Slamt doch einfach!

Da auf der Achse des Guten der Artikel „Ein i’Slamistisches Gedicht für Manuela Schwesig“ erschienen ist, veröffentlicht Tapfer im Nirgendwo noch einmal den Artikel „Slamt doch einfach“ vom 22. Oktober 2012 in überarbeiteter Form:

Die Initiative i,Slam versteht sich als Projekt, das jungen, talentierten Muslimen die Möglichkeit geben will, gehört zu werden, wenn sie sich zu gesellschaftlichen, politischen oder religiösen Themen äußern wollen. i,Slam formuliert es auf der Homepage so:

„Das ist die Grundidee des i,Slam! Es gibt so viele begabte, muslimische Jugendliche, die nicht wissen, wohin mit ihren Texten, ihren Ideen, ihrer Meinung. Wer also Lust hat, ein Teil dieser Bewegung zu werden, dem schenken wir unsere Aufmerksamkeit und bieten ihm inschaAllah die Plattform zur Entfaltung seiner Kreativität.“

Das klingt ja alles schön und gut, aber darf ich Euch jungen, gläubigen Menschen mal einen kleinen, bescheidenen Rat geben, wie ihr ein friedvolles Zusammenleben aller Religionen erreichen könnt? Hört auf, Eurer Umwelt ständig Euren Glauben unter die Nase zu reiben!

Seit Jahren schon organisiere ich die Offene Bühne Show Kunst gegen Bares. Ich war bereits auf ein paar Poetry Slams und auf einigen Stand Up Bühnen. Soll ich Euch mal was verraten? Überall waren stets Menschen unterschiedlichsten Glaubens auf der Bühne! Aber wisst Ihr, was der Unterschied war? Es war stets relativ egal, welcher Religion jemand angehörte. So ziemlich alle Veranstaltungen, auf denen ich bisher war, waren interreligiös, ganz einfach weil alle anders waren, weil die Welt nun mal so ist. Es gab auch viele, die nicht gläubig waren. Es geht nämlich auch ohne!

Was mich an dieser dezidiert interreligiösen Veranstaltung stört, ist die Selbstverständlichkeit, mit der dort die Religion definiert wird. Muss ich etwa gläubiger Muslim sein, um dort mitmachen zu dürfen. Was ist ein gläubiger Moslem? Darf ein Moslem Texte gegen den Propheten dichten? Haben all die offensiv zu ihrer Religion stehenden Zuschauer ein Anrecht auf Beleidigtsein? Wer entscheidet was beleidigend ist? Wie tolerant ist eigentlich der „I-Slam“? Auf der Achse des Guten gibt es die Antwort:

„Wir wollen keine Kraftausdrücke oder Beleidigungen“, so die „fünfte Säule des i,Slam“. „Der Respekt vor den Religionen muss gewahrt werden“, betonen die Gründer. Aus diesem Grund beschäftigt „i,Slam“ auch einen „theologischen Berater“, der dafür Sorge trägt, dass bloß keine Blasphemie auf die Bühne gelangt. Denn im Gegensatz zu konventionellen Poetry Slams werden die Beiträge bei „i,Slam“ schon vorab von den Initiatoren gelesen und auf Spuren von Gotteslästerung überprüft.

Warum fällt es so vielen Menschen so unglaublich schwer, einfach nur Christ, Jude, Moslem oder Atheist zu sein, ohne daraus ein Alleinstellungsmerkmal zu machen, das nach gesonderten Konferenzen, Veranstaltungen und Konzerten schreit?

Slamt doch einfach!

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