Die Galerie Kir Royal nimmt Stellung zu Hakenkreuz und Davidstern

Folgende Stellungnahme erreichte mich heute:

Sehr geehrter Herr Buurmann,

es ist richtig, wir haben auf unserem Stand auf der Art-Fair Köln ein Werk des Künstlers Juraj Kralik gezeigt.

Das Werk trägt den Namen “Le quattro stagioni III“ und stellt zwei Staatssymbole dar, zum einen ein Staatssymbol Deutschlands bis 1945 zum anderen ein gegenwärtiges Staatssymbol Israels.

Die Interpretation des Werkes lässt der Künstler offen bzw. er überlasst sie dem Betrachter.

Die von Ihnen erwähnte Interpretation ist durchaus möglich und sicherlich genau so korrekt, wie mehrere Dutzend anderer Interpretationswege, die mir spontan einfallen könnten.

Mir ist sehr daran gelegen, mit diesem Werk zu einem gesellschaftskritischen Diskurs anzuregen bzw. aufzufordern.

Sollte ich mit der Ausstellung des Werkes Besucher aufgeregt, verärgert oder verletzt haben, tut mir das sehr leid, jedoch stehen Pressefreiheit und Freiheit der Kunst als unumstößliche Grundsätze unserer Demokratie über den Empfindungen eines Einzelnen.

Mit freundlichen Grüßen,
Juan Cárdenas Romero
www.kirroyal.es

***

Es geht um dieses Werk:

Es ist nur eine Frage der Perspektive, ob man Hakenkreuz oder Davidstern sieht.

Im Rahmen der Art.Fair in Köln wurde dieses Werk in den Kölner Messehallen gezeigt, also dort, wo Adolf Hitler am 19. Februar 1933 auf einer Wahlkundgebung der NSDAP sprach, wo vom 22. bis 30. April 1933 die nationalsozialistische „Deutsche Woche“ unter dem Titel „Denk deutsch – kauf deutsch“ stattfand, wo nationalsozialistische Messen stattfanden, die die Vorstellungen der Nationalsozialisten von einer „gesunden Rasse“ spiegelten, wo polnische und französische Kriegsgefangene eingesperrt wurden, wo Zwangsversteigerungen von jüdischem Eigentum vorgenommen wurden, das die Deportierten in ihren Wohnungen zurücklassen mussten und wo ein Zwischenlager für Juden, Sinti und Roma aufgebaut wurde, die von der Messe Köln aus dann nach Polen zur Vernichtung deportiert wurden.​

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48 Antworten zu Die Galerie Kir Royal nimmt Stellung zu Hakenkreuz und Davidstern

  1. Julian Mumme schreibt:

    Also ich weiß nicht.

    Natürlich ist das Werk kontrovers. Aber kontrovers ist nicht immer schlecht, denn immerhin sorgt es für Diskussion. Wie auch die Kommentarspalte hier stark beweist.

    Natürlich sehe ich auch die Möglichkeit der Interpretation als „Judentum/Israel gleich Nazi-Deutschland“.
    Ich sehe aber auch noch ganz andere Möglichkeiten und einiges an Potential (Und das als eigentlicher totaler Kunstbanause)

    Ich finde nämlich, es stellt es die beiden Symbole nicht gleich, sondern gegenüber. Es arbeitet mit Symbolen. Nämlich mit ideologischen Opfern und ideologischen Tätern. Und dafür sind das ziemlich starke Symbole, wenn nicht sogar DIE Symbole schlechthin.
    Insofern sieht man beim beabsichtigten Gang um das Bild zwei Effekte: Von Rechts nach Links, die Vernichtung des Judentums durch die Nazis und von Links nach Rechts das Durchhalten und das Überleben des Judentums.

    Außerdem zwingt das Bild letztlich den Betrachter symbolisch sich für eine Seite zu entscheiden. Ich meine das nicht wortwortlich, sondern plakativ: Auf welcher Seite stehe ich? Auf welcher Seite möchte ich stehen? Was passiert mit der anderen Seite? Und letzlich: Ist immer alles nur schwarz/weiß oder gibt es die graue Mitte?

    Wie gesagt: Ich habe eigentlich mit Kunst nicht viel am Hut, aber ich möchte diese Gedanken einfach mal als Anstoß teilen.

    • klartext schreibt:

      Eine interessante wohlwollende Betrachtung. Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Gleichwohl habe nicht nur ich vor allem den Eindruck, daß es hier insbesondere darum geht, Israel mit Nazis gleichzusetzen und sich selbst wichtig zu machen. Darauf deuten ja auch die Stellugnahmen des Künstlers und des Galeristen hin.
      Man sollte bei so einem „Kunstwerk“ den politischen Rahmen nicht übersehen: Wachsender Hass gegen Juden und Israel, was nicht zuletzt auf der Propaganda-Lüge basiert, Israel betreibe gegenüber den Palästinensern Nazi-like Politik. Richtet sich selbst, verfängt aber leider bei vielen Leuten. Gehirnwäsche wirkt nun mal – leider.

  2. Pingback: Art.Fair – Bitte keine Kunst mehr machen | Ruhrbarone

  3. Ralf Weber schreibt:

    Die WELT einen klasse Artikel von Gil Yaron veröffentlicht.
    Der Schlussatz sagt es darin eigentlich am besten: „In einem Kriterium sind Israelis sogar Spitzenreiter. Trotz aller Bedrohungen von außen, ungeachtet sozialer Unterschiede und immenser Lebenshaltungskosten gehören sie zu den zufriedensten Bewohnern der Welt – der Solidarität und einer funktionierenden Demokratie sei Dank.“

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article159144604/Ist-Israel-ueberhaupt-noch-eine-Demokratie.html

    • limbischessystem schreibt:

      Das finde ich ganz und gar nicht! Die Perfidie liegt doch schon in der Frage selbst, wer sie beantwortet läßt sich auf die Insinuation ein, daß Israel so in Frage gestellt werden könnte.

      • Ulf Renner schreibt:

        Stimmt. Die Überschrift ist ziemlich bescheuert, leicht irreführend und damit auch etwas tendenziös. Zudem gibt sie die Quintessenz des Beitrags nicht wieder.
        Viel beser wäre: Israels paradoxe Demokratie
        Und als Unterzeile: Auf dem Papier gibt es sie nicht, dafür aber in der Praxis
        Solche Dinge sind wichtig, wenn man bedenkt, daß viele Leser nur die Headlines und allenfalls noch Dach- bzw. Unterzeilen und Vorspänne aufnehmen. Die Medien sind leider auch nicht mehr, was sie mal waren, und wenn es um Israel geht, wird allzuoft manipuliert statt informiert.

