Wenn es dann klatscht, ist es kein Applaus!

Am 16. April 2020 erklärte Ranga Yogeshwar bei Maybrit Illner, die zu dem Thema „Konsequent gegen Corona – können wir schon lockerlassen?“ geladen hatte:

„Quarantäne, Abstand, Masken – das sind Maßnahmen des Mittelalters. Wir leben 2020. Wir könnten intelligent und schnell sein.“

Ranga Yogeshwar hat recht. Wir könnten in unserem Kampf gegen das Virus durchaus moderner sein. Zu der Modernen gehören viele Errungenschaften der Aufklärung. Neben der Freiheit der Wissenschaft sei besonders die Emanzipation der Menschen genannt. Dazu gehört vor allem die Emanzipation der Frau.

Wir leben 2020. Wir könnten intelligent und schnell sein.

Es wird leider viel zu wenig darauf hingewiesen, dass mit der momentanen Schließungen der Schulen und Kitas gerade Frauen besonders belastet werden.

Es ist kaum zu glauben, aber noch bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts war es laut Bürgerlichem Gesetzbuch jedem Ehemann gestattet, das Arbeitsverhältnis seiner Ehefrau zu kündigen, wenn sie seiner Ansicht nach der Arbeit im Haushalt nicht ausreichend nachkam. Dieses Gesetz war Ausdruck einer Zeit, in der eine Person aufgrund ihres Geschlechts dazu gezwungen werden konnte, gewisse Arbeiten zu vollrichten. Männer hatten in den Krieg zu ziehen und Frauen hatten die Hausarbeit zu vollführen.

Diese Zeiten sind vorbei. In der modernen Welt sind alle Menschen frei und haben das Recht, nach ihrer Vorstellung von Glück zu streben. Diese Überzeugung hat uns in kurzer Zeit so intelligent und schnell gemacht, dass wir heute fliegen können und alle ein Weltwunder des Wissens und der Kommunikation in der Hand halten.

Gerade in der Corona-Krise hilft uns dieses Weltwunder in besonderer Weise. Dennoch fallen wir im momentanen Versuch, die Krise zu bewältigen, hier und da in alte Muster zurück. Dazu gehören all jene Methoden, die Frauen besonders belasten. Diese Diskriminierung sollten wir nicht hinnehmen.

Stattdessen sollten wir als Gemeinschaft jene Berufe besonders wertzuschätzen, die gerade jetzt in dieser Krise besonders wichtig sind. Neben der Informationstechnologie gehört dazu auch die Betreuung von Kindern, Alten und Kranken. Diese Pflegeberufe werden nach wie vor überwiegend von Frauen ausgeübt.

Die Pflege-Branche ist so wichtig wie die IT-Branche. Sie sollte auch so wertgeschätzt werden.

Sollte sich nicht spätestens nach der Corona-Krise die finanzielle Stellung der Pflege- und Betreuungsberufe verbessern, sollten wir uns nicht wundern, wenn das nächste Klatschen, das wir um 21 Uhr hören, kein Applaus ist.

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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