„Mein Herz schlägt ruhig, aber ich bin richtig entsetzt, fassungslos. Das sollen Sie hören!“

Seit November 2020 ist der Spielbetrieb an den Theatern in Deutschland eingestellt. Schon davor waren die Spielstätten über Wochen geschlossen. Sie durften nur für einige Zeit unter starken Einschränkungen und Auflagen, sowie mit deutlicher Reduzierung des Publikums öffnen.

Seit über einem Jahr gibt es in Deutschland kein echtes Theaterleben mehr.

Johannes B. ist Bühnenschauspieler und von dem Berufsverbot für Theater besonders betroffen. Daher organisiert er regelmäßig Demonstrationen in Köln, auf denen er sich kritisch mit den Maßnahmen auseinandersetzt, die von den deutschen Regierungen zur Bekämpfung des Coronavirus‘ erzwungen werden. Über die inhaltliche Ausrichtung sagt er:

„Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen mit dem, was tatsächlich geschieht, da ist eine große Kluft zwischen. (…) Es gilt die Unschuldsvermutung. Und es ist nunmal mein Körper und wenn ich sage „Nein“, dann hat mir da niemand dran rumzufummel, weder mit einem Läppchen, noch mit einer Spritze.“

Über die Atmosphäre auf den Demonstrationen, auf denen er sich seit Monaten befindet, sagt er:

„Bei uns geht es ganz und gar friedlich zu. Die Demos sind angemeldet. Wir haben eigentlich einen ganz guten Kontakt zur Versammlungsbehörde, auch zu den Polizisten vor Ort, das ist ganz friedlich. (…) Es tragen auch alle diese Tücher im Gesicht, außer sie haben Atteste. Das wird dann auch immer kontrolliert. Also alles ist, wir machen es so geschmeidig, diesen ganzen Irrsinn und Wahnsinn machen wir so geschmeidig mit, wie das irgendwie geht. (…) Die Herzenswärme, die da ist, die lässt mich ganz gut wieder, wie sagt man, Resilienz finden, also wieder Steh-auf-Männchen sein, die Herzenswärme unter den Menschen. Die Menschen dort sind so friedlich. Was immer in der Tagesschau kommt, ist, sage ich, inszeniert. Die großen Demos, es ist so eine schöne, stärkende Atmosphäre.“

Diese Beschreibung beißt sich mit manchen negativen Aussagen über die sogenannten „Querdenker“. Diese jedoch sind ihrerseits oft recht einseitig, bewertend und ideologisch gefärbt. Es herrscht ein großes Misstrauen.

Persönlich bin ich bisher an den Kölner Demonstrationen gegen die geltenden Anti-Corona-Maßnahmen immer nur zufällig vorbeigekommen. Manchmal blieb ich stehen und hörte zu, wenn es mir meine Zeit ermöglichte. Es sind Demonstrationen im Stil des offenen Dialogs, bei denen so ziemlich jeder Mensch, der etwas sagen oder präsentieren möchte, das Mikrophon bekommt. Dies führt dazu, dass es Wortmeldungen aus den unterschiedlichsten politischen Lagern gibt. Ich habe sowohl Beiträge gehört, von denen ich was gelernt habe, als auch welche, bei denen ich nur den Kopf schütteln konnte. Bei einigen Wortmeldungen wurde ich sogar wütend und wenn ich eine Aussage gar nicht mehr ertragen konnte, habe ich den Platz verlassen.

Es ist im Grunde wie bei einer typischen Talksendung im Fernsehen. Da bin ich auch immer mindestens bei einem Gast völlig anderer Meinung. Nicht selten schüttele ich sogar über die Moderation den Kopf. Immer öfter schalte ich ganz einfach weg, so wie ich eben einfach einen Platz verlasse.

Am 10. April 2021 verließ auch der Schauspieler Johannes B. den Platz einer Demonstration auf dem Rudolfplatz in Köln, allerdings nicht freiwillig.

