Die Tagesschau antwortet und die Antwort ist peinlich!

Nachdem Tapfer im Nirgendwo über einen mehr als tendenziösen Bericht der ARD Tagesschau berichtet hat, antwortet die Tagesschau nun mit diesen Worten:

Wir schätzen das Interesse und die kenntnisreichen Hinweise unserer Zuschauerinnen und Zuschauer sehr.
Wir nehmen uns berechtigte Kritik zu Herzen, berücksichtigen sie und lernen daraus. Allerdings bitten wir darum, dabei auf sachlicher Ebene zu bleiben.

Beim Thema Wasserversorgung in den palästinensischen Gebieten scheinen wir jedenfalls einen hochsensiblen Nerv getroffen zu haben, der einiger Richtigstellungen bedarf.

Die wohl schwerwiegendste Kritik an unserem Beitrag bezieht sich darauf, dass wir Bilder manipuliert hätten, in dem wir den Wassermangel in Salfit während eines aktuellen Wasserrohrbruches gedreht hätten. Diese Mutmaßung von einem der ersten Kritiker des Beitrages, noch in der vergangenen Nacht, wurde in den sozialen Netzwerken unhinterfragt übernommen und entwickelte sich dort zu einer festen Behauptung. Bis hin zum sehr vorbelasteten Begriff der „Lügenpresse“. Dazu müssen wir sagen: Diese Unterstellung ist falsch! Als wir gedreht haben, galt der Rohrbruch als repariert.

Wir verwahren uns somit dagegen, dass man uns einer solchen Manipulation bezichtigt. Vor allem aber sind wir traurig darüber, dass unseren palästinensischen Protagonisten Lügen unterstellt werden. Im Sinne von: „Warum haben sie denn Waschmaschinen gekauft, wenn sie wissen dass die nicht funktionieren?“ etc. Diese Menschen haben eben noch immer Hoffnung auf Normalität. Sie leiden unter Wassermangel. Dies ist ein Fakt, den sie dem deutschen Publikum erzählt haben. Man sollte sich nicht darüber lustig machen. Auch nicht über den Namen der palästinensischen Familie.
Dass ihr Leiden auf so wenig Empathie stößt, hat uns sehr verwundert.

Dass Wassermangel aufgrund mangelnder Verteilungsgerechtigkeit in Salfit und vielen Orten der Westbank Alltag ist, belegen auch diverse Berichte von unabhängigen Organisationen wie z.B. der Weltbank.

http://siteresources.worldbank.org/INTWESTBANKGAZA/Resources/WaterRestrictionsReport18Apr2009.pdf

West Bank & Gaza – World Bank Publishes Assessment of Restrictions on Palestinian Water Sector Development

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/weltbank-bericht-palaestinenser-verlieren-jaehrlich-milliarden-durch-besatzung-12671307.html

Der zweite Vorwurf, der ebenfalls wie der erstgenannte auf eine Kritiker-Behauptung zurückzuführen ist, und der im Laufe der Diskussion ebenfalls ohne weitere Diskussion als Tatsache dargestellt wurde, ist: Der im Beitrag interviewte deutsche Hydrogeologe Clemens Messerschmid sei nicht glaubwürdig. Auch hier stellen wir uns mit Nachdruck vor unseren Interviewpartner, der wie wir selbst von den Angriffen auf seine Reputation schockiert ist.

Clemens Messerschmid arbeitet seit fast 20 Jahren vor Ort als Hydrogeologe für viele deutsche und einige internationale Organisationen und Stiftungen (GIZ, DED, KfW, CIM; Weltbank, USAID, UN). Er berät auch z.B. Landeszentralen für politische Bildung, Schulbuchverlage und Abgeordnete nahezu aller Fraktionen. In Artikeln unter anderem z.B. für die SZ (10.3.2014, „Wasser und Krieg“) hat er sich mit der Wasserproblematik intensiv auseinandergesetzt. Den Vorwurf von Uli Sahm in der Internetplattform von honestly concerned, der von vielen nachfolgenden Kritikern unhinterfragt fast wörtlich übernommen worden ist, Herr Messerschmid hätte behauptet „Israel hätte Staudämme gebaut, um dann Gaza zu fluten“ streitet Clemens Messerschmid als „fabriziert“ vehement ab. Er distanziert sich auch von anderen, nach eigenen Aussagen, „fabrizierten und nicht belegbaren Behauptungen.“

Einen Mailwechsel zu dieser Kontroverse aus dem Jahre 2013 hat Herr Messerschmid uns vorgelegt.

Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben. Wir haben deshalb die israelische Seite aus dem Beitrag unserer ARD-Hörfunk-Studiokollegin zitiert. Die in der Woche zuvor zu diesem Thema mit Yisrael Medad, Sprecher der Siedlung Shilo und COGAT der israelischen Verwaltung für die besetzten Gebiete ein Gespräch geführt hat.

http://blog.br.de/studio-tel-aviv/2016/07/28/der-streit-ums-wasser.html

Aus journalistischer Sicht halten wir dies für inhaltlich weiterhin voll vertretbar. Weil wir davon ausgehen, dass sich die israelischen Argumente in dem kurzen Zeitraum nicht verändert haben. Es ist uns aber bewusst, dass dies für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ein Ungleichgewicht an Experten-Tönen dargestellt hat. Wir haben in diesem Fall der Schnelligkeit den Vorrang gegeben. Wir lernen aus Ihren Anmerkungen, dass wir dies künftig anders handhaben.

Auch sei angemerkt, dass unser Beitrag – weil wir eben leider die Siedlerseite (auch zu ihrer Verteidigung) nicht vor die Kamera bekommen haben, bewusst darauf verzichtet, den Wasserverbrauch der Siedler (z.B. Pools, intensive Bewässerung) zu zeigen, sondern lediglich im Halbsatz erwähnte, dass im Sommer Siedlungen überproportional viel Wasser verbrauchen, was auch statistisch belegt ist.

http://www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.729777

Schließlich erreichte uns über einen Blog der Aufruf der SPD-Bundestagsabgeordneten Michaela Engelmeier, die in dem Blog „Tapfer im Nirgendwo“ von Gerd Buurmann u.a. damit zitiert wird, die Tagesschau erzähle Unwahrheiten, sie erwarte eine Richtigstellung und die Anrufung des Rundfunkrates.

Dieses Zitat ist allerdings nicht auf der Facebook-Seite der Politikerin wiederzufinden, die sich – wie dort zu lesen ist – offenbar gerade in Rio befindet.

Da sich dieses für uns derzeit nicht zu verifizierende Zitat im Wesentlichen auf die von uns oben bereits richtiggestellten Unterstellungen der Kritiker stützt, sowie in dem besagten Blog noch mit unrichtigen Behauptungen zur Situation zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten sowie Behauptungen/Beleidigungen verbunden ist, wonach die ARD in die „Lügenkiste“ greife, weil es sich bei dem Kürzel ARD in Wahrheit um „Antisemitischer Rundfunk Deutschlands“ handle, wollen wir es an dieser Stelle bei den oben dargelegten Ausführungen belassen.

Für das ARD-Studio Tel Aviv,
Susanne Glass und Markus Rosch

***

Vielen Dank für diese Stellungnahme, liebe ARD. Meine Antwort darauf fällt deutlich aus:

Der Kommentar von Michaela Engelmeier findet sich auf der Facebook-Seite der ARD Tagesschau direkt unter dem Artikel zur Wasserversorgung. Der Kommentar von Michaela Engelmeier hat sogar so viele Likes bekommen, dass er prominent und unübersehbar angezeigt wird, um genau zu sein, genau unter Ihrer Stellungnahme, in der Sie schreiben, den Kommentar nicht zu finden.

Dafür gibt es ein Fachwort: Peinlich!

