Offenbar ist der Spiegel voreingenommen

Zwei Messerattacken haben in Frankreich stattgefunden. Ein jüdischer Lehrer wurde in einer jüdischen Schule in Marseille von drei Männern attackiert, die judenfeindliche Beleidigungen brüllten, bis ein Mann ein Messer zückte und auf den Juden einstach. Einer der Männer trug nach Angaben des Marseiller Staatsanwalts Brice Robin ein T-Shirt mit Symbolen des Islamischen Staats. Ein anderer Mann soll auf seinem Mobiltelefon ein Bild des Islamisten Mohammed Merah gehabt haben. Merah hatte am 19. März 2012 vier Menschen vor einer jüdischen Schule in Toulouse getötet, weil sie Juden waren. Drei der Opfer waren Kinder!

Am selben Tag als der jüdische Lehrer niedergestochen wurde, gab es ebenfalls in Marseille auch einen Übergriff auf eine junge Frau, die mit einem Faustschlag und einem Messer attackiert wurde. Sie trug ein Kopftuch und wurde von dem Angreifer als Terroristin beschimpft.

Der Spiegel berichtet über diese beide Attacken wir folgt:

„Im Süden Frankreichs sind drei Männer mit einem Messer auf einen Lehrer losgegangen. Die Angreifer waren offenbar Antisemiten. Zeitgleich gab es einen islamfeindlichen Angriff auf eine Frau.“

Das Wort „offenbar“ ist spannend! Das Wort hat viele Bedeutungen. Die Bedeutungen „vermutlich“, „wahrscheinlich“, „möglicherweise“ und „angeblich“ gehören dazu. Vermutlich, wahrscheinlich, möglicherweise und angeblich antisemitisch war nur der Angriff auf einen Juden. Ohne Einschränkung islamfeindlich war jedoch der Angriff auf eine Muslimin. Der Spiegel ist offenbar voreingenommen.

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20 Antworten zu Offenbar ist der Spiegel voreingenommen

  1. Paul schreibt:

    Der Spiegel ist nicht offenbar voreingenommen, weil er wirklich voreingenommen ist und das hat er schon oft offenbart.

    • Dante schreibt:

      Also doch offenbar, aber eben nicht ironisch gebrochen.

      • Paul schreibt:

        Der Spiegel ist nicht offenbar offensichtlich voreingenommen, weil er tatsächlich voreingenommen ist.
        Was heißt hier voreingenommen? Er ist antisemitisch im Sinne von Judenhass.

        • Dante schreibt:

          Der Spiegel ist nicht offenbar offensichtlich voreingenommen, weil er tatsächlich voreingenommen ist.

          „Offensichtlich“ (das übrigens Du (meines Wissens waren wir beim Du) hier erst eingeführt hast), „offenbar“ und „tatsächlich“ sind durchaus kompatibel. „Tatsächlich“ ist dabei nicht einmal das stärkste Wort, es heißt einfach, dass etwas der Fall ist. „Offensichtlich“ heißt, dass dies auch jedem Vollidioten klar sein sollte. „Offenbar“ hat einen subjektiven Touch. Als Schriftsteller würde ich es dann verwenden, wenn der Erzähler (nicht notwendigerweise ein Ich-Erzähler, aber einer, der nicht „allwissend“ ist, sondern vorwiegend aus der Perspektive eines Protagonisten erzählt, wie es Orwell bei Winston Smith tut) etwas ihm mehr oder minder Neues erfahren hat, etwas, dass sich ihm gerade geoffenbart hat.
          Ich schreibe in solchen Diskussionen – und wenn mir die Zeichen zur Verfügung stehen – gern „Doyç şprak, şver şprak“.

          Was heißt hier voreingenommen? Er ist antisemitisch im Sinne von Judenhass.

          Ich ziehe es vor, bei „voreingenommen“ zu bleiben. Das ist realistischer. Der Spiegel heißt nicht umsonst so, er ist ein Spiegel einer Gesellschaft, die gern auf Pallywood hereinfällt wie ja auch unser Europaschulze. Das Wort „gern“ ist übrigens doppelsinnig und hier auch so gemeint, denn die Unmündigkeit ist selbstverschuldet. Der Spiegel berichtet nicht fair über Israel, er bestreitet jedoch AFAIK auch nicht sein Existenzrecht oder ergreift Partei für HaSSmas, wie es ein echter Judenhasser täte, noch schiebt er den Juden oder auch Israel die Schuld am grassierenden Judenhass in deutschen Schulen zu, wenn er über Antisemitismus berichtet wie im jüngsten Artikel „Krieg im Klassenzimmer“. Es käme ihm auch nicht in den Sinn, „den Zionisten“ oder Israel die Schuld für das Massaker von Paris in die Schuhe zu schieben, wobei gerade die verlinkte Seite nahelegt, dass der Account ein Fake sein könnte. Es ist einfach nicht klar, ob es Realsatire oder doch nur Satire ist.
          Ich würde ihn da einordnen, wo auch Shlomo Sand zu verorten ist, der sich selbst nicht einen Antizionisten (die er mit seinen Thesen freilich munitioniert) nennen will, sondern einen Nichtzionisten, und sich von Antizionisten abgrenzt.

