Hoffnung über Amsterdam

Die Westerkerk in Amsterdam ist eine der bekanntesten Kirchen der Stadt. Ganz in der Nähe befindet sich das Haus, in dem sich Anne Frank mit ihrer Familie vor den Nazis verstecken musste. Der Turm der Westerkerk ist fünfundachtzig Meter hoch und damit der höchste Kirchturm Amsterdams. Anne Frank schrieb am Samstag, 11. Juli 1942 in ihr Tagebuch:

„Liebe Kitty!

Vater, Mutter und Margot können sich noch immer nicht an das Geräusch der Westerturmglocke gewöhnen, die jede Viertelstunde angibt, wie spät es ist. Ich schon, mir hat es sofort gefallen, und besonders nachts ist es so etwas Vertrautes. Es wird Dich vermutlich interessieren, wie es mir als Untergetauchte gefällt. Nun, ich kann Dir nur sagen, dass ich es selbst noch nicht genau weiß. Ich glaube, ich werde mich in diesem Haus nie daheim fühlen, aber damit will ich überhaupt nicht sagen, dass ich es hier unangenehm finde. Ich fühle mich eher wie in einer sehr eigenartigen Pension, in der ich Ferien mache. Ziemlich verrückte Auffassung von Untertauchen, aber es ist nun mal nicht anders. Das Hinterhaus ist ein ideales Versteck. Obwohl es feucht und ein bisschen schief ist, wird man wohl in ganz Amsterdam, ja vielleicht in ganz Holland, kein so bequem eingerichtetes Versteck finden. Unser Zimmer war mit seinen nackten Wänden bis jetzt noch sehr kahl. Dank Vater, der meine ganze Postkarten- und Filmstarsammlung schon vorher mitgenommen hatte, habe ich mit Leimtopf und Pinsel die ganze Wand gestrichen und aus dem Zimmer ein einziges Bild gemacht. Es sieht viel fröhlicher aus.“

Am 19. April 2016 war der Musiker David Serebrianik zu Gast in Amsterdam und traf dort den Carellonisten der Westerkerk Boudewijn Zwart. Wie sich das Treffen entwickelte, beschreibt David Serebrianik wie folgt:

„So wie wir Juden halt sind, nutzte ich sofort die persönliche Beziehung, um an dem Mittag des 19. Aprils 2016 die Glocken der Westerkerk eine bestimmte schöne Weise ertönen zu lassen. An diesem Mittag hörte die City Amsterdam einem Zionisten und einem Christen zu, wie sie die Hymne Israels spielten! That’s freedom baby! Am Israel Chaj!“

Am 19. April 2016 spielten die Glocken der Westerkerk die Hatikva (Hoffnung). Anne Frank hätte diese Melodie in ihrem Versteck hören können. Ebenfalls am 19. April, jedoch 72 Jahre früher, schrieb Anne Frank:

„Was gibt es schöneres auf der Welt, als aus einem offenen Fenster hinaus in die Natur zu schauen, die Vögel pfeifen zu hören, die Sonne auf den Wangen zu fühlen und einen lieben Jungen in den Arm zu haben?“

Am 19. April 2016 wäre Anne Frank 86 Jahre alt gewesen. Sie wurde jedoch im Alter von fünfzehn Jahren ermordet. Es gab damals kein Land, das ihr helfen wollte oder konnte. Israel gab es damals noch nicht! Darum steht sie heute nicht als berühmte Journalistin mit siebzigjähriger Erfahrung als Autorin an einem offenen Fenster, spürt die Sonne auf ihren Wangen, hört Vögel pfeifen und denkt an die Liebe, das Leben und die Hoffnung.

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18 Antworten zu Hoffnung über Amsterdam

  1. O.Paul schreibt:

    Wenn jemand durch die unmenschlichen Umstände in den deutschen KZ´s durch Krankheit gestorben ist, wurde er doch nicht umgebracht.

