Der Zweifel macht uns menschlich

Der Zweifel macht uns menschlich. Er ist der Motor der Entwicklung. Wo der Zweifel eingeschränkt und durch verordnete Gewissheit ersetzt wird, stirbt die Freiheit, denn die Gewissheit neigt dazu, den Zweifel zu einer Gefahr für die innere Sicherheit zu erklären.

Religionen sind nicht moderat. Sie sind Zeugnisse eines Glaubens an eine einzige göttliche Richtigkeit und immer nur solange tolerant, wie sie nicht herrschen. Religiöse Fundamentalisten glauben, ihre Bücher seien von Gott persönlich geschrieben. Sie sind sich sicher, Gottes Willen zu kennen. Das ist nicht moderat.

Gewissheit ist Mord an der Möglichkeit, dass es anders sein kann. Wer jedoch zweifelt, lässt das Andere als Möglichkeit zu. Offen werden Menschen, wenn sie zweifeln!

Der Zweifel ist ein extremes Gefühl. Am besten ist er mit Humor zu ertragen. Lachen ist eine Eruption, ein Erdbeben des Körpers. Wenn schon die Festen der eigenen Überzeugungen erschüttert werden, dann am besten durch ein Lachen. Herrschsüchtige Fundamentalisten lassen den Zweifel jedoch nicht zu und erklären Menschen, die zweifeln zu Ketzern! Deshalb lachen Fundamentalisten so selten und haben eine Heidenangst vor Witzen.

Was aus einer Religion wird, wenn sie herrscht, kann zur Zeit am Islam studiert werden. Nicht der Islam ist moderat, Muslime sind moderat! In vielen islamischen Ländern sitzen moderate Muslime sogar im Knast. Nicht wenige von ihnen werden gefoltert. Einigen erwartet der Tod. Diese Menschen werden verfolgt, weil sie zweifeln. Sie zweifeln an der Regierung, die vorgibt, den Islam zu vertreten, an den Koran, der das Wort Gottes sein soll und an den Propheten, der für Gott gesprochen haben soll. Stattdessen lachen sie über den Koran und zeichnen spöttische Karikaturen. Einige kehren dem Islam sogar ganz den Rücken. Diese Menschen sitzen im Knast, geschunden, gefoltert, missbraucht. Ihr Verbrechen ist der Zweifel.

Zweifeln heißt, Mensch zu sein und offen zu bleiben für die Möglichkeit des anders sein. Zweifeln ist nicht leicht. Man braucht Verbündete, die einem helfen, tapfer zu zweifeln.

Ich unterstütze jeden Menschen, der an den Koran zweifelt, den Propheten verspottet und Witze über den Islam macht. Ich sehe darin keinen Hass, sondern liebenswerte Menschlichkeit.

Ich habe Angst vor Menschen, die nicht zweifeln, weil ich weiß, was sie mit mir machen, wenn ich ihre Gewissheit nicht teile. In Deutschland leben viele Muslime in Lebensgefahr, weil sie den Islam kritisieren. Ich habe generell Angst vor Religionen, die einen Gottestaat ausrufen. Daher sage ich ganz deutlich: Ja, ich bin islamophob, wenn damit der Islam des Islamischen Staates gemeint ist!

Nach dem Anschlag auf die Mitarbeiter von Charlie Hebdo schrieb der Focus:

„Als er von dem Massaker an den Redakteuren des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ hörte, dachte der Kölner Schauspieler und Regisseur Gerd Buurmann, 38: „Jemand müsste etwas tun.“ Müsste die Trauer zeigen über den Mord an den respektlosen Pariser Journalisten, aber auch den Zorn über die Islamisten, die hoffen, die Spottlust mit der Maschinenpistole ausradieren zu können. Buurmann überlegte kurz und entschied: Er selbst würde dieser Jemand sein, der etwas tun müsste. Als Begründung reichte ihm ein Satz: „Jeder Mensch hat das Recht, mit einer Karikatur verarscht zu werden, und dieses Recht müssen wir verteidigen.“

Ich habe Respekt vor Menschen, aber nicht vor ihren Ideologien, Religionen und Überzeugungen. Wenn jemand glaubt, ich beleidigte ihn, nur weil ich hart über den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed, Abraham oder Jesus spreche, so soll er sich beleidigt fühlen. Er soll ruhig sagen, ich sei ein Arsch. Was ist man nicht alles, wenn man zweifelt.