Wenn die Tagesschau es nicht mal schafft, diesen Kommentar auf ihrer eigenen Seite, unter ihrem eigenen Bericht, unter der eigenen Stellungnahme zu finden, dann kann es mit der Recherche der Tagesschau nicht so weit her sein.

Wenn die Tagesschau schon daran scheitert, ihre eigene Seite zu lesen, dann möchte ich mir gar nicht ausmalen, wie sehr sie in anderen Bereichen scheitert. Wenn die Tagesschau so über Israel recherchiert, wie sie auf ihrer eigenen Seite recherchiert, dann gute Nacht Qualitätsjournalismus.

Ich nehme daher alles zurück. ARD steht nicht für Antisemitische Rundfunkanstalt Deutschland sondern offenkundig für Arbeitsverweigernde Rundfunkanstalt Deutschland.

Liebe ARD,

wenn Sie immer noch nicht den Kommentar von Michaela Engelmeier finden, lesen Sie meinen Blog, da ist der Kommentar sogar verlinkt und als Screenshot zu sehen.

***

Liebe Redaktion,

Sie schreiben in einer öffentlichen Stellungnahme, ich hätte in meinem Beitrag auf Tapfer im Nirgendwo unrichtige Behauptungen aufgestellt.

Können Sie mir bitte mitteilen, um welche unrichtigen Behauptungen zur Situation zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten es sich handelt?

Ich möchte und werde alles sofort korrigieren.

Vielen Dank,
Gerd Buurmann

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33 Antworten zu Die Tagesschau antwortet und die Antwort ist peinlich!

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  3. Uta Schmidt schreibt:

    Wie Mehltau ist die unheilige Einfalt über die ARD hereingebrochen und lässt sie nicht aus ihrem Griff. Aufklärung scheint ihr zuwider zu sein, da es ihr wohl eher um Anbiederung an den Islam geht. Schließlich kann man ja nicht die Kundschaft von morgen verärgern. Deshalb leiht man auch gerne denen das Ohr, die mit ihren Lügen ihre Wichtigkeit in alle Welt posaunen. Es wird sich aber auf die Dauer nicht lohnen, denn die Wahrheit kann sich wehren. Zwar nur mit der Wahrheit, aber dafür mehltaufrei. Israel ist über die lange Zeit resistent geworden. Es ist eben gesünder wenn man seinen Verstand auf die Realität des Alltags benutzt, anstatt sich auf propagandistische Wortgefechte zu stützen. Was die ARD heute fortschrittlich nennt, wird sich schon morgen als
    Selbstzerstörung herausstellen. Warte warte nur ein Weilchen, bald kommt auch das Pech zu dir.
    Zu spät wirst du es begreifen. Unheilige Einfalt hat dir den Verstand benebelt. Wasser fliesst halt dort am besten wo auch sachgerecht damit umgegangen wird. Das sparen sich die Propagandisten zugunsten von Tunneln und sonstigen Agressionen. Wie soll da ein sinnvolles Leben entstehen?…….An allem sind nur die Juden schuld? Oh unheilige Einfalt, halte den Mund!

  4. American Viewer schreibt:

    Ich würde gerne einmal wissen, worin der Nachrichtenwert dieses Beitrages bestand? Warum musste dieser Bericht genau an Tag X gesendet werden? Und zwar so dringend, dass man nicht einmal mehr Israelis zu Wort kommen lassen konnte, hohe Feiertage und so, ja ne ist klar. Der Beitrag war nicht nur extrem einseitig und verlogen, er war nicht einmal aktuell. Eine tagesaktuelle Nachricht war darin nicht enthalten.

