Kinder lernen in Sex-Schubladen denken

Die 11-jährige Tochter einer Freundin von mir kam heute aus einer Schule in Nordrhein-Westfalen zurück und brachte ein Arbeitsblatt aus dem Biologieunterricht der 6. Klasse mit nach Hause, auf dem diese Frage gestellt wird:

„Welche sexuelle Orientierung hat eine Trans*Frau, eine mit XY-Chromosomen geborene Person, die als Frau lebt, wenn sie auf Frauen steht?“

Können Sie diese Frage beantworten?

Mir fällt eine Antwort zwar sehr schwer, aber ich möchte es dennoch versuchen.

Meine Antwort: Homosexualität bedeutet, dass ein Mensch einen Menschen liebt, der das gleiche biologische Geschlecht hat. Ein biologischer Mann, der sich als Frau fühlt, ist nicht homosexuell. Allerdings würde ich auch nicht den Begriff heterosexuell nutzen. Wenn ich darf, möchte ich ein eigenes Wort dafür schöpfen: Eine Trans*Frau, die eine Frau liebt, ist für mich homogenderisch, weil ein biologischer Mann, der sich sozial als Frau versteht, eine Frau liebt. Meine Antwort lautet: Homogenderisch!

Ich finde das eine sehr gute Antwort. Jetzt habe ich eine Frage. Wie bitte soll ein 11-jähriges Kind darauf eine Antwort finden?

Es gibt auch eine vermeintlich richtige Antwort auf die Frage. Sie lautet „homosexuell“. Das hat das Mädchen auch geschrieben und die Lehrerin hat es für richtig erklärt. Ich habe die Antwort der Schülerin unkenntlich gemacht, weil sie Angst hat, man könne ihre Handschrift erkennen.

Das muss man sich mal vorstellen. Ein Mädchen hat Angst, man könne herausfinden, dass wegen ihr herauskommt, dann es in ihrer Schule um Sex ging.

Ich habe zudem noch eine zweite Frage: Wer hat eigentlich bestimmt, dass die richtige Antwort „homosexuell“ sein soll?

Es werden noch weitere Fragen gestellt. Ich möchte mal versuchen auch darauf zu antworten.

Welcher Gruppe gehören die nachfolgenden Personen an? Ordne sie zu.

a) Ob Lea ihren/seinen Tag als Frau oder als Mann verbringt, macht sie/er davon abhängig wie sie/er sich morgens fühlt. Manchmal als Frau, manchmal als Mann.

Meine Antwort: Ein Mensch, der sich nicht immer so fühlt, wie es von einigen Mitgliedern seines biologischen Geschlechts erwartet wird.

b) Seit Paul denken kann, fühlt sie/er sich als Frau. Ob sie/er ihr*sein biologisches Geschlecht operativ anpassen lässt, weiß sie/er noch nicht.

Meine Antwort: Ein biologischer Mann, der sich als Frau fühlt, was immer das heissen soll.

c) Tom kann mit den Geschlechterzuordnungen nichts anfangen. Tom fühlt sich weder als Mann, noch als Frau, sondern einfach nur als Tom.

Meine Antwort: Tom ist Tom.

d) Sarah würde zwar manchmal interessieren, was Männer so fühlen und denken, aber sie ist froh, eine Frau zu sein.

Meine Antwort: Sarah ist ein froher Mensch.

e) Elias versteht sich mit Mädchen viel besser als mit Jungs. Mit ihnen hat er auch viel mehr Gesprächsthemen. Das ändert aber nichts daran, dass er sich durch und durch als Mann fühlt.

Meine Antwort: Elias ist ein guter Freund.

d) Zeynep fühlt sich im falschen Körper geboren. Sie*Er möchte sich so rasch wie möglich operieren lassen, um endlich als Mann leben zu können.

Meine Antwort: Ein Mensch, der das Gefühl hat, im falschen Körper zu stecken, was ich persönlich schade finde, aber jeder darf mit seinem Körper machen, was er will.

Das sind meine Antworten. Ich finde sie gut. Allerdings hat die Lehrerin folgende Antworten für richtig erklärt:

a) transgender

b) transsexuell

c) agender

d) cis-Frau

e) cis-Mann

f) transsexuell

Ich finde diese Antworten deutlich weniger schön als meine, wenn sie auch nicht weniger falsch sind. Aber auch hier möchte ich meine beiden Fragen stellen: Wie bitte soll ein 11-jähriges Kind darauf eine Antwort finden? Wer hat eigentlich bestimmt, was die richtigen Antworten sein sollen?

Die Mutter des Mädchens sagt übrigens folgendes dazu:

„In der zweiten Klasse wurde meine Tochter gemobbt, weil sie keine Röcke trug und damit kein „richtiges“ Mädchen sei. Sie wollte ein Junge werden oder sterben. Es hat viel Liebe und Geduld gebraucht, um ihr zu zeigen, dass nicht der Rock, die langen Haare oder das liebste Spielzeug Geschlecht ausmachen. Heute kam sie verwirrt nach Hause und brachte Arbeitsblätter aus dem Biologieunterricht mit, die die Kinder scheinbar kaum verstanden oder die Lehrerin falsch erklärt hatte, da alle dieselben Antworten gaben.“

Wenn alle Kinder auf diese Fragen die selben Antworten gegeben haben, dann haben wir es eindeutig mit einer Indoktrinierung zu tun.

