Häagen-Dazs oder Ben & Jerry’s

Ben & Jerry’s hat via Twitter angekündigt: „Wir glauben, dass es nicht mit unseren Werten vereinbar ist, dass Ben & Jerry’s Eiscreme in den besetzten palästinensischen Gebieten (OPT) verkauft wird.“

Was genau meint Ben & Jerry’s mit dem Begriff “besetzte palästinensische Gebiete“?

Meint Ben und Jerry‘s damit vielleicht die West Bank? Von diesem Ort wird schließlich behauptet, Israel halte ihn seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt oder würde dort „illegale Siedlungen“ bauen. In der deutschen Sprache wird dieses Gebiet auch Westjordanland bezeichnet, was schon zeigt, wer bis 1967 die Hoheit über dieses Land hatte: Jordanien.

Im Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 wurde es von Jordanien besetzt und 1949 völkerrechtswidrig annektiert. Nur Großbritannien und Pakistan haben die jordanische Hoheit über das Westjordanland jemals anerkannt. Von diesem Gebiet aus wurde Israel 1967 angegriffen, und kein Recht der Welt kann dem Staate Israel ernsthaft sein Recht auf Verteidigung absprechen.

Bevor die West Bank im Jahr 1949 von Jordanien annektiert wurde, war sie allgemein als Palästina bekannt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass es eine palästinensische Regierung und Verwaltung gab. Es gab schließlich nicht einmal den Ausdruck „palästinensisches Volk“. Im Jahr 1949 wurde der Begriff „Palästinenser“ vielerorts sogar als Synonym zu Jude verwendet. Als Begriff für ein arabisches Volk der Palästinenser hielt das Wort erst sehr viel später Einzug in den Nahostdiskurs und gehört seitdem zu den vielen angeblich neutralen, aber in Wahrheit sehr einseitigen, Propagandavokabeln.

Palästina war der Begriff, mit dem der Völkerbund, der seit 1922 das Gebiet verwaltete, das Land und alle dort leben Menschen, ob christlich, muslimisch, jüdisch oder heidnisch, beschrieb. Auf der Konferenz von Sanremo im Jahr 1920 wurde das Gebiet an Großbritannien übertragen mit dem Auftrag zur Realisierung des Völkerbundmandats für Palästina. Auftrag des Mandats, das am 24. Juli 1922 ratifiziert wurde, war die Hilfe zur „Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“. Zu dieser Entscheidung kam es, nachdem das Reich, das vorher über das Gebiet geherrscht hatte, untergegangen war. War es Palästina? Nein. Es war das Osmanischen Reich.

Im Ersten Weltkrieg unterlag das Osmanische Reich den alliierten Mächten, was dazu führte, dass im Namen des Völkerbundes das Osmanische Reich aufgeteilt wurde, um neue unabhängige Länder zu etablieren. Selbstverständlich konnte bei dieser Entscheidung nicht der jüdische Teil der Bevölkerung übergangen werden, der schon seit biblischen Zeiten in dem Gebiet lebt. Nach Jahrhunderten der Unterdrückung und der Diskriminierung, besonders auch durch muslimische Machthaber (die bekanntesten Pogrome an Juden durch Muslime in der Zeit sind die Nabi-Musa-Unruhen, die Unruhen in Jaffa und das Massaker von Hebron), forderten viele Juden unter dem Begriff Zionismus schließlich nichts weiter ein, als das Recht, das für alle anderen Menschen der Welt selbstverständlich war und ist: Sie beanspruchten Sicherheit in den Grenzen einer selbstverfassten Nation. Sie beanspruchten Unabhängigkeit. Sie beanspruchten Land.

Der damalige britische Außenminister Arthur James Balfour unterstützte den Wunsch der Zionisten und schrieb einen Brief für „die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“, der als Balfour-Deklaration in die Geschichte einging. Der Völkerbund nahm sich dieses Ansinnens an und wählte ein Gebiet, in dem diese „nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ entstehen sollte. Das Gebiet umfasste dabei nicht einmal 0,5% des ganzen arabischen Raums.

