Gib dem Wolf eine Banane!

Es haben zwar noch nicht alle Länder ihr Lied für den Eurovision Song Contest 2022 im italienischen Turin diesen Mai gewählt, aber von den bisher ausgewählten Liedern steht mein Favorit bereits fest. Das Lied tritt für Norwegen an und wird von dem Duo Subwoolfer präsentiert. Es heißt: „Give That Wolf a Banana“.

Hier der Text in meiner deutschen Übersetzung:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich es Dir gesagt habe, aber ich mag Deine Zähne wirklich, Dein haariger Mantel mit nichts darunter. Ich bin mir nicht sicher, ob Du einen Namen hast, also nenne ich Dich Keith. Ich sehe, wo Du hin gehst, aber ich weiß nicht, woher Du kommst. Ist das Speichel oder Blut, das da von Deinem Kinn tropft? Wenn Dir der Name Keith nicht gefällt, nenne ich dich Jim.

Bevor der Wolf meine Oma frisst, gib dem Wolf eine Banane!

Ich mag den Duft jeder Mahlzeit in Deinem Atem. Dieser Hunger in Dir, ich bin jetzt in Gefahr, glaube ich. Lass uns zu Oma gehen. Du sagst, Oma schmeckt am besten.

Das Lied hat mich schon an dem Tag begeistert, da es von Norwegen für den Wettbewerb gewählt wurde. Ich merke aber auch, dass dieses Lied gerade jetzt, da sich die politische Lage in den letzten zwei Wochen völlig verändert hat, das besondere Gefühl der Hilflosigkeit ausdrückt, dass sich dadurch in Europa breit gemacht hat.

Da ist der böse Wolf, an dessen Kinn Blut klebt. Unter seinem Fell ist er genauso nackt wie wir alle. Er will die Oma fressen. Und was machen wir? Wir rufen aus: Kann mal bitte irgendjemand dem Wolf eine Banane geben, damit er mit dem Scheiß aufhört?

Wir sind absolut hilflos im Angesicht der Konfrontation mit einem zähnefletschenden Wesen.

Was, wenn sich der Wolf nicht zügeln lässt? Werden wir ihn daran hindern, die Oma zu fressen? Oder werden wir die Oma opfern, in der Hoffnung, das Biest so zu beruhigen? Wie weit gehen wir, um den Wolf nicht zu provozieren?

Fühlen wir uns vielleicht sogar ein wenig angezogen von diesem wilden Wesen, das all die atavistischen Gefühle und enthemmten Gedanken zum Ausdruck bringt, die wir in zivilisatorischer Zügelung bei uns selbst unterdrücken? Wieviel Wolf steckt in uns?

All diese Assoziationen wollte das Lied nicht evozieren, aber manchmal bekommt ein Kunstwerk eine ungewollte neue Bedeutung, wenn es in einer veränderten Realität präsentiert wird.

„Give That Wolf a Banana“ ist ein Lied, das als spaßiger Beitrag für einen bunten, friedlichen Wettbewerb in Europa komponiert wurde, aber jetzt, in Anbetracht der rauen politischen Realität, wie kaum ein anderes aktuelle Kunstwerk das europäische Dilemma im Umgang mit dem Bösen darstellt.

Was ist überhaupt das Böse?

Um das zu klären, braucht es mehr als eine Banane!

***

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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5 Antworten zu Gib dem Wolf eine Banane!

  1. nouseforislam schreibt:

    Witziges Video, aber die Musik ist einfach nur gruselig. genau die Art von Mucke, die uns das Radio präsentiert. Übel.

    Gefällt mir

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