    Zitat aus diesem Blog: „Am 19. April 2016 wäre Anne Frank 86 Jahre alt gewesen. Sie wurde jedoch im Alter von fünfzehn Jahren ermordet.“

    Zitat Wikipedia:
    „Die zeitlichen Abläufe und die Symptome, die die Augenzeugen beschrieben, sprechen laut den neuesten Ermittlungen dafür, dass Anne an Fleckfieber starb.“

    • Thomas ex Gotha schreibt:

      Ein etwas verwirrter Satz, der offen lässt, ob nun die „unmenschlichen Umstände“ oder aber die „Krankheit“ zum Tod Anne Franks führten: „Wenn jemand durch die unmenschlichen Umstände in den deutschen KZ´s durch Krankheit gestorben ist, wurde er doch nicht umgebracht.“ Dass zwischen dieser und jenen ein Zusammenhang bestehen könnte, ignoriert der Kommentator ebenso wie die Tatsache, dass sich Anne Frank keinesfalls freiwillig in das deutsche Konzentrationslagersystem begeben hatte. Und das sah eben für seine Insassen nichts anderes vor als die Vernichtung, mal früher oder, wenn es noch die Möglichkeit gab, durch die Ausbeutung der Arbeitskraft Profit für deutsche Konzerne zu erwirtschaften, mal später.

      • O.Paul schreibt:

        Gleichnisse tun sich hier auf. Interessant ist, dass wenn Deutsche die Opfer sind, es anders formuliert wird. Die sind dann auf Grund der Strapazen gestorben. Oder die Deutschen wurden nicht vertrieben, sondern haben schlichtweg ihre Heimat verlassen (so wie die grüne Roth es mal formulierte).

    • Sophist X schreibt:

      durch die unmenschlichen Umstände in den deutschen KZ´s
      durch Krankheit gestorben ist

      Im Deinem ersten Satzteil ist die Lösung des Problems schon enthalten 😉
      Die unmenschlichen Umstände wurden vorsätzlich herbeigeführt. Diejenigen, die das zu verantworten hatten, sind für den Tod der Opfer verantwortlich.
      Und ein Genozid mittels Totschlag hat das gleiche Resultat wie ein Genozid mittels Mord nach moderner Auslegung: Millionen Tote.

    • ceterum censeo schreibt:

      Lieber O.Paul,
      ich bin entsetzt! Ein Mädchen wird in ein KZ gesperrt, welches sich in seinem ganzen beschissen kurzen Leben nichts zu Schulden kommen lassen hat, als ein jüdisches Kind zu sein. Sie trug keine Schuld an alliierten Kriegsverbrechen oder der Vertreibung unserer Großeltern. GAR KEINE!
      SIE fiel dem allergrößten Verbrechen zum Opfer.
      Hast Du eigentlich Kinder?
      Oder wolltest Du uns nur verarschen und wir sind drauf reingefallen?

      • Thomas ex Gotha schreibt:

        „Ein Mädchen wird in ein KZ gesperrt, welches sich in seinem ganzen beschissen kurzen Leben nichts zu Schulden kommen lassen hat, als ein jüdisches Kind zu sein. Sie trug keine Schuld an alliierten Kriegsverbrechen oder der Vertreibung unserer Großeltern.“ Wohl ohne es zu wollen, behauptet dieser Kommentator, dass es durchaus Gründe geben könnte, Menschen in ein Nazi-KZ zu sperren, zum Beispiel, wenn sie „alliierte Kriegsverbrechen“ begehen oder „unsere Großeltern“ vertreiben. Es ist doch eine Crux mit diesen Deutschdenkern: kaum geht es um die Verbrechen der Deutschen, können sie nicht anders als auf die der anderen hinzuweisen.

        • ceterum censeo schreibt:

          Na klar gibt es durchaus Gründe, Menschen in ein Nazi-KZ zu sperren ( Nazi-KZ? Gibt es auch andere, womöglich bessere KZ? Vielleicht die in Nord Korea?): „Menschen“, welche andere Menschen tottreten, in die Luft sprengen, vergewaltigen etc. könnte man doch sperren, wohin auch immer, finden Sie nicht?

      • O.Paul schreibt:

        Eigentlich wollte ich nur darauf hinweisen, dass Anne Frank infolge einer Krankheit verstorben ist. Sie wurde nicht ermordet!

    • Serebrjanik schreibt:

      O.Paul.

      Ihr kommentar spräche nicht zwingend darüber, dass Sie ein Arschloch sind, hätten Sie ihn nur nicht veröffentlicht.

  2. Sophist X schreibt:

    O.T: ist der ESC eigentlich schon vorbei? Man hört garnix mehr.