Es war eine Demonstration, bei der unter hundert Demonstrierende anwesend waren, was vermutlich dem Regenwetter geschuldet war. Der Regen war jedoch nicht der Grund für Johannes B. zu gehen. In einem Interview bei „Der heiße Brei“ erklärt er den Grund:

„Es kamen also zwei Ordnungsamtler auf mich zu und forderten, mein Attest einzusehen. Ich trage keine Maske aus gesundheitlichen Gründen. Das ist gut belegt. Es gibt da überhaupt keinen Zweifel dran und ich hatte ein gültiges Attest; ich sage, ich habe immer noch ein gültiges Attest, denn die Kurzversion ist: Es wurde konfisziert. Das Ordnungsamt hat es eingeleitet. Die Polizei hat sich da, wie ich meine, zum Büttel machen lassen, aber das müssen die Menschen vor Ort selbst erkennen. Die Menschen vor Ort kennen mich gut, weil sie mich auch bei meinen Demos, wenn ich das leite, sehr gut beobachten. Das weiß ich. Plötzlich war dann mein Attest futsch. Ich bekam von irgendjemandem, den ich nicht kannte, einen blauen Durchschlag und eine Asservatennummer. (…)

Ich hatte vorher schon durch das Mikro gehört, jemand erzählte durch das Mikro, dass ihm gerade sein Attest konfisziert worden ist. Dann sagte ich zu den Ordnungsamtlern, zu Mann und Frau waren das, sehr große Menschen, ich bin nicht so groß, aber für mich sind sie sehr groß und sagte: „Ich habe gehört, das sie die Atteste konfiszieren. Das möchte ich nicht. Ich brauche dieses Attest um zum Beispiel im Supermarkt meine Lebensmittel zu kaufen.“ Und dann nickten beide und sagten: „Ja, wir möchten es nur sehen.“ Das war eine glatte Lüge. Das weiß ich heute.

Der eine drehte sich mit meinem Attest nach hinten weg, vom Ordnungsamt ging zur Polizei, die zahlreich vertreten war. Die Andere hatte mein Personalausweis in der Hand und dann bekam ich das Attest nicht wieder, denn sie hatten mit Blick auf den Namen des Arztes schlichtweg entschieden, das Attest sei ein Beweismittel in einem Strafverfahren gegen meinen Arzt. (…)

Dann war das Attest futsch. Es war hochgradig demütigend, insbesondere schlimm, weil mich Teile der Polizistinnen und Polizisten wirklich seit November mindestens kennen, seit ich die Demos am Heumarkt leite und wissen, dass ich jede Demonstration mit dem Satz beginne: „Ich begrüße alle Menschen hier auf dem Heumarkt, ausdrücklich alle!“ Und ich meine immer alle. Ich meine alle Ordungsamtler, alle Polizisten, alle Teilnehmer, alle Passanten. Ich begrüße immer aller Menschen auf dem Heumarkt und sage auch immer wieder während meiner Moderation: „Wir wuppen das Ding hier immer gemeinsam.“ Und zwar meine ich damit die ganze Coronakiste.

Wir machen das hier gemeinsam. Es geht nicht darum, einander auszuschließen, in Konflikt zu geraten, also Konflikt in dem Sinne, dass wir einander bekriegen. Sondern es geht darum, diesen Auftrag, den wir ja hier nun durch das Leben gestellt bekommen haben, friedlich gemeinsam zu lösen. Da hat sich in den Monaten viel Vertrauen meinerseits auch aufgebaut und das wurde gestern massiv erschüttert. (…)

Ich blieb dort stehen. Ich meine, es war annähernd eine halbe Stunde, sollte mich nicht vom Fleck rühren. Es war also richtig kalt. Ich machte so ein paar Schritte hin und her, aber ziemlich auf dem Fleck. Dann wurde ich angeraunt: „Bleiben Sie stehen!“ „Jetzt ist aber gut hier.“ Und dann habe ich Platzverweis bekommen, denn ich hatte ja kein gültiges Attest mehr bei mir. (…)

Das Attest wurde mir entwendet und dann wurde mir gesagt: „Sie haben kein Attest. Sie müssen gehen.“ Punkt. Und dann stand ich da. Und weil es mein Naturell ist, die Sache nicht weiter zu eskalieren, sondern grundsätzlich den Menschen auch in der Uniform zu erkennen, habe ich es nicht eskaliert, sondern habe schlichtweg dem Menschen, der mich dort am Besten beobachtet hat über die Monate, habe ihm schlichtweg gesagt, warum ich mein Attest denn habe und er hat das gehört. Er hat mich verstanden. Und im Moment hatte ich das Empfinden, da sehe ich einen Mann, der noch ein paar Jahre älter ist als ich, aber ähnlich meines Alters, der irgendwann mal zur Polizei gegangen ist, um zu schützen. Das glaube ich dem komplett. Der ist zur Polizei gegangen, um bei den Guten zu sein. Und der hat im Moment verstanden, er schützt die Bösen.

