Lieber WDR, schöne Grüße von dem Schmuddelkind!

Man hat es als Blogger nicht leicht. Wenn die öffentlich-rechtlichen Medien etwas berichten, das falsch ist, kann ich noch so sehr mit Bildern, Fakten und Berichten vom Ort kommen, um zu zeigen, dass da etwas nicht stimmt, als Blogger bin ich stets das Schmuddelkind, dem nicht zu trauen ist.

Das mangelnde Vertrauen, das uns Blogger entgegengebracht wird, kann ich sogar verstehen. Es gibt echt viele Spinner unter uns. Ich zum Beispiel liebe den ESC, den CSD, das Theater, Israel und mache als Feminist in roten High Heels vor Franz Münteferig den Georg Groddeck. Wieviel spinnerter kann es noch gehen?

Schmuddelkinder sind zudem ärmer als die Elite und ihr Umgangston ist nicht selten rauer als in den guten Stuben. Tapfer im Nirgendwo hat nicht so viel Geld wie der WDR und der Ton auf meinem Blog ist nachweislich etwas gossenhafter als bei der WDR Lokalzeit. Das heißt aber nicht, dass ich, Gerd Buurmann, nicht mit der selben Hingabe und der selben Menschlichkeit am Werk bin, wie eine öffentlich-rechtliche Redaktion und die öffentlich-rechtlichen Mitarbeiter sind auch nicht mehr oder weniger objektiv als ich. Wir sind alle Menschen, mit der Ausnahme, dass ich niemanden zwinge, meine Werke zu kaufen. Der WDR schon!

Kurz nach der Demonstration „Nicht mit uns! Muslime und Freunde gegen Gewalt und Terror“ auf dem Kölner Heumarkt am 17. Juni 2017 schrieb ich unter dem Titel „Ohne Worte“:

„Heute fand in Köln die Demonstration der Muslime gegen islamischen Terror statt. Erwartet wurden 10.000 Menschen. Es kamen weniger als 1.000!“

Die Zahl hatte ich ermittelt, da ich vor Ort selbst gezählt hatte, was aufgrund der geringen Anzahl von Demonstranten leider möglich war und weil ich in Anwesenheit von Henryk M. Broder bei der Polizei nachgefragt hatte, die jedoch vor Ort sogar noch eine kleinere Menge angab. In späteren und offiziellen Angaben sprach die Polizei dann von 1.000 Teilnehmern zu Spitzenzeiten.

Die Tagesschau sprach jedoch von über 2.000 Menschen und der WDR sah sogar über 3.000 Menschen. Ich stellte daraufhin in dem Artikel „Handwerkliche Mängel“ die Frage:

„Wer zählt da eigentlich bei der ARD? Donald Trump? Ich finde das Erfinden von Menschenmassen und „alternative Fakten“ bei Donald Trump ebenso albern wie bei Lamya Kaddor. Sie offenkundig nicht. Schade. Darf ich ab sofort auch 7,50 Euro Rundfunkgebühren monatlich bezahlen und behaupten, es wären 17,50 Euro gewesen?​“

Daraufhin erhielt ich einige Nachrichten, die mir vorwarfen, ein Hetzer zu sein.

„Herr B., die AfD hat bestimmt noch einige Mitarbeiterposten für Sie frei – oder auch die Neonazi-Vereinigung „Identitäre Bewegung“ für Marktschreier wie Sie. Na, Interesse?“

„Polizeiangaben sind um 3.500. Du hättest auch ordentlich recherchieren können. Aber offenbar ist Dir Propaganda wichtiger.“

Die Polizei hatte eine solche Angabe nie gemacht. Die Veranstalter hatten lediglich behauptet, die Polizei hätte das gesagt. Als ich daher erwiderte, ich sei vor Ort gewesen und könne belegen, dass die Zahl falsch sei, kam die Antwort:

„Tja, ich wohne ein paar hundert Kilometer weg und muß mich auf offizielle Zahlen verlassen.“

Die offiziellen Zahlen kamen vom WDR und von der Tagesschau. Sie waren falsch, sorgten aber dafür, dass meine Aussagen als Lügen, Propaganda und Neonazigerede bezeichnet wurden. Das, lieber WDR, passiert, wenn Sie unsauber arbeiten, aber die Zahlung erzwingen mit der Behauptung, nur so könnten Sie objektiv sein und Fehler vermeiden. In diesem Fall waren Sie es nicht! Sie machten einen Fehler! Ich bin mal gespannt, ob ich Entschuldigungen erhalten werde.

