Verbietet Heiko Maas bald den Koran?

Nachdem es in der Silvesternacht in Köln zu organisierten sexistischen Übergriffen gegen Frauen gekommen war, entschied die SPD-Parteispitze, deutlich und vor allem nachhaltig auf diese Gewalt zu reagieren. Bundesjustizminister Heiko Maas will diesen Beschluss nun umsetzen und erklärt, für Deutschland ein „moderneres Geschlechterbild“ etablieren zu wollen. Dazu sei es zwingend notwendig, geschlechterdiskriminierende Werbung zu verbieten. Ein entsprechender Entwurf eines Zensurparagrafen soll laut dem Magazin Spiegel bereits in die Ressortabstimmung geschickt worden sein.

Als Sexismus wird die auf das Geschlecht bezogene Diskriminierung bezeichnet. Unter dem Begriff werden Geschlechterstereotype, Affekte und Verhaltensweisen gefasst, die einen ungleichen sozialen Status von Frauen und Männern zur Folge haben oder darauf hinwirken. Nackte Haut ist somit nicht sexistisch! Ein nackter Mann, der für einen Duft wirbt oder eine nackte Frau, die für Seife wirbt, sind zunächst einmal nur nackte Menschen. Nacktheit ist menschlich, nicht sexistisch!

Sexistisch ist die Zuschreibung von Macht aufgrund des Geschlechts und da sind es nicht in erster Linie Werbebilder für Autos und Joghurts, die sexistisch sind, sondern Religionen! Wird Heiko Maas somit jetzt auch Religionen verbieten?

Am 23. Januar 2015 wurde der Hashtag #aufschrei, ausgelöst durch einen Artikel der Journalistin Laura Himmelreich, zwei Jahre alt. An genau diesem Tag wurde in Berlin eine Predigt gehalten, die einen #aufschrei mehr als verdient hätte. Ein Aufschrei blieb jedoch aus. Die Predigt hatte folgenden Inhalt:

“Eine Frau darf niemals das Haus ohne die Erlaubnis ihres Mannes verlassen!”

“Das Leben einer Frau muss auf das Haus ihres Mannes beschränkt sein!”

“Eine Frau muss kochen, den Boden wischen, sauber machen und sich um ihren Mann, ihre Söhne und Töchter kümmern!”

“Einer Frau ist es nicht gestattet, den Beischlaf mit ihrem Mann zu verweigern! Mit keiner Entschuldigung darf sie sich rausreden!”

“Eine Frau darf unter keinen Umständen “Nein” sagen, wenn ihr Mann mit ihr schlafen will!”

“Auch wenn eine Frau ihre Tage hat, muss sie mit ihrem Mann schlafen, wenn der Mann will. Er sollte nur ihre Vagina meiden … und ihren Anus!”

Dieser nackte Sexismus wurde in einer deutschen Moschee in Berlin gepredigt. Der Prediger berufte sich dabei auf den Koran, ein Buch, in dem die unterschiedliche Machtstellung von Mann und Frau manifestiert ist. Der Koran bestimmt in der zweiten Sure, dass das Zeugnis eines Mannes soviel wert ist, wie das Zeugnis von zwei Frauen. Es ist dieses Buch, das das Geschlechterbild der meisten Angreifer der Silvesternacht in Köln geprägt hat, jedenfalls deutlich mehr als diese Werbung.

Eine Frau gegen ihren Willen auszuziehen, ist sexualisierte Nötigung, ebenso wie eine Frau gegen ihren Willen zu verhüllen. Beide Taten zielen auf den Körper der Frau als Schlachtfeld männlicher Phantasien ab! Wer allein schon bei den Anblick einer nackten Frau auf einem Werbeplakat Sexismus brüllt, muss auch bei dem Anblick einer Frau mit Kopftuch Sexismus rufen, da es nicht nur Frauen gibt, die gegen ihren Willen ausgezogen werden, sondern ebenso Frauen, die gegen ihren Willen verhüllt werden. Letzteres ist sogar in vielen Ländern Gesetz!

Es gibt viele Länder, in denen Frauen gezwungen werden, Kopftücher zu tragen oder sich gar unter Ganzkörperverschleierungen zu verbergen, aber es gibt kein Land auf der ganzen Welt, in dem Frauen gezwungen werden, nackt zu sein. Es gibt unzählige Frauen, die in Gefängnissen sitzen und gefoltert werden, weil sie sich nicht verhüllt haben, aber keine Frau, die eingekerkert wurde, weil sie nicht nackt sein wollte. Das Kopftuch ist somit deutlich sexistischer als Nacktheit.

Natürlich gibt es Frauen, die freiwillig und gerne Kopftuch tragen, wie diese Frau, aber es gibt eben auch Frauen, die freiwillig nackt sind, wie diese Frauen.

Einen besonderen Skandal durch Nacktheit löste im Jahr 2011 die damals zwanzigjährige ägyptische Künstlerin und erklärte säkulare, liberale Feministin Aliaa Magda Elmahdy aus. Sie schockiert Ägypten mit ihrem „rebellischen Tagebuch“ und Fotos auf ihrer Webseite, für die sie sich nackt auszog. Sie erklärte, das sei ihre Art zu protestieren gegen „eine Gesellschaft, in der Gewalt, Rassismus, Sexismus, sexuelle Belästigung und Scheinheiligkeit“ herrschen und fügte hinzu: „Ich habe das Recht, überall frei zu leben!“

Elmahdy wurde mit einem Sturm an Todesdrohungen überhäuft. Sie wurde nach eigenen Angaben entführt und entkam nur knapp einer Vergewaltigung. Elmahdy erhielt weltweit Unterstützung aus feministischen Kreisen. In Israel versammelten sich ungefähr vierzig Frauen nackt zu einem Gruppenfoto, um Elmahdy zu unterstützen. Im März 2012 verließ Elmahdy Ägypten. Am 20. Dezember 2012 entblößte sie ihren Körper vor der ägyptischen Botschaft in Stockholm. Auf ihrem Körper stand der Schriftzug „Sharia is not a Constitution“. Sie hielt einen Koran vor ihre Hüfte und hatte eine ägyptische Flagge umgehängt. Eine weitere Aktion führte sie im Juni 2013 in einer Stockholmer Moschee durch.

Für Nacktheit werden Frauen eingesperrt, für Kopftücher nicht! Macht es somit nicht mehr Sinn, im Kampf gegen den Sexismus Kopftücher zu verbieten? Nein! Denn jede Frau kann selbst entscheiden, was sie mit ihrem Körper macht und sie braucht dafür keinen Mohamed und keinen Heiko.

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