Das ist nicht okay, Jan!

Ich bin dafür, dass jemand, der unter 50 Jahre alt ist und dessen beide Eltern nicht in Deutschland geboren worden sind, die nächste deutsche Bundeskanzlerin wird.

Das schrieb Jan Böhmermann auf Twitter. Unter dem Tweet sammelten sich schnell die verschiedensten Kommentare. Manche schlugen sogar ein paar Kandidatinnen vor. Benedikt Brechtken zum Beispiel schlug Ivanka Trump vor und zeigte damit auf ironische Weise, dass am Ende nicht Geschlecht und Herkunft über den Charakten eines Menschen entscheiden, sondern Worte und Taten.

Benedikt Brechtken ist Vorsitzender der Jungen Liberalen für den Kreis Recklinghausen. Er ist ein Verfechter liberaler Werte und erklärter Gegner aller rassistischen und sexistischen Diskurse. Neben Brechtgen kommentierten auch Menschen den Tweet von Jan Böhmermann, die nicht die Werte von dem jungem Liberalen teilen. Einer davon heißt Martin Sellner. Er ist Sprecher der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich.

Sellner und Brechtken sind ideologisch meilenweit voneinander entfernt. Jan Böhmermann aber schrieb auf Twitter:

Es dauert im Netz knapp 12 Stunden, bis rechtsextreme Empörungstrigger von der FDP Recklinghausen bis zu den Kernfaschos der Identitären Bewegung durchgereicht werden. Wie schnell, anonym und einfach läuft es andersherum? Und wie oft ist das in den letzten 5 Jahren geschehen?

Jan Böhmermann brachte einen jungen Mann, der für liberale und demokratische Werte streitet, in schädigender Weise mit einer rechtsextremen Ideologie in Verbindung und insinuierte so eine ideologische Verbindung.

Benedikt Brechtken spricht sich auf Twitter offen gegen rechtsextreme Tendenzen aus und kämpft gegen antisemitische Strukturen in der deutschen Politik. Ausgerechnet diesem jungem Politiker unterstellt Jan Böhmermann eine politische Nähe zu einem, wie er sagt „Kernfascho“.

Das ist nicht okay, Jan!

In der Politik geht es um Macht. Die Frage nach dem Umgang mit Macht ist daher ein notwendiges moralisches Thema für jeden politischen Menschen. Mediale Reichweite ist Macht. Je mehr Reichweite ein Mensch hat, umso mächtiger ist er. Wer die Macht hat, Teil des Sprachrohrs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu sein, bekommt dadurch extrem viel Reichweite.

Durch das ZDF hält Jan Böhmermann ein Megaphon in der Hand, dem er den größten Teil seiner über zwei Millionen Follower auf Twitter verdankt. Wer so eine Macht inne hat, kann damit anderen Menschen empfindlich schaden. Diese Macht zu missbrauchen, ist für Menschen, die etwas in der Gesellschaft bewegen oder verändern wollen, so verführerisch wie unmoralisch.

Jan Böhmermann hat diese Macht missbraucht und einen jungen Politiker, der sich gegen Hass und Hetze stellt, in ein schädigendes Spottlicht gestellt, auf das über zwei Millionen Menschen blicken.

Ich spüre, dass Jan Böhmermann ein Mann ist, dem Anstand und Fairness viel bedeuten. Darum gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass er sein Megaphon nutzt, um seinen Missbrauch wiedergutzumachen und vor allem, um öffentlich bei Benedikt Brechtken um Entschuldigung zu bitten.

Sollte ich mit meinem Gespür daneben liegen, sollte das ZDF darüber nachdenken, dem Jan das Megaphon wegzunehmen.

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16 Antworten zu Das ist nicht okay, Jan!

  1. Berny schreibt:

    Hatten wir doch schon mal.
    Zwar nicht Bundeskanzlerin aber Reichskanzler.
    Somit ein alter Hut.
    War Österreicher und Vegetarier.
    Allso das gewünschte Anforderungsprofil muß nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal sein.

  2. anti3anti schreibt:

    Ivanka Trump ist super!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  3. zweitesselbst schreibt:

    Ja, die Unterscheidung wird leider immer wieder getrübt. Hab grad vorhin gelesen, dass Trump die Demokraten als extreme Linke bezeichnet.

    • Und was ist daran falsch?Abschaffung der Grenzen,Knäste und Porfit war z.b eine Forderung des Shootingstars Cortez.
      Sanders bezeichnet sich selbst als Sozialist usw.
      Demokraten verhindern überall wo sie an der Macht sind eine Wählerkontrolle und verhindern ewo sie nur können eine Zusammenarbeit der Polizei mit der Einwanderungsbehörde.
      In New York müssen sie aufpassen Illegaler zu sagen,das kann ihnen jetzt als Hassrede ausgelegt werden.Dafür erlaubte man illegalen einen Führerschein zu bekommen(mit dem man leicht wählen kann).

  4. docorana schreibt:

    Böhmermanns Ziel ist es, nach „rechts“ auch die „Mitte“ zu diskreditieren. Auch „Liberal“ ist für ihn und seinesgleichen etwas was weg muss. Wie kann man diesem Einheizer Anstand und Fairness zuschreiben?!

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Ich finde es deutlich erkennbar, dass er nicht aus Boshaftigkeit unfair ist, sondern aus Mangel an Selbstreflexion, was leider passiert, wenn man zu nah an die Macht kommt. Um das zu verstehen, braucht man sich nicht mal durch das ganze „Herr der Ringe“ gelesen zu haben.

      • A.S. schreibt:

        Ich glaube ja auch nicht an das Böse, sondern an Inkompetenz.

        Aber bei Bömi stellt sich die Frage, ab wann die Verweigerung von Selbstreflexion als Boshaftigkeit gewertet werden muss. Fehler macht jeder, aber wer sich weigert diese zu korrigieren oder auch nur anzuerkennen, der muss anders bewertet werden.

  5. Nestor Machno schreibt:

    Am Rande: Auch wenn das auf Teile der Identitaeren Bewegung zutreffen mag, Martin Sellner halte ich nicht fuer rechtsextrem. Habe bisher zumindest nichts von dem vernommen, was darauf schliessen laesst. So jemanden wie ihn nennt man, glaube ich, „national-konservativ“.

    (Ganz anders z.B. Goetz Kubischek, den ich sogar einen Nazi nennen wuerde, was bei mir nicht so leicht ueber die Lippen kommt)

  6. bm98600 schreibt:

    Nach längerer Beobachtung des Herrn Böhmermann samt seinen Aktionen und Äusserungen bin ich dezidiert dafür, ihm das Mikrofon weg zu nehmen.

  7. bobyleff schreibt:

    Wenn Böhmermann diesem schwierigen Thema überhaupt nicht gerecht wird, sollte er seinen – sicher gut bezahlten – Posten sofort verlieren und sich erstmal angemessen (fort)bilden!!
    Allerdings fürchte ich, daß es in den „Medien“ noch weitere solche „Unbedarfte“ gibt.

  8. A.S. schreibt:

    „Ich bin dafür, dass jemand, der unter 50 Jahre alt ist und dessen beide Eltern nicht in Deutschland geboren worden sind, die nächste deutsche Bundeskanzlerin wird.“

    Historisch gesehen trifft das übrigens auf einen gewissen Herrn Schicklgruber zu. Aber derartiges stört Bömi natürlich nicht, schließlich hat er ein eingebautes reines Gewissen. Und er ist der lebende Beweis dafür, das der ÖRR politischen Aktivisten eine große Bühne bietet und für deren Agitation auch noch bezahlt.

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