Darf Satire Dreck fressen?

Satire, die von staatlichen Mitteln subventioniert wird und mögen diese Mittel auch noch so indirekt fließen, ist niemals Satire, sondern immer Propaganda!

Mit jeder staatlichen Förderung und mag sie noch so gut gemeint sein, erklärte der Staat, dass der subventionierte Satiriker es wert ist, vom Zwang des Marktes befreit zu werden, um an den Hof berufen zu werden. Alle anderen Satiriker jedoch müssen sich weiterhin auf dem Markt behaupten, der allerdings durch die Förderung des Staates für die nichtgeförderten Satiriker brutalisiert wurde, da sie nun mit Satirikern konkurrieren müssen, die einen vom Staat ermöglichten Vorsprung haben!

Da kein Staat alle Satiriker fördern kann, sollte er besser gar keine Satiriker fördern und so für Gleichberechtigung sorgen. Der Satiriker ist besser bewaffnet ohne ein Schild des Staates. Kein Satiriker sollte sich den Staat zum königlichen Ritter wählen, schon aus Gründen des Selbstrespekts nicht! Wer will schließlich schon ein Hofnarr sein?

Stellen wir uns mal einen Platz vor, an dem es fünf verschiedene Restaurants gibt. Jedes Restaurant hat seinen eigenen Stil und ist auf seine Weise wunderbar. An dem Platz herrscht kulinarische Vielfalt. Was könnte diesem Ort gefährlich werden? Ganz einfach: Staatliche Subventionen!

Wenn die Politik auf einmal ihr Herz für die kulinarischen Künste entdecken würde und damit begänne, eines der fünf Restaurants zu fördern, wäre es schnell vorbei mit der Vielfalt! Vier Restaurants sehen sich nämlich auf einmal einem verzerrten Wettbewerb ausgesetzt, da das fünfte Restaurants plötzlich ein Konkurrent wäre, bei dem die Kasse bereits klingelt, bevor ein Gast ein Gericht gegessen hat, ja, sogar bevor dort überhaupt etwas bestellt wurde. Dieses Restaurant könnte ohne Probleme an den Preisen drehen, seine Gerichte günstiger anbieten und dennoch etwas Subventionsgeld in bessere Produkte investieren. Die anderen Restaurants wiederum müssten weiterhin ausschließlich mit ihrem erwirtschaften Geld auskommen. Besserer Produkte könnten sie nicht einkaufen, aber dem Preisdruck müssten sie dennoch folgen, besonders jetzt, da das subventionierte Restaurant in der Qualität etwas besser geworden wäre. Eingespart werden müsste das geringere Einkommen durch Lohnkürzungen bei den Köchen. Die besten Köche würden daraufhin kündigen und zu dem subventionierten Restaurant gehen, da dort nicht gespart werden müsste. Ersetzt würden sie durch weniger talentierte Köche. Zudem müssten auch die Waren etwas billiger eingekauft werden, um weiterhin konkurrieren zu können. Die Qualität würde leiden und weniger Gäste kommen. Es würde nicht lange dauern und das erste Restaurant müsste schließen. Da wären es nur noch vier.

„Kein Problem“, würde dann die Politik sagen, „wir können ja noch ein weiteres Restaurant subventionieren.“ Alle Restaurants stellten daraufhin einen Antrag und schon gäbe es zwei subventionierte Restaurants am Platz. Da kommt der Sommer. Alle Restaurants stellen ihre Stühle raus. Da denkt sich die Politik: „Momentchen mal, die Konzessionen für die Außengastronomie haben wir auch schon lange nicht mehr geprüft und zwei Restaurants am Platz haben schließlich deutlich mehr Geld als früher, da sollten wir doch schleunigst mal wieder einen Besuch abstatten.“ Das Ordnungsamt und die Bauaufsichtsbehörde schicken ihre Leute los. Sie reden was von Sicherheit und sagen, sie dächten nur an die Kunden. Sie betonen, seit der Loveparade in Duisburg werde alles strenger gehandhabt und sowieso und überhaupt, lieber jetzt etwas pingeliger als später das Nachsehen. Ein Restaurant kann sich die neuen und teueren Anforderungen nicht leisten und muss schließen. Da sind es nur noch drei.

„Es tut uns so fürchterlich, schrecklich leid,“ sagt die Politik irgendwann, „wir würden ja gerne weiterhin helfen wie zuvor, aber leider wir haben das Geld im Moment gerade nicht.“ In der Kommune läuft es finanziell irgendwann alles andere als gut. Den subventionierten Restaurants müssen die Gelder gekürzt werden. Daraufhin demonstrieren die zwei subventionierten Restaurants. Einige Köche legen sich vor das Rathaus uns rufen: „Die Küche stirbt!“ Die Presse berichtet: „Ab heute bleibt die Küche sozial kalt!“ Die Bevölkerung ist außer sich. Es hilft nichts. Die Subventionen werden gekürzt. Jetzt müssen auch die subventionierten Restaurants einsparen, trauen sich aber nicht, mit den Preisen allzu hoch zu gehen, weil die Gäste sich an den niedrigen Preise gewöhnt haben. Stattdessen sparen sie bei den Köchen und bei den Waren. Die Löhne fallen und die Qualität leidet. Ein Restaurant hat sich leider so an die Subventionsgelder gewöhnt, dass es verlernt hat, unabhängig zu wirtschaften und plant sich in den Ruin. Da sind es nur noch zwei.

