Déjà-vu: Heinrich Heine und der jüdische Mottowagen

Ein Aufruf zu mehr jüdischer Provokation von Simone Schermann.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

So beginnt die erste Strophe des Lore-Ley-Gedichts von Heinrich Heine. Und auch fast 200 Jahre später trifft es genau das, was ich mich frage, als Jüdin in Deutschland, als deutsche Historikerin am heutigen Rosenmontag. Blicke ich auf Düsseldorf, bin ich verblüfft vom tragisch-traurigen Scheitern des ersten jüdischen Mottowagens im Düsseldorfer Straßenkarneval.

Tatsächlich ein Novum: In der Geschichte der Bundesrepublik hat es einen jüdischen Mottowagen im Karneval das bis dato nicht gegeben. Am 12.2.2018 sollte sich das ändern. Endlich? Normalität, wenn deutsche Juden auch lustig sind?

Jedenfalls entschied man sich in der Jüdischen Gemeinde zu Düsseldorf für folgendes Motto: „Heinrich Heine, geboren 1797 in Düsseldorf“. Mit dem Zusatz: „Wir feiern den größten jüdischen Sohn unserer Stadt.“

?

Staunend verglich ich den jüdischen Mottowagen mit den anderen, nichtjüdischen, „normalen“. Sind auch die dermaßen hintergründig witzig, dass man Ironie und Satire mit dem Mikroskop suchen muss und trotzdem nicht findet? Vielleicht ist Heine ja das Motto 2018 und das ist lustig und ich bin nur nicht up to date?

Doch da gibt es einen Wagen mit der „schwarzen Witwe“ Merkel. Eine mordende Spinne, die ihre Konkurrenten aussaugt. Es findet sich auch ein Schulz, der sich selbst durch den Fleischwolf dreht. Gezeigt wird gar ein russischer Bär, der es Donald Trump mit genüsslichem Grinsen gehörig von hinten in den Arsch besorgt. Das ist Karneval!

Doch was ist mit dem Heine-Wagen? Wo ist da auch nur der Hauch eines kritischen Tons, die Karikatur, der Witz, ja die Provokation im jüdischen Themenwagen? Es gibt ihn nicht. Er ist einfach nicht da. Man kann nicht einmal trotzdem lachen.

Schnitt.

Wien vor 120 Jahren: Theodor Herzl provozierte das etablierte Judentum in Wien mit seinem Theaterstück „Das Neue Getto“. Er kritisierte ihre Art des Mimikry, ihren Versuch zu scheinen, was sie nicht sind, nur um irgendwie von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert zu werden.

Und genau das ist dieser Themenwagen: Mimikry, Anpassung, Appeasement, ja Unterwürfigkeit. Er ist lieb und brav, alles, bloß kein Karnevalswagen. Ohne jeglichen Witz und Pepp, ohne ein Fünkchen Provokation, ohne Risches – kurz gesagt, ein Nicht-Themenwagen. Sein wahres Motto ist: „Schaut, was wir für Deutschland getan haben. Heinrich Heine ist doch auch Jude und sogar in Düsseldorf geboren. Habt uns doch bitte endlich lieb.“

Verständlich die Besorgnis der Funktionäre der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs. Bei Juden und Politik muss man nicht nur sehr auf Fettnäpfchen achtgeben, denn das ist schon ein Fettnapf an sich. Was also tun?

Das Fehlen von allem, woran sich irgendjemand stoßen könnte, scheint ein Symptom der Situation der Juden in Deutschland. Wenn selbst der viel beschworene jüdische Humor völlig versagt, wird es nicht nur traurig, sondern ernst. Es wurde entschieden, den Spielraum, der hier auch dem Jüdischen „gestattet“ war, einfach nicht zu nutzen. Einen Nicht-Themenwagen zu schicken ist schlimmer, als gar keinen zu schicken. Dieser ist quasi unsichtbar, nicht da. Die Juden sind gar nicht wirklich da – und schon gar nicht lustig.

Wir lernen also folgendes: Juden in Frankreich und Schweden verlassen wegen antisemitischer Gewalttaten das Land. Und Deutschland? Ein jüdischer Nicht-Themenwagen, ein „neues Getto“ auf Rädern, in dem die jüdische Provokation, die Polemik und die Stänkerei weggeschlossen ist, eine Anbiederung, die sich schon darüber freut, wenn Leute am Straßenrand „Shalom“ rufen.

