die sonst nirgends vorhanden sind. Beim Thema Israel laufen sie zur Höchstform auf. An dieser Stelle setzt sogar bei ansonsten klugen Leuten der Verstand aus und „es“ übernimmt die Kontrolle. „Israelkritik“ ist in der Tat nicht dasselbe wie Antisemitismus, aber in vielen Fällen dessen Symptom.

    • unbesorgt schreibt:

      Ich wäre deiner Meinung wenn es genauso selbstverständlich Deutschlandkritik, Polenkritik, Italienkritik oder Palästinakritik gäbe. Wird es zurecht nie geben, also bin ich für konkretere Benennungen, weil alles andere Pauschalurteile zur Folge hat.

  2. Dante schreibt:

    Es ist ermutigend, festzustellen, dass der Blog auch von Menschen gelesen wird, bei denen er, der Blog bzw. Gerd, nicht nur offene Türen einrennt. Man weiß dann, dass man nicht nur im eigenen Saft schmort, während draußen die Heiden toben.

  3. unbesorgt schreibt:

    Ja, Gerds Blog ist eine Bereicherung für die Diskussion. Schön, dass es immer mal wieder Leute schaffen, den Kurzschluss in ihren Hirnen zu lösen und gründlicher über Israel nachzudenken.

    Gerd, viel Spaß auf Deiner Reise, bring positive Geschichten und schöne Bilder mit – und versuch doch mal, einen Dattelkern so auszuspucken, dass Du keinen Mitarbeiter der 300 NGO’s triffst, die sich um die „unterdrückten Palästinenser“ kümmern.

  4. guinness44 schreibt:

    Ich kann mich dem Lob anschließen. Manchmal ist es für meinen Geschmack zu sehr die Politik Netanjahus, die ich als Nicht-israelischer MP nicht unbedingt teile. Andererseits wäre ich israelischer MP, dann würde ich wahrscheinlich ähnlich wie Netanjahu handeln. Insofern danke, dass eine weitere Perspektive aufgezeigt wird.

  5. Bruno Becker schreibt:

    „Sie haben aus mir, einem 08/15 Israelkritiker, wie man ihn an jeder Straßenecke findet, einen überzeugten Zionisten gemacht.“
    Gratuliere, Herr Buurmann! Womöglich der wichtigste Nutzen Ihres wunderbaren Blogs. Hatte es schon an anderer Stelle gepostet: Ich bin überzeugt, dass viele, wenn nicht gar die meisten sog. „Israelkritiker“ mitnichten Amtisemiten sind. Sie kennen einfach die Tatsachen nicht und sind zu bequem oder haben nicht die Zeit, sich richtig zu informieren. Viele fühlen aber instinktiv, das da etwas nicht stimmt. Wenn Sie diese mit Ihrem Blog erreichen, ist das ein riesiger Erfolg, Ihr Erfolg, Herr Buurmann!
    Noch eine gute Zeit in Israel und viele gute Begegnungen! Kommen Sie heile wieder!

    • Clas Lehmann schreibt:

      Tja, wann ist jemand Antisemit? Muss er das selber wissen und wollen?

      Mir scheint, Unwissenheit und diesbezüglich üble Muttermilch hindert nicht, dass jemand faktisch Antisemit ist, obwohl er sich einfach nur für menschlich hält. Die hier deutlich wenigeren bekennenden Antisemiten wären nicht das Problem, ohne den Resonanzboden der anderen. So würde ich also die meisten Israelkritiker als nicht bekennend, etliche sogar als dem Selbstbild zufolge gar nichts gegen Juden habend einschätzen. Die Wirkung ist aber eine antisemitische. Zum Teil ist ja auch dieses Selbstbild einfach grotesk: „Ich bin kein Antisemit, weil ich bisher nicht mehrfach gemordet habe…“ So in der Art etwa. Oder auch: „Ich merke nichts davon. Ich finde Kishon lustig, der Blaumilchkanal, aber wenn er politisch wird, isser ja fast auf Nethanjahulinie…. und überhaupt der…!“ Und es rauscht das Fahrwasser. Die Leute wollen keine sein. Und da muss man ansetzen, indem man ihnen Fakten vermittelt.

      Hier hat es funktioniert. Glückwunsch!

      • Dante schreibt:

        Es ist freilich einen Unterschied zwischen Leuten, die in ein antisemitisches oder besser judenfeindliches (es muss keine präzise formulierte „Rassentheorie“ dahinter stecken) Fahrwasser geraten sind und solchen, die ein gefestigtes judenfeindliches Weltbild haben und alles daran setzen, andere, vielleicht eher gutgläubige Menschen in ein solches Fahrwasser zu bringen.
        Erstere werden womöglich erschrecken, wenn ihnen jemand überzeugend darlegt, dass sie sich in einem judenfeindlichen Fahrwasser bewegen, und sie sind tendentiell erreichbar für Blogs wie den von Gerd.

    • Dante schreibt:

      Ich bin überzeugt, dass viele, wenn nicht gar die meisten sog. “Israelkritiker” mitnichten Amtisemiten sind.

      Nicht im Sinne eines gefestigt antisemitischen oder besser judenfeindlichen Weltbildes. Sie kennen einfach die Tatsachen nicht und sind zu bequem oder haben nicht die Zeit, sich richtig zu informieren.
      Das ist nun wahrlich kein Entschuldigungsgrund. Wer die Zeit hat, Israel zu kritisieren, hat einfach die Zeit zu haben, sich umfassend zu informieren. Was ich als Ausgangspunkt gelten lassen würde, ist mangelnde Medienkompetenz, namentlich zu großes Vertrauen in Medien, die seriös, als sog. Qualitätsmedien auftreten. Dass man in der Flut der einander teilweise widersprechenden Nachrichten zuweilen nicht mehr weiß, was man glauben soll, mag dazu beitragen und ist ein verständlicher Grund dafür sein, dass jemand ein Zerrbild von Israel und seinen Feinden hat, das Israel zu negativ und seine Feinde zu positiv zeichnet. Dieses Bild muss und kann „natürlich korrigiert werden, wenn es aus Gutgläubigkeit entstanden ist.
      Die Grenze zum Judenhass ist freilich definitiv überschritten, wenn jemand die massiven Attacken auf israelische und sogar auf außerisraelische jüdische Zivilisten mit dem Nahostkonflikt rechtfertigt oder wenn er als Journalist, der es dank Recherche besser wissen müsste, geradezu „genüsslich“ über antiarabische Hassausbrüche auf israelischer Seite berichtet, sich über Heldenverehrung für Kindermörder auf arabischer Seite dagegen ausschweigt und so zur Desinformation noch aktiv mit beiträgt.

  6. infobewe schreibt:

    Dem Kommentar von N.W. schließe ich mich gerne an.

  7. infobewe schreibt:

    Hat dies auf infobewe's Blog rebloggt und kommentierte:

    Dem schließe ich mich gerne an.

Seid gut zueinander!

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