  3. ceterum censeo schreibt:

    Zwei Gedanken kommen mir neben dem Bedürfnis zu heulen:
    Was sind das für Barbaren, vor denen ein fünfzehnjähriges Mädchen sich verstecken mußte?
    Und der zweite:Fast dieselben, die demnächst wohl in Amsterdam solcherlei Geläut unterbinden und Kirchen schleifen werden, und vor denen sich wieder Menschen verstecken müssen.
    Wenn nicht sofort etwas geschieht!

    • DuDu schreibt:

      Es wird nichts passieren, ceterum, im Gegenteil, wie schon vor über 80 Jahren stehen die Deutschen bereit den (neuen) Herrenmenschen zuzujubeln und jegliche Kritik an diesen zu diffamieren und zu unterdrücken.

      http://www.achgut.com/artikel/ein_islamistisches_gedicht_fuer_manuela_schwesig
      +++++++++++
      Eines seiner schönsten Projekte ist dabei schon vor ein paar Jahren entstanden und ebenfalls in Berlin beheimatet. Es nennt sich „i, Slam“ und steht für einen Poetry Slam, der exklusiv auf islamische Bedürfnisse zugeschnitten ist.

      …Manuela Schwesig …mit freundlicher Unterstützung des Bundesfamilienministeriums, das an dieser Stelle durch die staatliche Initiative „Demokratie leben“ als Mäzen auftritt. „Demokratie leben“ wiederum ist ein Programm des Familienministeriums, das „die Zivilgesellschaft im Kampf gegen demokratiefeindliche und menschenverachtende Tendenzen in unserem Land stark machen“ will.

      „Wir wollen keine Kraftausdrücke oder Beleidigungen“, so die „fünfte Säule des i,Slam“. „Der Respekt vor den Religionen muss gewahrt werden“, betonen die Gründer. Aus diesem Grund beschäftigt „i,Slam“ auch einen „theologischen Berater“, der dafür Sorge trägt, dass bloß keine Blasphemie auf die Bühne gelangt. „Der i,Slam soll ein sauberer Slam sein“, sagen sie.

      Es sei denn, es geht um Juden. Dann darf es ruhig auch mal ein wenig schmutzig werden. Oder eben auf „Missstände hingewiesen“ werden, wie Manuela Schwesig so schön sagt.

      Von „dreckigen Zionisten“ war etwa bei einem Poesie-Abend in Braunschweig die Rede, wo auch der i,Slam-Mitarbeiter Ilhan Hancer den durchaus geistreichen Vergleich prägte: „Was ist der Unterschied zwischen Juden und Muslimen? Die Juden haben es hinter sich.“ (persönliche Anmerkung: IST DAS SIC! ODER WAS!!)

      anlässlich des Gazakriegs im Sommer 2014 gleich ein neues Format begründet: ein sogenannter „street slam“ nämlich, also spontane Poesie auf offener Straße, der unter dem Motto „Dein Wort gegen das Unrecht!“ in mehreren deutschen Städten inszeniert wurde. Um das Leid in Gaza ging es, um die zionistischen Schandtaten

      Aber dafür auch noch Steuergeld zu investieren, und zwar im Rahmen einer Initiative, die jeglichen „Ideologien der Ungleichwertigkeit“ entgegentreten will – diese Gabe beansprucht Deutschland ganz für sich allein.
      ++++++++++++++

      Nun beschäftigt mich eine Frage: Vor wem müssen sich die Juden (in Europa) zukünftig verstecken? !

      • ceterum censeo schreibt:

        Danke für Ihre ermutigenden Worte! Ich hatte aber vorher schon den Kaffee auf, wie man hierzulande wohl sagt. 😦

  4. Heimchen am Herd schreibt:

    „Am 19. April 2016 wäre Anne Frank 86 Jahre alt gewesen. Sie wurde jedoch im Alter von fünfzehn Jahren ermordet. Es gab damals kein Land, das ihr helfen wollte oder konnte. Israel gab es damals noch nicht! Darum steht sie heute nicht als berühmte Journalistin mit siebzigjähriger Erfahrung als Autorin an einem offenen Fenster, spürt die Sonne auf ihren Wangen, hört Vögel pfeifen und denkt an die Liebe, das Leben und die Hoffnung.“

    Aber eines ist sicher, Anne Frank wird niemals vergessen werden, niemals!

Seid gut zueinander!

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