  5. Stefan schreibt:

    Ich kann einfach nicht verstehen wie die ARD mit ihrer Milliardenausstattung, ihrem quasi-staatlichen Auftrag und ihrem vielfältigen Qualitätsfeedback in so einem Thema Schnelligkeit vor Zuverlässigkeit stellen kann UND dann auch noch nahezu beiläufig darauf in hinweist in Zukunft vielleicht doch Zuverlässigkeit vor Schnelligkeit zu achten. Das ist eine absurde Bankrotterklärung. Wie mit dem Witz der Bauchrednerpuppe. „Was ist 2 * 3?“ „5“. „Das ist falsch.“ „Aber wahnsinnig schnell.“ Ja ist denn Zuverlässigkeit der Berichterstattung heute bei den ÖR so selbstverständlich verhandelbar?!? Und man gibt das auch noch zu?!? Ich fasse es immer noch nicht….

    • American Viewer schreibt:

      Zumal bei diesem Beitrag keinerlei Dringlichkeit bestand, denn eine tagesaktuelle Nachricht war darin nicht enthalten. Den Beitrag könnte man quasi unverändert 365 Tage im Jahr senden. Selbst das Jahr ist egal: 2000, 2010, 2020, ganz egal. Solche Beiträge gibt es in der angeblichen „Tagesschau“ immer wieder, gerade beim Thema Israel. Die ÖRF-Journalisten machen schlichtweg Partei-Politik.

  6. Eitan Einoch schreibt:

    Der Antisemitismus gehört zu Deutschland!
    Man muss den antisemitischen GEZ-Zahlern schließlich auch etwas bieten…

  7. bergstein schreibt:

    „Vor allem aber sind wir traurig darüber, dass unseren palästinensischen Protagonisten Lü-gen unterstellt werden. Im Sinne von: „Warum haben sie denn Waschmaschinen gekauft, wenn sie wissen dass die nicht funktionieren?“ etc. Diese Menschen haben eben noch immer Hoffnung auf Normalität. Sie leiden unter Wassermangel.“

    Welche Drogen muss man nehmen, um dies zu schreiben. Sogar wenn man das Glück hatte nur im deutschen Wohlstand gelebt zu haben, müssen doch noch zumindest bei Reportern, die berufsbedingt viel reisen, ein Rest Realitätsbezug verbleiben.

    Oder gehen die Reporter davon aus, dass es in Ägypten, Jordanien, Syrien, Algerien usw. usf. es zu Normalität gehört eine Waschmaschine zu haben? Nach allen jemals veröffentlichen Zahlen haben die Araber in der von Juden besetztem Judäa so viel Wasser, wie noch nie in ihrer Geschichte. Auf welche Normalität hoffen die Araber dann wohl. Ansonsten ist es wohl nur für ARD recht erstaunlich, dass Menschen, die in einer Halbwüste leben und sich dabei wie die Kaninchen vermehren und nichts für die Wasserversorgung tun, an Wassermangel leiden.

    Man unterstellt vorliegend den „palästinensischen Protagonisten“, die im Übrigen dass Wasser kostenlos und nur dank von Israelis gebauten Leitungen erhalten, keine Lügen, man stellt vielmehr fest, dass sie lügen. Selbstverständlich ist es alltäglich, dass man trotz ärmlicher Verhältnisse mit der Wassermaschine ein Luxusartikel kauft, obwohl man es mangels Wasser nicht nutzen kann. Und selbstverständlich erfährt davon die ARD rein zufällig. Man bekommt das Gefühl, dass die Mitarbeiter von ARD auch noch an den Osterhasen und den Weihnachtsmann glauben. Gibt es noch ein Lüge oder Inszenierung der ARD nicht glaubt?

  8. Pingback: Dreist gelogen oder einfach nur zu blöde? Die ARD, ihre tagesschau, und die Wasser-„Berichterstattung“ | abseits vom mainstream - heplev

  9. Sophist X schreibt:

    Der Bericht der Weltbank ist von 2009. Nungut. Vielleicht hat sich die Gesamtsituation nicht geändert. Vielleicht aber doch.

    Die Haaretz-Quelle ist offensichtlich für Premium-Kunden, aber man findet die Meldung auch woanders.
    http://journalmatin.net/english/2016/07/10/israel-blocking-plan/

    Schlagzeile: Israel blockiert Pläne, die Wasserversorgung der Westbank zu verdoppeln.