Ich werde nie auf das Lachen verzichten, auf das Zweifeln, Kritisieren und Verarschen von Ideen. Egal wieviel Hass ich dafür ernte. Es gibt nämlich Menschen wie Hamed Abdel-Samad und Seyran Ateş, die diese meine Freiheit unter Einsatz ihres Lebens verteidigen.

Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich Witze über seinen Glauben mache, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch ist jedoch mehr als seine Ideen!

Wenn ein Mensch wegen seiner Herkunft kritisiert wird, nennt man das Rassismus. Wenn ein Mensch jedoch für seine Überzeugung kritisiert wird, nennt man das Aufklärung. Für die Herkunft kann niemand was, für die Überzeugung jedoch schon! Das Gegenteil von Herkunft ist Zukunft! Mit jedem Schritt, den ich gehe, entscheide ich die weitere Richtung. Ich kann mich mit nicht herausreden. Jeder weitere Schritt ist meine Entscheidung.

Religionen, Ideologien und Überzeugungen dürfen jederzeit kritisiert werden! Es sind nämlich keine Ideologien und Religionen, die mit uns lachen. Es sind Menschen, die das tun!

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14 Antworten zu Der Zweifel macht uns menschlich

  1. hmh. schreibt:

    Richtig. Über wen sollte man auch sonst spotten und lästern, wenn nicht über die verlogenen Ideologien der Pfaffen und Politiker?

    • Aristobulus schreibt:

      Die Imame, Mullah und Scheichs haben Sie naturgemäß vergessen.
      Die haben Ihnen glatt 72 Jungfrauen versprochen, wenn Sie albern „Pfaffen“ schreiben..
      Aber wieder keinen Rosengarten kriegen Sie.
      Tja

  2. anti3anti schreibt:

    Politisch korrekt heißt es nicht „Zweifler“, sondern „Leugner“.

  3. Konrad Bollmann schreibt:

    Und GOTT spottet Ihrer! Denn sie „suchen“ Ihr Verderben! JESUS sagt: „ICH BIN der Weg, die
    Wahrheit u. das Leben!“ Und das hat ER auch bewiesen. Töricht, wenn Jemand meint: „Was ich nicht sehe, gibt es nicht!“ Darum „fürchte GOTT u. rufe SEINEN Namen an!“

    • anti3anti schreibt:

      Gefällt mir: Wie die Faust aufs Auge.

    • Clas Lehmann schreibt:

      Och, wenn der so wäre, dass er Gerds spottete… Hat er nichts wichtigeres zu tun?

      • Aristobulus schreibt:

        Wenn er immerhin eine Telefonnummer hätte (denn da ist vom Anrufen die Rede).
        Aber nein, man hat immer keine.
        Wer hat sich das wieder ausgedacht?

        • Aristobulus schreibt:

          … und zu klären, also sofern da was zu klären!, denn leider ist ja immer was zu klären, also zu klären wäre auch noch das mit dem Namen und dem Anrufen. Also mit dem Zusammenhang, sofern da einer. Also einer sei. Ob-.

          Weil man ja präziser-und semantischerweise und gemeinhin keinen Namen anruft, sondern jemanden anruft, nicht?, und egal, wie pathetisch oder faustäugig oder enfach gutgläubig der Herrn Bollmann diese Sache mit „fürchte GOTT u. rufe SEINEN Namen an!“ formuliert hat, ergibt sie wegen des angerufenen Namens ja keinen semantischen, religiösen, philosophischen, geistigen usf. Sinn.
          Also em>jemanden anrufen muss, soll und tut man, weil noch nie ein Name geantwortet hat, also sofern denn!, sondern immer jemand-mit Namen.

          Möglichkeit eins, die nie eintrifft: Dass er/sie antwortet.
          Möglichkeit Zwei, die immer eintrifft: Dass keiner antwortet.
          Und da gibt es wieder zwei Möglichkeiten: 2a) Dass jemand einen gehört hat, aber nicht antwortet, oder dass 2b) unter dieser Nummer keiner hört und/oder kein Anschluss ist.
          Ob dieses oder ob jenes zutrifft, lässt sich nun mal nicht nachprüfen und nicht feststellen, egal wie oft man anruft, und auch nicht, wenn man die Anrufung anders macht.

Seid gut zueinander!

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