Was wir vom Islam lernen können

Es gibt in Deutschland keine strikte Trennung von Staat und Kirche. Nach Artikel 140 des Grundgesetzes in Verbindung mit Artikel 137 der Weimarer Verfassung, die dem Grundgesetz bei der Gründung der Bundesrepublik Deutschland angehängt wurde, gibt es gewisse Religionsgemeinschaften, die als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind und somit durch die Staatsgewalt Steuern für sich erheben können.

All die vom Staat als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannten Religionsgemeinschaften haben Vertreter, die als Gesprächspartner für den Staat fungieren. Damit auch islamische Religionsgemeinschaften als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt werden, die dann befugt ist, von den Mitgliedern ihrer Gemeinde Steuern einzutreiben, braucht es islamische Religionsvertreter, die offiziell für den Islam mit den staatlichen Vertretern sprechen.

Wer kann so ein Gesprächspartner für den Islam sein?

Bassam Tibi ist ein deutscher Politikwissenschaftler muslimischen Glaubens. Er hat 1991 den Begriff des „Euro-Islams“ und 1998 den der „Leitkultur“ geprägt und eingeführt. Er beantwortet die Frage wie folgt:

„In Frankreich aber auch in anderen europäischen Ländern, stellt sich die Frage nicht. Der deutsche Staat und die deutschen Kirchen wollen dem Islam ein christliches Kirchenmodel aufzwingen. Wir Muslime sind einzelne Individuen. Ich möchte nicht, dass eine islamische Staatskirche mich vertritt. Das ist eine Verletzung meines religiösen Glaubens. Mein religiöser Glaube basiert auf meiner Individualität. Und dieses Argument, der Staat und die Kirchen brauchen einen Gesprächspartner, zum Beispiel der Zentralrat der Muslime, das lehne ich ab! Das lasse ich für mich nicht gelten. Ich habe große Angst davor, denn bei uns im nicht-reformierten Islam gibt es keine Religionsfreiheit. Da habe ich keine Freiheit, den Islam zu verlassen. Wenn ich den Islam verlasse, dann ist das Apotasie und jeder Moslem kann mich umbringen. Das ist Scharia-Recht. Es gibt einen Iman in Ägypten, der sagt: ‚Es gibt keine Strafe im Islam für den Moslem, der einen Apostaten tötet.‘ Wenn es in Deutschland eine Staatskirche gäbe, die vom Zentralrat der Muslime vertreten wird, ich würde den Islam verlassen. Ich möchte mich vom Zentralrat der Muslime nicht vertreten lassen. Das ist nicht mein liberaler Islam. Dann gelte ich als Nicht-Moslem und dann kann jeder Moslem mich umbringen. Daher mein Aufruf an die Vernunft der deutschen Politiker und der Kirchenleute: Hört auf damit, uns als Umma-Kollektiv zu sehen. Wir sind einzelne Individuen! Sprecht mit einzelnen individuellen Muslimen. Wir sind kein Kollektiv und ich möchte zu dem Kollektiv, das ihr aufbaut, nicht gehören. Ihr verletzt mein Grundgesetzrecht auf Glaubensfreiheit!“

Bassam Tibi erklärt, an dem Tag, da der Islam zur Staatskirche wird, den Islam zu verlassen. Recht hat er! Ich bin aus genau diesem Grund aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. Ich bin nicht ausgetreten, weil ich kein Christ bin, sondern weil ich nicht Mitglied einer Religionsgemeinschaft sein will, die mit einem Staat paktiert. Religion ist nämlich Privatsache.

Mein Austritt hatte jedoch zur Folge, dass ich jetzt für die römisch-katholische Kirche weltweit kein Katholik mehr bin. Das ist genau der Skandal, den Bassam Tibi anspricht.

Nur weil ich aus einer deutschen Staatskirche ausgetreten bin, gelte ich weltweit als Nicht-Katholik. Ich kann vom Glück sprechen, dass das nur bedeutet, dass ich an keinem Ort der Erde mehr an einem römisch-katholischen Abendmahl teilnehmen darf. Wäre ich Moslem und Mitglied einer islamischen Staatskirche in Deutschland und würde dann austreten, hätte das zur Folge, dass ich ganz offiziell und mit bürokratischem Segen Deutschlands zum Apostaten würde, ein „Verbrechen“, auf das in manchen Ländern der Welt die Todesstrafe steht.

