Eine Reaktion auf alle, die mich diffamieren

Immer wieder bekomme ich harsche Reaktionen von Menschen, die gereizt sind, weil ich es gewagt habe, sie darauf hinzuweisen, dass auch in ihren eigenen Reihen Strukturen zu finden sind, die Antisemitismus möglich machen.

Am heftigsten spüre ich diesen Gegenwind, wenn ich meine Kritik an etablierte Parteien, Organisationen und Amtsträger richte. Wenn ich allein daran denke, was mir vor einiger Zeit meine Kritik in Richtung der SPD für Schmähungen eingebracht hat, bin ich gelassen, gegenüber dem Dreck, der aus Ecken kommt, in denen zwar manch ein Schmierfink hockt, der aber keinerlei Amt und Würden hat, um mir wirklich schaden zu können.

Schmähungen von machtloser Seite interessieren mich nicht. Sie verletzen mich nicht. Sie interessieren mich nicht mal. Ich trete im Machtgefüge nicht nach unten. Ich kritisiere nach oben, Menschen die Macht haben, Parteien, die regieren und Organisationen, die staatlich finanziert werden.

All diese Instanzen können mir wirklich schaden, aber das hindert mich nicht, meine Kritik zu äußern. Wer Macht hat, muss Kritik aushalten.

Verleumdungen von unten packen mich nicht an. Verleumdungen aus vermeintlich anständigen Kreisen treffen mich dafür viel mehr.

„Wenn wir den Antisemitismus wirklich besiegen wollen, dann müssen wir bereit sein, auf die dunklen Seiten unseres eigenen Herzens zu schauen.“

Diese Worte stammen von Elie Wiesel. Für mich bedeutet diese Forderung folgendes:

Wenn es schon Antisemitismusbeauftragte in Deutschland gibt, dann sollte jede Partei einen eigenen Antisemitismusbeauftragten haben und die einzige Aufgabe dieser Person sollte darin besteht, den Antisemitismus in der eigenen Partei zu benennen und zu bekämpfen.

Es gibt Antisemiten, die felsenfest davon überzeugt sind, nichts gegen Juden zu haben und doch unterstützen sie eine Politik, die für Juden gefährlich ist oder werden kann. Sie befinden sich in einer Kultur, in der entscheidende und gefeierte Persönlichkeiten ihrer eigenen Kultur-Geschichte mit höchst judenfeindlichen Aussagen aufgefallen sind, zum Beispiel Martin Luther und Voltaire. In einem solchen Umfeld kann es passieren, dass in bestgesinnter Absicht eine judenfeindliche Politik befördert wird.

Menschen mit Regierungsverantwortung tragen, wie das Wort schon sagt, deutlich mehr Verantwortung als eine Partei, die nur die Position der Opposition kennt. Daher ging meine Kritik in den letzten Jahren auch oft an Parteien, die schon mal im Bund oder in einem Land in Regierungsverantwortung waren.

Sigmar Gabriel von der SPD, der einst Außenminister Deutschlands war und den Judenhasser Mahmud Abbas öffentlich seinen „Freund“ genannt hat, Martin Schulz von der SPD, der eine Rede, die die bösartige Legende von jüdischen Brunnenvergiftern zum Inhalt hatte, als „inspirierend“ bezeichnet hat, Claudia Roth von den Grünen, die sich fröhlich mit Judenhassern gezeigt hat und Jürgen Möllemann von der FDP, der gegen Israel hetzte, tragen alle deutlich mehr Verantwortung als die Figuren der AfD, die von einem „Mahnmal der Schande“ reden und vom „Vogelschiss in der Geschichte“ faseln.

Es macht einen großen Unterschied, ob eine zutiefst und überall kritisierte Opposition sich im Wort vergreift oder ob eine mit politischer Entscheidungsmacht versehene Instanz durch Worte und Taten Fakten schafft. 

Wenn ein deutscher Außenminister einen Judenhasser seinen Freund nennt, dann verblasst alles, was die Opposition von sich gibt, besonders, wenn der Außenminister einer Partei angehört, die ich mal gewählt habe, während die Opposition einer Partei angehört, die ich nicht gewählt habe.