  4. Couponschneider schreibt:

    Ich will noch mal auf meinen Beitrag zurückkommen: Warum hat der Künstler kein Symbol Nordkoreas genutzt, um Israel anzuklagen? Es muss nicht die nordkoreanische Fahne sein. Das Konterfei Kim Jong Uns hätte mehr Wiederkennungswert. Und es hätte einen Lacher gegeben. „Einen Lacher soll man nie verachten.“ (Zit. Grünberg, in „Sein oder Nichtsein.“)

  5. Couponschneider schreibt:

    Selbstverständlich hat der Künstler die Freiheit, seinen Antisemitismus in Kunstwerken unterzubringen, aber genauso hat jeder andere Mensch die Freiheit, dieses Kunstwerk zu interpretieren. Sicherlich ist das Hakenkreuz-Davidstern-Ding auch anders interpretierbar, aber naheliegend ist doch nur, dass eine Gleichsetzung der Politik des Dritten Reiches und der Politik Israels ist. Und eine solche Gleichsetzung ist antisemitisch, weil sie den sie einzigen jüdischen Staat übel verleumdet und dämonisiert. Und ausgerechnet noch mit dem Staat, der sich zum Ziel setzte, die Juden vom Erdball zu tilgen. Wäre statt der Hakenkreuzfahne die nordkoreanische Fahne genommen worden, wäre die Anklage an Israel genauso scharf gewesen. Warum hat der Künstler dann doch die Hakenkreuzfahne genommen? Es ist antisemitische Perfidie.

    Wir leben in einer Gesellschaft, die es nicht akzeptiert, wenn wir alberne Hitler-Vergleiche machen. Ich äußerte mich mal in einem Diskussionsforum zur Gesundheitspolitik, die Deutschen müssten wieder schlank sein wie Hitler. Das fand man selbst im sonst sehr toleranten FDP-Forum nicht lustig und mein Beitrag wurde gelöscht. Bei Vergleichen zwischen Israel und dem Dritten Reich aber, verliert man jegliches Maß und jegliche Scham. Und der Toleranz der anderen kann man sich sicher sein.

    Herr Buurmann, Sie haben absolut recht, wenn Sie dieses antisemitische Kunstwerk, kritisieren. Wenn Sie nerven, machen Sie vieles richtig.

    • HM schreibt:

      Couponschneider schreibt:
      …. Sicherlich ist das Hakenkreuz-Davidstern-Ding auch anders interpretierbar, aber naheliegend ist doch nur, dass eine Gleichsetzung der Politik des Dritten Reiches und der Politik Israels ist.

      Wenn Sie das Bild so verstehen wie Sie beschreiben, kann ich Ihre Aufregung ja verstehen. Aber dass da irgendwas naheliegend oder gar zwingend wäre ist schlichtweg nicht richtig.
      Bei mir und einigen Personen die an diesem Bild „live“ begegnet sind, hat es keineswegs die Gleichsetzungsassoziation ausgelöst.
      Und es werden nicht die einzigen sein.

    • Markus Leuthel schreibt:

      Das paßt. Danke für den Tipp.

      Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hatte übrigens gegen Ende 2015 eine sehr interessante, wissenschaftlich belegte Untersuchung / Betrachtung zur traditionell-sprachlich verankerten Feindschaft gegenüber Juden und Judentum veröffentlicht, und der im Folgenden verlinkte Text zeigt auf, wie diese traditionelle Feindschaft sich mittlerweile sprachlich angepaßt hat, bis in die Verhältnisse des modernen Alltags:

      Ich zitiere daraus nur folgenden, kurzen Absatz:
      „Empirische Langzeitstudien zur Sprache der aktuellen Judenfeindschaft[2] zeigen, dass in den vergangenen zehn Jahren die Tabuisierungsschwelle für Verbal-Antisemitismen gesunken ist. Sie zeigen auch, dass insbesondere im Internet kontinuierlich (auch in De-Eskalationsphasen[3], also Phasen, in denen keine aktuellen Krisen im Nahostkonflikt zu verzeichnen sind) judenfeindliches Gedankengut in alltäglichen, nicht extremistischen Diskursräumen verbreitet wird[4].“

      http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/211516/aktueller-antisemitismus

      Das paßt 1:1 zu dem aktuell hier besprochenen AgitProp-Pseudo-„Kunstwerk“ des dezidiert Israel-feindlichen Propagandisten Juraj Kralik, es paßt darüberhinaus zum Setting („wir zeigen das jetzt einfach mal“), sowie zu der ausweichend-arroganten und damit völlig unprofessionellen Haltung seines Galeristen Juan Cárdenas Romero. Kunstgalerien sind nämlich leider nur im positiv-vernunftbestimmten Fall ebenfalls Diskursräume, wobei hier durch die beiden Freizeit-Provokateure tunlichst jeder konkrete Diskurs zum Thema verweigert wird.
      „Alles ist Happening. Hauptsache, man spricht über uns, der Rest ist egal“.

  6. klartext77 schreibt:

    Das Pseudokunstwerk aus der antisemitisch-israelfeindlichen Jauchegrube und die pseudointellektuelle Rotze des Galeristen richten sich selbst. Das ist Goebbels 2.0: Es soll vor allem die (pro)palästinensische Propagandalüge transportiert werden, Juden und Israel seien die neuen Nazis.
    Der Reichspropagandaminister hätte an der Machart dieser Kacke seine wahre Freude gehabt. Die Tatsache, daß es den Nazis wohl mißfallen hätte, mit Juden und Israel gleichgesetzt zu werden, wird zugunsten der antisemitisch-israelfeindlichen Hauptbotschaft gern in Kauf genommen.
    Zu bedenken ist nur noch, was „skl“ geschrieben hat: „Ich stelle mir gerade die Scheiße vor, die geflogen wäre, wenn das nicht die Flagge Israels, sondern die eines Unterdrückerstaats wie Palästina gewesen wäre. Wie schnell das sowas von keine Kunst mehr gewesen wäre!“ Alternativ könnte man es auch mit dem islamischen Halbmond versuchen. Ist aber nur besonders Mutigen zu empfehlen.