Mit der Einführung einer islamischen Staatskirche und der daraus resultierenden Möglichkeit des offiziellen Austritts aus dem Islam schafft Deutschland so einen staatlichen Status, der in manchen Ländern ein Todesurteil zur Folge hat.

Es braucht keinen Staatsvertrag mit dem Islam. Es gibt schließlich auch keinen Staatsvertrag mit Buddhisten, Atheisten und Helene Fischer Fans, wobei die letzte Gruppe vermutlich der extremistischste Kult sein dürfte. Das heißt aber auch, dass es ebenfalls keinen Staatsvertrag mit anderen Religionsgemeinschaften geben darf. Deutschland muss daher endlich den entscheidenen Schritt der Aufklärung gehen und Religion generell zur Privatsache erklären:

Die Zusätze der Weimarer Verfassung müssen ersatzlos aus dem Grundgesetz gestrichen werden!

Christen, Muslime und Juden sind gewiss auch ohne Staatsvertrag zum Dialog mit Deutschland fähig. Atheisten sind es schließlich auch.

Besonders das Christentum hat zur Zeit die deutschen Gesetze fest im Griff. Karfreitag zum Beispiel heben einige Bundesländer die Freiheit der Kunst auf und bestimmen, welche Stücke gezeigt werden dürfen. Im Jahr 2011 zum Beispiel durfte die Oper „Salome“ zwar gezeigt werden, „Madame Butterfly“ jedoch nicht. Am 29. März 2013 wiederum wurde in der Oper Köln Richard Wagners “Parsifal” gegeben. Zur gleichen Zeit wurde in Bochum im Sozialen Zentrum an der Josephstraße der Film “Das Leben des Brian” gezeigt. Gegen diese angebliche Gotteslästerung eröffnete das Rechtsamt der Stadt Bochum ein Bußverfahren. Gegen Wagner wurde keine Klage erhoben! Zudem gibt es in einigen Bundesländern an Karfreitag ein Tanzverbot. Taliban light!

Der deutsche Staat zieht Kirchensteuern ein, macht den christlichen Sonntag für alle Bürgerinnen und Bürger verbindlich und erlaubt es staatlich finanzierten Einrichtungen unter christlicher Trägerschaft, die christliche Sexualmoral von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Privatleben zu erzwingen.

Das Christentum ist die größte Religionsgemeinschaft in Deutschland. Die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Deutschland ist der Islam und islamische Autoritäten pochen nun auf das Gleichheitsprinzip. Der deutsche Staat, der es Christen erlaubt, unter Umständen Kunst zu verbieten, wird irgendwann den Muslimen ebenso entgegenkommen, wenn es genug Muslime in Deutschland gibt.

Im November 2013 wurden unter dem Kurator Manfred Reichel in einem Flur der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf Ölmalereien, Lithografien und Zeichnungen von Städten und Menschen ausgestellt. Darunter waren auch sechs Aktbilder, die jedoch einen Tag später wieder abgehängt wurden – aus Rücksicht auf Muslime. Diese Bilder wurden im November 2013 abgehängt. Ich muss unweigerlich an dieses und an dieses Aktbild denken. Diese Bilder wurden vor etwas längerer Zeit in Deutschland entfernt – aus Rücksicht vor dem deutschen Geschmack, der schon damals gut mit dem Islam konnte.

Vielleicht wird der deutsche Staat bald alle deutschen Bürgerinnen und Bürger zwingen, ihre Geschäfte am Samstag zu schließen, aus Respekt vor dem Judentum, für den der Samstag so heilig ist wie für Christen der Sonntag.

Entweder herrscht Religionsfreiheit in Deutschland, dann müssen alle Religionen gleich behandelt werden, oder eben nicht. Solange es keine eindeutige Trennung von Staat und Kirche gibt, solange Christen in Deutschland Privilegien genießen, ist es das Recht eines jeden Moslems, diese Privilegien auch einzufordern. Entweder bekommen Muslime genau so viele Privilegien wie Christen oder Deutschland wird in Sachen Religion liberaler. Jeder kann glauben, woran er will, aber er darf seinen Glauben nicht von Ungläubigen erzwingen.