Meine Entscheidung, besonders vor der eigenen Tür und in den Ecken der Macht zu kehren, hat mir einige Diffamierungen eingebracht. Es gibt sogar Menschen, einige von ihnen mit politischen Ämtern versehen, die behaupten, ich sei auf der Seite ihrer Feinde und zwar auf der Seite jener hasserfüllten Menschen, die nicht müde werden, mich persönlich zu bedrohen. Aber das ist wohl der Preis. Ich bin bereit, ihn zu zahlen.

In jeder Partei gibt es politische Strömungen, die für Juden gefährlich sind. Es gibt jedoch Menschen, die verurteilen Antisemitismus nur dort, wo es sie selber nicht betrifft. Sie wollen lediglich gut dastehen. Sie wollen zeigen, wie gut sie sind, indem sie andere Menschen verurteilen. Ginge es ihnen wirklich darum, die zum Teil unerträgliche Situation für Juden in diesem Land zu bekämpfen, sie würden das tun, was Elie Wiesel von uns verlangt, nämlich in die dunklen Herzen der eigenen Seelen zu schauen.

Es ist ekelerregend, wenn Menschen, die der AfD nahestehen, nach einem Angriff auf Juden darauf hoffen, der Anschlag möge aus dem islamischen Umfeld kommen, nur um dann laut zu lamentieren, während sie bei anderen Angriffen auf Juden schweigen. Es ist erbärmlich, wenn Menschen, die dem Islam angehören, jede Auseinandersetzung mit ihrem Glauben als Ideologie von sich weisen, wenn ein Angriff auf Juden von dem Täter selbst mit den Lehren des Islams gerechtfertigt wurde. Es ist selbstgerecht, wenn linke Politikerinnen und Politiker einen Anschlag auf eine Synagoge ausnahmslos dafür nutzen, gegen eine rechte Partei zu hetzen.

Beim Kampf gegen Antisemitismus müssen wir verstärkt auf jene Instanzen schauen, die mit politischer Macht ausgestattet sind.

Ein Gericht, das in einem Anschlag auf eine Synagoge „kein Anhaltspunkt für eine antisemitische Tat“ erkennen kann, eine Polizei, die eine Wohnung in Duisburg stürmt, um eine Israelfahne zu entfernen, islamische Länder, in denen Juden von Staats wegen verfolgt werden und eine Organisation wie die Vereinten Nationen, die Israel öfter kritisiert und verurteilt als alle anderen Länder der Welt zusammen, all diese Instanzen schaffen in Worten und Taten ein Klima, in dem Judenhass gedeihen kann. Diese Instanzen müssen kritisieren werden, weil sie sind mit einer gewissen Macht ausgestattet sind.

Es ist nicht leicht, auf die eigene Nachbarschaft und tief in das eigene Herz zu schauen, aber es ist notwendig. Der Kampf gegen Judenhass ist kein Instrument der eigenen moralischen Selbsterhöhung, es ist stets auch eine schmerzhafte Selbstkritik.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

https://www.paypal.me/gerdbuurmann

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
Dieser Beitrag wurde unter Nachrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Eine Reaktion auf alle, die mich diffamieren

  1. Johannes Schumann schreibt:

    Ich finde den Antisemitismus der Mächtigen (Steinmeier, Maas, Gabriel, Merkel) schlimmer, weil er gebilligt wird. Ja, auch die Merkel. Als Trump die Botschaft nach Jerusalem verlegte, hat Merkel so reagiert wie man vermutet hat. Aber sie hat ja noch was obendrauf gepackt: Sie legte eine besondere Verve an den Tag, hat in Bukarest angerufen, um die traditionell israelfreundlichen Rumänen davon abzuhalten, es dem Trump gleich zu tun. Und wer so eine Verve an den Tag legt, hat ein schlimmes antisemitisches Problem.

    Frage: Was hat das alles mit Robert Schumann zu tun? Ein Bild seiner Statue in Zwickau verwenden Sie ja. Ich widme mich zur Zeit seinem sinfonischen Werk und bin begeistert vor allem von seiner vierten.