So klar müssen wir es benennen. Denn was hier geschieht, das ist Rechtsbruch, der unfassbar ist. Alles, was um diese Maskenproblematik geht, dass Kindern diese Tücher ins Gesicht gezwungen werden. Vor zwei Jahren wäre das noch als Kindesmisshandlung aufgenommen worden, also da wären Eltern den Kindern weggenommen worden. Heute wird es durch, tja, seltsame Kräfte in der Welt als gut benannt. Also den Mann, da bin ich mir sicher, den habe ich als Menschen erreicht, aber ich weiß nicht, welche Konsequenzen er zieht.

Der Platzverweis geht nur von der Polizei aus. Sie machen das als Amtshilfe. Deshalb sage ich, sie machen sich da, meines Erachtens, zum Büttel, denn dieses Ordnungsamt ist hochbewaffnet. Die haben diese Elektroschocker im Halfter. Die kratzen auch gerne am Halfter rum. Die benehmen sich wie Polizei. Die stehen da rum, kommen immer zu nah, also sie sind immer auf dieser, auch jenseits von Corona wäre das zu nah. Du stehst in der Intimsphäre eines dir unbekannten. Das tust Du nicht. (…)

Dann wurde ich vor die Auswahl gestellt, also entweder ich gehe selbst, ich erhalte einen Platzverweis oder, wenn ich den nicht befolge, dann komm ich ins Gefängnis. Und dann sagte ich: „Vielen Dank. Ich bin entsetzt.“ Ich habe mehrfach gesagt: „Ich bin entsetzt.“ Dann sagte er zu mir: „Kommen Sie mal runter. Ich kenne Sie doch ganz anders.“ Und ich: „Ich bin aber entsetzt. Das dürfen Sie hören. Mein Herz schlägt ruhig, aber ich bin richtig entsetzt, fassungslos. Das sollen Sie hören!“ Und das hat er. Das haben auch die anderen. Aber das Ordnungsamt zeichnet sich immer dadurch aus, wenn es menschlich wird, dann rennen die weg. Das halten die nicht aus.“

Eine weitere Teilnehmerin erklärte auf Nachfrage:

„Mir wurde mein Attest schon aus der Hand gerissen, mein Mann und ich voneinander separiert, usw. Horror! Wenn ich jetzt Polizei oder Ordnungsamt sehe, dann sehe ich zu, dass ich Land gewinne, und das trotz gültigem Attest!“

Die Schilderungen wurde an die Polizei in Köln geschickt. Sobald eine Stellungnahme vorliegt, wird sie hier veröffentlicht:

„Vielen Dank für Ihr Interesse an der Arbeit der Polizei Köln. Ihre Anfrage beantworte ich Ihnen wie folgt:

Das besagte Attest wurde aufgrund von Ermittlungen des Kriminalkommissariat 51 der Polizei Köln, wegen des Verdachts der Ausstellung unrichtiger Gesundheitszeugnisse, sichergestellt/beschlagnahmt. Für weitere Informationen bitte ich Sie, sich – aufgrund der Pressehoheit – an die Staatsanwaltschaft Köln zu wenden.“

Die Schilderungen wurde ebenfalls an die Staatsanwaltschaft Köln geschickt. Sobald eine Stellungnahme vorliegt, wird sie hier veröffentlicht:

(Die Polizei hat sich telefonisch gemeldet und erklärt, die Staatsanwaltschaft habe gebeten, dass die Polizei das mit mir klärt.

Der Polizist am Telefon erklärte mir, das Attest sei eingezogen worden, weil gegen den ausstellenden Arzt ermittelt werde. Auf die Frage, warum die Person des Platzes verwiesen wurde, obwohl noch kein Vergehen bewiesen sei und somit doch eigentlich die Unschuldsvermutung gelten müsste, erklärte der Polizist, es sei eine besondere Ausnahmesituation aufgrund von COVID und daher müsse besonders entschieden vorgegangen werden. Das sei, so erklärte er mir, seiner Meinung nach auch im Sinne der Bürgerschaft.