  7. klartext77 schreibt:

    Das Pseudokunstwerk aus der antisemitisch-israelfeindlichen Jauchegrube und die pseudointellektuelle Rotze des Galeristen richten sich selbst. Das ist Goebbels 2.0: Es soll vor allem die (pro)palästinensische Propagandalüge transportiert werden, Juden und Israel seien die neuen Nazis.
    Der Reichspropagandaminister hätte an der Machart dieser Kacke seine wahre Freude gehabt. Die Tatsache, daß es den Nazis wohl mißfallen hätte, mit Juden und Israel gleichgesetzt zu werden, wird zugunsten der antisemitisch-israelfeindlichen Hauptbotschaft gern in Kauf genommen.
    Zu bedenken ist nur noch, was „skl“ geschrieben hat: „Ich stelle mir gerade die Scheiße vor, die geflogen wäre, wenn das nicht die Flagge Israels, sondern die eines Unterdrückerstaats wie Palästina gewesen wäre. Wie schnell das sowas von keine Kunst mehr gewesen wäre!“ Alternativ könnte man auch mit dem islamischen Halbmond die Probe aufs Exempel wagen. Ist aber nur besonders Mutigen zu empfehlen.

  8. klartext77 schreibt:

    Das Pseudokunstwerk aus der antisemitisch-israelfeindlichen Jauchegrube und die pseudointellektuelle Rotze des Galeristen richten sich selbst. Das ist Goebbels 2.0: Es soll vor allem die (pro)palästinensische Propagandalüge transportiert werden, Juden und Israel seien die neuen Nazis.
    Der Reichspropagandaminister hätte an der Machart dieser Scheiße seine wahre Freude gehabt. Die Tatsache, daß es den Nazis wohl mißfallen hätte, mit Juden und Israel gleichgesetzt zu werden, wird zugunsten der antisemitisch-israelfeindlichen Hauptbotschaft billigend in Kauf genommen.
    Zu bedenken ist nur noch, was „skl“ geschrieben hat: „Ich stelle mir gerade die Scheiße vor, die geflogen wäre, wenn das nicht die Flagge Israels, sondern die eines Unterdrückerstaats wie Palästina gewesen wäre. Wie schnell das sowas von keine Kunst mehr gewesen wäre!“ Alternativ könnte man auch mit dem islamischen Halbmond die Probe aufs Exempel wagen. Ist aber nur besonders Mutigen zu empfehlen.

  9. Jockels schreibt:

    Die art cologne ist eh zu einer derart schlechten messe verkommen das ich sie als Kunsthändler dieses Jahr nicht mal mehr besucht habe …. ich hätte diesen Müll von der Wand gerissen und zertreten – einfallsloser , unkreativer Müll der Volksverhetzend ist ! Der Vergleich zwischen Nazideutschland und Israel zeigt lediglich wie schlecht der Gallerist bestückt ist und wie einfallslos der Künstler ….. ich erstatte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und sehe keinen Spielraum für dämliche Ausflüchte die sogenannte Kunst-Freiheit und gar die Kunst mit derartigem Müll zu vergewaltigen !
    Nicht mal ignorieren darf man diese Trottel 👍

    • Charles Munich schreibt:

      „ich hätte diesen Müll von der Wand gerissen und zertreten –“
      … genau so stelle ich mir einen „Kunsthändler“ vor …
      (ein „Kunsthändler“, der nicht einmal das Wort „Galerie“ richtig schreiben kann …)
      Womit handeln Sie – mit Kunstdünger?

      • limbischessystem schreibt:

        Wie kleinstgeistig ist denn diese Bemerkung. Wie borniert muß man sein, nach den vielen Rechtschreibreformen noch auf der Rechtschreibung rumzureiten? Ganz abgesehen von den dämlichen Tastaturen der Smartphones. Ich würde dieses Vertippen lieber mit netten Assoziatonen lesen, mit Galle oder Ballern. Verschreibungen sidn mir nicht unwillkommen. Womit handeln Sie? Mit Hohl- oder Flach- oder Kunstkopfen?

  10. klartext77 schreibt:

    Dieses Pseudokunstwerk aus der antisemitischen und israelfeindlichen Jauchegrube sowie die unsägliche Pseudorechtfertigung des Galeristen richten sich selbst. Von der Methode her ist es Goebbels 2.0: Es transportiert vor allem die (pro)palästinensische Lüge, Juden und Israelis seien die neuen Nazis. An der Machart hätte der Reichspropagandaminister seine wahre Freude, ebenso an der pseudointellektuellen Rotze des Galeristen. Dass es den Nazis wohl mißfallen hätte, mit Juden und Israel glechgesetzt zu werden, nimmt der Pseudokünstler für die umgekehrte „Botschaft“ gern billigend in Kauf.

  11. American Viewer schreibt:

    Entweder man erlaubt solche Symbole generell oder eben gar nicht. Ich bin liberal und somit für eine generelle Erlaubnis. Aber sie zu erlauben, nur weil jemand das Etikett „Kunst“ darauf klebt, ist inkonsequent. So müssen einige Juristen wieder Reichskulturkammer spielen und festlegen was nun artige, erlaubte „Kunst“ sei und was nicht.

    • Couponschneider schreibt:

      Auf die Justiz ist kein Verlass. Ein deutscher Richter würde urteilen, dem Hakenkreuz fehle die Krummnase, daher sei das Kunstwerk nicht anisemitisch. 🙂

    • Couponschneider schreibt:

      Ich wäre auch für eine generelle Freigabe. Wer sich antisemitisch äußern will, soll es tun und soll kritischen Gegenwind spüren. Gesetze, die offenen Antisemitismus und Glorifizierung des Dritten Reiches nicht ahnden, sobald das Wort Kunst draufpappt, gleichzeitig aber bekommen Anhänger des Jainismus mit dem deutschen Rechtsstaat in einen Konflikt, wenn sie ihr Symbol verwenden, das zufällig deckungsgleich ist mit dem wichtigsten Symbol des Nationalsozialismus.