Karneval ist aber kein schwacher, blinder Narr, der seinen Kopf wiegt, seufzt, bedauert und den christlichen Vermittlern nachgibt. Karneval ist in die Fresse! Und genau das traut sich der jüdische Wagen nicht. Würde die christliche Mehrheit etwa jüdische Stänkerei übel nehmen? Interessiert es uns Juden? Warum? Zum Karneval gehören Trommeln, alberne Geckerei und das Gequäk der quergehalsten Pfeife.

Die Mehrheit der Juden in Deutschland ist heute so brav wie die deutschen Frauen vor hundertfünfzig Jahren. Die Polemikerin Hedwig Dohm schrieb im Jahr 1872:

„Nie sah die Welt eine ehrbarere, bescheidenere Bewegung als diese deutsche Frauenbewegung. Eine Menschenklasse, die sich bemüht, in demütigen Wendungen zu beweisen, dass eigentlich kein ausreichender Grund vorhanden sei, sie Hungers sterben zu lassen! Eine Klasse, die um ihre Existenz wie um ein Almosen bettelt! – Wahrhaftig, ein stolzerer Sinn empört sich gegen dieses Übermaß von Bescheidenheit.“

Der jüdische Nicht-Themenwagen atmet den Geist dieser Bescheidenheit. Hedwig Dohm aber forderte mehr Stolz:

„Der Stolze mag missfallen, aber man verachtet ihn nicht. Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß des vermeintlichen Herrn.“

Zurück zu Heine. Dieser große deutsche Schriftsteller war durchaus politisch radikal. Er hatte Deutschland lediglich aus Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen den Rücken gekehrt. Wer Heine kennt, weiß um seine Liebe zu Deutschland, kennt seinen beißenden Spott, seine Provokationen. Und was macht die jüdische Gemeinde in Düsseldorf? Sie ist brutaler zu Heine als der Wagen mit dem Trump-beglückenden Putin es je sein könnte, denn sie kastriert Heine, indem sie ihn zum jüdischen Sohn ohne Attribute verdrehen.

Lassen wir Heinrich Heine das letzte Wort:

Ich hatte einst ein schönes Vaterland, Der Eichenbaum wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. Es war ein Traum. Das küsste mich auf deutsch und sprach auf deutsch – Man glaubt es kaum, wie gut es klang – das Wort: „Ich liebe dich. – Es war ein Traum.“

***

Tapfer im Nirgendwo präsentiert weitere Zitate von Heinrich Heine, um zu zeigen, was für ein brillanter Stänkerer er war, eine Stänkerei, die sich die jüdische Gemeinde im Jahr 2018 im Düsseldorfer Karneval verkniffen hat. Heine wäre mit Sicherheit über die Düsseldorfer Bescheidenheit enttäuscht gewesen, wenn nicht gar entsetzt.

Über Katholiken:

“Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.”

Über Protestanten:

“Aber wer soll da Wunder tun, dacht ich, als ich mal in Hamburg eine protestantische Kirche besah, die zu der ganz kahlen Sorte gehörte, wo nichts als braune Bänke und weiße Wände sind und an der Wand nichts als ein schwarz Täfelchen hängt, worauf ein halb Dutzend weiße Zahlen stehen. Du tust dieser Religion vielleicht unrecht, dacht ich wieder, vielleicht können diese Zahlen ebensogut ein Wunder tun wie ein Bild von der Mutter Gottes oder wie ein Knochen von ihrem Mann, dem heiligen Joseph, und um der Sache auf den Grund zu kommen, ging ich gleich nach Altona, und besetzte eben diese Zahlen in der Altonaer Lotterie, die Ambe besetzte ich mit acht Schilling, die Terne mit sechs, die Quaterne mit vier und die Quinterne mit zwei Schilling. Aber, ich versichere Sie auf meine Ehre, keine einzige von den protestantischen Nummern ist herausgekommen. Jetzt wußte ich, was ich zu denken hatte, jetzt dacht ich, bleibt mir weg mit einer Religion, die gar nichts kann, bei der nicht einmal eine Ambe herauskömmt – werde ich so ein Narr sein, auf diese Religion, worauf ich schon vier Mark und vierzehn Schilling gesetzt und verloren habe, noch meine ganze Glückseligkeit zu setzen?”