Auf die Frage, was denn die Polizei gemacht hätte, wenn der Betroffene das Attest nicht in altmodischer Form auf Papier, sondern in digitaler und rechtsgültiger Form auf seinem Handy gehabt hätte, so wie man heute auch seinen Personalausweis digital mit sich führen kann, vermutete die Polizei, dass es dann wohl nicht so einfach gewesen wäre, das Attest einzuziehen.

Auf meine Frage, ob es nicht schwierig sei, es aus gesellschaftlicher Angst vor einem Virus mit den Grundrechten vielleicht nicht ganz so genau zu nehmen, erklärte der Polizist, dass diese philosophischen Abwägungen wichtig seien, er aber versichern könne, dass die Polizei immer im Rahmen der Rechtmäßigkeit handeln würde.

Auf die Frage, warum die Situation gerade mit einem Menschen eskalieren musste, der der Polizei als außerordentlich kooperativ bekannt ist, erklärte der Polizist, dies werde nach Möglichkeit schnell auch mit der betreffenden Person geklärt.)

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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5 Antworten zu „Mein Herz schlägt ruhig, aber ich bin richtig entsetzt, fassungslos. Das sollen Sie hören!“

  1. Rune schreibt:

    Ausgerechnet Herr Buurmann kritisiert andere Meinungen als einseitig und bewertend…

  2. Für uns im Wendland hat der Look down schon seid 2013 begonnen. der schock war die groko die niemand gewählt hat…seid dem haben rechechen 7 bis 8 jahre ergeben das Berlin 1996 deutschland occupiert haben indem sie den Bundestag errichteten ein teritorial eines Imperiums.obwohl der 2 plus 4 vertrag berlin Nur erlaubt als hauptstadt MIT einer bedingungslosen kapitulation. nun sitzt die 5 Macht in Berlin die Nie Kapituliert hat und sie DFingieren die Ministerien nur. es sind keine Ministerien da sie Ohne gebietsansprüchhe fungieren die Unsere sind . Nein sie benutzen unsere Körper als Gebiete und machen was sie wollen. Jedes Gericht unterliegt EIN Impressum (ein gericht hat NIE ein Impressum) DER rUNDFUNKSTAATSVERTRAG DIE GLEICHGESCHALTETEN mEDIEN die uns NUR voll Ballern mit LÜGEN
    ja die Alliierten von Adolf hitler sind die POLIZEI die SS und die Antifa die sa
    wir erinnern das Königsberg unser essen unsere statt ist und die ostgebiete Pommern unser osten ist das will Polen uns nie wieder geben und unsere POLITIKER haben es sich schon untereinander ausgezahlt unsere gebiete VERSCHERBELT

  3. erwinrosskopf schreibt:

    „Seit über einem Jahr gibt es in Deutschland kein echtes Theaterleben mehr.“ Kann ich nicht bestätigen. Allein das hier dargebotene Stück – ich glaube, es hat den Titel „Das große Mimimi“ – ist doch clowneske Komödie, inklusive Auftritt der Narren, vom Feinsten. Wenn man nicht aufpaßt, lacht man sich tot.

  4. philantrop schreibt:

    „Berufsverbot“? Es gibt kein Berufsverbot. Einfach mal bei der Wahrheit bleiben, auch wenn sie nicht so melodramatisch klingt.

    „Johannes B.“, der nicht einmal mit vollem Namen genannt wird, nun wiederum jammert über sein mutmassliches Gefälligkeitsattest, denn den Grund mag er hier nicht nennen auch wenn es „gut belegt“ sei.

    Und ein anderer Schauspieler läßt sich vor den Karren der „Querdenker“ spannen, die nur quer entlang des Brettes vor dem Kopf denken und von „Unschuldsvermutung“ stammeln…

    Eigentlich überaus peinlich und nur noch mit „Lagerkoller“ erklärlich.

  5. Nestor Machno schreibt:

    Die Maske ist ja nun wohl das allerkleinste Problem bei der ganzen Choose. Wer sich darueber aufregt, laeuft Gefahr, sich laecherlich zu machen und gar nicht mehr ernst genommen zu werden.

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