Warum müssen Kinder diese ideologisierten Begriffe lernen? Warum wird ihnen beigebracht, Menschen in solch lieblose Kategorien zu stecken? Warum werden die Kinder von Erwachsenen sexualisiert? Warum wird Kindern noch vor dem Frühlingserwachen beigebracht, sie könnten im falschen Körper stecken, wenn sie gewisse Gefühle haben, die angeblich nicht zu ihrem biologischen Geschlecht passen? Was sollen eigentlich diese typisch weiblichen und männlichen Gefühle sein? Warum wird eine körperliche Konversionstherapie mit chirurgischen Eingriffen als etwas so normales hingestellt? Und was bitte ist ein falscher Körper? Ist ein falscher Körper etwa sowas wie eine falsche sexuelle Orientierung?

***

Die Arbeitsmaterialien stammen von dem Unternehmen Always, das Hygieneprodukte für Frauen und Mädchen herstellt, jedoch seit einiger Zeit nicht mehr von Frauen und Mädchen spricht, sondern lieber von „Menstruierenden“ und „Blutenden“. Die Unterrichtsmaterialien zum Thema Pubertät finden sich hier.

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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7 Antworten zu Kinder lernen in Sex-Schubladen denken

  1. Nordlicht schreibt:

    Merkwürdig, daß diese Fragen und Thesen im Biologie-Unterricht vehandelt werden.
    Das ist eher etwa für Psychiatrie nach dem medizinischen Grundstudium, also etwa ab 5. Semester.
    Vorlesungen wie „Emotional-instabile u. andere Persönlichkeitsstörungen“ führen auch in den Bereich des sexuell devianten Verhaltens, wenngleich das nur bei einem kleinen Teil der dafür die Großbuchstaben-Störungen der Fall sein dürfte. Es geht wohl eher um Verunsicherung als um das Ausleben.

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  2. thomasexgotha schreibt:

    Sexualkunde steht auf dem Lehrplan in der 6. Klasse, weil es immer noch besser ist, dass die Kinder, die bald keine mehr sein werden, von ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet werden und eben nicht von Altersgenossen, dem Internet oder religiösen Dunkelmännern. Wer da von „ideologisierten Begriffen“ redet oder gar davon, Kinder würden „sexualisiert“, wird genau diese Instanzen stärken.

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  3. AxBa schreibt:

    Die Leute, die diese Indoktrination zu verantworten haben, sind skrupelose Verbrecher, die Schutzbefohlenen für ihre faschistische Ideologie benutzen. Sie gehören hinter Gitter, für lange.

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  4. oda2015 schreibt:

    Ideologieproduktion – von oben nach unten. Leider unreflektiert-kritiklos an Kinder, die dem ausgeliefert sind, weitergereicht.

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  5. Norbert Schnitzler schreibt:

    In ein paar Jahren ist überall die richtige Antwort: „Dieses Verhalten ist grenzüberschreitend und übergriffig“. Gemeint wird damit nicht sein, solche Fragebögen zu verteilen, sondern wie in den Fragen, dass Menschen mit irgendeiner Neigung, einem eigenen Interesse an Sex denken. Bis dahin werden sich die Prüden durchsetzen, die für sich überall Schutzräume fordern, und die jammern, irgendeine Arbeitsatmosphäre gebe ihnen kein sicheres Gefühl.

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  6. Hein Tiede schreibt:

    Kritiklos wird von Lehrern übernommen, was irgendwelche Schulbuchverlage ausgearbeitet haben. (Arbeitsblatt 3.2 S. 12)
    Sie funktionieren, wie Wolf Biermann einst sang:
    „Die Lehrer, die Rekrutenschinder
    Sie brechen schon das Kreuz der Kinder
    Sie pressen unter allen Fahnen
    Die idealen Untertanen
    Gehorsam – fleißig – geistig matt
    Die hab ich satt!“
    Das sage ich als ehemaliger Lehrer mit über 40-jähriger Berufserfahrung.
    So funktionierten sie auch bei der Durchsetzung der Corona-Maßnahmen.

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    • Konrad Fuhrmann schreibt:

      Wie immer man die Politik Viktor Orbans bewerten mag, dafür, daß er ungarische Kinder vor diesem Irrsinn bewahrt, gebührt ihm ein Orden. Ich bin heilfroh, daß meine Töchter ihre Schulbildung ohne diese aberwitzige Gehirnwäsche beenden durften, und hoffe, daß das Panoptikum wieder vorbei ist, wenn dereinst meine Enkel in spe die Schulbank drücken. Kein Wunder, daß Pädophilen-Versteher Rüdiger Lautmann („Die Lust am Kind“) entsprechende „diverse“ Berliner Kindergärten berät: vom geistigen zum körperlichen Kindesmißbrauch ist der Weg kurz.

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