Im Jahr 1947, also nach dem Zweiten Weltkrieg, bei dem sich die Situation von Juden im Nahen Osten noch mehr verschlechtert hatte, (unter anderem verbündete sich der Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, mit Adolf Hitler im gemeinsamen Anstrengen, alle Juden der Welt zu vernichten), wurde ein Teilungsplan der Vereinten Nationen, der Nachfolgeorganisation des Völkerbundes, vorgelegt, in dem sich die jüdische Seite schließlich sogar mit nur einem Viertel des eh schon kleinen Gebiets zufrieden gab:

Die restlichen drei Viertel gingen zu zwei Dritteln an das halbautonome Emirat Transjordanien, aus dem später das heutige Land Jordanien wurde. 75 Prozent des Gebiets Palästina gehört somit heute zu Jordanien. In der Logik von Ben & Jerry‘s dürften sie dort eigentlich keine Eiscreme hin verkaufen, da sie ja glauben, dass es nicht mit ihren Werten vereinbar ist, dass Ben & Jerry’s Eiscreme in den besetzten palästinensischen Gebieten verkauft wird. So weit aber geht Ben & Jerry’s dann doch nicht. In Amman gibt es diverse Orte wo es Ben & Jerry‘s zu kaufen gibt.

Wie wäre es mit einer neuen Geschmacksrichtung? Ben and Jerry‘s Yummi Swastika Double Standard!

Als am 29. November 1947 im Namen der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit sowohl der israelischen als auch der arabischen Seite die Gründung jeweils eines unabhängigen Staates angeboten wurde, nahm die israelische Seite dieses Angebot an, obwohl es nicht einmal 20% des anfänglich in Aussicht gestellten Landes war. Die arabische Seite jedoch verweigerte die Annahme ihres unabhängigen Landes. Stattdessen engagierte sie sich zusammen mit Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien in einem gemeinsamen Krieg zur Vernichtung des neu gegründeten Israels.

Als im Jahre 1948 Israel gegründet wurde, erklärte die arabische Welt Israel den Vernichtungskrieg. In dieser Zeit fanden auch viele schreckliche Pogrome in muslimischen Ländern gegen Juden statt, u.a. die Pogrome von Aleppo, Kairo und Aden. Viele Angriffe auf Israel wurden auch von der durch Jordanien extra zur Vernichtung Israel annektierten West Bank unternommen. Im Sechstagekrieg 1967 brachte Israel dieses Gebiet unter Kontrolle und konnte so die Angriffe aus dieser Region beenden. Seitdem hält sich das Gerücht, Israel hielte dieses Land besetzt, ein Gebiet, das vorher von Jordanien in der Absicht, Israel zu vernichten, annektiert worden war und das in der Zeit des Mandats durch den Völkerbund für eine jüdische Nation vorgesehen war.

Wenn wir uns somit die Geschichte der Region anschauen, die Ben & Jerry’s als „besetztes palästinensisches Gebiet“ bezeichnet, so sehen wir, dass dort erst das Osmanische Reich geherrscht, dann der Völkerbund verwaltet, dann Jordanien annektiert und dann Israel das Gebiet unter Kontrolle geholt hat. Wie kann man Ben & Jerry’s da guten Gewissens von „besetzten Gebieten“ sprechen? Von wem hält Israel das Land besetzt? Von Jordanien, das es zur Vernichtung Israel annektiert hat? Vom Osmanischen Reich, das es nicht mehr gibt? Von wem?

Der größte Teil Palästinas ist unter jordanischer Kontrolle. Warum stört dass Ben & Jerry’s nicht? Was ist der Unterschied zwischen Jordanien und Israel? Israel ist ein jüdisches Land. Das scheint Ben & Jerry’s zu stören. Ich schlage daher eine weitere neue Geschmacksrichtung vor: Ben & Jerry’s AntiseMint. Ich habe im Netz sogar schon ein Design gefunden:

Übrigens, erst im Jahr 1988 gab Jordanien seinen Anspruch auf einen kleinen Teil Palästinas auf. Dieser Teil ist heute als West Bank bekannt. Seit 1993 werden Teile des Gebiets von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwaltet ohne gültige Erklärung, die Existenz Israels anzuerkennen. Im Jahr 2005 wurde Mahmud Abbas zum Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde gewählt. Seine Legislaturperiode endete am 9. Januar 2009. Seitdem hält er sich ohne Legitimation an der Macht. Abbas sagte einst:

„In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.“

Im Jahr 2015 bezeichnete Abbas den Mord an einem israelischen Ehepaar durch palästinensische Terroristen als „heldenhaft“. Nicht wenige Judenmörder und deren Familien bekommen von Abbas Regierung stattliche Renten für ihre terroristischen Bluttaten.