Die zuständige Kulturstadträtin des Bezirks Marzahn-Hellersdorf, Juliane Witt (LINKE), erklärte übrigens zu der Entscheidung, die Aktbilder zu entfernen, Marzahn-Hellersdorf stehe für beides, „Freiheit der Kunst und interkulturelle Öffnung“. Genau da liegt das Problem: Freiheit der Kunst und kulturelle Öffnung sind nicht gleichrangig zu bewerten! Menschenrechte haben immer Vorrang vor einer kulturellen Öffnung. Die Menschenrechte sind keine Verhandlungsmasse auf dem Jahrmarkt der Kulturen. Das Grundgesetz ist kein Richtwert sondern Gesetz! So wenig wie es Angela Merkel gestattet sein darf, homosexuellen Menschen gleiche Rechte zu verwehren, nur weil sie dabei ein ungutes Gefühl hat, ebensowenig darf die Freiheit der Kunst eingeschränkt werden, nur weil Ayasha Merkel beim Anblick einer nackten Frau ein ungutes Gefühle bekommt.

Wenn es hart auf hart kommt, wenn Christentum, Islam und Aufklärung in eine Auseinandersetzung geraten, werden sich mit an ziemlicher Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Christentum und Islam gegen die Aufklärung verbünden. Gegen die Vernunft haben sich Religionen, die sich sonst spinnefeind sind, immer schon bestens verbünden können. Nichts gegen einen festen Glauben an Gott, aber Staat und Kirche müssen getrennt sein! Es ist schlicht unmöglich, dass ein Atheist einen Gläubigen dadurch beleidigen kann, dass er sich nicht an seine Regeln hält! Außerdem darf der Staat nicht bestimmen, was eine Religion ist und was nicht.

Ich habe die Vermutung, wenn es bei der Church of Scientology zu Ehrenmorden kommen würde, wenn sie Nationen an sich risse, um Scientologische Diktaturen auszurufen, wenn sie an ihrer Spitze nur Männer zuließe und Frauen verschleiern, Homosexuelle diskriminieren, Israelfahnen verbrennen und Fatwas aussprechen würde, sie plötzlich mit multi-kulturellem Verständnis rechnen dürfte. Es ist erschreckend zu sehen, was viele Leute an Scientology kritisieren, aber woanders tolerieren.

1. Den Aussteiger aus Scientology wird das Leben zur Hölle gemacht.

Viele Muslime in Deutschland bekommen Todesdrohungen, wenn sie den Islam verlassen möchten, einige Drohungen wurden sogar umgesetzt. Dennoch gibt es keine staatlich finanzierten Aussteigerprogramme für Muslime.

2. Scientology mischt sich in die Wirtschaft ein und setzt Mitarbeiter unter Druck, wenn sie nicht nach den scientologischen Prinzipien leben.

In Deutschland wird es gesetzlich toleriert, das Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten und andere Einrichtungen, die zwar staatlich finanziert aber unter kirchlicher Organisation stehen, ihre Mitarbeiter entlassen dürfen, wenn sie “in Sünde” leben, also eine sexuelle Beziehung ohne Ehe hegen. Die Arbeitgeberin Kirche befiehl unter staatlichem Schutz in die Betten ihrer Arbeitnehmer. Homosexuelle und Geschiedene dürfen entlassen werden. Für den Beruf des Pfarrers wird der Katholischen Kirche sogar das Recht auf Geschlechterdiskriminierung zugestanden, ohne das es Auswirkung auf die staatliche Unterstützung der Kirche durch den Staat hat.

3. Scientology sucht politische Einflussnahme.

Die christlichen und muslimischen Kirchen und Organisationen haben das Recht auf Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Christliche Feiertage werden vom Staat festgeschrieben. Allen Menschen, nicht nur den Christen, wird in einigen Bundesländern Deutschland das Tanzen, Musizieren und Theaterspielen auf Karfreitag unter Androhung empfindlicher Geldstrafen verboten.

4. Scientology will die Weltherrschaft.

Der Islam unterhält weltweit schon viele Diktaturen. Viele davon haben die verfassungsmäßige Absicht, die ganze Welt dem Islam zu unterwerfen. Es gibt somit muslimische Bomben. Wann ist das letzte Mal eine scientologische Bombe abgefeuert worden?

5. Scientology ist nur an das Geld seiner Mitglieder interessiert.

Der deutsche Staat treibt Kirchensteuern ein! Natürlich muss Scientology das Geld direkt von seinen Mitgliedern holen. Für die christlichen Kirchen übernimmt der deutsche Staat diese fiese Arbeit.

Einige werden einwenden, Scientology sei keine Religionsgemeinschaft, sondern eine Sekte, aber wer bestimmt das? Das Christentum und der Islam waren einst auch nur Sekten. Sie sind vielleicht heute etwas karitativer als Scientology, aber dafür auch historisch und aktuell deutlich gewalttätiger.