          • Paul schreibt:

            Hallo Dante!
            Vorbemerkung:
            Wenn ich Dich gesiezt habe, dann aus Versehen. Hier bei TiN werden alle von mir geduzt. Nur wenn jemant bei mir versch… hat, werde ich förmlich. Auch jemand den ich nicht leiden kann, erfährt diese Form meiner Distanzierung. So ist das hier im Blog. Woanders ist es anders.
            Wenn ich Dich gesiezt habe, dann aus einer momentanen Verwirrung heraus.
            Entschuldigung.

            Nun zum Sprachverständnis.
            Ich versuche mal eine Strukturierung, damit ich deutlich machen kann was ich meine.
            Offensichtlich: https://de.wiktionary.org/wiki/offensichtlich
            „Bedeutungen:
            [1] dem Anschein nach
            [2] für jeden erkennbar
            Synonyme:
            [1] anscheinend, offenbar, wahrscheinlich
            [2] eindeutig “

            Ich habe mir raus gepickt: „dem Anschein nach“, „anscheinend“

            Offenbar:
            „Bedeutungen:
            [1] ursprünglich: für jeden zu sehen, klar ersichtlich (kein Zweifel möglich)
            [2] seit etwa 1990, vor allem im Journalismus: den Eindruck erweckend, dass (es gibt sichtbare Anzeichen dafür, aber die Sache ist noch unbestätigt)
            [3] gelegentlich sogar schon: vermutlich, mutmaßlich (der Sprechende oder jemand anders vermutet es)
            Synonyme:
            [1] offenkundig, offensichtlich, sichtbar
            [1, 2] augenscheinlich
            [2] anscheinend

            Ich habe mir raus gepickt: bei Bedeutung (2) und anscheinend“

            Tatsächlich:
            Muss wohl nicht erläutert werden?

            Entschuldigung lieber Dante und Ende der Deutschstunde. Aber so was macht mir einfach Spaß. 🙂

            Zu „voreingenommen“ stimme ich Dir zu. Kenne auch den Spiegel direkt zu wenig. Begegne ihm nur, wenn, wie hier, irgend etwas beanstandet wird.

            Als Überschrift zu diesem Thema hätte ich gewählt:
            „Tatsächlich ist der Spiegel voreingenommen.“

            Herzlich, Paul

            PS: OT Weil wir gerade am Plaudern sind.
            Es ist der Begriff „Israel 24/7“ aufgetaucht. Ich habe schon recherchiert aber bin mir nicht sicher ob 2,Sprüche 24:7 gemeint ist. Obwohl, irgendwie passt es schon. Kannst Du dem „einzigen Fremdling in Jerusalem“ helfen?

          • Dante schreibt:

            Lieber Paul, ich halte die Bedeutung unter [2] für die primäre, ältere und die unter [1] für ziemlich neu, ähnlich wie ich es für neu hielte, sollte für den Schild heute auch der Artikel das als korrekt gelten. Als Freund präzisen Denkens bin ich jedoch nicht sehr begeistert von dieser Beliebigkeit. Hat ein Wort zu viele Bedeutungen, so ist es tot.

            Zu 24/7: Das steht zwar hier unter Datumskürzeln, ist aber weder dies noch ein Bibelvers. Es bedeutet: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

          • Dante schreibt:

            Als Überschrift zu diesem Thema hätte ich gewählt: “Tatsächlich ist der Spiegel voreingenommen.”

            Das wäre aber totrichtig und die feine Ironie, die auf die Formulierung des Spiegel selbst eingeht, zum Teufel gewesen.

          • Paul schreibt:

            Ein Versehen ist passiert.
            nicht 2.Sprüche
            sondern 2.Moses 24:7 habe ich gemeint.

          • Paul schreibt:

            „Zu 24/7: Das steht zwar hier unter Datumskürzeln, ist aber weder dies noch ein Bibelvers. Es bedeutet: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.“

            Danke, lieber Dante, darauf wäre ich nie gekommen.
            Da kann ich nur aus vollem Herzen beipflichten. Ja, das stimmt wirklich. Gerade dieser Tage mussten wir es wieder leider erleben.

            Herzlich, Paul

          • Dante schreibt:

            Danke, lieber Dante, darauf wäre ich nie gekommen.

            In solchen Fällen ist Google bzw. <a href=“https://de.m.wikipedia.org/wiki/24/7>Wikipedia Dein Freund.

