Wir müssen uns distanzieren!

„Ich bin schockiert über diese schreckliche, abscheuliche Tat. Das ist ein Terroranschlag in jeder Hinsicht. Wir müssen den Terrorismus gemeinsam bekämpfen, unabhängig davon, von welcher Seite er kommt.“

Diese Aussage stammt vom israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, nachdem ein israelischer Terrorist einen mörderischen Brandanschlag auf eine arabische Familie verübt hatte. Netanjahu erklärte, „alle Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um die Mörder zu fangen und sie so bald wie möglich vor Gericht zu bringen.“

Die Siedlerin schrieb damals:

„Schreckliche Nachrichten erreichen uns an diesem Morgen. Ein Terroranschlag wurde im arabischen Dorf Duma in Samaria verübt. Nach ersten Erkenntnissen der Armee bzw. der israelischen Medien drangen gegen 4 Uhr morgens mindestens zwei maskierte Personen in das arabische Dorf ein und warfen offenbar einen Brandsatz/Molotow-Koktail in zwei Gebäude am Dorfrand, und sprühten auf diese Hassbotschaften in Hebräisch. Das erste Gebäude, welches durch den Brandsatz ausbrannte, stand leer. Im zweiten Gebäude schlief eine Familie – Vater, Mutter und zwei Kinder, darunter ein anderthalb Jahre altes Baby, Ali Dawabshe. Sie wurden vom Brandsatz überrascht, das Haus fing schnell Feuer. Das ältere Kind wurde von den Eltern aus dem Haus herausgezogen. Als nach Angaben die Mutter versuchte, auch das Baby aus dem Haus zu zerren, gelang ihr es nicht mehr und das Kind wurde bei lebendigem Leibe verbrannt.“

Präsident Reuven Rivlin sagte:

„Das ist eine Zeit, zusammenzukommen. Die Strafverfolgungsbehörden und unser Rechtssystem werden die Mörder finden und sie vor Gericht stellen. Das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen und sich den Gewalttaten zu unterwerfen, ist so, als würde man einen Preis an Terroristen vergeben.“

Die stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely erklärte:

„Du sollst nicht morden. Das ist die vorrangige Unterweisung der Zehn Gebote. Das Judentum heiligt das Leben und bedauert alles, was mit der Verehrung des Todes verbunden ist. Das Nehmen unschuldiger Leben und die Verunreinigung der jüdischen Moral ist ein unverzeihlicher Terrorakt, den wir alle verurteilen müssen. Wir müssen alles tun, um weitere Gräueltaten gegen Unschuldige zu verhindern, wer und wo auch immer sie sind.“

An diese Worte muss ich denken, wenn ich an den Terroranschlag vom 19. Juni 2017 denke, als kurz nach Mitternacht ein Terrorist mit einem Lieferwagen im Londoner Stadtteil Finsbury Park in eine Gruppe von Muslimen fuhr, die aus einer Moschee kamen. Das ist ein Terroranschlag in jeder Hinsicht. Wir müssen den Terrorismus gemeinsam bekämpfen, unabhängig davon, von welcher Seite er kommt.

Israel ist ein Land, das sich seit seiner Gründung in einem Krieg befindet, an dessen Ende viele Feinde nur die totale Vernichtung des Staates Israels als „Endlösung“ akzeptieren können. Die Hamas zum Beispiel fordert in ihrer Gründungscharta die Vernichtung des gesamten jüdischen Volkes. Die Fatah wiederum ehrt und unterstützt Terroristen und Judenmörder. Nicht wenige arabische Minister zeigen offen ihre Verehrung für Adolf Hitler.

Trotzt dieser Gefahrenlage achtet die israelische Gesellschaft darauf, sich nicht dem Hass zu ergeben. Die Fatah und die Hamas ehrt und finanziert die Terroristen in den eigenen Reihen, nicht selten finanziert mit Geldern aus Deutschland und der Europäischen Union, Israel aber verdammt, verfolgt und verurteilt die Terroristen in den eigenen Reihen, selbst wenn sie in der Armee sind. Es gibt bisher kein einziges Beispiel in der Geschichte der gesamten Menschheit, da ein Volk, ein Land oder eine Nation sich einer vergleichbaren Bedrohung wie Israel ausgesetzt sah und dennoch an den Prinzipien der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und offenen Gesellschaft festgehalten hat. Wer einmal in Israel war und sieht, wie dort Menschen frei und gleichberechtigt leben, lieben und lachen, unabhängig von ihren politischen, sexuellen oder religiösen Orientierungen, obwohl sich das Land in einem Krieg befindet, bei dem es darum geht, sich der physischen Totalvernichtung zu verwehren, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

An Israel können wir uns ein Beispiel nehmen!

Der Terrorist vom 19. Juni 2017 muss mit aller Kraft unserer Gesetze verurteilt werden. Wir müssen alle klar und deutlich machen, dass solche Taten in unserer Mitte keinen Platz haben. Wir müssen uns moralisch distanzieren von dieser Tat, aber wir müssen uns auch zur Aufklärung der Sache, der Tat annähnern und nachforschen, wie es dazu kommen konnte. Ein gleichzeitiges Distanzieren und Annähnern ist somit die angemessene Reaktion auf diese Tat, denn sie hat selbstverständlich mit uns zu tun. Sie wurde in unserer Mitte begangen und ist somit Teil und Resultat unserer Gesellschaft.

Wir tragen Verantwortung dafür, wie wir mit dieser Tat umgehen und wir müssen überlegen, was wir tun können, um solche Taten in Zukunft zu verhindern. Wir müssen den Täter zur Rechenschaft ziehen, denn er hat sich entschieden, diese Tat zu begehen! Es war sein Wille. Es darf aber nicht unser Wille sein und er und seine Freunde dürfen niemals glauben können, dass es unser Wille ist!

Nichts, was der Täter erlebt hat, entschuligt seine Tat! Terror bleibt Terror!

Daher sagen wir nicht, die Tat hat nichts mit unserer Kultur zu tun. Natürlich hat sie das. Genau darum haben wir ja Gesetzesbücher, in denen Taten wie diese verurteilt werden. Unsere Bücher sind jedoch bewegliche Bücher. Sie wandeln sich, passen sich an, gestehen Fehler ein und ändern sich. Unsere Bücher werden immer wieder kritisiert und umgeschrieben, denn unsere Bücher sind nicht in Stein gemeißelt, sind jeder Kritik und jeder Polemik zugänglich und vor allem, sie sind nicht nur ein Buch, sie sind viele Bücher, unterschiedlich, sich teilweise widersprechend, zwar fehlerhaft, aber dafür menschlich.

Und weil wir diese Bücher haben, weil wir sagen, dass unsere Bücher nicht heilig sind, sondern menschlich, weil wir sagen, dass wir Messer der Vernunft in Ideologien stechen aber niemals Messer in Menschen, darum sagen wir nicht: Das hat nichts mit uns zu tun. Wir sagen: Das hat mit uns zu tun! Es ist unsere Verantwortung. Wir nutzen unser Wissen, unsere Bücher, unsere Menschlichkeit, um diese Verbrechen zu ahnden, damit wir nicht selber Opfer der Unmenschlichkeit werden, die wir bekämpfen. Wir schaffen das.

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