  2. Nestor Machno schreibt:

    Verbirgt sich hinter „Soso“ eigentlich wieder mein Held, Europas bester Bahnschrankenwaerter, der Knoten – Sepp? Mit Ihnen habe ich noch ein Huehnchen zu rupfen! Die nette Dame in der Ulfenmuehle kannte gar keinen Sebastian Knoth! Und ich stand da wie ein Idiot mit meinem selbst gebackenen Kuchen in der Hand! Und auch der Trainer gleichen Namens fiel aus allen Wolken, als ich ihm erzaehlte, wer da unter seinem Namen was verbreitet. Der Arme wollte glatt die Polizei holen. (Keine Sorge, konnte ich ihm ausreden). Aber bleiben Sie lieber bei „Leila“ oder „Soso“ oder „Claudi Roth“. Und vor allem: Bleiben Sie uns wohlgesonnen und schauen Sie ab und zu mal vorbei. Hier gibt es mindestens einen, der sich immer riesig ueber Ihr Erscheinen freut!

  3. Aufrechter Demokrat schreibt:

    Lieber Gerd Buurmann, bleiben Sie tapfer!

  4. Petti schreibt:

    Sie setzen sich in Ihrem Textbeitrag mit Leuten auseinander die Sie diffamieren.
    Ich denke aber das Sie dazu neigen jedem der Ihnen widerspricht nachzusagen das er Sie lediglich diffamiert.
    Gestern schon während unseres kurzen Austauschs haben Sie gezeigt das Sie nicht bereit sind sich inhaltlich mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen. Hier schreiben Sie das Ihnen vorgeworfen wird auf der Seite von hasserfüllten Rechtsradikalen zu stehen und das Sie bereit sind diesen Preis zu bezahlen. Aber ob der Vorwurf zutrifft gehen Sie gar nicht erst darauf ein.

    Ich denke das man Sie durchaus als Extremisten bezeichnen könnte, da Sie extreme Ansichten propagieren und extrem agitieren. Habe ich Sie Ihrer Meinung nach soeben diffamiert?

    Sie sagen das Sie vor Ihrer eigenen Haustüre kehren.
    Aber auch diese Aussage von Ihnen beruht auf einer haarsträubenden Fehlinterpretation, wie schon zuvor als Sie über israelische Rechte auf arabisches Land gesprochen haben.
    Die Redewendung „vor der eigenen Haustüre zu kehren“ bedeutet nicht gegen die eigenen Landsleute zu hetzen. Wenn Republikaner die Demokraten als Linksradikale bezeichnen die Amerika hassen und es zerstören wollen, wenn deutsche Rechtsradikale über die Grünen behaupten die wollten Andersdenkende in Umerziehungslager stecken, kehren die dann vor der eigenen Haustüre? Natürlich nicht.
    Vor der eigenen Haustüre bedeutet das eigene handeln und das handeln derer denen man sich verbunden fühlt hin und wieder auch mal kritisch zu betrachten, etwas was Ihnen vollkommen wesensfremd ist. Können Sie meine Argumente nachvollziehen?

    • Aufrechter Demokrat schreibt:

      Welche extremen Ansichten hat Herr Buurmann denn geäußert?

    • heinzjaskolla schreibt:

      Juden zu verteidigen, wo sie dem Antisemitismus ausgesetzt sind, auf Seiten Israels zu stehen – das ist extremistisch, so scheint es für Sie zu sein, werte(r) Petti.
      Antisemetismus kompromißlos zu verurteilen, ob von CDU, SPD, FDP. der Linken, AfD, ob von den Kirchen oder dem Islam – extremistisch. Sie bemerken nicht einmal, wie sehr Sie Ihren eigen Extremismus damit offenbaren – ein Extremismus der ideologischen Gewißheiten, der Unfähigkeit,, Kritik in der Sache (denn Kritik am Antisemitismus und der Aussonderung Israels ist per se sachlich, da sie eine irrationale Unsachlichkeit angreift) als solche zu akzeptieren, ohne den Kritiker zu diffamieren, in dem hilflosen Versuch, von eben der Sach abzulenken, hin ad hominem, aus tiefer argumentativer Schwäche.
      Ihr Post ist ein Beispiel der kaum verhaltenen Wut, am Schlaffitchen ertapt worden zu sein.

  5. Bernd L.Müller schreibt:

    Gerd Buurmann, bleib aufrecht. Deine Meinung sind pure Fakten. Wer das nicht ertragen kann oder will soll in den Keller gehen.

  6. Soso schreibt:

    Warum sind ~15Mio „Auserwählte“ weltweit unbeliebt? Es gibt sogar Antireligiöse, deren antireligiöse Gefühle laufend von Religiösen verletzt werden, ggf. ermordet werden, kriegen die 6Mio Jahre Knast?

Sämtliche Kommentare sind nur ein paar Tage sichtbar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s