  12. Markus Leuthel schreibt:

    Hier noch mal meine zusammengefaßte Bewertung zu dem Werk des K.:

    K. kontextualisiert zwei historisch / kulturell differente Symbole absolut willkürlich
    Dadurch entsteht direkt – und nur scheinbar nebensächlich – eine das Werk „als Kunst“ final entwertende Beliebigkeit. Hinzu kommt noch die gewollt-plakative Bildwirkung, welche die Gehbewegung des Betrachters im Raum vor dem Werk notwendig mit einbezieht.
    Hinsichtlich einer möglichen Auswahl zwischen nur zwei Symbol-Alternativen ist jedoch der Betrachter eines ausgestellten, künstlerischen Werkes letztlich gar nicht wirklich frei, sich für eines von beiden Symbolen Ideologie-bindungsfrei zu entscheiden, und nimmt somit auch im Fall der durch den Werkschöpfer ziemlich sicher antizipierten, „gutmenschlichen“ Entscheidung für den Magn David gleich alle dazu passenden Vorurteile über dieses für Juden fundamental bedeutsame Zeichen „aus dem eigenen Kopf heraus“ – wie durch den K. mit hoher Wahrscheinlichkeit so intendiert – mit. Das Werk erhält dadruch einen fast dämonischen Bindungscharakter. Als würde dem K. die historisch-epochale, konkrete Täter-Opfer-Bindung nicht schon ausreichen, setzt er hiermit sogar noch einen drauf. Das ist wie ein bewußtes Nachtreten in Richtung aller ermordeten und überlebenden Opfer der Shoa.
    Eine vermeintlich „Beliebige Interpretationsmöglichkeit“ stellt lediglich eine Schutzbehauptung des K. nebst seines Galeristen dar, und zwar anhand der erkennbar willkürlich dem Betrachter zugeschobener „wertfrei“-Fiktion („Ist ja nur deine Angelegenheit was du hier erkennen willst“). So etwas Perfides brachte nicht einmal die stalinistische Arbeiterplakatkunst in ihren allerschlimmsten Zeiten zustande. Und diese hatte – sowohl formal als auch inhaltlich – schon mehr als genügend totalitäre Züge an sich.
    Hier lügt K. sogar ein Stück weit „mit der Wahrheit“, denn sein Werk ist zwar in-sich beliebig und setzt eine willkürliche Nähe zwischen den zwei differenten Symbolen nebst deren jeweiligem Konnotatevorrat, aber K. leitet Wert und Bewertungen dieser Beliebigkeit vorsätzlich zum interpretierenden Betrachter um, und entledigt sich somit (scheinbar wirksam) jeder Verantwortung für mögliche Erklärungsnöte für sein spezifisches Vorgehen.
    Wer ihn dennoch fundamental kritisiert, wird – wie zumindest zwischen den Zeilen bereits geschehen – als eine Art von „Bild-Interpretations-Verschwörungstheoretiker“ diffamiert. Das Werk ist somit keineswegs „freilassend künstlerisch“ verfaßt, weder im Rahmen der Werkmethodik, noch hinsichtlich seiner Werkintention, sondern es wirkt in seiner Diktion in höchstem Maße autoritär. Diese Art der Selbstimmunisierung des K. gegenüber möglicher Kritik an seinem Werk wurde durch diesen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vor der Erstellung einkalkuliert. Das gesamte Vorgehen wirkt in der distanzierten Zusammenschau wie ein eine Art intellektuellen Racheaktes gegenüber der jüdischen Welt als solcher, und damit wie ein bewußt gesetzter Stich ins Herz einer gesamten, historisch gewachsenen Kultur.
    Es handelt sich um die Verbreitung einer politisch-ideologischen Agenda über den Hebel eines „den Betrachter scheinbar freilassenden, ambivalenten Wahrnehmungs- und Interpretationsangebot“. Zumindest legt dies die Behauptung des Galeristen nahe.
    Das ist seitens des K. als Werkersteller ein sehr konkret faßbarer, konzeptionell und methodologisch-werktechnischer Kunstgriff, und mithin das einzig „Künstlerische'“ (oder „kunsthandwerkliche“) an dem Werk. Man kann ein solches Vorgehen im Sinne der Werkintention ganz gefahrlos als „hochmanipulativ“ bezeichnen.
    In eine ähnliche Kategorie absoluter Perfidität fällt zum Beispiel die durch die Nationalsozialisten erzwungene, tägliche „frewiliige Musikkunstdarbietung“ zur „seelischen Erbauung“ der Häftlinge im Vorzeige-Konzentrationslager Theresienstadt. Daß diese „Erbauungsmöglichkeit“ für einige, musikalisch vorgebildete Lagerhäftlinge mithin zur einzigen Überlebensmöglichkeit wurde, entsprach jedoch gewiß nicht der Intention der Nationalsozialisten.
    aus 1. folgende, zwanghafte Eindeutigkeits-Behauptung über den ideologisch-zwanghaft symbolbindenden Kontext (autoritäre Fiktion: „Symbole gehören zusammen“, s.o.). Trennbar ist der artifizielle „Zusammenhang“ schon allein aus Konzeptgründen NICHT durch jedwede, durch den i.d.R. kunsttheoretisch ungeschulten Betrachter vermeintlich „frei“ wählbare Vorbeigeh-Bewegungsrichtung. Denn ob man als Betrachter des Werkes nun „freiwillig“ von links nach rechts an selbigem vorbeiläuft, oder ob man nun die umgekehrte Gehrichtung wählt, es entsteht jedesmal die gleiche, falsche Synthese (autoritäre Fiktion: „Symbole gehören zusammen“). Das Werk zeigt hier die zugrundeliegende Intention des K., das Judentum nebst all seiner Angehörigen durch eine ideologisch motivierte Behauptung erneut zurück an den Nationalsozialismus ketten zu wollen. Die sekundäre Botschaft des subtext-ähnlichen Interpretats lautet in etwa: „Schaut euch doch an, ihr Juden, ihr werdet euch nie von euren Peinigern lösen können“.
    aus 3. folgende, absichtliche Instrumentalisierung von Kunst zu anderen, mithin politisch-ideologischen Zwecken des K. Der Galerist fährt hier zumindest Trittbrett, und verweigert zunächst ebenfalls jede vernunftbestimmte Werkkritik.
    der bedingte Vorsatz zum Handeln des K. in Bezug auf die vorsätzlich strukturierte und präformativ-autoritäre Ansprache einer unspezifischen Rezipientenschaft im Sinne von 3./5. ergibt sich schon allein aus dem Wahrnehmungsspiel-bezogenen Vorgehen (Delegationsprinzip: „Rezipient ist allein dafür verantwortlich, wenn er das Werk entweder so, oder auch ganz anders interpretiert, oder ob dieser nun aus einer bestimmten Richtung am Werk vorbeiläuft)“. K. entzieht sich hier nicht nur sämtlicher Verantwortung für das eigene, künstlerische Handeln, Denken und Mitteilen im rahmen des Werkes selbst, sondern er entzieht sich ebenso vorsätzlich schon im Vorfeld jeglicher fundierten Werkkritik. Ähnlich Verantwortungs-delegierend verhält sich auch dessen Galerist. Hier bleibt es zudem unerheblich, ob K. nun seinen Galeristen lediglich zum Sprechen vorausschickt(e), oder ob dieser das Spiel aus wirtschaftlichem und reputativem Eigeninteresse von sich aus mitspielt.