          • Paul schreibt:

            Hab ich gemacht. Hab bei Google 24/7 eingegeben. Da kam eine Teilkarte von Berlin mit Herz 24/7 und irgend eine GmbH.
            Ich Blödmann habe nicht runter gerollt. 😦
            Na gut, Du hast Dich erbarmt.
            Ein gut’s Nächtle wünscht Dir Paul

          • Dante schreibt:

            Hab ich gemacht. Hab bei Google 24/7 eingegeben. Da kam eine Teilkarte von Berlin mit Herz 24/7 und irgend eine GmbH.

            Werbung. Diese GmbH, anscheinend eine Partnervermittlung, die ihren Dienst als immer, eben 24/7, verfügbar anpreist, hat es offensichtlich verstanden, ihr Werbe-Anliegen ganz in den Vordergrund zu pushen. Aber bei Google gibt es eben nicht nur Werbung. Ziemlich weit oben liegen auch Wiki-Seiten, und wenn man im Suchfenster gleich das Wort „Wiki“ eingibt (oder, wie ich momentan, auf Smartphone mit dem CM-Browser surft und Bilder und Werbeinhalte deaktiviert), landet Wiki ganz weit oben.

          • Dante schreibt:

            Habe mich geirrt, keine Partnervermittlung, sondern eine Autovermietung. Du Schlawiner hast mir ein „t“ unterschlagen und mich so auf die falsche Fährte geführt. 😉
            Ich habe nämlich jetzt auf meinem Smartphone versucht, dann Ergebnis zu reproduzieren und zu diesem Behufe Firefox ohne Adblock benutzt, die klassische Ansicht gewählt und das Park Inn am Alex (als Tagungshotel mein zeitweiliger Arbeitsort) als Standort eingegeben. Dann bekomme ich auch diese Werbung, aber darüber steht bei mir noch der Wikipedia – Eintrag.

  2. scottberlin schreibt:

    Nur ungern nehme ich den Spiegel hier mal in Schutz, doch man kann die Sensibilität aber wirklich auch übertreiben. „Offenbar“ heiß eben nicht „vermutlich”, “wahrscheinlich”, “möglicherweise” und “angeblich”, sondern dass es ganz offen sichtlich ist. Das bißchen an Vermutlichkeit , das da immer noch drinsteckt, ist völlig korrekt, wäre aber natürlich ür in dem Satz mit der Frau auch angebracht gewesen. Man kann dem Spiel also zB Ungenauigkeit oder auch Einseitigkeit vorwerfen, und vielleicht ist er ja sogar auch voreingenommen (was beim Spiegel oft vorkommt), aber „offensichtlich “ ist das hier keineswegs.

    • Dante schreibt:

      “Offenbar” heiß eben nicht “vermutlich”, “wahrscheinlich”, “möglicherweise” und “angeblich”, sondern dass es ganz offen sichtlich ist.

      Da haben Sie völlig Recht, aber weiß das auch der durchschnittliche deutsche Journalist des Jahres 2015? Vielleicht kennen Sie ja Bastian Sicks „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“ und dessen Nachfolgebücher, dort kann man auf heitere Weise lernen, wie unsere Sprache, sagen wir mal, verändert wird.

    • Paul schreibt:

      Hallo scotti,
      meine Oma sagte immer: „Junge wenn jemand offenbar oder offensichtlich sagt, dann kann er etwas nicht beweisen.“ Juristen sagen das auch.

      Herzlich, Paul

      • Dante schreibt:

        Eine kluge Frau, Deine Oma. Dies bestätigt freilich die Bedeutung von „offenbar“ und erst recht von „offensichtlich“ im Sinne von „das ist so, und wer das nicht rallt, ist ein Vollidiot“, denn der Sprecher will, dass man ihm etwas glaubt, ohne dass er dies erst beweisen muss, was er nämlich nicht kann. Es kann aber auch sein, dass er es nur nicht beweisen will, etwa, weil er den Aufwand scheut, vielleicht auch, weil er glaubt, es nicht beweisen zu müssen. Ich wurde mal bei Wikipedia für den Gebrauch des Wortes „obviously“ in einem Artikel kritisiert:

        More generally it’s hard to follow with ‚clearly‘ and ‚obviously‘ used when things aren’t clear and obvious…

        Ich habe mir das zu Herzen genommen und in Artikeln derartige Wörter vermieden.
        Was die Bemerkung im Spiegel betrifft, so brauchte der keinen Beweis mehr, denn die Tatsache, dass der Lehrer angegriffen wurde, ohne etwas anderes getan zu haben als einfach Jude zu sein, beweist für sich schon, dass die Täter Judenhasser sind.

  3. Dante schreibt:

    Offenbar ohne die Nebenbedeutungen. Darin ist er aber auch nur ein Spiegel einer Gesellschaft, die auf Morde, sofern sie ausschließlich Juden betreffen, praktisch überhaupt nicht reagiert.

Seid gut zueinander!

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