Über Juden und Christen:

“Welcher Recht hat, weiß ich nicht –
Doch es will mich schier bedünken,
Daß der Rabbi und der Mönch,
Daß sie alle beide stinken.”

Über religiöse Menschen:

„Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew’gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.“

Über den Kommunismus:

“Dieses Bekenntnis, dass die Zukunft den Kommunisten gehört, dieses Bekenntnis machte ich im Ton der Besorgnis und äußersten Furcht, und -ach! das war keineswegs Verstellung!

Wahrhaftig, nur mit Schauder und Schrecken denke ich an die Zeit, da diese finsteren Bilderstürmer zur Herrschaft gelangen werden; mit ihren schwieligen Händen werden sie erbarmungslos alle Marmorstatuen der Schönheit zerbrechen, die meinem Herzen so teuer sind; sie werden all jene Spielereien und phantastischen Nichtigkeiten der Kunst zerschmettern, die der Dichter so liebte; sie werden meine Lorbeerhaine zerstören und dort Kartoffeln anpflanzen; die Lilien, die weder spinnen noch arbeiten und doch ebenso herrlich gekleidet waren wie der König Salomo in seiner Pracht, sie werden ausgerissen werden aus dem Boden der Gesellschaft, es sei denn, sie nehmen die Spindel zur Hand; die Rosen, jene müßigen Bräute der Nachtigallen, wird das gleiche Geschick treffen; die Nachtigallen, jene unnützen Sänger, werden vertrieben werden, und – ach! – mein Buch der Lieder wird dem Gewürzkrämer dazu dienen, Tüten zu drehen, in die er den armen alten Frauen der Zukunft Kaffee und Tabak schütten wird.

Ach! Ich sehe all dies voraus, und ich bin von einer unaussprechlichen Traurigkeit ergriffen, wenn ich an den Untergang denke, mit dem das siegreiche Proletariat meine Verse bedroht, die mit der ganzen romantischen Welt vergehen werden.
Und dennoch, ich bekenne es mit Freimut, übt eben dieser Kommunismus, so feindlich er allen meinen Interessen und Neigungen ist, auf meine Seele einen Reiz aus, dem ich mich nicht entziehen kann; zwei Stimmen erheben sich in meiner Brust zu seinen Gunsten, zwei Stimmen, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen wollen, die vielleicht im Grunde nur teuflische Einflüsterungen sind – aber was immer sie seien, ich bin davon besessen, und keine Macht der Teufelsbeschwörung kann sie bändigen.

Denn die erste dieser Stimmen ist die der Logik. Der Teufel ist ein Logiker! sagte Dante. Ein fürchterlicher Syllogismus hält mich umstrickt, und wenn ich diesen ersten Satz nicht widerlegen kann, ›dass alle Menschen das Recht haben zu essen‹, so bin ich gezwungen, mich allerlei anderen Folgerungen zu unterwerfen. Wenn ich daran denke, so laufe ich Gefahr, den Verstand zu verlieren. Ich sehe alle Dämonen der Wahrheit mich im Triumph umtanzen, und schließlich bemächtigt sich meines Herzens eine großmütige Verzweiflung, und ich rufe aus: sie ist schon seit langem gerichtet, verurteilt, diese alte Gesellschaft! Möge die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen! Möge sie zerbrochen werden, diese alte Welt, wo die Unschuld zugrunde ging, wo die Selbstsucht gedieh, wo der Mensch vom Menschen ausgebeutet wurde! Mögen sie von Grund auf zerstört werden, diese übertünchten Grabstätten, in denen die Lüge und die Verderbnis herrschen! Und gesegnet sei der Gewürzkrämer, der einst aus meinen Geschichten Tüten drehen wird, um Kaffee und Tabak für die armen, alten Weiber hineinzuschütten, die sich vielleicht in unserer jetzigen Welt der Ungerechtigkeit eine solche Annehmlichkeit haben versagen müssen – Fiat Justitia, Pereat Mundus!