Mittlerweile hat sich der WDR korrigiert:

So ganz stimmt diese Korrektur jedoch auch nicht, denn der WDR sprach in der WDR Lokalzeit sogar von über 3000 Teilnehmenden.

​ ​

Diese hohe Zahl verschweigt der WDR aber in diesem Bild. Das ist jetzt schon der zweite handwerkliche Mangel in weniger als 24 Stunden. Das ist schon sehr bezeichnend, wo der WDR doch gerade so viel wert darauf legt, dass alles so ganz korrekt sein muss, jedenfalls wenn es um Juden geht.

Das Erste wird am 21. Juni 2017 um 22:15 Uhr die für arte produzierte TV-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ senden und im Anschluss eine Diskussionssendung folgen lassen. In der Presseerklärung des Ersten heißt es:

„Dabei werden auch die vom WDR beanstandeten handwerklichen Mängel der Dokumentation berücksichtigt.“

Der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, Volker Herres, erklärt:

„Ich halte es für richtig, die umstrittene Dokumentation jetzt einem breiten Publikum zugänglich zu machen, auch und trotz ihrer handwerklichen Mängel. Nur so kann sich das Fernsehpublikum ein eigenes Bild machen. Die ja längst stattfindende öffentliche Diskussion bekommt so eine Grundlage, auf der sich jeder sein eigenes Urteil bilden kann.“

Welche handwerklichen Mängel genau gemeint sind, da hält sich die Presseerklärung noch zurück. Bisher wurde noch kein handwerklicher Mangel bewiesen. Wir erfahren nur:

„So enthält der Film Tatsachenbehauptungen, für die es nach jetzigem Kenntnisstand des WDR keine ausreichenden Belege gibt.“

Wofür gibt es keine ausreichenden Belege? Bisher ist es lediglich eine unbegründete Tatsachenbehauptung von Ihnen, dass es keine Belege gibt. Und überhaupt, wann werden eigentlich Diskussionen zu all den öffentlich-rechtlichen Sendungen folgen, die in der Vergangenheit Israel kritisiert haben und dabei nachweislich falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet haben? In dem Artikel „Ich klage an!“ habe ich eine lange Liste journalistischer Fehlleistungen dokumentiert. Heute erklärt WDR-Intendant Tom Buhrow:

„Das Thema der Dokumentation war und ist uns wichtig. Und je wichtiger das Thema, desto genauer muss die journalistisch-handwerkliche Sorgfalt sein. Dabei gilt: Sorgfalt vor Schnelligkeit. Wir haben den Film intensiv geprüft und ich habe entschieden, die Dokumentation und unsere handwerklichen Fragezeichen dazu transparent zur Diskussion zu stellen.“

Das sind unglaublich hochtrabende Worte, wenn man bedenkt, dass der WDR am 17. Juni 2017 die Zahl einer Demonstration von Muslimen einfach mal so verdreifacht hat und in der Korrektur am 18. Juni 2017 ein zweites Mal einen alternativen Fakt präsentierte, in dem die Angabe über den eigenen Fehler vom Vortag ein Drittel unterhalb der tatsächlichen Zahl liegt.

Hätte mein Blog den Fehler nicht so konsequent thematisiert, wäre der WDR vielleicht mit der Lüge davongekommen, so wie der WDR vielleicht auch nie die TV-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ gesendet hätte, hätte ich nicht konsequent aus meiner Gosse geschrieben.

Schöne Grüße von dem Schmuddelkind!

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Philosophie, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.