    • Markus Leuthel schreibt:

      Sorry für die offensichtlich beim Posten verschluckte Formatierung.
      Die einfache Nummerierung von Absätzen scheint auf WordPress nicht so zu funktionieren, wie in nicht-webgestützen Texteditoren.

      Hier also nochmal strukturiert (und geringfügig korrigiert / ergänzt):

      (1)
      K. kontextualisiert zwei historisch / kulturell differente Symbole absolut willkürlich.
      Dadurch entsteht direkt – und nur scheinbar nebensächlich – eine das Werk „als Kunst“ final entwertende Beliebigkeit. Hinzu kommt noch die gewollt-plakative Bildwirkung, welche die Gehbewegung des Betrachters im Raum vor dem Werk notwendig mit einbezieht.
      Hinsichtlich einer möglichen Auswahl zwischen nur zwei Symbol-Alternativen ist jedoch der Betrachter eines ausgestellten, künstlerischen Werkes letztlich gar nicht wirklich frei, sich für eines von beiden Symbolen Ideologie-bindungsfrei zu entscheiden, und nimmt somit auch im Fall der durch den Werkschöpfer ziemlich sicher antizipierten, „gutmenschlichen“ Entscheidung für den Magn David gleich alle dazu passenden Vorurteile über dieses für Juden fundamental bedeutsame Zeichen „aus dem eigenen Kopf heraus“ – wie durch den K. mit hoher Wahrscheinlichkeit so intendiert – mit. Das Werk erhält dadurch einen fast dämonischen Bindungscharakter. Als würde dem K. die historisch-epochale, konkrete Täter-Opfer-Bindung nicht schon ausreichen, setzt er hiermit sogar noch einen drauf. Das wirkt wie ein bewußtes Nachtreten in Richtung aller ermordeten und überlebenden Opfer der Shoa.

      (2)
      Eine vermeintlich „beliebige Interpretationsmöglichkeit“ stellt lediglich eine Schutzbehauptung des K.,respektive zunächst seines Galeristen dar, und zwar anhand der erkennbar willkürlich dem Betrachter zugeschobenen „wertfrei“-Fiktion („Ist ja nur deine Angelegenheit, was du hier erkennen willst“). So etwas Perfides brachte nicht einmal die stalinistische Arbeiterplakatkunst in ihren allerschlimmsten Zeiten zustande. Und diese hatte – sowohl formal als auch inhaltlich – schon mehr als genügend totalitäre Züge an sich.
      Hier lügt K. sogar ein Stück weit „mit der Wahrheit“, denn sein Werk ist zwar in-sich beliebig und setzt eine willkürliche Nähe zwischen den zwei Eigenkontext-differenten Symbolen nebst deren jeweiligem Konnotatevorrat, aber K. leitet Wert und Bewertungen dieser Beliebigkeit vorsätzlich zum interpretierenden Betrachter um, und entledigt sich somit (scheinbar wirksam) jeglicher Verantwortung für mögliche Erklärungsnöte aufgrund seines spezifisches Vorgehens.
      Wer ihn dennoch fundamental kritisiert, wird – wie zumindest zwischen den Zeilen durch den Galeristen bereits geschehen – als eine Art von „Bild-Interpretations-Verschwörungstheoretiker“ diffamiert, allerdings ohne, daß dies bislang explizit so ausgedrückt würde. Das Werk ist somit keineswegs „freilassend künstlerisch“ verfaßt, weder im Rahmen der Werkmethodik und Ausstellungsweise, noch hinsichtlich seiner bloßen Werkintention, sondern es wirkt in seiner Diktion und Gesamterscheinung in höchstem Maße autoritär. Diese Art der schon fest ins Werk implementierten Selbstimmunisierung des K. gegenüber möglicher Kritik an seinem Werk wurde durch diesen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vor der Erstellung gezielt einkalkuliert. Das gesamte Vorgehen wirkt in der distanzierten Zusammenschau wie ein eine Art intellektuellen Racheaktes gegenüber der jüdischen Welt als solcher, und damit wie ein bewußt gesetzter Stich ins Herz einer gesamten, historisch gewachsenen Kultur.

      (3)
      Es handelt sich um die Verbreitung der Kernthese einer politisch-ideologischen Agenda über den Hebel eines „den Betrachter scheinbar freilassenden, ambivalenten Wahrnehmungs- und Interpretationsangebots“. Zumindest legt dies die Behauptung des Galeristen nahe, daneben ergibt sich Ähnliches aus der Werkgestaltung selbst.
      Insgesamt stellt dies seitens des K. als Werkersteller einen sehr konkret faßbaren, konzeptionell und methodologisch-werktechnischen Kunstgriff dar, und ist mithin das einzig „Künstlerische’“ (oder „kunsthandwerkliche“) an dem Werk. Man kann ein solches Vorgehen im Sinne der Werkintention ganz gefahrlos als „hochmanipulativ“ bezeichnen. Denn die Ablenkung durch den vom Betrachter auszuführenden Bewegungseffekt dient lediglich dazu, die inliegende Verknüpfungs-Agenda zu verschleiern, und nimmt somit die Rolle eines „Teasers“ ein.
      In eine ähnliche Kategorie absoluter Perfidität fällt zum Beispiel die durch die Nationalsozialisten erzwungene, tägliche, „freiwiliige Musikkunstdarbietung“ zur „seelischen Erbauung“ der Häftlinge im Vorzeige-Konzentrationslager Theresienstadt. Daß diese „Erbauungsmöglichkeit“ für einige, musikalisch vorgebildete Lagerhäftlinge mithin zur einzigen Überlebensmöglichkeit wurde, entsprach jedoch gewiß nicht der Intention der Nationalsozialisten.

      (4)
      Nun die aus 1. folgende, zwanghafte Eindeutigkeits-Behauptung über den ideologisch-zwanghaft symbolbindenden Kontext (autoritäre Fiktion: „Symbole gehören zusammen“, s.o.). Trennbar ist der artifizielle „Zusammenhang“ schon allein aus Konzeptgründen NICHT durch jedwede, durch den i.d.R. kunsttheoretisch ungeschulten Betrachter vermeintlich „frei“ wählbare Vorbeigeh-Bewegungsrichtung. Denn ob man als Betrachter des Werkes nun „freiwillig“ von links nach rechts an selbigem vorbeiläuft, oder ob man nun die umgekehrte Gehrichtung wählt, es entsteht jedesmal die gleiche, falsche Synthese (autoritäre Fiktion: „Symbole gehören zusammen“, s.o.). Das Werk zeigt hier die zugrundeliegende Intention des K., das Judentum nebst all seiner Angehörigen durch eine ideologisch motivierte Behauptung erneut zurück an den Nationalsozialismus ketten zu wollen. Die sekundäre Botschaft des subtext-ähnlichen Interpretats lautet in etwa: „Schaut euch doch an, ihr Juden, ihr werdet euch nie von euren Peinigern lösen können“.