    Auszug:
    The chairman of the subcommittee, MK Moti Yogev (Habayit Hayehudi), has repeatedly stated the delay impacts Israelis and Palestinians alike

    Also sind nicht nur die armen Palis betroffen, sondern auch böse Israelis.

  10. HM schreibt:

    Wer von den Kommentatoren oder Sie , lieber Buurmann, besitzt das tiefschürfende Wissen oder gar eine wirkliche Expertise zur iraelischen Wasserwirtschft, um sich bei enem Spezialthema wie diesem, so eindeutig zu positionieren?

  11. sandra schreibt:

    Lieber Gerd, Du hast im allgemeinen die Eigenschaft, (bitte verzeih mir für die offene Kritik! ) häufig ein wenig redundant zu schreiben, jedenfalls immer SEHR ausführlich. Und just hier kannst Du keinem der Argumente der ARD mit (und Du kennst sie) Fakten entgegnen? Dass sie das Zitat von Frau Engelmeier nicht mal gefunden haben, wäre eine schöne Einstiegspointe – aber als Gesamtentgegnung finde ich es dünn, mit Verlaub.
    Wir hier wissen was ist, ich gebe zu, auch wir könnten das machen – wir sind dankbar und bewundern Dich als Speerspitze in der Recherche, als nimmermüden Kritiker. Und jetzt überlässt Du es uns? Bled, weil ich schneide mir schon die Zeit hier zu antworten aus den Rippen… Solidarische Grüsse! s

  12. unbesorgt schreibt:

    Das ARD-Studio muss Haaretz übrigens abboniert haben, sonst könnten sie von dem verlinkten Artikel nur diesen Satz lesen: „Some government agencies are keen to increase supply to both settlers and Palestinians, but politicians are putting up obstacles. Either way, the Palestinians are ending up with much less.“ — ich wusste, irgendwer liest das Blatt! Es kann aber auch sein, das der ARD dieser erste Satz bereits für ihre „Recherche“ genügte.

  13. unbesorgt schreibt:

    Seit wann ist eigentlich maßgeblich was die Haaretz schreibt, wenn man Fakten aus Israel recherchiert? Und seit wann ist man investigativer Journalist, wenn man die Lügen anderer abschreibt?

    • anti3anti schreibt:

      Haaretz schreibt, was die Europäer gerne lesen. In Israel wird Haaretz wegen den Anzeigen gekauft, zuweilen gelesen.

    • bevanite schreibt:

      Was ist denn jetzt wieder an Haaretz so schlimm? Gehören die etwa auch zur „Lügenpresse“?

      • unbesorgt schreibt:

        Das Wort „Lügenpresse“ ist die Zyankalikapsel unter den Argumenten. Sie wird von den Medien immer dann im Mund hin und her gerollt, wenn man im Selbstmitleid zerfließt und der Meinung ist, man hätte alles richtig gemacht, die Leser und Zuschauer seien einfach nur zu fies, dumm und gemein, die gute Arbeit anzuerkennen. Beißt zu, sag ich!

      • bergstein schreibt:

        Es kommt darauf was man unter Lügenpresse versteht. Der Begriff der Lüge ist recht dehn-bar. Ich versuche mal ein Beispiel zu machen. Sie kennen sicher das Schwarze Quadrat von Malewitsch. Stellen wir mal vor ein Bösewicht mallt in der Mitte des Kunstwerkes einen kleinen roten Punkt. Dieser Punkt macht ein Promille der Gesamtfläche aus. Wenn nunmehr ein Reporter der das Kunstwerk nicht kennt. es jetzt erstmalig sieht, wie würde es beschreiben?

