„Ich sage Ihnen, ich schäme mich.“

Heute erhielt ich diesen Brief einer Leserin, den ich mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen darf.

Sehr geehrter Herr Buurmann,

bei meiner täglichen Lektüre des von mir hoch geschätzten Henryk Broder auf der Achse des Guten, bin ich auf den Link zu Ihrem Artikel „Ich klage an!“ gestoßen und möchte diesen nicht unkommentiert lassen.

Der Inhalt Ihres Artikels hat mich schier umgehauen, obwohl in letzter Zeit in (tatsächlich) unabhängigen Medien einiges darüber zu lesen war, hat mich die schiere Menge und die Tiefe der antiisraelischen und antisemitischen Tendenzen und Fakten in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wütend zurück gelassen. Ich fühle mich dem ohnmächtig ausgeliefert und begreife die Welt nicht mehr.

Uns wurde jahrzehntelang die deutsche Schuld gepredigt; Ausstellungen, Mahnmale, usw. überboten sich in der Aufarbeitung des Holocaust und nun das? Wieso, warum? Ich verstehe es nicht.

Es ist so einfach. Die Fakten sprechen für sich. Was ist da los? Warum in den öffentlich-rechtlichen Medien diese antiisraelische Berichterstattung? Warum dieser Kotau vor der Hamas? Ich bin damit groß geworden, im Fernsehen Berichte über Raketenangriffe von Palästinensern auf Israel zu sehen.

Jahrzehntelang haben wir alle in der Geschichte gewühlt, um Antworten auf den Holocaust zu finden. Gab es da Schuld in der eigenen Familie? Wie lief die Vertreibung der Juden in meinem Heimatort ab? Wir besuchten Auschwitz, Birkenau, Sachsenhausen, Buchenwald und Theresienstadt, lasen hunderte Bücher zum Holocaust, besuchten jede Ausstellung und Synagoge, jeden jüdischen Friedhof, jedes jüdisches Museum, hörten Vorträge und blieben ehrerbietend und beschämt vor jedem Stolperstein stehen, und nun das?

Der Bundespräsident legt einen Kranz vor dem Grab Arafats ab? Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht fassen. Antiisraelische Berichterstattung im Fernsehen? Unglaublich, unfassbar für mich. Das rüttelt an meinen Grundfesten als Mensch. Das rüttelt an der Hälfte meines 55 jährigen Lebens, denn mindestens die Hälfte davon beschäftige ich mich mit dem Holocaust, mit der jüdischen Kultur, mit jüdischem Leben und der jüdischen Tragödie. Warum macht Deutschland so etwas, wie es jetzt gerade passiert? Wir, die, mit der ach so hohen Moral.

Ich sage Ihnen, ich schäme mich. Ich schäme mich! Ich schäme mich für dieses Land, in dem ich geboren wurde, für den Umgang mit den Juden. Und ich sage es mit Max Liebermann, ich kann nicht so viel fressen, wie ich k…… möchte.

Ich als deutsche Christin bin zutiefst beschämt.

Bleiben Sie dran, bleiben Sie mutig, bleiben Sie laut, lassen wir uns nicht einschüchtern.

Sie sind nicht allein.

Herzliche Grüße aus Potsdam.

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