      (5)
      Ebenfalls erscheint insgesamt eine aus 3. folgende, absichtliche Instrumentalisierung von Kunst zu anderen, mithin politisch-ideologischen Zwecken des K.
      Jede anderweitige Erklärung erscheint aufgrund der konzentrierten Form und Plakativität des Werkes als unrealistisch und somit als ausschließbar. Da der Ersteller des Werkes davon ausgehen konnte, daß jemand sich das Werk etwas genauer ansehen würde, anstatt lediglich am plakativen Effekt hängenzubleiben, ergibt sich zusätzlich der eindeutige Wille zur Provokation und „Tabubrechung“. Hier setzt K. offensichtlich voraus, es gäbe ein entsprechendes Tabu tatsächlich („man darf ja wohl nie etwas über Israel und Juden sagen, sonst…“), und setzt die entsprechende (vermeintlich notwendige) Selbstabsicherung mit in sein Werk ein. Allein damit stellt er sich schon eindeutig in die Tradition antisemitischer Propaganda in Form des „Gerüchtes über die Juden“.

      (6)
      Der Galerist fährt hier zumindest Trittbrett, und verweigert zunächst ebenfalls jede vernunftbestimmte Werkkritik, indem er das Werk überhaupt zwar erst ausstellt, jedoch die ihm gegenüber dann konkret vorgebrachten Kritikpunkte ausweichend in Abrede stellt.
      Der bedingte Vorsatz zum Handeln des K. in Bezug auf die vorsätzlich strukturierte und präformativ-autoritäre Ansprache einer unspezifischen Rezipientenschaft im Sinne von 3./5. ergibt sich schon alleine aus dem Wahrnehmungsspiel-bezogenen Vorgehen (Delegationsprinzip: „der Rezipient ist allein dafür verantwortlich, wenn er das Werk entweder so, oder auch ganz anders interpretiert, oder ob dieser nun aus einer bestimmten Richtung am Werk vorbeiläuft)“. K. entzieht sich hier nicht nur sämtlicher Verantwortung für das eigene, künstlerische Handeln, Denken und Mitteilen im Rahmen seines Werkes, sondern er entzieht sich ebenso vorsätzlich schon im Vorfeld jeglicher fundierten Werkkritik. Ähnlich Verantwortungs-delegierend verhält sich auch dessen Galerist. Hier bleibt es zudem unerheblich, ob K. nun seinen Galeristen lediglich zum Sprechen vorausschickt(e), oder ob dieser das Spiel aus wirtschaftlichem und reputativem Eigeninteresse von sich aus mitspielt.

  13. Maria schreibt:

    Das ist eine Provokation, die der Künstler nötig hat, um sich interessant zu fühlen. Das ist doch armselig. Ich bin Deutsche aramäischer Herkunft. Viele meiner Vorfahren wurden Opfer des Genozids in der Türkei während des 1. Weltkriegs. Insofern kann ich als Nachkomme eines Volkes, das ein Genozid durchleiden musste, die heutigen Juden verstehen, wenn sie sich von solchen Provokationen gekränkt und irritiert fühlen. Den Opfern wurde das Schlimmste angetan, was vorstellbar ist, kleine Kinder misshandelt, medizinische Versuche, Schwangere getötet, Frauen und Männer zu Tode geschuftet, an Hunger und Willkür zugrunde gerichtet, einfach jeder, der den Nazis nicht passte, wurde bestialisch behandelt. Und jetzt kommt so ein Werk und verhöhnt die Opfer und die heutigen Nachkommen der Überlebenden. Setzt ein Zeichen für Mitgefühl und Fortschritt, nicht für Kälte und Hass. Das was ihr hier an „Kunst“ zulässt, ist niveaulos.

    Und zu Mirko, der hier Jesus zitiert hat: es ist richtig, dass Jesus die Juden kritisierte, aber er liebte sie auch und wollte sie bekehren. Dein Zitat ist Quatsch. Die Juden waren seine erste Wahl. Wer Jesus versteht, weiß, dass er nicht pauschal verurteilt, sondern retten will. Jesus ist Liebe und Vernunft. Das Hakenkreuz ist übrigens ein indisches Symbol und bedeutet nur Glück. Es hat keine göttliche Bedeutung.

  14. Mirko schreibt:

    Ich finde das geht gar nicht. Wenn das der Führer wüsste!!!

    Das Hakenkreuz steht fuer Gott. Der Judenstern für Satan.

    „,Ihr (Juden) habt den Teufel zum Vater“

    Jesus-

    Heil ihm im Siegerkranz

  15. danielanderson1502 schreibt:

    Diese Mail habe ich gerade an den Galeristen geschickt. Ich bin gespannt, ob er antwortet.

    Sehr geehrter Juan Cárdenas Romero,

    mit außerordentlicher Irritation und größer werdendem Entsetzen habe ich zunächst das ‚Kunstwerk‘ Ihres ‚Künstlers‘ Juraj Kralik auf der ‚Art Fair‘ in Köln wahrgenommen. Mit noch größerem Unverständnis und weit aus mehr Entgeisterung habe ich Ihr Antwortschreiben an Gerd Buurmann zu Kenntnis genommen.

    Ich frage mich nun, ob Sie mir nicht eine der vielen Interpretationsmöglichkeiten, die Ihnen scheinbar einfallen, darlegen könnten. Ich meine damit nicht die von Herrn Kralik, sondern Ihre eigene Deutung dieses ‚Werks‘. Denn für mich lässt das gezeigte Exponat trotz intensiven Nachdenkens und aller Gutwilligkeit nur einen Schluss zu, denn die mediale Verkürzung auf die beiden Staatssymbole führen mich zwangsläufig immer wieder zu diesiem Gedanken: Der demokratische Staat Israel wird in eine traditionelle Beziehung des nazionalsozialistischen Deutschlands gebracht, so, als wäre der Staat Israel ein wie auch immer gearteter Rechtsnachfolger und wäre in jeglicher Beziehung der Tradition des sogenannten ‚3.Reiches‘ verpflichtet bzw. würde dessen Politik und Ideologie in der Gegenwart fortsetzen. Ich empfinde das mit meiner jüdischen Familiengeschichte – viele Mitglieder meiner Familie sind durch die Nazis in Lagern ermordet wurden – nicht nur als infam, sondern die 6 Millionen Opfer des Holocaust werden noch einmal durch so ein ‚Werk‘ ermordet, ihr Sterben wird delegitimiert.