Die zweite der beiden gebieterischen Stimmen, die mich umstricken, ist noch mächtiger und noch infernalischer als die erste, denn sie ist die des Hasses, des Hasses, den ich gegen eine Partei hege, deren schrecklicher Gegner der Kommunismus und die aus diesem Grunde unser gemeinsamer Feind ist. Ich spreche von der Partei der so genannten Repräsentanten der Nationalität, von jenen falschen Patrioten, deren Vaterlandsliebe in nichts anderem besteht als in einer idiotischen Abneigung gegen das Fremde und gegen die Nachbarvölker, und die jeden Tag ihre Galle verspritzten… “

Über Aachen:

“Zu Aachen langweilen sich auf der Straß’
Die Hunde, sie flehn untertänig:
“Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird
Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.”

Ich bin in diesem langweil’gen Nest
Ein Stündchen herumgeschlendert.
Sah wieder preußisches Militär,
Hat sich nicht sehr verändert.

Es sind die grauen Mäntel noch
Mit dem hohen, roten Kragen –
(Das Rot bedeutet Franzosenblut,
Sang Körner in früheren Tagen.)

Noch immer das hölzern pedantische Volk,
Noch immer ein rechter Winkel
In jeder Bewegung, und im Gesicht
Der eingefrorene Dünkel.

Sie stelzen noch immer so steif herum,
So kerzengerade geschniegelt,
Als hätten sie verschluckt den Stock,
Womit man sie einst geprügelt.”

Über Köln:

“Die steinernen Häuser schauten mich an,
Als wollten sie mir berichten
Legenden aus altverschollener Zeit,
Der heil’gen Stadt Köllen Geschichten.

Ja, hier hat einst die Klerisei
Ihr frommes Wesen getrieben,
Hier haben die Dunkelmänner geherrscht,
Die Ulrich von Hutten beschrieben.

Der Cancan des Mittelalters ward hier
Getanzt von Nonnen und Mönchen;
Hier schrieb Hochstraaten, der Menzel von Köln,
Die gift’gen Denunziatiönchen.

Die Flamme des Scheiterhaufens hat hier
Bücher und Menschen verschlungen;
Die Glocken wurden geläutet dabei
Und Kyrie eleison gesungen.

Dummheit und Bosheit buhlten hier
Gleich Hunden auf freier Gasse;
Die Enkelbrut erkennt man noch heut
An ihrem Glaubenshasse.”

Über Göttingen:

„Die Stadt selbst ist schön, und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht.“

Über die deutsche Sprache:

„Er (Heines Vater) redete den Dialekt Hannovers, wo, wie auch in der südlichen Nachbarschaft dieser Stadt, das Deutsche am besten ausgesprochen wird. Das war ein großer Vorteil für mich, daß solchermaßen schon in der Kindheit durch meinen Vater mein Ohr an eine gute Aussprache des Deutschen gewöhnt wurde, während in unserer Stadt selbst jenes fatale Kauderwelsch des Niederrheins gesprochen wird, das zu Düsseldorf noch einigermaßen erträglich, aber in dem nachbarlichen Köln wahrhaft ekelhaft wird. Köln ist das Toskana einer klassisch schlechten Aussprache des Deutschen, und Kobes klüngelt mit Marizzebill in einer Mundart, die wie faule Eier klingt, fast riecht.

In der Sprache der Düsseldorfer merkt man schon einen Übergang in das Froschgequäke der holländischen Sümpfe. Ich will der holländischen Sprache beileibe nicht ihre eigentümlichen Schönheiten absprechen, nur gestehe ich, daß ich kein Ohr dafür habe. Es mag sogar wahr sein, daß unsere eigene deutsche Sprache, wie patriotische Linguisten in den Niederlanden behauptet haben, nur ein verdorbenes Holländisch sei. Es ist möglich.“

Über deutsche Patrioten:

„Deine Fahne gefällt mir nicht mehr,
Die altdeutschen Narren verdarben
Mir schon in der Burschenschaft die Lust
An den schwarzrotgoldnen Farben.”

„Fatal ist mir das Lumpenpack,
Das, um die Herzen zu rühren,
Den Patriotismus trägt zur Schau
Mit allen seinen Geschwüren.