Am Tag der 47-Jahr-Feier der Partei von Abbas sprach Mufti Muhammad Hussein, den Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt hat, folgende Worte in die jubelnde Menge: „Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

Die Regierung von Abbas ist vollkommen illegitim. Es hat nie eine völkerrechtliche Anerkennung der Annexion des palästinensischen Gebietes durch Jordanien gegeben. Die arabische Seite hatte 1947 das Angebot der Vereinten Nationen auf einen eigenen Staat abgelehnt. Das Osmanische Reich existiert nicht mehr. Es gibt daher nur einen Vertrag, der die momentane Situation regelt: Das Völkerbundmandat.

Wenn es somit Besatzer in diesem Konflikt gibt, dann sind es Jordanien und die Palästinensische Autonomiebehörde.

Warum aber spricht Ben & Jerry’s nicht bei Jordanien oder der palästinensischen Autonomiebehörde von illegalen Besatzern? Weil Ben & Jerry‘s von einer typischen Doppelmoral besessen sind. Sie verlangen von der israelischen Seite etwas, was sie von den anderen Parteien nicht erwartet. Für das Verhalten, den jüdischen Staat anders zu behandeln, als alle anderen Staaten, von Juden mehr zu verlangen, als von allen anderen Menschen, gibt es eine Bezeichnung: Antisemitismus!

Dem Kampf gegen Antisemitismus hat der US-amerikanische Unternehmer Reuben Mattus ein wunderbares Denkmal gesetzt. Im Jahr 1961 gründete er zusammen mit seiner Frau Rose in New York die Speiseeisfirma Häagen-Dazs.

Reuben Mattus wurde am 5. März 1921 an Bord der SS Vestris nach New York geboren. In den USA stieg er früh in das Speiseeisgeschäft seines Onkels ein. In Brooklyn lernte er seine spätere Ehefrau Rose Vesel kennen. Im Jahr 1936 heirateten sie in New York. Im Jahr 1961 gründeten sie ein eigenes Unternehmen für Eiscreme und nannten es Häagen-Dazs.

Auf die Frage, was Häagen-Dazs bedeute, erklärte Reuben Mattus es sei ein Kunstwort, das an Dänemark erinnern solle, weil Dänemark als einziger europäischer Staat die Juden während des Zweiten Weltkriegs gerettet habe: „Das einzige Land, das die Juden während des Zweiten Weltkriegs rettete, war Dänemark, so setzte ich einen komplett fiktiven dänischen Namen zusammen und ließ ihn registrieren.“

Auch heute noch, werden Juden in manchen Ländern dieser Welt diskriminiert und verfolgt. Es gibt Länder und Gebiete, in denen keine Juden leben dürfen. Der Gazastreifen zum Beispiel ist ein Gebiet das, um ein grausames deutsches Wort zu verwenden, „judenrein“ ist. Es gibt zudem eine Menge Länder, die lassen keine Israelis Land. Es gibt sogar Länder, die lassen keine Menschen ins Land, wenn sie in Israel waren.

Mehrere Länder haben gegen mich ein Einreiseverbot ausgesprochen, weil ich in Israel war. So ein Pech! Ich kann nicht das bunte Nachtleben Libyens erleben. Die Schwulen- und Lesbenszene im Sudan muss auch ohne mich auskommen. Ich kann nicht mit Feministinnen im Auto um die Blocks von Saudi Arabien ziehen. Und das alles nur, weil ich in Israel war! Syrer können mich zu Hause besuchen, ich jedoch nicht mehr Syrer in ihrem Haus.

Ben & Jerry’s aber kritisiert Israel. Dabei ist Israel ein Land, dass allen Juden bedingungslos Schutz zusichert. Heute ist Israel das, was Dänemark im Zweiten Weltkrieg war, ein sicherer Hafen für Juden.

Häagen-Dazs hat einem sicheren Hafen für Juden ein Denkmal gesetzt. Ben & Jerry’s jedoch boykottiert heute einen sicheren Hafen für Juden. In der Zeit, in der Dänemark Juden Schutz bot, gab es ebenfalls viele Menschen, die zum Boykott von Juden aufriefen. Sie sahen so aus:

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

https://www.paypal.me/gerdbuurmann

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
Dieser Beitrag wurde unter Amerika, Antisemitismus, Deutschland, Europa, Israel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Alle Kommentare werden nur zeitlich begrenzt veröffentlicht!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s