    Das Statement, dass Sie, Herr Romero, und Herr Kralik abgeben, geht aber m.E. sogar noch einen Schritt weiter, denn hier wird dazu aufgefordert den jüdische Staat – mithin die einzige Demokratie in der Region und der einige Land, in dem Juden sich einigermaßen sicher fühlen dürfen – zu zerstören, denn, ebenso wie das ‚Deutsche Reich‘ zerstört werden musste, um das Morden zu beenden, soll auch der jüdische Staat zerstört werden. Der ‚Künstler‘ dient sich damit dem gerade jetzt virulent aufflammenden Judenhass jeglicher Coleur an, und Sie sind offensichtlich mit ihm einer Meinung.

    Es würde mich tatsächlich sehr interessieren, wie Sie dazu stehen. Sind Sie der Meinung, dass der Staat Israel ausgelöscht werden sollte, wie es verschiedene Ideologien und Bewegungen rund um den Globus fordern? Sind Sie der Ansicht, dass man Juden uneingeschränkt ermorden und ihnen das Recht zu leben absprechen darf? Geben Sie all den irrationalen Judenhassern Recht, deren Antisemitismus sich mit einer vehementen Israelkritik tarnt?

    Vor nicht mal zwei Jahren wurde auf deutschen Straßen wieder gefordert, Juden ins Gas zu schicken. Teilen Sie diese Forderung?

    Zu der faschistischen Tradition der Ausstellungshallen in Köln möchte ich mich nicht äußern, denn das hat Herr Buurman ausführlich auf seinem Blog schon getan.

    In Erwartung Ihrer Antwort,

    Daniel Anderson
    – Berlin, Deutschland –

    • Markus Leuthel schreibt:

      Danke für einen der jemals Besten, und zugleich sachlichsten Beiträge hier auf Gerds Blog. Die wesentlichen Fragen stehen jetzt so im Raum, wie sie unverrückbar in den Raum gestellt werden müssen.

  16. Sophist X schreibt:

    …jedoch stehen Pressefreiheit und Freiheit der Kunst als unumstößliche Grundsätze unserer Demokratie…

    Ich bezweifle, dass der sich für islamkritische Kunst genauso ins Zeug legen würden. Hoёcker, sie sind raus.

    wie mehrere Dutzend anderer Interpretationswege, die mir spontan einfallen könnten.

    Sicher. Mehrere Dutzend spontane Wege, seinen Judenhass zu kaschieren, indem man von der Hauptwirkung des Scheißwerkes abzulenken versucht.

  17. Philipp schreibt:

    „Mir ist sehr daran gelegen, mit diesem Werk zu einem gesellschaftskritischen Diskurs anzuregen bzw. aufzufordern.“

    Aha und diese Diskussion dreht sich dann um welches Thema? Ob „die Israelis“ tatsächlich „die neuen Nazis“ seien? Oder soll es um Antisemitismus in Spanien7Deutschland gehen?

  18. abusheitan schreibt:

    Ein weiteres „Werk“ des „Künstlers“ zeigt von einer Seite ein Herz und von der anderen das bekannte Logo „LOVE“.
    Von der Bedeutung sind also beide Seiten gleich gesetzt.
    So ist auch die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern beabsichtigt.

    • Gisela Dasen schreibt:

      Ganz genau, das lässt sich nicht abstreiten – von wegen, „mehrere Dutzend andere Interpretationsmöglichkeiten“!

    • HM schreibt:

      abusheitan schreibt:
      Oktober 28, 2016 um 9:59 pm

      Ein weiteres „Werk“ des „Künstlers“ zeigt von einer Seite ein Herz und von der anderen das bekannte Logo „LOVE“.
      Von der Bedeutung sind also beide Seiten gleich gesetzt.
      So ist auch die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern beabsichtigt.

      Welch merkwürdige Logik und eindimensionale Betrachtungsweise.
      Also weil die Machart eine Werkes vergleichbar ist, muss auch die Interpretation identisch sein.
      Diese Kausalschlüsse funktioniren bei technischen Geräten wie Toastern und Heckenscheren, aber nicht auf diesem Gebiet.

  19. anti3anti schreibt:

    Sehr geehrter Herr Juan Cárdenas Romero,

    der Davidstern ist das Symbol des Judentums. Das „Kunstwerk“ vermittelt, dass Juden Nazis sind und Nazis Juden. Der Künstler leugnet den Holocaust, indem er ihn zum Massenselbstmord degradiert.

    Sicher gibt es auch andere, bessere Interpretationen: Der Davidstern symbolisiert Ostafrika und das Hakenkreuz die spanische Regierung.

    Mit frankistischen Grüßen

    anti3anti, Jude und symbolischer Spanierhasser

    • Markus Leuthel schreibt:

      Der „Künstler“ namens K. könnte ja mal den Titelschriftzug eines „Ostara“-Hefts und einen Hakenwurm nebeneinander setzen. Und eine Galerie namens K.(R.) könnte das dann voll mutig gegen alle Widerstände der Vernunft und bildkünstlerischen Ethik ausstellen.
      Das wäre immerhin um zehnhundert bis zigtausend bis vierziggigamillionen Stufen subtiler in der künstlerischen Aussage als der aktuelle Tinneff.
      Die zuständigen Tierschutzverbände würden dem K. und der K.(R.) wahrscheinlich ordentlich eins husten. Auch ein durch weltweite Entrüstung geprägter Eierklopfer-Anschlag durch den Verband Globaler Osterhasen (V.G.O.) wäre durchaus denkbar.
      Nicht, daß sie es nicht beide verdient hätten…

      https://de.wikipedia.org/wiki/Ostara
      https://de.wikipedia.org/wiki/Hakenwürmer

    • anti3anti schreibt:

      Sehr geehrter Herr …

      derzeit erhalte Ich sehr viele Anfragen;
      Viele Dieser Mails beinhalten positives Feedback sowie fundierte Kenntnisse in Kunstgeschichte.
      Es sind auch viele Mails dabei die starke Kritik an dem Werk von Kralik äußern.
      Gerne beatworte ich jedes erhalte Mail individuell jedoch werde ich mit Ihrer Mail keine Zeit verschwenden.

      Unten erhalten Sie Antwort-Mail an Herrn Buurmann, welches er ohnehin schon im Netz veröffentlicht hat.

      Mit sehr freundlichen Grüßen

      Juan Cárdenas Romero
      http://www.kirroyal.es

      touché!