Wer nicht möchte, dass islamische Autoritäten die Privilegien erstreiten, die das Christentum in Deutschland genießt, muss für ein Ende der Privilegien in Deutschland plädieren. Es wird Zeit für eine strikte Trennung von Religion und Staat. Ja, das heißt auch, dass sämtliche christliche Feiertage des Staates durch weltliche ersetzt werden. Statt Ostern, Pfingsten und Allerheiligen gibt es dann eben den Tag des Grundgesetzes (27. Mai), den Tag der Freiheit (17. Juni) und den Tag der Deutschen Geschichte (9. November). Wer religiöse Feiertage haben möchte, soll sie sich selber nehmen. Das geht in Frankreich; das geht in den USA; das geht mit Sicherheit auch in Deutschland! Juden und Buddhisten bekommen das in Deutschland schließlich auch hin.

Deutschland kann vom Islam was lernen, nämlich die Gewissheit, dass eine Staatskirche keine gute Idee ist!

Es gibt zwei wichtige Etappen im Leben Mohammeds. Mit der Verkündung des Islams soll Mohammed im Jahr 610 in Mekka begonnen haben. Im Jahre 622 wanderte er nach Medina aus und gründete dort den ersten Islamischen Staat. War er in Mekka noch ein Gesandter und Verkünder einer göttlichen Botschaft, der man folgen konnte, wenn man wollte, wurde er in Medina zum Oberhaupt eines Staats, wo der Islam zur Pflicht wurde. Es gibt somit einen Islam à la Mekka und einen à la Medina. Für Menschen kann es nur einen Islam à la Mekka geben.

Es gibt da eine Geschichte, die sich manche Muslime erzählen:

Mohammed war ein Kaufmann. Von der Landwirtschaft verstand er wenig. Als er in Medina Bauern sah, die Dattelpalmen miteinander kreuzten, sagte er: „Vermutlich ist es besser für Euch, das nicht zu tun.“ Die Bauern hörten daher damit auf. Als jedoch die Zeit der Ernte kam, war alles verdorben. Die Bauern gingen daraufhin zum Propheten und beschwerten sich. Mohammed aber fragte: „Warum habt ihr auf mich gehört? Ihr kennt Euch in Euren irdischen Angelegenheiten besser aus als ich. Wenn ich was zur Religion sage, dann befolgt es. Wenn ich aber meine Meinung zu irdischen Dinge sage, so bin ich nur ein Mensch.“

Mohammed zog somit eine klare Trennlinie zwischen dem, was er als Gottes Gesandter verkündete, und dem, was er als seine menschliche Meinung vortrug. Daraus schließe ich, dass nach dem Tode Mohammeds alle staatlichen und politischen Geschäfte irdische Angelegenheiten von Menschen sind, die daher radikal von der Religion getrennt werden müssen. Einen Islamischen Staat kann es nur unter Mohammed geben, nicht unter Menschen. Sämtliche Islamische Staaten von heute sind somit nicht anzuerkennen. Auch Deutschland darf sich nicht erdreisten, einen Islam staatlich anzuerkennen.

Wer behauptet, er könne Gott bei einem Staat vertreten, behauptet, im Besitz der Wahrheit Gottes zu sein. Gott aber ist das Transzendente, Unbedingte und Unbegreifliche. Kein Mensch kann im Besitz Gottes sein. Wer das behauptet, lügt und lästert Gott. Staaten, die den Islam vertreten, begehen daher Gotteslästerung. Deshalb herrscht auch in allen Staaten, in denen Islam und Staat eins sind, Unterdrückung, Elend und Verzweiflung.

Der Islam muss Privatsache sein, wie jede andere Religion auch. Das ist, was der Islam lehrt.

Deutschland tut gut daran, sich in Religionsangelegenheiten vollkommen raus zu halten, auch beim Christentum. Wer behauptet, beim Staat für Mohammed oder Jesus zu sprechen, ist ein Lügner und sollte als solcher behandelt werden.

Der Buddhismus zum Beispiel hat eine ziemlich klare Haltung gegenüber allen Menschen, die behaupten, für Buddha zu sprechen. Im Buddhismus heißt:

„Triffst Du Buddha auf dem Weg, töte ihn!“

Der Aufruf zur Tötung ist zwar krass, aber vermutlich der einzig richtige Umgang mit Menschen, die behaupten, so nah an Gott zu sein, dass sie aus dieser Allmachtsphantasie heraus Menschen unterdrücken dürfen. Das Recht zur Unterdrückung im Namen eines Gottes hat jedoch kein Mensch und kein Staat!

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