Schamlose schäbige Bettler sind’s,
Almosen wollen sie haben –
Ein’n Pfennig Popularität
Für Menzel und seine Schwaben!“

Über den Penis:

„Gott, der Schöpfer der Natur,
Warum schuf er einfach nur
Das skabröse Requisit,
Das der Mann gebraucht, damit
Er fortpflanze seine Rasse
Und zugleich sein Wasser lasse?
Teurer Freund, ein Duplikat
Wäre wahrlich hier vonnöten,
Um Funktionen zu vertreten,
Die so wichtig für den Staat
Wie fürs Individuum,
Kurz fürs ganze Publikum.
Eine Jungfrau von Gemüt
Muß sich schämen, wenn sie sieht.
Wie ihr höchstes Ideal
Wird entweiht so trivial!
Wie der Hochaltar der Minne
Wird zur ganz gemeinen Rinne!
Psyche schaudert, denn der kleine
Gott Amur der Finsternis,
Er verwandelt sich beim Scheine
Ihrer Lamp – in Mankepiß.“

Über seine Feinde:

„Ich habe die friedlichste Gesinnung. Meine Wünsche sind: eine bescheidene Hütte, ein Strohdach, aber ein gutes Beet, gutes Essen, Milch und Butter, sehr frisch, vor dem Fenster Blumen, vor der Tür einige schöne Bäume, und wenn der liebe Gott mich ganz glücklich machen will, läßt er mich die Freude erleben, daß an diesen Bäumen etwa sechs bis sieben meiner Feinde aufgehängt werden. Mit gerührtem Herzen werde ich ihnen vor ihrem Tode alle Unbill verzeihen, die sie mir im Leben zugefügt – Ja, man muß seinen Feinden verziehen, aber nicht früher, als bis sie gehenkt worden.

Ich bin nicht vindikativ – ich möchte gern meine Feinde lieben; aber ich kann sie nicht lieben, ehe ich mich an ihnen gerächt habe – dann erst öffnet sich ihnen mein Herz. Solange man sich nicht gerächt, bleibt immer eine Bitterkeit im Herzen zurück.“

Über seine eigene Leserschaft:

“Selten habt ihr mich verstanden,
Selten auch verstand ich euch,
Nur wenn wir im Kot uns fanden,
So verstanden wir uns gleich.”

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6 Antworten zu Déjà-vu: Heinrich Heine und der jüdische Mottowagen

  1. Matt Paul schreibt:

    „Die Idee zu dem Wagen kam von Szentei-Heise selbst. „Letztes Jahr hatte die evangelische Kirche einen tollen Wagen zum Luther-Jubiläum. Nun wollten wir auch mal einen haben.“ Schließlich nutzen Institutionen den Zug um sich zu zeigen.“

    Nicht meine Vorstellung von Karneval. Riecht eher nach Marketing.

  2. caruso schreibt:

    Es ist klar, daß man H. Heine nicht unbedingt mochte. Wer hört schon gerne Wahrheiten über sich?
    Wozu nimmt die jüdische Gemeinde an so einer Veranstaltung teil? Auch wenn der Wagen lustig(er) gewesen wäre, sind die Juden dabei nicht am richtigen (oder wie ich es ausdrücken soll) Ort. Mir würde es nie einfallen daran teilzunehmen. Dabei bin ich eine total Gottlose. Es geht
    also nicht darum.
    lg
    caruso

  3. anti3anti schreibt:

    Gojim Naches ist nicht für Juden!

  4. David schreibt:

    Danke für diesen Beitrag!
    Ich habe nur kopfschüttelnd gesehen, was da die Jüdische Gemeinde da veranstaltet hat. Warum bloß so etwas? Die müssen völlig weggetreten gewesen sein. So viel Appeasement war selten, alles völlig unnütz, hirnlos. Wobei ich davon ausgehe, daß viele Zuschauer gar nicht wissen, wer Heinrich Heine war. Und selbst wenn: Ein Wagen der Jüdischen Gemeinde im Karnevalszug???
    Das machen die Moslems anders, und ich gehe daher davon aus, daß auch in diesem Jahr das doch die allermeisten bewegende Thema eben NICHT angesprochen wurde. Und ich denke da an Dinge wie Charly Hebdo. Alles Heuchler.
    Vor so einem Hintergrund wird der jüdische Wagen noch viel irrer.

  5. Die Idee eines jüdischen Motivwagens ist auf so vielen Ebenen falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.
    Für jemanden, der weit weg von Köln lebt, könnte es so aussehen, als würden die arischen Wagen keine jüdischen Themen dulden.
    Dass der Wagen auch noch schlecht umgesetzt wurde gibt der Sache bloß den Rest.

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