        Variante 1, sachlicher Reporter: Ein schwarzes Viereck mit einem winzigen roten Punkt.
        Variante 2, unsachlicher deutscher Reporter: Ein Schwarzrotes Viereck.
        Variante 3, unsachlicher russischer Reporter: Ein Rotes Viereck mit schwarzem Rand.
        Variante 4, unsachlicher arabischer Reporter: ein übermaltes Rotes Viereck (Al Jazeera) oder wahlweise grüner Kreis (z.B.. syrisches Fernsehen), blauer Dreieck (z.B. der Kanal des Hisbollah) , Lila Trapez ( Fernsehen von Gaza) usw. usf.

        Jetzt müssen Sie entscheiden ist die 2 Variante eine Lüge. Formell wohl nicht, es ist ja schwarzrot, der Sache nach schon, da schwarzrot in der Vorstellung des Lesers nicht etwas ist, was nur zu einem Tausendstels rot ist.

        Wenn es um Israel geht, hört man in BRD so gut wie nie die erste Variante aber regelmäßig die zweite und zum Teil gar die dritte. Das gilt auch für die Haaretz. Selbstverständlich hat auch die Haaretz wie auch die TAZ mal lichte Momente, die sind aber eher selten.

        • unbesorgt schreibt:

          Nicht schlecht, bergstein! Zumal das Wort Lügenpresse unterstellt, dass es auch Wahrheitspresse gibt. Ich glaube weder das eine, noch das andere. Aber schlechte Presse gibt es. Besonders im subventioniert sattem öff/rechtl. Bereich. Tendenziöse Presse zumal.

          • bergstein schreibt:

            Lügenpresse und schlechte Presse. ist nicht das Gleiche. Lügen setzt qua Definition bewusstes Täuschen voraus. Wobei ein Täuschen durch (bewusstes) Unterlassen regelmäßig genügt. Ein bewusstes Täuschen durch Darstellung unwahrer Tatsachen ist in BRD eher selten. Täuschen durch Unterlassen ist schon häufiger, wobei hier sich immer die Frage stellt, beruhte dass Unterlassen auf einer Täuschungsabsicht oder sah man das Unterlassene als nicht wichtig an. Das eigentliche Problem liegt aus meiner Sicht jedoch auf einer anderen Ebene. Wir haben bei der Frage nach der objektiven Berichterstattung viel größeres Problem mit der Berichterstattung selbst als mit der Objektivität. Ich will wissen was geschehen ist und nicht immer wieder hören, die Experten sagen dies, die Beobachter sagen jenes und Kritiker bemängeln dies und jenes. Ich will vollständig erfahren was geschehen ist. Wann haben Sie schon in BRD einen Bericht über etwas gesehen ohne eine Wertung darin?

        • Markus Kranz schreibt:

          Ein interessanter Gedanke. Lügenpresse ist für mich, wenn im Rahmen einer Reportage oder Berichterstattung Dinge ganz bewusst aus dem Zusammenhang gerissen darstellt, um beim Zuschauer einen gewissen Eindruck zu erwecken. Bsp1: Flutkatastrophe in Bayern, das ORF karrt eine Handvoll Schwarzafrikaner ohne Aufenthaltsgenehmigung in die betreffenden Orte, lässt den zuvur zur Seite geräumten Schutt wieder auf die Strasse kippen – und filmt dann die „Flüchtlinge“, wie sie sich fleissig an den Aufräumarbeiten beteiligen. 5 Männer waren das- von 2 Millionen. Und das für die Dauer des Drehs, also wenige Minuten. Praktischer Effekt für die Anwohner: Gleich Null. Aber das ORF hatte damit „starke Bilder“ für naive Kunden. Bsp 2.: Ort: Flüchtlingslager an der Mazed. Grenze, traumatisierte Flüchtlinge versuchen, einen reissenden Fluss zu überqueren. Unerwähnt blieb, dass diese „Flüchtlinge“ keinen juristischen Anspruch darauf haben, die Grenze zu überqueren, da sie in Griechenland hätten bleiben und dort Asyl beantragen müssen. Unerwähnt blieb auch, dass Anarchisten und Papparazzi am Tag zuvor überll in der Gegend Flugblätter verteilt haben, in denen auf eine (erfundene) Grenzöffnung für den nächsten Tag hingewiesen wurde. Es standen dann püntklich am nächsten Tag dutzende Sensationsreporter da und haben untätig gefilmt, wie Frauen durch das eiskalte, kniehohe Wasser gewatet sind. Dass die meisten „Flüchtlinge“ Männer waren, haben sie nicht gefilmt. Und auch nicht, wie beinahe ein paar Menschen ertrunken sind. Übrigens, 2 km weiter wäre eine Brücke gewesen – aber wie hätte man dann „starke Bilder“ machen sollen? Es gibt dutzende solcher Beispiele, wie die stramm am linken Rand stehenden Medien versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen und zu manipulieren. Wie damals bei den Nazis. Wir schaffen das? Das hat Hitler auch gesagt, als er vom Endsieg sprach.

