Die Stadt Köln hat geantwortet

Am 15. Oktober 2021 stellte ich folgende Frage an die Stadt Köln bezüglich der Religionsfreiheit:

„Hiermit bitte ich um Klärung der Frage, in welcher Zeit der Woche ich den folgenden Aufruf laut via elektronischer Verstärkung durch die Straßen und über die Dächer Kölns erschallen lassen darf:

„Allah ist nicht groß! Ich glaube, dass es keinen Gott gibt, auch nicht Allah. Ich erkläre, dass Mohammed kein Gesandter Gottes war. Lasst das Gebet! Auf zum besten Zweifeln! Auf zur Ketzerei! Allah ist nicht groß! Es gibt keinen Gott, auch nicht Allah.“

Am 21. Oktober 2021 erhielt ich folgende Antwort:

„Guten Tag Gerd Buurmann,

vielen Dank für Ihre Anfrage an die Stadt Köln bezüglich des Modellprojekts.

In Deutschland stellt die Religionsfreiheit ein Grundrecht dar. Es ist in Artikel 4 des Grundgesetzes verankert.

Durch europäisches Recht ist die Religionsfreiheit durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union gewährleistet.

Völkerrechtlich und gemäß internationalem öffentlichem Recht ist Deutschland u. a. aufgrund der Europäischen Menschenrechtskonvention zum Schutz der Religionsfreiheit verpflichtet. Gleichzeitig herrscht in Deutschland die Trennung zwischen Staat und Religion. Niemand darf verpflichtet werden, seine religiöse Überzeugung zu offenbaren und niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder zur Teilnahme an religiösen Übungen gezwungen werden (Art. 140 GG i.V.m. Art. 136 Abs. 3 und 4 WRV).

Seit vielen Jahren ist der Islam, wie viele andere Religionen auch, ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft. Die ersten Moscheen sind in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Seit den 1980er Jahren sind Moscheen insbesondere in Städten entstanden, die einen hohen Zuzug von Menschen muslimischen Glaubens zu verzeichnen hatten. Nach aktuellen Schätzungen leben derzeit circa 4,4 bis 4,7 Millionen Muslim*innen in Deutschland. Deshalb wurde und wird die Frage nach der Erlaubnis der Gebetsrufe an den Moscheen bundesweit immer wieder diskutiert. Bereits während der Einschränkungen zur Corona-Pandemie sind Muezzinrufe innerhalb des Stadtgebietes täglich zur Mittagszeit und während des Ramadans 2020 ebenfalls täglich zur Mittagszeit geduldet worden. Aus diesem Grund hat sich die Stadt Köln entschlossen, ein zunächst auf zwei Jahre befristetes Modellprojekt durchzuführen.

Mit freundlichen Grüßen / Im Auftrag

Ihr Diversity-Team

Meine Antwort lautet:

Sehr geehrtes Diversity-Team,

Vermutlich ist Ihnen ein bedauerlicher Fehler unterlaufen, denn Sie haben mir eine Mail geschickt, die offensichtlich für jemanden anderes bestimmt war, da dort meine Frage nicht beantwortet wird. Ich hoffe, Sie können noch ausfindig machen, für wen diese Antwort eigentlich gedacht war.

Können Sie mir bitte meine Frage beantworten? Sie lautet: Ich bitte um Klärung der Frage, in welcher Zeit der Woche ich den folgenden Aufruf laut via elektronischer Verstärkung durch die Straßen und über die Dächer Kölns erschallen lassen darf:

„Allah ist nicht groß! Ich glaube, dass es keinen Gott gibt, auch nicht Allah. Ich erkläre, dass Mohammed kein Gesandter Gottes war. Lasst das Gebet! Auf zum besten Zweifeln! Auf zur Ketzerei! Allah ist nicht groß! Es gibt keinen Gott, auch nicht Allah.“

Gerade für all die Menschen, die im Namen des Islams verfolgt, unterdrückt, gequält und erniedrigt wurden, kann es durchaus etwas bedeuten, wenn wir in unserer weltoffenen Stadt auch diesen Biographien Rechnung tragen. So werden auch die Interessen der hier unter dem Islam leidenden Menschen vertreten und ihre individuelle Geschichte mit dem Islam akzeptiert.

Menschen, die unter einem fundamentalistischen Islam leiden, viele von ihnen hier geboren, sind fester Teil der Kölner Stadtgesellschaft. Wer das anzweifelt, stellt die Kölner Identität und die individuellen Leidensgeschichten infrage. Wenn wir in unserer Stadt neben dem Ruf des Muezzins auch den Ruf der Kritiker des Islams hören, zeigt das, dass in Köln Vielfalt geschätzt und gelebt wird.

Meine Frage lautet: Wann darf die in Wort und Ton laut verstärkte, regelmäßige und friedlich vorgetragene Ablehnung des Islams über Köln erklingen?

Alles Liebe, 
Gerd Buurmann

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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