  20. A.S. schreibt:

    Dann soll der Herr doch die mehrere Dutzend anderer Interpretationswege, die ihm spontan einfallen könnten, auch mal nennen.
    Oder ist es in Merkels postfaktischem Zeitalter auch in der Kunst üblich geworden Fakten (hier „Interpretationswege“) nicht mehr zu nennen sondern nur deren Existenz einfach zu behaupten?

  21. unbesorgt schreibt:

    Ja ja, die freie Interpretation der Kunst! Also ich habe darin die dialektisch determinierte Gestaltungsmacht des Teebeutels im Antagonismus zur fortschreitenden Ausrottung des Feldhamsters erblickt. Und genau das wollte uns der Künstler damit auch sagen!

  22. Markus Leuthel schreibt:

    Eine Kunstgalerie, die sich ausgerechnet „Kir Royal“ nennt, die hat eigentlich schon seit der Namensgebung fertig. Dabei hätte eigentlich schon eine zweiminütige Google-Recherche genügt, um sich einen passenderen Namen auszusuchen. „Such mir ein Gehirn“ wäre nämlich vielleicht doch passender gewesen. „Kir Royal“ = ein im Trinkverlauf viel zu süß werdender, vordergründig schmeckender, klebriger Mode-Drink der deutschen Möchtegern-Schickeria der 80er Jahre. DAs war genau die Zeit, als ein führendes, deutsches Boulevardmagazin auf einen Kunstfälscher namens Kujau reingefallen ist. Das paßt zum Drink. In dem Sinne dürfte also kaum eine intelligentere Antwort von jemandem zu erwarten sein, der sich „Kir Royal“ nennt: Selbstbetäubung und Selbstüberschätzung in perfektem Einkalng. Der Rest ist „Leifsteil“-Attitüde. „Gallery of all possible Befindlichkeiten“ wäre ein geeigneter Subtext zum Namen.

    Übrigens: der französische Erfinder des unsäglichen Gesöffs ist zwar 1944 der Gestapo entkommen, aber nun hat ihn wohl ein völlig überschätztes Yuppie-Erfrischungsgetränk von hinten eingeholt.

  23. limbischessystem schreibt:

    Antisemitismus als Dummheit getarnt:
    … wie mehrere Dutzend anderer Interpretationswege, die mir spontan einfallen könnten.
    Wenn es nicht so infam wäre, reine Lächerlichkeit und hohle Behauptungen?

  24. caruso schreibt:

    Künstlerische Freiheit hin, künstlerische Freiheit her: Ich glaube nicht, daß ein solches „Werk“ jemanden einfällt, der nicht der Meinung ist, Israel verhält sich mit den PalAraber so, wie die Nazis seinerzeit mit den Juden. Ginge es um das Verhältnis Deutsche und Juden, wäre das ein ganz anderes Werk. Das „Werk“ ist eine große Scheiße, nichts anderes.
    lg
    caruso

  25. Albrecht Hermann schreibt:

    Wie infam! Ein Wechselbild zwischen dem Davidstern und dem Hakenkruez als „Kunst“
    zu deklarieren!
    Unter dem Hakenkreuz sind Millionen Juden ermordet worden und es wird im Wechsel mit dem rettenden Davidstern benutzt! Haben der Künstler und die Galerie alle Sensibilität für die Gefühle der Überlebenden und deren Nachkommen verloren (wenn sie diese je gehabt haben)?
    Das Zeigen dieses furchtbaren Symbols ist doch strafrechtlioch bewehrt? Oder??

    • Markus Leuthel schreibt:

      Ich vermute mal, derartige Sensibilität hat bei denen nie wirklich existiert.
      Den K. wird wahrscheinlich keine seriöse Galerie ausstellen, und das übrigens auch dann nicht, falls er bloß die Vereinsfahnen zweier Regional-Fußballclubs nebeneinander verwurstet hätte.
      Denn schon der bloße Werkansatz hat mit Kunst nichts zu tun, sondern ist völlig banal.
      Eine billige Polit-Deko-Psycho-Effekt-Masche, deren vakuöser Zustand durch den „Künstler“ dann mit Beliebigkeits-Dünnsinn, respektive mit politischem Dafürhalten aufgefüllt werden muß.
      Im Vergleich dazu sind – nur als schnelles Beispiel – sämtliche Werke von George Grosz echte Kunst, denn sie weisen troz der in ihnen teils sehr dramatisch verarbeiteten Weltkriegs-Sujets weit über jegliche, bloße „Botschaften“ hinaus.

      Obwohl… in Frankfurt könnte der K. vielleicht sogar den Adorno-Preis bekommen.
      Den hat die Judith Butler schließlich auch gekriegt. Einfach so, „weil man es konnte“.

  26. skl schreibt:

    Ich stelle mir gerade die Scheiße vor, die geflogen wäre, wenn das nicht die Flagge Israels, sondern die eines Unterdrückerstaats wie Palästina gewesen wäre. Wie schnell das sowas von keine Kunst mehr gewesen wäre!

    • Markus Leuthel schreibt:

      Ja, wahrscheinlich.
      Das wäre allerdings – im Sinne eines ernstzunehmenden, künstlerischen Prozesses – ebenso absurd gewesen.

      Selbst die in der Vergangenheit genügend zahlreich fotografisch dokumentierten Hitlergruß-Einschwör-Rituale irgendwelcher, arabischer Testosteron-Junggangster im Post-PLO-Umfeld würden – als Hintergrundinformation oder „Meinungshintergrund“ für einen künstlerischen Entwicklungsprozeß – nicht zur Rechtfertigung dienen können, jeglicher seriösen und tiefgründigen Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Prozeß In-sich-selbst auszuweichen, nur um dann derart banalen, entwicklungslosen Dreck auf den ohnehin sehr schwierig gewordenen Kunstmarkt zu werfen.
      Das Zeug von diesem Kralik taugt ja nicht mal als Deko, und das will schon was heißen.

      Ich sags nicht gerne: sogar Hitlingers generell menschenleere, oft hölzern wirkende und perspektivisch meist völlig ungekonnten Aquarelle im Heinrich-von-Alt-Stil waren in diesem Sinne „ehrlicher“ – obgleich natürlich in anderer Hinsicht unerträglich.

  27. Hessenhenker schreibt:

    Kunst darf halt alles.
    Ich versuche mich gerade an einem künstlerisch höchst wertvollen Merkel-Portrait aus Pansen.

  28. Ulf Renner schreibt:

    Unsäglich. Aber genau das war zu erwarten. Unfaßbar, welche Scheiße angeblich unter Kunst- und „Pressefreiheit“ fällt.

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