Nur noch zwei Restaurants sind vor Ort, eines wird subventioniert, das andere Lokal nicht. An den Stellen, wo einst die anderen Gasthäuser waren, haben mittlerweile Schnellimbisse und Frittenbuden eröffnet. Einige sind qualitativ nicht schlechter als das Restaurant, das nicht subventioniert wird, aber dafür deutlich billiger. Diesem Druck ist das Restaurant nicht lange gewachsen und muss schließen. Da gibt es nur noch ein Restaurant.

An dem Platz, an dem einst fünf wunderbare Restaurants zu besuchen waren, steht jetzt nur noch ein Restaurant zwischen Imbissbuden. Irgendwann kommt eine Frau an den Platz und stellt die Frage, ob es eigentlich gerecht ist, dass dieses eine Restaurant subventioniert wird.

„Aber liebe Frau,“ sagt der Pressesprecher der Stadt, „wie können Sie nur so eine Frage stellen? Sie sehen doch, was hier los ist. Wenn wir jetzt aufhören würden, das Restaurant zu subventionieren, dann gäbe es hier nur noch Imbissstuben und Frittenbuden. Wir garantieren hier die Qualität! Ohne Subventionen müsste das einzige Restaurant am Platz schließen! Dann gäbe es dort nur noch Dreck zu fressen. Es ist unsere politische Pflicht, das Gute zu unterstützen.“

Die Frau geht nach Hause und bestellt sich eine Pizza. Am nächsten Tag erhöht die Kommune die Steuern.

Ein Autor, der nicht selten in subventionierten Theatern gespielt wird, ist Bertolt Brecht. Von ihm stammt dieser Kinderreim:

„Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Was denken subventionierte Theatermacher wohl, wenn sie diesen Kinderreim lesen? Ist Ihnen klar, dass das Geld, das sie als Subventionen bekommen, ein anderes Theater eben nicht bekommen kann? Ihre Eintrittsgelder sind nur deshalb so gering, weil ihre Kassen mit Steuergeldern aufgestockt werden. Die Theater ohne Subventionen müssen mit diesen Eintrittspreisen konkurrieren und daher das Geld bei ihren Künstlern einsparen. Es gibt nicht wenige Schauspieler, die frei nach Bert Brecht zu manch einem Theaterleiter sagen können: „Wärst Du nicht subventioniert, wär ich nicht so schlecht bezahlt!“

Ich halte jede Wette, der völlig zu recht belächelte deutsche Humor wird in dem Moment besser, da er aus dem Schutz des Staates befreit wird. Das wird dann der Moment sein, da das Publikum erkennt, dass es noch besser geht als die „heute Show“ oder „Neues aus der Anstalt“.

Die „heute Show“ ist übrigens lediglich eine Kopie der „Daily Show“, die sich auf dem freien Markt der Satire behaupten konnte und die „heute Show“ in jedem Aspekt um Längen schlägt.

Es mag hart klingen, aber alle Satiresendungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten sind letztendlich Popaganda. Das hat Angela Merkel selbst bewiesen, in dem sie im April 2016 bei der türkischen Regierung anrief, um sich für die Satire von Jan Böhmermann zu erklären, die auf einem öffentlich-rechtlichen Sender ausgestrahlt wurde. Für freie Satire hätte sie sich niemals erklären können!

Jan Böhmermann war plötzlich ein Hofnarr, der zu weit gegangen war. Historisch gesehen hielt sich der Hof einen Hofnarren als vermeintlichen Vertreter des Volks gegen den Herrscher. Im Mittelalter war er oft der Einzige, der den Monarchen ungestraft kritisieren und verspotten durfte. Allerdings wurde der Hofnarr natürlich nicht vom Volk gewählt und war daher kein Vertreter des Volkes, sondern lediglich das Bild, das sich der König vom Volk machte und zwar durch seine Wahl und Förderung des Hofnarren.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass in Deutschland nun das Volk nach der Pfeife des Hofnarren lacht.

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4 Antworten zu Darf Satire Dreck fressen?

  1. ceterum censeo schreibt:

    Daß jemand, dem man offensichtlich in den Hohlraum, der normalerweise das Gehirn beherbergt, geschissen hat, den Namen Roland Deschain beschmutzt, ist wohl Beweis dafür, daß sich die Welt tatsächlich weitergedreht hat.

  2. Paul schreibt:

    Hallo Gerd,
    ein Gedankengang, dem ich noch nirgendwo begegnet bin. Dem ich zustimme. „So is det“, sagt der Berliner.

    Mit meinem Bruder, Inspizient an einem Theater, habe ich mich über das Thema der Subvention kürzlich unterhalten.
    Der neueste Clou in diesem Theater.
    Es wurde umgedreht. Die Zuschauer befinden sich auf der Bühne. Die Schauspieler agieren im Zuschauerraum. So wurde mal eben im Handstreich aus 750 Zuschauerplätzen ein Theater mit nur noch 250 Plätzen.
    Meine Frage, wer das bezahlt, ob der Zuschauer jetzt den 3fachen Preis für die Eintrittkarte bezahlt, brachte meinen Bruder nicht einmal dazu kritisch über solche subventionierte Verbrennung von Steuergeldern nachzudenken.

    Das ist mir beim lesen Deines Beitrages eingefallen. Da Du alles erschöpfend und wie ich meine, auch logisch, dargestellt hast, muss ich auf Deinen Artikel nicht weiter eingehen.

    Herzlich, Paul

  3. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Vielen Dank, Gerd Buurmannn, Ihr Artikel ist ne Granate!

  4. Beatrice Mayer schreibt:

    Gut beobachtet und messerscharf analysiert.
    In der CH ist es ebenso.

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