  14. cm schreibt:

    Habe ich da jetzt was überlesen, aber nein der Pressesprecher geht auf die Punkte ein die er leicht widerlegen kann, sucht sich die absurdesten und dämlichsten unter den Beiträgen heraus (es ist doch abzusehen, dass irgendein honk Lügenpresse schreibt) und stellt diese dann richtig. Andere womöglich entscheidendere sind nicht dabei.
    Beispielsweise auf die von Feuerherd u.a. schon dokumentierten Leistungen der israelischen Regierung, der Zustand des Wassernetzes, die Verwendung von Hilfsgeldern, Einhaltung von Gesetzen.
    Interessant ist auch die feine Parade, indem man als die andere Seite, „die Siedler“, ins Spiel bringt, anstelle dass man eben auch hier israelische Regierungsstellen befragt hätte.
    Sehr spannend finde ich auch, dass man den Wahrheitsgehalt einer Aussage zu bestätigen sucht, indem man auf frühere Verdienste des Aussagenden hinweist, anstelle die Aussage an sich zu überprüfen. Weil der Herr xxschmidt für y arbeitet, muss die Aussage stimmen. (Wie für Kunz und Hinz und Guttenberg).
    Letztendlich wird zweierlei deutlich. Der Pressesprecher hat seine Argumentationstechniken fein geübt und die Antwort bestätigt die Zweifel an der Ausrichtung des Beitrags aufs Beste.

    • American Viewer schreibt:

      „es ist doch abzusehen, dass irgendein honk Lügenpresse schreib“

      Das machen die immer so, hat bei denen Methode. Wobei man an diesem Punkt die simple Frage stellen muss: Was soll am Begriff „Lügenpresse“ eigentlich noch falsch sein? Das ist mittlerweile eine simple Tatsachenbeschreibung bzw. im Grunde ist es sogar ein Euphemismus.

  15. Pingback: Zum israelisch-palästinensischen Wasserkonflikt | israelkompetenzkollektion

  16. Dante schreibt:

    Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben.

    Dass diese hohen jüdischen Feiertage aber auch immer so verdammt plötzlich kommen müssen!
    Immerhin gelobt man es später besser zu machen. Kurze Zeit später wird dies als journalistisch gerechtfertigt und die israelischen Argumente als unverändert bezeichnet. Als wenn es die Vorwürfe eines Herrn Messerschmid nicht wären!

    • Irmgard Jahn schreibt:

      ja. diese jüdischen Feiertage…. kommen so verdammt plötzlich und, was noch viel schlimmer ist, so vollkommen unvorhersehbar und ungeplant!
      Wäre interessant zu erfahren, was potentielle deutsch-christliche Interviewpartner von einem Reporterbesuch an Heiligabend halten würden 😉

  17. Hessenhenker schreibt:

    Tagesschau, war da nicht das jetzt rätselhafterweise nicht mehr auffindbare Heulvideo drin („Ich bin auch so traurig, daß er tot ist. Weil man ihn jetzt nicht mehr fragen kann,l was passiert ist“) in dem der Axtattentäter von Würzburg betrauert wurde?

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